Arbeit HausaufgabenSeite 2/2

Und dann reden wir darüber, dass die Idee der Trennung von Arbeitsort und Wohnort eigentlich eine ziemlich neue Idee sei, sie kam mit der Industrialisierung, mit den Fabriken, als Wohn- und Arbeitsort separiert wurden. Erleben wir also gerade nicht etwas Neues, sondern etwas, das bis vor zweihundert Jahren die Regel war? Hofmann sagt, es sei eine bestimmte Art der Arbeit, die gerade verlagert werde, nicht Handwerks-, sondern eben Wissensarbeit. Der erste Schwung dieser Verlagerung kam mit der Einführung von ISDN, der zweite mit Internet und E-Mail – und der letzte Schub sei mit dem Blackberry und dem iPhone gekommen.

Hofmann benutzt den Begriff "mobile Arbeit", und sie sagt auch, dass sich natürlich nicht die Art und Weise verändern wird, wie Ärzte, Polizisten, Lehrer und Bäcker arbeiten. Sie sagt, wir sprächen von "Wissensarbeitern", für die mobile Arbeit theoretisch möglich sei. Sie sagt, dass das für die Unternehmen auch aus ökonomischer Sicht interessant sei, bei mehr mobiler Arbeit könne man sich zum Beispiel Raummieten sparen. Heute arbeiten bereits Firmen wie Microsoft, IBM oder SAP in Deutschland auf diese Weise – aber auch bei VW nutzt man projektbezogen die Idee der "mobilen Arbeit". Selbst in der Landesverwaltung Niedersachsen ist Telearbeit zu einem festen Bestandteil der Verwaltungsmodernisierung geworden.

Alle Studien belegen, dass Menschen, die zu Hause beziehungsweise mobil arbeiten, produktiver sind, da sie weniger gestört würden – andererseits wollen manche Menschen gestört werden, Hofmann nennt das informelle Kommunikation, sie sei notwendig, auch um Spaß bei der Arbeit zu haben. "Und wenn Arbeit keinen Spaß macht, dann arbeitet man schlechter." Sie sagt auch, dass der Spaß und der Sinn einer Arbeit den meisten wichtiger sei als mehr Geld oder kürzere Arbeitszeiten.

Aber wie sieht sie nun aus, die Zukunft der Arbeit, Frau Hofmann? "Arbeit wird noch flexibler, noch autonomer werden."

Flexibel und autonom. Vielleicht bedeutet Entgrenzung der Arbeit am Ende so etwas wie Einsamkeit und Freiheit – jene zwei Leitmotive, die Wilhelm von Humboldt nannte, als er die Neugründung der Berliner Universität plante. 1809 war das.

Als Josephine Hofmann und ich unser Gespräch am Sonntagabend um kurz vor zehn beenden, wünscht sie mir einen schönen Feierabend. Das Wort muss ich mir wohl für die Zukunft merken.

 
Leser-Kommentare
  1. "Flexibler" bedeutet Vergrößerung der Flexibilität (aufgrund von mehr Anforderungen und Zumutungen), "autonomer" Limitierung der Autonomie - und damit nicht ihre volle Existenz: Zwar autonomer, aber nicht autonom.

  2. In meinem Beruf ist es oft Problemlos möglich, von zuhause zu arbeiten. Bei meinem letzen Arbeitgeber wurde das sogar hervorgehoben. Meine Feststellung war: Obwohl meine Heimarbeitstage meist produktiver waren als im Büro (insbesondere während der Hitzewelle) wurden die Heimarbeitstage immer als eine art Freizeit wahr genommen, die man gnädig erlaubt. Wahrgenommen wurde die Leistung, auch wenn sie geringer war, dann doch nur bei Anwesenheit.

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