ZEITmagazin: Mr. Sasson, Sie haben die Digitalkamera erfunden. Erzählen Sie uns, wie Sie auf die Idee kamen?

Sasson: Ich war 1974 vom College gekommen und hatte gerade bei einer Forschungsgruppe in den Kodak-Labors in Rochester angefangen. Da kam unser Vorgesetzter mit dieser Idee, dass wir eine rein elektronische Kamera entwickeln, die ganz ohne chemische Prozesse auskommt, ohne Film und ohne Fotopapier. Eine revolutionäre Idee damals. Ich sagte zu – obwohl ich keine Ahnung hatte, wie das gehen sollte.

ZEITmagazin: Sie waren jung und auf der Suche nach einer Herausforderung?

Sasson: Vielleicht ein bisschen. Wir stolperten jedenfalls erst mal drauflos. Als Grundlage verwendeten wir einen sogenannten CCD-Chip, ein Teil, das noch recht neu war damals und das Lichtsignale in elektrische Impulse umwandelt. Diese Impulse wollten wir auf einer gewöhnlichen Kassette speichern. Doch um sie abzuspielen, brauchte es ein Wiedergabegerät, das seinerseits an einen Fernseher angeschlossen werden musste. Eigentlich hatten wir ja vorgehabt, eine kleine, handliche Kamera zu bauen. Aber nach eineinhalb Jahren Bastelei wog unser Kasten satte sieben Pfund.

ZEITmagazin: Erinnern Sie sich an Ihr erstes digitales Bild?

Sasson: Und wie! Wir nahmen es im Dezember 1975 auf. Sie müssen sich das mal vorstellen: Während der ganzen Zeit, in der wir vorher an dem Prototyp herumgeschraubt hatten, hatte nichts darauf hingedeutet, dass es funktionieren könnte. Irgendwann sahen mein Kollege Jim Ship und ich uns an und sagten: Komm, versuchen wir’s. Wir haben dann eine junge Technikerin gefragt, ob sie für uns posieren wolle. Ich habe ein Porträt von ihr gemacht, Kopf und Schultern, weißer Hintergrund. Danach legten wir die Kassette in das Wiedergabegerät ein, und nach dreißig quälenden Sekunden poppte tatsächlich etwas auf.

ZEITmagazin: Was konnten Sie erkennen?

Sasson: Immerhin: den weißen Hintergrund und davor die Silhouette ihres langen schwarzen Haars. Es gab nur Schwarz und Weiß, keine Grautöne. Ihr Gesicht war deshalb völlig unkenntlich. Jim und ich waren trotzdem ziemlich aufgeregt. Die Technikerin war weniger beeindruckt. Sie meinte nur: Da habt ihr wohl noch einiges zu tun.

ZEITmagazin: Was gab es sonst für Reaktionen?