Karstadt Weg mit dem Muff
Weil Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick an die Zukunft von Warenhäusern glaubt, kämpft er um eine Staatsbürgschaft. Sein neues Karstadt-Paradehaus steht in Berlin-Steglitz

© dpa
Karstadt will Geld vom Staat. Renoviert das Unternehmen nicht bald seine Warenhäuser, dürfte das Unternehmen die Wirtschaftskrise nicht überstehen
Schon der Eingang wirbt um jeden Kunden: Klar und hell, erlaubt er einen Blick ins Innere. Beigefarbene Bodenfliesen heben sich edel von den dunkelgrauen Wänden ab. Indirektes Licht bestrahlt die Waren und nicht die Kunden. Ein breiter Gang lädt zum Flanieren ein.
So sieht nach der Vorstellung der verantwortlichen Manager bei Arcandor das Warenhaus der Zukunft aus. Der alte Muff weicht Übersichtlichkeit. Kaufgruften gehören der Vergangenheit an. Wurden sie nicht aufgefrischt oder grundlegend renoviert wie dieses Haus in Berlin-Steglitz, dürften sie die Wirtschaftskrise nicht überstehen.
Viele Warenhäuser sind bereits am Ende (siehe nebenstehenden Artikel). Der bislang wohl spektakulärste Fall: Fast zehn Monate lang kämpfte ein Insolvenzverwalter um die Rettung von Hertie. Die Kaufhäuser gehörten früher zu Karstadt – bis sie ein britischer Investor 2005 übernahm. Doch etliche Häuser verkamen regelrecht. Allein um behördliche Auflagen zu erfüllen, hätte ein neuer Geldgeber 25 Millionen Euro in alte Gebäude stecken müssen, fand der Insolvenzverwalter heraus. Vergangene Woche kam das endgültige Aus; alle Hertie-Häuser schließen.
Derweil spitzt sich auch bei Arcandor die Lage zu. Vorstandsvorsitzender Karl-Gerhard Eick hat die Bundesregierung um eine Bürgschaft gebeten. Sein Konkurrent Eckhard Cordes, Chef des Handelskonzerns Metro, zu dem auch die Kaufhauskette Kaufhof gehört, warnt mit Nachdruck vor einer Wettbewerbsverzerrung. Er wirbt stattdessen für eine Fusion der Warenhäuser.
Bis zum 12. Juni muss eine Entscheidung gefallen sein, denn an diesem Tag läuft eine wichtige Frist ab. Dabei geht es um die Verlängerung eines Großkredits. Die Banken wollen klare Informationen. Stattdessen kamen zu Beginn der Woche aus Berlin sehr unterschiedliche Signale.
Ablehnend gegenüber einer Bürgschaft äußerten sich vor allem einige Christdemokraten. Metro-Chef Eckhard Cordes ist Vizepräsident des Wirtschaftsrates der CDU. Sein Kontrahent Eick gab sich trotzdem nicht geschlagen. Zwar lehnt er einen Zusammenschluss mit dem Kaufhof grundsätzlich gar nicht ab. Eine Voraussetzung dafür sei aber gleichwohl eine Bürgschaft vom Staat, so Eick. Denn die Metro will die Schulden auf keinen Fall übernehmen. Eick: »Wir wollen nichts geschenkt, sondern nur eine Bürgschaft und einen Kredit, den wir zurückzahlen.«
Am Mittwoch reisten Karstadt-Mitarbeiter aus dem gesamten Bundesgebiet nach Berlin, um Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg um eine Rettung des Unternehmens zu bitten. Ansonsten bleibt ihnen nichts anderes übrig, als im Umgang mit Kunden die eigenen Sorgen zu verbergen – so wie in der Schloßstraße in Steglitz.
- Datum 03.06.2009 - 11:43 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 28.05.2009 Nr. 23
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Wie sagte jene Ina Lütke voller Überzeugung? Sie selbst und die 400 Mitarbeiter seien fest davon überzeugt, »dass unser Haus zukunftsfähig ist.«
Na dann darf man doch schon fragen, wieso es dann im Moment so aussieht, als ob es ohne staatliche Hilfe keine zukunft gäbe.
Im Abschnitt davor ist davon die Rede, daß es ein Problem ist, daß die Leute "fast nur gezielt und oft wenig einkaufen".
Ja du lieber Himmel, bei mir kaufen die Kunden nicht nur fast, sondern immer sehr gezielt ein. Na wenn gezielter Einkauf schon zum Problemfall wird, welche Vorstellungen hat man denn dann vom Kunden. Erwartet man denn den Dorfdeppen mit 60.000 Jahreseinkommen.
Mein Vorschlag: Arcandor strukturiert sich um zu einer Immobilienholding, zergliedert die Warenhäuser in kleinere Einheiten und vermietet diese dann an die TanteEmmas, die sie Jahre zuvor an die Wand gedrückt hatten. Alles wird dann wieder kleiner, überschaubarer und mit Sicherheit auch wieder effizienter. Daß dadurch auch mehr Arbeitsplätze geschaffen werden, hat obendrein noch Vorteile.
Was Kleidung betrifft ist es völlig gleichgültig in welches "große" Warenhaus man geht, überall die gleiche Art Kleidung und meist auch noch von den gleichen Herstellern. Massenproduktion ohne Ende. Meine Frau bekommt schon die Krise (sie geht auch gezielt einkaufen) weil offensichtlich außer Teeny-Größen die meiste "Auswahl" ab Größe 40 vorhanden ist. Mir geht es genauso, als Mann muss man dann schon Größe 50 akzeptieren, in 46 gibt es vielleicht Einzelstücke. Da loben wir uns doch die kleinen Boutiken und am besten noch im Ausland.
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
Was Kleidung betrifft ist es völlig gleichgültig in welches "große" Warenhaus man geht, überall die gleiche Art Kleidung und meist auch noch von den gleichen Herstellern. Massenproduktion ohne Ende. Meine Frau bekommt schon die Krise (sie geht auch gezielt einkaufen) weil offensichtlich außer Teeny-Größen die meiste "Auswahl" ab Größe 40 vorhanden ist. Mir geht es genauso, als Mann muss man dann schon Größe 50 akzeptieren, in 46 gibt es vielleicht Einzelstücke. Da loben wir uns doch die kleinen Boutiken und am besten noch im Ausland.
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
Was Kleidung betrifft ist es völlig gleichgültig in welches "große" Warenhaus man geht, überall die gleiche Art Kleidung und meist auch noch von den gleichen Herstellern. Massenproduktion ohne Ende. Meine Frau bekommt schon die Krise (sie geht auch gezielt einkaufen) weil offensichtlich außer Teeny-Größen die meiste "Auswahl" ab Größe 40 vorhanden ist. Mir geht es genauso, als Mann muss man dann schon Größe 50 akzeptieren, in 46 gibt es vielleicht Einzelstücke. Da loben wir uns doch die kleinen Boutiken und am besten noch im Ausland.
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
Wie der Name schon sagt, ein Kaufhaus ist ein Kaufhaus und mehr nicht. Ich soll bittschön dort kaufen, aber mich nicht drin aufhalten. Unsereiner ist aber einer dieser ominösen gezielt einkaufenden Zielgruppenkunden. Von daher kann ich mich dem Vorredner nur anschließen. Im Prinzip läuft der Vorschlag der Aufsplittung schon sehr gut in der Praxis, in den sog. ECE-Centern (z.B. Karlsruhe). Viele Läden (alles Spezialisten!), alle unter einem Dach, einheitliche Einkaufszeiten, attraktives Parken usw. usw. und man bleibt dort auch gerne mal für einen Kaffee sitzen (und überlegt sich den nächsten Kauf). Das Haus ist immer gut gefüllt und zwei Querstrassen weiter hatte Hertie dicht gemacht.
Denn man schaut erst mal nicht nach den günstigen Eigenmarken der Kaufhäuser, sondern nach den bewährten Marken (Preis-Leistungsverhältnis ist wichtig). Ob es die bestimmte Jeans oder der Laufschuh ist (die einfach passen), ob es der bestimmte Klamottenladen ist, der immer was pfiffiges für das Kind mit gutem Preis hat oder ob gleich noch ein guter Drogeriemarkt und Buchladen dabei ist, ich habe immer die sog. Spezialisten mit gutem Sortiment auf einem Fleck greifbar. Und ganz wichtig: Der Innenbereich lädt zum Aufenthalt ein, da die Essensläden neben den Einkaufsläden sind (Eis essen und Schaufenster schauen).
Warum sollte ich also gegenüber in den Karstadt? Denn im Kaufhaus bin ich noch nie richtig in der Bücherabteilung hängengeblieben (schlechtes Sortiment noch schlechter präsentiert), wohl aus Platzmangel fehlt meine bekannte Jeansmarke, es gibt keinen Platz zum Verweilen (ich muss also ins Restaurant im obersten Stock - was zugegeben im KaDeWe was für's Auge ist) und ich hatte zu oft das Gefühl, dass ich den Verkäuferinnen lästig bin.
In USA war schon vor über 20 Jahren das Prinzip der Shopping-Mall mit vielen Läden ein gängiges Prinzip und klassische Warenhäuser gab es kaum. Von daher: Innenbereich um die Rolltreppen herum leer räumen (Platz ist ja genug da), zum Aufenthaltsbereich umgestalten und den Rest in kleine Bereiche segmentieren (Marken- und/oder Tante Emma-Läden).
Karstadt hat doch seine Warenhäuser verkauft und dann zurückgeleast. Wer so bankrott geht, hat es sich sauber verdient. Karstadt und Konsorten sterben nicht an fehlender Kundschaft sondern an horrenden Mieten. Nur dieses Problem ist hausgemacht und kaum zu korrigieren.
tut es mir sehr leid um die Arbeitsplätze der Karstadt Warenhäuser. Ich sehe aber nicht, wieso der Staat - also wir alle - ein marodes Unternehmen, das Geld verbrannte, sich mit Fehlentscheidungen vom Markt katapultierte und nun einen massiven Geldbedarf anmeldet, finanzieren sollten.
Bei uns rotieren derzeit die Parteien im Stadtparlament und wollen Karstadt (zumindest verbal) unterstützen, der Bürgermeister trägt sich in die ausliegenden Unterschriftenlisten unter Fotoeinsatz der örtlichen Presse ein und es geht die Angst um, einer verödenden Innenstadt entgegenzusehen.
Seltsam - denn als man die Einkaufshallen vor die Stadt auf die Äcker setzte, war das kein Argument. Es scheint plötzlich sehr wichtig ein Kaufhaus zu haben und Arbeitsplätze zu sichern, die bisher niemanden weiter interessierten.
Auf mich wirkt das alles sehr hohl und nicht förderungswürdig.
tut es mir sehr leid um die Arbeitsplätze der Karstadt Warenhäuser. Ich sehe aber nicht, wieso der Staat - also wir alle - ein marodes Unternehmen, das Geld verbrannte, sich mit Fehlentscheidungen vom Markt katapultierte und nun einen massiven Geldbedarf anmeldet, finanzieren sollten.
Bei uns rotieren derzeit die Parteien im Stadtparlament und wollen Karstadt (zumindest verbal) unterstützen, der Bürgermeister trägt sich in die ausliegenden Unterschriftenlisten unter Fotoeinsatz der örtlichen Presse ein und es geht die Angst um, einer verödenden Innenstadt entgegenzusehen.
Seltsam - denn als man die Einkaufshallen vor die Stadt auf die Äcker setzte, war das kein Argument. Es scheint plötzlich sehr wichtig ein Kaufhaus zu haben und Arbeitsplätze zu sichern, die bisher niemanden weiter interessierten.
Auf mich wirkt das alles sehr hohl und nicht förderungswürdig.
Der emeritierte Volkswirt Zinn der RWTH Aachen zitierte in einem Aufsatz den Befund, dass gegenwärtig Adoleszenz zunehmend sich bis über das vierzigste Lebensjahr hinaus erstreckt; also notwendige Kenntnisse und Fähigkeiten nicht erlernt wurden, wie was zu konsumieren ist. Diesem geradezu epidemisch sich ausbreitenden Kompetenzdefizit begegnet hauptsächlich die Entlehnung neu kombinierter Elemente nordamerikanischer Shopping Malls. Ein Warenhaus demgegenüber steht somit mit diesen Adaptionen nicht in Wettbewerb, weil deren Kunden die Adoleszenz hinter sich gelassen haben und selbstständig geworden sein müssen, um sich überhaupt das Angebot eines Warenhauses erschließen zu können. Wenn man so will, sind Warenhäuser Fanale des Kindlichen und sind dadurch schon immer dem infantilen Habitus gegenüber nicht aufgeschlossen gewesen.
Das Kaufhaus als Wühltisch? Da ist der Prof aber im falschen Preissegment zugange. Karstadt war schon immer gegen den Fachhandel angetreten und nicht gegen den Wühltisch oder die Elektro-Abteilung im Baumarkt.
Dazu braucht man natürlich kompetente Verkäufer die ihre Abteilung im Griff haben. Die fallen nicht von Bäumen sondern die muss man erst mal finden oder selbst ausbilden und dann auch noch halten. Das schien mir seit je das Hauptproblem bei Karstadt zu sein.
Sieht hier so aus: bei den Haushaltswaren stehen die gleichen Damen wie schon vor zwanzig Jahren die zu jedem WMF-Löffel und jeder V&B Tasse die je hier verkauft wurden auch noch den Preis wissen und in anderen Abteilungen ist monatlicher Verkäufer-Tausch angesagt. Da hat man eher das Gefühl die Leute kommen direkt von der Baumschule. Und so läuft der Laden dann auch.
Das Kaufhaus als Wühltisch? Da ist der Prof aber im falschen Preissegment zugange. Karstadt war schon immer gegen den Fachhandel angetreten und nicht gegen den Wühltisch oder die Elektro-Abteilung im Baumarkt.
Dazu braucht man natürlich kompetente Verkäufer die ihre Abteilung im Griff haben. Die fallen nicht von Bäumen sondern die muss man erst mal finden oder selbst ausbilden und dann auch noch halten. Das schien mir seit je das Hauptproblem bei Karstadt zu sein.
Sieht hier so aus: bei den Haushaltswaren stehen die gleichen Damen wie schon vor zwanzig Jahren die zu jedem WMF-Löffel und jeder V&B Tasse die je hier verkauft wurden auch noch den Preis wissen und in anderen Abteilungen ist monatlicher Verkäufer-Tausch angesagt. Da hat man eher das Gefühl die Leute kommen direkt von der Baumschule. Und so läuft der Laden dann auch.
Bei Disputen gewinnt immer der Optimist (Hermann Hesse) *gg*
Ich hasse diese antiquierten Kaufhaustempel; war dort seit 30 Jahren nicht mehr.
In diesen gigantischen Tempeln finde ich nie, was ich grade brauche - der Zeitaufwand ist mir zu gross - zudem wirken diese Häuser unsympatisch.
Ich bevorzuge kompetente Fachgeschäfte mit Übersicht.
Das Kaufhaus als Wühltisch? Da ist der Prof aber im falschen Preissegment zugange. Karstadt war schon immer gegen den Fachhandel angetreten und nicht gegen den Wühltisch oder die Elektro-Abteilung im Baumarkt.
Dazu braucht man natürlich kompetente Verkäufer die ihre Abteilung im Griff haben. Die fallen nicht von Bäumen sondern die muss man erst mal finden oder selbst ausbilden und dann auch noch halten. Das schien mir seit je das Hauptproblem bei Karstadt zu sein.
Sieht hier so aus: bei den Haushaltswaren stehen die gleichen Damen wie schon vor zwanzig Jahren die zu jedem WMF-Löffel und jeder V&B Tasse die je hier verkauft wurden auch noch den Preis wissen und in anderen Abteilungen ist monatlicher Verkäufer-Tausch angesagt. Da hat man eher das Gefühl die Leute kommen direkt von der Baumschule. Und so läuft der Laden dann auch.
Mutet irgendwie seltsam an, dass das im Artikel beschriebene "Warenhaus der Zukunft" genauso aussieht, wie alle Warenhäuser seit den 60er Jahren. Das wirkliche Warenhaus der Zukunft dürfte in etwa so aussehen: Erdgeschoss: Suppenküche für die Hungernden, Freibankfleischerei, Rübenstrünke vom Grabbeltisch, im Untergeschoss: der große Schwarzmarkt (nach dem Shop-in-shop-Prinzip), erste Etage: Damen-Secondhand-Kleidung, zweite Etage: Schnellflickerei für marode Herren-Bekleidung. Braucht keine Staatsbürgschaft und ist zugeschnitten auf den Bedarf der neuen "Mitte" der Gesellschaft.
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