Staatsschulden Alarm zur Unzeit

Überschuldung in den USA? Die Warnung kommt vier Jahre zu spät

Der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner

Der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner

Die Staatsschulden steigen, und das erzeugt Aufregung an den Finanzmärkten. Rating-Agenturen erwägen, den Briten ihr Gütesiegel zu entziehen, und selbst an der Bonität der USA zweifeln die Profis zunehmend. Droht Amerika die Staatspleite – und dem Dollar das Schicksal des argentinischen Peso?

Das ist unwahrscheinlich. Ein starker Staat kann auch mit hohen Defiziten fertig werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die USA einen Schuldenberg von mehr als 100 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung abgetragen – mit Wirtschaftswachstum und ohne Hyperinflation. Selbst wenn die Schulden nun, wie von der Regierung geplant, in drei Jahren um unglaubliche drei Billionen Dollar zunähmen, wäre das verkraftbar, sofern dadurch die Konjunktur wieder in Gang käme. Die Schuldenquote läge dann bei rund 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Weniger als in Italien. Die Steuern würden dafür zwar auch steigen müssen, aber das ist nun mal der Preis für militärische oder finanzielle Exzesse.

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Das Problem an der Debatte über die Schulden ist, dass sie sich zu sehr auf den Staat konzentriert. Gewiss, die Amerikaner haben sich mehr Geld geliehen, als gut für sie war. Aber es waren vor allem die privaten Haushalte. Derzeit nimmt die US-Wirtschaft insgesamt sogar weniger neue Schulden auf als in den Boomjahren, sie muss sich auch weniger Geld im Ausland borgen. Der Grund: Die Bürger und Firmen sparen mehr, als der Staat zusätzlich ausgibt.

Wir brauchen also Rating-Agenturen und Behörden, die Alarm schlagen, wenn die Wirtschaft aus dem Gleichgewicht gerät – und nicht erst, wenn die Reparaturarbeiten die Staatsschulden vorübergehend treiben, so wie jetzt. Die Abmahnung hätte den USA vor vier Jahren gebührt, als sie mit im Ausland geliehenem Geld die Immobilienblase finanzierten. Die Höhe der Auslandsschulden sagt weit mehr über die Gefahr für die wirtschaftliche Stabilität aus als nur das Staatsdefizit. Damals aber verdiente die Welt an den USA und sah gern weg.

 
Leser-Kommentare
    • peto1
    • 28.05.2009 um 16:26 Uhr

    Die Abmahnung hätte den USA vor vier Jahren gebührt, als sie mit im Ausland geliehenem Geld die Immobilienblase finanzierten Als hätte sich jemand darum gekümmert wens so gewesen währe , die wahren doch alle im geldrausch so wie Haie im Fress rausch

  1. die Schuldenberge abtragen helfen könnte ist doch die essentielle Frage ob es sinnvoll ist denselben wirtschaftlichen Weg weiterzugehen der bereits oft an den Rand des Untergangs und mehr als einmal darüber hinaus geführt hat.

    Inzwischen ist doch offensichtlich, dass einige Teile der Marktwirtschaft durchaus in Ordnung sind aber mindestens ebenso viele Teile absolut wertlos. So lange nicht gewisse Korrekturen durchgeführt werden was die Einberechnung von Umweltschäden in die Wirtschaftlichkeit und stärkere Reglementierung oberer Einkommensgrenzen angeht ist es sogar gefährlich.

    Letztlich haben wir nur diese eine Welt und sie zugunsten der "Wirtschaft" zu zerstören wird letztlich die Wirtschaft selbst vernichten. Keine intakte Umwelt -> keine Menschen -> keine Wirtschaft.

    Und zu große Verteilungsungerechtigkeit führt zu Zwist und langfristig zum Bruch innerhalb der Gesellschaft. Was logisch ist, da das Sozialverhalten des Menschen ein Grundbestandteil seiner Gesellschaftsstruktur ist. Und da wird Ungerechtigkeit nun Mal nicht als unterstützenswertes Prinzip betrachtet. Weshalb sich viele zu Recht die Frage stellen warum es keine Einkommensobergrenzen gibt. Untergrenzen gibts in zivilisierteren Gegenden ja auch.

    Kein Manager könnte lange in seinem Büro arbeiten wenn nicht die Putzfrau dafür sorgen würde, dass regelmäßig sauber gemacht wird, er würde im eigenen Mist ersticken. Wie im menschlichen Organismus. Wenn nicht die Kloake den Abfall entsorgen würde, würde das Gehirn an seinen Ausscheidungsprodukten zugrunde gehen. Ohne Gliedmaßen könnte kein Gedanke umgesetzt werden und ohne Organe würde es verhungern. Kein Teil kann also ohne den anderen sein, alles ist vernetzt. Daher hat, grundsätzlich betrachtet, kein Teil einen höheren Wert als der andere. Obwohl, auf ein Gehirn können manche Lebewesen verzichten, auf Kloake und Energieversorgung jedoch kein einziges.

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