Lange Haare, Pony, sehr schmales Kleid, kniebedeckt, nackte Arme, sehr hohe Absätze: die zierliche, elegante Dambisa Moyo segelt ins Foyer des Carlton Tower in London . Die Frau fällt auf. Und entschuldigt sich artig für ihre kleine Verspätung. Kurz zuvor hat sie erfahren, dass sie von Time zu einem der einhundert einflussreichsten Menschen der Welt gekürt worden ist, seither steht ihr Telefon nicht mehr still. Im Februar kam ihr Buch in London auf den Markt, kurz darauf erschien es in Amerika , und keine acht Wochen später ist sie unter den Top 100 des US-Nachrichtenmagazins. Ihr Spitzname könnte Turbo-Moyo sein.

Dambisa Moyo, die eine astreine akademische Laufbahn und eine ebenso beeindruckende Karriere als Bankerin hingelegt hat, ist überdies ein Young Global Leader. Das sind die vom World Economic Forum als Hoffnungsträger unter 40 Jahren ernannten Männer und Frauen. Movers and shakers, wie man im Englischen sagt, Menschen, die etwas bewegen und aufmischen.

Das tut die inzwischen 40-jährige Sambierin reichlich. In ihrem Buch Dead Aid vertritt sie die These, dass der Grund allen Übels in Afrika die Entwicklungshilfe ist. Kaum war es erschienen, da fielen die selbst ernannten Afrika-Kenner aus der internationalen Bruder- und Schwesternschaft der Helfer über sie her und beklagten künftige Malariatote als mögliche Folge ihrer Ideen.

Dambisa Moyo, eine Babymörderin? Nun, wie es oft ist, hatten die Ankläger das Buch gar nicht oder nur flüchtig gelesen. Sonst hätten sie gewusst, dass Moyo darin sehr genau dargelegt hat, was sie unter Hilfe versteht – und was sie daran stört.

"Würde sich die Regierung der USA von Amy Winehouse beraten lassen?"

"Grob gesprochen gibt es drei Typen von Hilfe", sagt sie. "Humanitäre Hilfe, die bei Katastrophen wie dem Tsunami von 2004 in Asien oder dem Zyklon von 2008 in Myanmar anläuft. Dann gibt es karitative Hilfe, die von karitativen Organisationen an Institutionen oder Personen im jeweiligen Land verteilt wird. Und schließlich gibt es systematische Hilfe – das sind die direkten Zahlungen, die von Regierung zu Regierung, also bilateral, oder durch Institutionen wie die Weltbank, also multilateral, geleistet werden."

Während die Ökonomin das Verdienstvolle an der humanitären und karitativen Hilfe durchaus anerkennt, so hält sie sich doch nicht mit Kritik an ihr zurück. Sie werde oft schlecht gemanagt, habe hohe Verwaltungskosten und häufig keinerlei lokalen Bezug. So hatte etwa World Vision neun Monate nach dem Tsunami erst ein Viertel der 100 Millionen Dollar, die gesammelt worden waren, ausgegeben. "Was auch immer die Gründe dafür sind: Bürokratie, institutionelle Ineffizienz oder das Fehlen passender Partnerorganisationen am Ort?" Moyo zuckt die Schultern.

Ihr missfällt, dass "sich in westlichen Köpfen die irrtümliche Idee festgesetzt hat, dass Hilfe, in welcher Form auch immer, eine gute Sache ist". Als Beispiel nennt sie einen afrikanischen Moskitonetzhersteller, der infolge gut gemeinter Hilfe seine kleine Manufaktur zumachen muss und 150 Menschen um ein Auskommen bringt, weil an jedem der zehn Mitarbeiter, typisch für Afrika, die Versorgung von zehn bis fünfzehn Menschen hängt. Sind die vom Ausland gestifteten Netze irgendwann hin, gibt es keinen Nachschub – die lokale Fabrik existiert dann ja nicht mehr.