Rattle über Haydn »Ich bin verrückt nach ihm«Seite 4/4
ZEIT: Eignet sich Haydn gut für die Erziehung eines Orchesters?
Rattle: Es ist grässlich, wenn Dirigenten das behaupten. Als ob wir es mit einer Art musikalischem Aerobic zu tun hätten.
ZEIT: Gut, dann frage ich anders: Ist Haydn für Orchester besonders schwer zu spielen?
Rattle: Er ist in einem Orchester konsensfähiger als Mozart. Bei Mozart entwickeln die Musiker sofort starke und meist sehr unterschiedliche Meinungen darüber, wie er zu spielen sei. Das macht die Sache viel schwerer, gerade auf dem allerhöchsten Level, wenn man wirklich Positionen beziehen muss. Das Geerdete in der Musik von Haydn lässt ein Orchester schneller zusammenkommen, wenn die Musiker nicht gerade total in ihre linke Hand und ihr Vibrato verliebt sind. Und der schlimmste Fehler, den man mit Haydn-Symphonien überhaupt machen kann, ist, sie zum Einspielen an den Anfang eines Konzerts zu platzieren. Das sind große, anspruchsvolle Stücke, auch wenn die Besetzung klein ist! Die muss man dem Publikum am Ende als Höhepunkt des Abends anbieten. Sie eignen sich dazu, den Menschen nach einem aufregenden Programm wieder zivilisiert in die Welt zu entlassen.
Das Gespräch führte Claus Spahn
- Datum 31.05.2009 - 12:20 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 28.05.2009 Nr. 23
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Das wissen nicht nur die, die seine Streichquartette kennen.
Es recht wenig wirklich gute Aufnahmen der Sinfonien.
Jaocobs hat viel zu wenige aufgenommen, vielleicht Pinnock, Hogwood, Weil und neuerdings Norrington.
Von Rattle kenne ich keine hervorragende Aufnahme von Haydn.
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