Stilkolumne Digital durch die Krise
Unser Kolumnist fragt sich: Werden jetzt die Uhrenzeiger abgeschafft?
Was zeigt die Uhr? Die Frage stellen sich nicht nur Kinder, die gerade lernen, das Rätsel der Kreise zu entschlüsseln, die Stunden-, Minuten- und Sekundenzeiger drehen. Die Uhr ist ein kompliziertes Ding geworden. An ihr lässt sich heute viel mehr ablesen als die Zeit: Geschmack und modische Selbstverortung – und verfügbare Cash-Reserven. Je nachdem, ob jemand eine Patek Philippe am Arm hat oder ein Werbegeschenk, lassen sich recht zuverlässige Aussagen darüber treffen, wie viel derjenige für die Nebensachen des Lebens auszugeben bereit ist. Es gibt Uhren, deren Zifferblätter so gestaltet sind, dass sich die Zeit kaum ablesen lässt, die aber dennoch den Gegenwert eines Mittelklassewagens haben.
Nun ist die Wirtschaftskrise auch die Krise der Uhrenbranche. Im Vergleich zum Vorjahr, als der Markt einen Boom erlebt hatte, sind die Umsätze vielerorts um zweistellige Prozentzahlen eingebrochen. Noch schlechter ging es der Uhrmacherei in den siebziger Jahren, als die aufziehbare Uhr vor dem Aus stand. Billige Modelle aus Japan überschwemmten den Markt. Sie hatten digitale Anzeigen und ein Herz aus Quartz. Sie waren leichter, billiger und genauer. Erst das Bedürfnis nach Authentizität, Handarbeit, Luxus und Nostalgie machte die mechanische Uhr wieder populär. Das kam auch der Uhrenmanufaktur A. Lange & Söhne in Glashütte zugute. Zu DDR-Zeiten wurde die Manufaktur mit anderen Betrieben zwangsvereinigt. Seit den neunziger Jahren gibt es wieder Lange-Uhrmacherhandwerk mit moderner Mechanik hinter historischem Gesicht.
Jetzt, in der Krise, erfindet sich das Unternehmen neu – mit einer Digitaluhr. Sie heißt "Lange Zeitwerk". Statt Stunden- und Minutenzeigern drehen sich in ihr drei Scheiben, die in zwei Fenstern Stunden und Minuten sichtbar machen. Man kennt das von der Datumsanzeige. Damit die Zahlen aber nicht nur einmal am Tag, sondern jede Minute exakt umspringen, bedurfte es einer ausgefeilten Mechanik im Inneren des Gehäuses. Mehr als zwei Jahre arbeiteten die Lange-Ingenieure daran. Drei Patente vereint die neue Uhr auf sich. Lange Zeitwerk kostet bis zu 56.000 Euro. Dafür bekommt man mehr als Status: Bei keiner mechanischen Uhr ließ sich die Zeit bislang besser ablesen.
- Datum 28.05.2009 - 10:59 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 28.05.2009 Nr. 23
- Kommentare 4
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So ganz möchte ich dem Ende nicht zustimmen - vor ein paar Monaten enthielt die Times einen Artikel über mechanische Uhren deren Ziffernblatt mit der Uhrzeit wie eine Digitaluhr aussah - leider handelte es sich um limitierte Modelle mir einem Preisschild von 200.000 Pfund Sterling und mehr...
(den Artikel konnte ich leider nicht wiederfinden)
Was villeicht manchen Leuten schwer zu vermitteln ist, ist das mechnische Uhren mehr Charme haben alls Digitaluhren - ich nutze heutzutage eine mechanische Uhr mit Handaufzug - ist robuster als eine Automatik.
(Und ich bin ein junger Mensch)
Leider wird heutzutage von einem Großteil der Bevölkerung Qualität nicht länger geschätzt... und die schlichte Elganz mancher Produkte ebenso wenig.
Und es sind nicht nur Uhren - wie viele junge Leute nutzen heututage Plastikkugelschreiber für ein paar Cent das Stück - da ist ein Füllfederhalter schon was ganz Anderes, auch da gibt es verschiedene Preisklassen - von Lamy über Pelikan zu Montblanc.
Zwei Jahre arbeit um Zeiger durch scheiben zu ersetzen? Nur so als Tipp: Die Zeiger drehen sich auch! Der einzige unterschied ist, das die Zeiger nur einen kleinen spalt einer Scheibe darstellen.
Wie der Autor schon richtig sagt ist das Prinzip weder neu noch kreativ und auch schon länger bekannt. Das einzige was hier geleistet wurde ist ein billiger Werbegag um überteuerte Uhren irgendwie auf den markt zu bekommen.
den er offen zeigen kann ohne seine Souveränität zu verlieren.
Weil Uhren mit Diamanten etwas kitschig sind. Werden Unternehmen immer wieder ausgefallene Techniken entwickeln. Ich bin Technik begeistert (wie wahrscheinlich die meisten Männer auch) und wenn Ich eine Mechanische Uhr mit Glasboden beobachte empfinde Ich die Präzision faszinierend. Mehr noch, die Uhrenzeiger und das tickende Uhrwerk vermitteln mir ein gewisses Gefühl von Sicherheit. Zwar wird ihr Artikel einer "Lange Zeitwerk" nicht mal annähernd in irgendeiner Weise gerecht.
Aber dennoch sehe ich diese Uhr eher als Kuriosität für Uhren Sammler, zum Beispiel Ich würde eine datograph-perpetual vom gleichen Hersteller vorziehen.
Die Uhrzeiger werden jetzt nicht abgeschafft! Weil das dem Kundenwunsch ganz sicher nicht entspricht. Was ja im Falle der Digital Uhr auch nicht geschehen ist.
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Link zum "Lange Zeitwerk": http://www.alange-soehne....
Die Digitaluhren kommen ohne Zweifel wieder in Mode, denn gerade jüngere Leute haben den Wunsch sich durch individuelle Uhren vom typischen Rolexträger abzusetzen.
Hierfür muß man jedoch keinesfalls 56.000 Euro ausgeben, sondern kann auch viel günstiger äußerst individuelle Uhren bekommen:
http://www.uhrzeit.org/th...
Bei diesen Binäruhren kann der Nachbar im Publikum gerade nicht einfach mal die Zeit ablesen: Meist zeigt eine LED-Reihe die Stunden an, die andere LED-Reihe die Minuten.
Am Ende bekommt man bei sowas sicherlich mehr individualität, als bei einer Digitaluhr von Lange!
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