Das Gesicht spiegelt sich im Display des Mobiltelefons, das eine schier endlose Liste von Musiktiteln anzeigt. An der Oberseite des Geräts befindet sich ein Kopfhörerausgang. Wer genauer hinsieht, kann auf der Rückseite, an den dünnen Rändern des Akkudeckels, zwei kleine Lautsprecher entdecken. Die poppig bunt gestreifte Verpackung des Geräts barg außerdem noch ein tropfenförmiges Plektrum. So ein Plastikplättchen, mit dem Gitarristen ihre Soli zupfen. Hier dient er als Stift-Ersatz beim Bedienen des Touchscreens.

Aber weder der große berührungsempfindliche Bildschirm (mit einer Diagonalen von 8,1 Zentimetern nur minimal kleiner als das iPhone) noch die 109 Gramm leichte, eng gedrängte Funktechnik (WLAN, GPS, UMTS, HSDPA, et cetera pp.) macht das Mobiltelefon Xpressmusic 5800 von Nokia zu etwas Besonderem. Auch das Plektrum nicht, sondern etwas nicht Greifbares. Dem Gerät ist eine scheinbar unbegrenzte Menge Musik beigepackt. »Comes with Music« heißt der Dienst, der in dieser Form neu in Deutschland ist.

Das Xpressmusic 5800 ist eins von vier Nokia-Handys (die drei anderen sind die Modelle 5630 Xpressmusic, N95 8GB und N79), die mit Comes with Music ausgestattet sind – einem Pauschalzugang zu einer riesigen Musikbibliothek. Wer eins der Geräte erwirbt, kann ein Jahr lang ohne weitere Kosten Musik herunterladen, speichern und hören, so viel und so oft er will. Nach dieser Zeitspanne gibt es keine weiteren gebührenfreien Titel mehr. Die bereits Gespeicherten können jedoch weiter abgespielt werden. Mit diesem zeitlich begrenzten Pauschalangebot versucht der Hersteller Nokia, Kunden für sich zu gewinnen, denn Comes with Music kann jeder nutzen, der ein passendes Handy erwirbt – unabhängig von Netzbetreiber und Mobilfunkvertrag. Allerdings sollte man schon über einen Daten-Pauschaltarif verfügen, sonst verursacht der Download der Musik-Dreingabe leicht horrende Übertragungskosten.

Internetzugang über Mobilfunknetze, Komprimierung digitaler Musik zur besseren Übertragung und rigide Kopierschutzvorkehrungen: Diese drei technologischen Zutaten ermöglichen eine Entwicklung, deren Anfang Angebote wie Comes with Music markieren. Musik, einst teure Konfektionsware auf physikalischen Trägern (LP, MC, CD), wird zum Schüttgut. In Zukunft könnte sie immer seltener einzeln verkauft, sondern en gros zur Verfügung gestellt werden. Auch beim Mobilfunkanbieter Vodafone können Kunden ab sofort – für eine zusätzliche monatliche Pauschale – beliebig viel Musik herunterladen.

Den Nutzern von Comes with Music werden fünf Millionen Titel auf einmal serviert. Nokias »Music Store« bietet neben der Massenware großer Musikkonzerne (darunter die vier großen der Branche EMI, SonyBMG, Universal, Warner) auch Perlen kleinerer Independent-Labels. Die Auswahl ist zwar noch nicht so üppig wie bei den beiden führenden Anbietern digitaler Musik in Deutschland, Musicload (mehr als 6 Millionen Titel) und iTunes (mehr als 10 Millionen Songs), umfasst aber außer aktueller Chartmusik auch ältere Stücke, Klassik sowie Hörbücher. Nach ein paar Klicks schallt Claude Debussys Arabesque Nr. 1 genauso aus dem Telefon wie das neue Album der Punkrocker Green Day.

Die Startseite (siehe Screenshot) zeigt eine Suchfunktion, Sortierungen nach Genres oder aktuellen Hitlisten-Platzierungen. Außerdem bewirbt Nokia gezielt Neuheiten. Hat man sich einmal bis zu einem Album durchgeklickt, ist Geduld vonnöten: Jeder Song muss einzeln ausgewählt und heruntergeladen werden. Anders als bei vielen digitalen Musikshops kann der Nutzer die Stücke nicht streamen – also nicht online anhören, ohne sie vorher heruntergeladen zu haben. Nur ein 30-Sekunden-Schnipsel lässt sich vorab anhören. Dann heißt es warten. Damit bleibt Comes with Music hinter Napster oder dem US-Dienst Rhapsody zurück. Diese Nischenanbieter ermöglichen das Streaming ganzer Kataloge – gegen eine monatliche Abo-Gebühr.

Die Geräte, die mehrere Gigabyte Speicher aufweisen und deren Akkus auch im Dauerbetrieb mehr als 24 Stunden Musikwiedergabe verkraften, können einen MP3-Spieler ohne Weiteres ersetzen. Per USB-Kabel lassen sich Musikstücke auch zwischen Telefon und PC übertragen. In beide Richtungen, denn zu Hause kann jeder Nutzer von Comes with Music auch per Computer neue Musik laden. Am größeren Bildschirm geht das deutlich komfortabler. Allerdings zeigen sich spätestens hier auch die Grenzen des scheinbar unbegrenzten Dienstes.