Ich habe einen Traum Die Ökonomisierung der Welt

Franziska Reichenbacher, die "Lottofee", hat gerade den Zuschauern die Glückszahlen zum 500. Mal vorgelesen

Meine Mutter musste sich das Studieren noch erkämpfen, also hat sie mir und meinen drei Schwestern immer gesagt: Habt eine gute Ausbildung, sodass ihr später nie finanziell abhängig seid. Und als dann mein erstes Kind geboren wurde, war ich überhaupt nicht darauf vorbereitet, welch große Veränderung das in mein Leben bringen würde. Irgendwann habe ich zu meinen Eltern gesagt: Warum habt ihr eigentlich nie mit uns darüber gesprochen, dass es auch ganz andere Phasen gibt, in denen es womöglich besser ist, nicht dauernd in der Welt herumzuspringen? In denen es um Wärme und Geborgenheit geht, um Zuhören, Trösten, Füttern und Kochen, also ganz viel am Herd stehen. Wow, »am Herd stehen«, das Reizwort unserer Tage.

Meine Mutter hatte vier Kinder und ich verstehe so gut, dass sie dem allen irgendwann wieder entfliehen wollte und wieder anfing zu arbeiten. Aber dass ein Nacheinander dieser Phasen sinnvoll sein kann, das hat sie uns nicht gesagt. Ich habe studiert und immer viel gearbeitet, Radio, Zeitung, Fernsehen.

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Als mein erstes Kind kam, habe ich erst mal nur meine Sendung Ziehung der Lottozahlen weitergemacht. Es waren außergewöhnliche Umstände für eine junge Mutter: Kein Mütter-Mobbing der Kollegen, sehr spezielle Dienstzeiten – nämlich kurze – außer Haus. Mein Mann unterstützte mich in jeder Hinsicht, das Geld hat auch gereicht. So habe ich etwas erfahren, das mich überwältigt hat. Für meine beiden Kinder da zu sein, ist das Sinnvollste, was ich je gemacht habe.

Die meisten Eltern oder Alleinerziehenden stehen so sehr unter Druck, dass dieses einzigartige Glück gar nicht aufblühen kann. Und selbst wenn es keine ökonomischen Zwänge gibt: Wir haben alle verinnerlicht, dass die Anerkennung über den Beruf kommt. Und auch ich bin wirklich sehr froh über meine Arbeit. Aber es gibt noch ein anderes Glück. Für mich war es das größte.

Mein Traum ist, dass wir die Leistungen von Müttern und Vätern mehr respektieren. Dass wir anerkennen, dass es einen Wert hat, dieses Dasein für Kinder. Ohne dass gleich einer schreit, man wolle damit den Frauen das Leben am Herd schönreden. Können wir uns alle mal wieder ein bisschen entspannen?

Leser-Kommentare
  1. mein Traum wäre, wenn man so will, dass Eltern sich mal überlegen, wozu sie die Kinder eigentlich in diese - ja auch so wunderschöne - Welt setzen.
    Tun sie das, damit die Gesellschaft, oder der (Sozial-)Staat weiter laufen kann, wie bisher möglichst, damit die Alten eine Rente bekommen? Oder tun sie dies, wie alle anderen Tiere ja auch, damit sie genau ihre Gene weitergeben, damit also die eigenen Kinder ein möglichst schönes Leben haben. (Das Recht dazu nehmen sie sich sehr oft dann ja eh, dabei so manche Konvention durchbrechend - wie revolutionär...). M.E. sollte man sich nur ein Kind anschaffen, damit dieses oder diese eine schöne Welt erleben können. Wird diese Welt als doch nicht (mehr) also so schön angesehen, wie es uns die Werbung (der Politiker) verspricht, kann sie nicht mehr als so schön angesehen werden, sei es, weil einfach zu viel Schmutz auf dieser Welt ist, dann sollte man es lieber sein lassen. Der Mensch ist nicht dazu da, diese Welt zu verändern - das hat er schon mehr als zur Genüge getan - sondern dazu, diese Welt und ihre Natur -möglichst unverändert- zu genießen und zu erleben...

    Wenn manche hier immer wieder Jammern, dass ihre Kinderaufzuchts-Arbeit, und damit ihre Kinder nicht genügend anerkannt werden, dann sollte man ihnen klar und deutlich sagen, dass sie sich doch keine Kinder anschaffen mussten und müssen! Die Gesellschaft kommt auch ohne Kinder, auch ohne Nachwuchs aus, da geht es halt ein bisschen schneller unter die Erde, da kann man nicht mehr bis zum Geht-Nicht-Mehr auf dieser Erde verweilen und sich allen möglichen Luxus gönnen: Das ging schon sehr vielen Menschen so...!

  2. Auszug aus einer Romanbesprechung in der aktuellen Sächsischen Zeitung, wo R. Mischke unter der Überschrift "Die Idylle bröckelt" das Buch "Kürzere Tage" v. A. K. Hahn rezensiert.
    Dort heißt es:
    So auch das []

  3. So auch das [Milieu] von Leonie, einer Traumfrau aus der Von-der-Leyen-Denkfabrik. Sie leitet die Kommunikationsabteilung einer Bank, bringt morgens ihren Nachwuchs zum Kindergarten, fährt dann im Kostüm zum Job. Ihre Wohung eine Stuckorgie mit chrimschimmernder Küche, die beiden Töchter wohlgeraten, aber zu unruhig, der Mann ein schwäbischer Schaffer, aber selten zu Hause, das Sexleben fade.
    [...]
    Anna Katharina Hahn beschreibt Menschen, die gelebt werden, aber leben möchten. Bei Luise, der alten Fraum im Haus, war das Lebenmüssen wie ein Korsett. Bei den jüngeren Frauen gibt es Variationen, aber in großen Zügen den selben Lebensablauf.

    Soweit der Auszug aus dieser SZ-Rezension - die ja eben, wie offenbar das Buch, die politische Mainstream-Sicht dieser Republik und ihrer (linken) Medien entlarvt. (Anna Katharina Hahn schaut in ihrem Roman hinter die Kulissen bürgerlicher Wohlstandsfamilien, heißt es ja schon in der Unterüberschrift.)

    Variationen in Grau - Lebensfrust trotz Emanzipation. (Ja und bei der alten Frau dann vielleichtwohl ohne dieser Emanzipation.)
    Kurzum: Überall wohin man schaut ist bzw. wird Frust aufgestaut...

    Die Erlösung, die kommt uns nicht von dort her - sondern durch die Gewissheit, die feste Überzeugung vom Postulat des Menschheitsuntergangs, über uns...! Der bzw. dieser heilige, uns alle heilende, Geist, der kommt eines Tages über alle, die dann noch leben....

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