Waffenrecht Abrüstung gescheitertSeite 2/2
Die Koalition begann Anfang April, sich »damit« auseinanderzusetzen. Doch weder die Eltern von Winnenden noch der Bund Deutscher Kriminalbeamter, der sich vehement für einen Kurswechsel beim Waffenrecht ausspricht, wurden von den Parlamentariern gehört. Dafür trafen sie sich mit den Vertretern der Waffenlobby. So lud die SPD den Deutschen Schützenbund zu einer internen Arbeitsgruppensitzung ein. Auch CDU-Mann Bosbach führte ein längeres Gespräch mit dem Schützenbund-Vizepräsidenten. Die CDU/CSU-Fraktion diskutierte am 21. April mit den Verbänden.
Die Gesetzesmacher berieten sich also mit den Gegnern einer Verschärfung. Befürworter kamen dagegen nicht zu Wort. Wer etwa SPD-Verhandlungsführer Körper fragt, ob er denn auch mit der Gegenseite gesprochen habe, bekommt eine kurze Antwort: »Welche Gegenseite? Wir haben keinen öffentlich wirksamen Gegenpol in der Debatte.«
Wenig erstaunlich ist, dass es nur zwei Treffen der Koalitionäre und kaum Diskussionen brauchte, und der Kompromiss war beschlossen. Zwei Stunden saßen die Parlamentarier am 12. Mai abends im Büro von Wolfgang Schäuble zusammen, dann eilte CDU-Verhandlungsführer Bosbach ans Telefon und diktierte Journalisten den Kompromiss in die Notizblöcke – ohne das Verbot der großen Kaliber.
Doch dem Fußvolk der Jäger und Schützen geht selbst der ausgehandelte Kompromiss noch zu weit. Per Mail oder in Form von Musterbriefen, wie sie etwa in der Jägerpostille Wild und Hund oder auf der Homepage des Verbands für Waffentechnik und -geschichte zu finden waren, braust der Zorn in die Abgeordnetenbüros. Einzig die Gesundheitslobby, da sind sich Parlamentarier einig, trete beim Versuch, in Besitzstände einzugreifen, derart vehement auf wie die »Peng-Gang« (taz). Ein an den Beratungen beteiligter Unionsabgeordneter formulierte es so: »Unsere Punkte wurden zielgenau und treffsicher abgeschossen.« Kaum war das Verbot der Großkaliber vom Tisch, geriet die »anlasslose Stichprobe« ins Visier, nach der die Behörden auch ohne Verdacht kontrollieren dürfen, ob Waffen ordentlich gelagert werden. »Haben Jäger weniger Rechte als Kriminelle?«, fragt der Jagdschutz-Verband in einer Pressemitteilung.
Die Abgeordneten, die den Kompromiss ausgehandelt haben, sorgen sich deshalb um die Mitglieder der eigenen Fraktionen, die das gesamte Vorhaben noch zum Scheitern bringen könnten. Parteifreunde aus Jäger- und Schützenhochburgen wie Niedersachsen werden im vertraulichen Gespräch schon mal als »Opportunisten« bezeichnet, die in Wahlkampfzeiten in einer Art vorauseilendem Gehorsam den Wünschen der Waffenlobby entsprächen, statt sich argumentativ mit ihr auseinanderzusetzen. Da laufe derzeit »eine Menge Seelenmassage«, um Abgeordnete auf Kurs zu bringen, heißt es.
Es ist jedoch nicht verwunderlich, dass sich eine einheitliche Linie der politischen Willensbildung nicht durchsetzen lässt, wenn die Gesetzgebung argumentativ so schlecht und hastig vorbereitet wird wie bei diesem Reformversuch. Wer großkalibrige Sportwaffen verbieten will, das wurde in der Debatte deutlich, muss zuvor erklären können, warum ein Sport abgeschafft werden soll, dessen Vertreter sich nicht häufiger als andere in der Kriminalitätsstatistik wiederfinden. Er muss auch bedenken, was er mit der Million plötzlich illegal gewordener großkalibriger Waffen anstellen will, die kaum in Gänze von ihren Eigentümern abgeliefert würden.
Was bis jetzt als Novellierung des Waffenrechts feststeht, ist läppisch. Alle Verschärfungen, die es in den vergangenen Jahren gegeben hat, funktionierten nach demselben Muster: hier ein Mindestalter hochsetzen, da eine zusätzliche Prüfung einführen, dort eine Kontrolle. So ist es auch diesmal. Die Lobby kann damit leben. Die Angehörigen der Opfer von Winnenden wohl kaum.
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- Datum 28.05.2009 - 12:29 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 28.05.2009 Nr. 23
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Die Frage bleibt doch, ob mit einer Verschärfung des Waffenrechts Amokläufe wirklich verhindert werden können, oder ob sich die Politik hier nicht einfach nur billig aus der Affäre ziehen will. Denn auch wenn die Verfügbarkeit der Waffen die Amokläufe erheblich erleichtert haben, so ist es doch mehr als fraglich, ob sie der Auslöser/die Ursache desselben waren.
Müßte man stattdessen nicht in die Schulen gehen und versuchen den Kindern zu helfen in dieser unheimlich komplexen Welt zurechtzukommen? Sollte man nicht besser versuchen die Außenseiter abzuholen und zu integrieren? Ach nein, Moment, das würde ja Geld kosten und vorraussetzen, dass man sich vielleicht auch mal auf die jüngeren Generationen konzentrieren würde...
Meiner Meinung nach ist die gesamt Verschärfung des Waffenrechts nichts als billiger Populismus um vorzutäuschen man hätte was getan, wo man sich scheut an die Ursachen zu gehen. Vergleichbar mit Zensursulas Internetsperre für KiPos.
Ziemlich erbärmlich das ganze.
Politik wird immer durch stimmungsmachende Gruppen der Bevölkerung beeinflußt, es wäre schade, wenn dies nicht so wäre. Über unfair oder nicht zu diskutieren, weil die Waffenfreunde als generell unter Druck stehender Gesellschaftsteil bereits seit langem strukturiert und auf breiter Ebene organisiert sind, ist überflüssig.
Fakt ist nach wie vor, wir haben eines der strengsten Waffengesetze der Welt. Und kein noch mit der größten Fantasie erdachtes Gesetz hält Einzelne davon ab, anderen Schaden zuzufügen! Es geht hier wieder um blinden Aktionismus.
Und nein, ich bin in keinem Verein dieser Art Mitglied, noch besitze ich meldepflichtige Waffen ;-) Ich bin lediglich ein vernünftig denkender Mitbürger, der sich in diesem Land immer mehr Schwachsinn kopfschüttelnd ansehen muss.
Das Gesetz ist ein Witz weil es nichts ändert. Mit wie vielen Überprüfungen ist denn ernsthaft zu rechnen? Stellen die Länder jetzt hunderte Waffenkontrolleure ein, die die sichere Lagerung von Waffen sicherstellen? Wenn jemand Waffen offen herumliegen lässt, wird er die Kontrolleure an seiner Haustür einfach abweisen.
Wir müssen uns auch in Zukunft darauf einstellen, dass in Schützenvereinen ausgebildete Menschen mit Schusswaffen die sie ganz legal zu Hause lagern, andere Menschen töten.
Dabei wäre eine Kooperation mit den Schützenvereinen, eine praktikable Lösung. Getrennte Verwahrung von kritischen Teilen der Tötungswaffen könnte wirklich etwas ändern.
Sie haben insoweit recht daß die Länder personalmäßig überfordert werden und zum anderen meine ich, daß mehr Kontrollen im Straßenverkehr sicher wesentlich höheren Nutzen für die Allgemeinheit hätten und wahrscheinlich mehr Opfer verhindern könnten.
Allerdings ist mir ein Rätsel warum die Anwesenheit von Schußwaffen in Haushalten automatisch dafür sorgt daß "in Schützenvereinen ausgebildete Menschen " zu Killern werden ?
Der kausale Zusammenhang erschließt sich mir nicht.
Ist es ein unterschwelliges Mißtrauen gegen jeden Menschen und warum hat man bedeutend weniger Angst vor der doppelten Anzahl illegaler Waffen und deren schlecht ausgebildeten und nicht auf Zuverlässigkeit geprüften Besitzer ?
Getrennte Lagerung von Waffenteile klingt zwar logisch ist aber wenig praktikabel, weil eben nicht jede Waffe sich einfach zerlegen läßt ohne daß ein Büchsenmacher beansprucht werden muß, etwa bei einer Flinte oder einemRevolver.
Außerdem verhindert es zwar theoretsich Mißbrauch bei Entwendung, praktisch aber nicht wenn wie in Winnenden der Besitzer sich einfach nicht an die Vorschriften hält.
So wie jemand die Waffe rechtswidrig lagert kann man auch unterstellen daß er sie eben nicht zerlegt .
Wer eine Vorschrift mißachtet,der mißachtet auch eine zweite Vorschrift.
Liegt die Waffe ordnungsgemäß im Tresor , ist es unerheblich ob sie zerlegt ist oder nicht.
Sie haben insoweit recht daß die Länder personalmäßig überfordert werden und zum anderen meine ich, daß mehr Kontrollen im Straßenverkehr sicher wesentlich höheren Nutzen für die Allgemeinheit hätten und wahrscheinlich mehr Opfer verhindern könnten.
Allerdings ist mir ein Rätsel warum die Anwesenheit von Schußwaffen in Haushalten automatisch dafür sorgt daß "in Schützenvereinen ausgebildete Menschen " zu Killern werden ?
Der kausale Zusammenhang erschließt sich mir nicht.
Ist es ein unterschwelliges Mißtrauen gegen jeden Menschen und warum hat man bedeutend weniger Angst vor der doppelten Anzahl illegaler Waffen und deren schlecht ausgebildeten und nicht auf Zuverlässigkeit geprüften Besitzer ?
Getrennte Lagerung von Waffenteile klingt zwar logisch ist aber wenig praktikabel, weil eben nicht jede Waffe sich einfach zerlegen läßt ohne daß ein Büchsenmacher beansprucht werden muß, etwa bei einer Flinte oder einemRevolver.
Außerdem verhindert es zwar theoretsich Mißbrauch bei Entwendung, praktisch aber nicht wenn wie in Winnenden der Besitzer sich einfach nicht an die Vorschriften hält.
So wie jemand die Waffe rechtswidrig lagert kann man auch unterstellen daß er sie eben nicht zerlegt .
Wer eine Vorschrift mißachtet,der mißachtet auch eine zweite Vorschrift.
Liegt die Waffe ordnungsgemäß im Tresor , ist es unerheblich ob sie zerlegt ist oder nicht.
Solange man die Bevölkerung durch sinnlose Massnahmen wie das Verbot von "Killerspielen" einlullen kann, ist es einfach, den Lobbys in die Hände zu spielen.
Oh, und ich glaube, dass der Einfluss stimmungsmachender Gruppen nicht unbedingt ein Merkmal von Demokratie ist. Schauen wir uns doch mal das Kaiserreich an oder die Weimarer Republik.
Eine Verschärfung des Waffenrechts ist sicherlich kein blinder Aktionismus, sondern eine sinnvolle Idee, um Jugendliche von der unsinnigen Nutzung von Großkalibern abzuhalten.
Keine Waffen, kein Amoklauf mag etwas einfach formuliert sein, schwieriger würde es auf jeden Fall. Auf jeden Fall sollte die Diskussion um soziale Verwahrlosung verschärft werden.
Ich kann mich den vorherigen Kommentaren nur voll und ganz anschließen.
Bemerkenswert finde ich, dass zur Illustration des Artikels kein Bild einer scharfen Schußwaffen, eines Sportschützen oder eines Jägers verwendet wird. Stattdessen werden Paintball-Spieler gezeigt, obwohl deren Sport dann nur noch am Rande erwähnt wird.
Wer hat denn hier Angst vor der Lobby? Oder handelt es sich einfach nur um den üblichen billigen Populismus?
Meine inhaltliche Zustimmung bezieht sich nur auf die ersten beiden Kommentare
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von Paintball würde definitiv unter "sinnloser Aktionismus" fallen, keine Frage. Aber im Ernst, ein Verbot Großkalibriger Waffen ebenfalls? Selbst wenn die Kontrolle kaum durchführbar ist, würde es vielleicht zu einer Sensiblisierung führen.
Wobei ich hoffe, dass Sportschützen auch in Zukunft nicht mit Steinen beworfen werden.
"Wofür er besonders schwärmt:
wenn es wieder aufgewärmt"
Auch dieser Artikel hat da nicht mehr zu bieten.
Klar, polemisieren kann man prima vom Schreibtisch aus, zum Recherchieren müsste man dagegen mal in die richtige Welt rausgehen. Und zuhören.
Und nicht nur irgendwelchen bonzenhaften Funktionären oder durchgeknallten Schwachmaten, die vom freien Waffenbesitz für freie Bürger schwafeln.
Aber da schreibt man doch lieber Bewährtes, von dem man sicher weiß, dass es immer wieder gern gelesen wird. Und zitiert dabei schön selektiv, was zur eigenen Meinung passt. Und setzt vor jedes Zitat gleich die passendev Bewertung, damit der vertrottelte Leser gar nicht erst merkt, dass im Zitat der vorgebliche Inhalt gar nicht vokommt.
Und lässt sorgsam alles weg, was alle diejenigen einzuwenden haben, die zaghaft auf den gesunden Menschenverstand und das Ursache-Wirkung-Prinzip hinweisen (z. B. Polizeipsychologen). Und die zwischenzeitlich erfolgten Amokläufe ohne Waffen, z. B. mit Brandsätzen und Autos?
Also bitte, dass ist ja nun ganz was anderes!
Na gut: Weniger Amokläufe durch kleinere Kaliber? Kein Winnenden, wenn der Vater außer der Pistole im Schlafzimmer nur eine (!) statt 13 weiterer Waffen gehabt hätte?
Für diesen Artikel gilt, im doppelten Sinne: schade um die Zeit.
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