Sicherheitsnetz Singapur liegt an der MurSeite 3/3

Hier im Seniorenclub jedenfalls, bei Aufstrichbroten mit Ei und Radieschen, findet sie Gleichgesinnte. Die Entrüstung ist breit gefächert. Der einen Dame sind die Bettler »ein Horror«, eine andere jammert: »Und überall spielt ein Straßenmusiker.« Frau G. stimmt in den Chor ein: Im Wohnbezirk die Ausländer, im Stadtzentrum die Punks, klagt sie. »Da sind schon auch Kriminelle dabei«. Mit der Polizei steht die Dame ohnehin in reger Korrespondenz: »Die kommt aber erst, wenn mir jemand auf den Kopf haut und ich halb tot bin.«

Bürgerlicher Bammel gehört in Graz ohnehin zum guten Ton. Eine Juwelierin in der Innenstadt erzählt: »Wenn mich einer anbettelt, weiß ich nicht, wie ich reagieren soll, weil ich Angst habe.« Selbst Ordnungswächter Adi Roth ist in den zwei Jahren, die er nun unterwegs ist und die Bürger belehrt, ängstlicher geworden. Während der ersten Monate konnte er nicht einschlafen, stundenlang habe er sich im Bett gewälzt. »Seit ich den Job mache«, sagt er, »schaue ich immer, wer hinter mir geht.«

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Leser-Kommentare
  1. Ich lebe selbst seit vielen Jahren in Graz und mag diese Stadt. Es ist immer spannend, zu erfahren, was andere Menschen über "meine" Stadt denken und wie sie sie erfahren. Herr Kapeller hat sich jedoch offenbar keine große Mühe gegeben, das von ihm behandelte Thema ausgewogen darzustellen. Vielmehr ergeht er sich in allgemeinen Floskeln, deren Hauptbestandteil die Herabwürdigung und Verächtlichmachung gewisser Personengruppen ist (viel ätzender und verächtlicher hätte er über die von ihm als "Kleinbürger" bezeichneten Menschen nicht schreiben können). Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er jemals in Singapur war, sonst hätte er wohl auch einen solchen Vergleich nicht angestellt, wobei sich auch hier die Frage stellt, ob er - wenn er Singapur wohl als so wenig erstrebenswert ansieht - sich schon einmal Gedanken darüber gemacht hat, unter welchen Umständen Menschen in anderen asiatischen Ländern leben müssen - da würden einige gerne ihre Heimat mit Singapur tauschen. Mit der Kriminalstatistik scheint Herr Kapeller auch auf "Kriegsfuß" zu stehen, vorausgesetzt, er hat sich mit dieser überhaupt auseinander gesetzt. Mag schon sein, dass Graz im Vergleich zu deutschen Städten sehr friedlich ist, aber das hilft nicht den Menschen, die sich hier angesichts der stark gestiegenen Anzahl an Wohnungseinbrüchen, Raubüberfällen und Delikten im Zuge der Drogenbeschaffung unsicher fühlen. Dass sich niemand an rauchenden Jugendlichen im Stadtpark stößt, sondern an dem dort rege stattfindenden Drogenhandel (von dem Herr Kapeller - so wie es aussieht - keinen blassen Schimmer hat), wäre einem ordentlich recherchierenden Journalisten wohl auch aufgefallen. Das Hauptanliegen von Herrn Kapeller scheint ohnehin gewesen zu sein, die Grazer - und mit ihnen gleich die Österreicher insgesamt - als Provinzler und Hinterwäldler darzustellen. Schade, dass in einer renommierten Zeitung ein derart dilettantisch verfasster Artikel mit solch groben Verallgemeinerungen Eingang findet. Die Zeit und Graz hätten sich etwas Besseres verdient. Nicht alles, was in Graz auf politischer Ebene geschieht, ist der Weisheit letzter Schluss, dennoch finde ich die herablassende Art wie darüber geschrieben wird, was die Stadtverwaltung an Lösungen anzubieten versucht, eines ernsthaften Journalisten nicht würdig. In der Schule hieße das Urteil wohl: Themenverfehlung, setzen, nicht genügend.

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  4. Was, bitte, ist so anrüchig daran, wenn eine Stadtverwaltung versucht eine Stadt "sauber" zu halten? Unter sauber möchte ich verstehen: frei von gröhlenden Horden, von agressiven streitsuchenden Profilierungsneurotikern etc. Ich selbst bin liberal eingestellt und wehre mich gegen "Reglementierungsübergriffe", aber das Zusammenleben von Menschen erfordert nunmal Verhaltensregeln. Wo die Freiheit des Anderen tangiert wird muß meine eigene enden.
    Kennt man die Zustände in gewissen Bezirken von Frankfurt oder Kreuzberg in Berlin, dann kann nur der Neid den gegenständlichen Artikel motiviert haben.
    Habe die Ehre.....

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