Geht es nach Hans-Jürgen Weyer, Geschäftsführer des Berufsverbandes Deutscher Geowissenschaftler (BDG), dann muss seine Zunft die Welt retten – zumindest ein bisschen. "Die großen Probleme der Menschheit – Klimawandel, Naturkatastrophen, Energieversorgung, Wasserknappheit –, das sind alles auch geowissenschaftliche Probleme", sagt der promovierte Geologe. "Da sind wir entsprechend gefordert." Geowissenschaftler könnten durch ihre Forschungen dazu beitragen, Erdbeben früher vorauszusagen; sie könnten helfen, die Ausbreitung der Wüsten einzudämmen und neue Wasserquellen zu erschließen. Könnten, wohlgemerkt, denn natürlich, sagt Weyer, ziehe es nicht alle Kollegen als Entwicklungshelfer nach Afghanistan , sondern auch in mittelständische Ingenieurbüros oder zu Großkonzernen wie Exxon oder RWE .

Nicht alle Geowissenschaftler werden also an der Rettung der Welt mitwirken. Sicher ist allerdings, dass die meisten nach dem Studium fernab der Heimat arbeiten. "Die Bereitschaft zu weltweiten Einsätzen ist fast schon eine Grundvoraussetzung, um einen Job zu bekommen", sagt Hans-Jürgen Gursky, stellvertretender Vorsitzender der Geokonferenz und Professor für Geologie an der TU Clausthal.

Mit Spitzhammer und Lupe gehen die Studenten auf Exkursion

Den Nachwuchs schreckt das nicht – im Gegenteil: Die Zahl der Studenten im Fach Geowissenschaften hat sich in den vergangenen fünf Jahren auf 4900 verdoppelt; die Zahl der Studienanfänger hat sich sogar verdreifacht. Wie viele von ihnen später Arbeit finden, ist derzeit schwer zu sagen. Allerdings gibt es – trotz Wirtschaftskrise – auch keinen Grund zu großer Sorge, denn selbst im vergangenen Jahr ist die Arbeitslosigkeit in dieser Berufsgruppe stetig gesunken: Hatten im Januar 2008 noch 736 Geowissenschaftler keinen Job, waren es im März 2009 nur noch 526. "Wer flexibel ist und in verschiedenen Branchen arbeiten kann, hat auch zukünftig gute Chancen", sagt Hans-Jürgen Gursky.

Flexibel zu sein, das verlangt schon das Studium. Denn hinter dem Begriff Geowissenschaften verbergen sich verschiedene Einzeldisziplinen. Dazu zählen die Geologie, die sich mit der Entstehung und dem Aufbau der Erde beschäftigt; die Mineralogie, die Gesteine auf ihre chemische Zusammensetzung hin untersucht, und die Geophysik, die physikalische Aktivitäten der Erdkruste (zum Beispiel Erdbeben) und Erscheinungen im Erdinnern (Lagerstätten für Erze, Kohle oder Salz) erforscht. Vor allem in diesen drei Fächern erwerben die Studenten in den ersten Semestern ein breites Grundwissen. Parallel dazu stehen Grundlagenkurse in Mathematik und Physik auf dem Lehrplan.

Viel Theorie – trotzdem bleibt auch Zeit, um mit Karte, Spitzhammer und Lupe auf Exkursionen zu gehen. Für viele die schönste Zeit des Studiums. "Es fasziniert mich immer wieder, das Gelernte im Gelände anwenden zu können", erzählt Manuela Kasten, Studentin aus Freiburg. Ihre Erkundungen führten die 26-Jährige schon nach Campolungo in die Schweizer Alpen und ins südfranzösische Montpellier .

Einführungsseminare für Geologie, Mineralogie, Geophysik sowie Exkursionen bieten die meisten geowissenschaftlichen Studiengänge. Aber durch die Umstellung der Studiengänge auf die Abschlüsse Bachelor und Master ist es nicht leichter geworden, sich im Gewirr der Angebote zu orientieren. 28 Hochschulen bieten derzeit 84 geowissenschaftliche Studiengänge an. "Eine klare berufliche Identifikation geht dadurch verloren", sagt BDG-Geschäftsführer Hans-Jürgen Weyer. Bei vielen Arbeitgebern herrsche Unsicherheit, für welche Berufe die neuen "Geowissenschaftler" konkret ausgebildet würden. Die Folge: "Derzeit läuft die Industrie mit der Chloroformflasche durch die Unis und betäubt alle Diplomgeologen, die sie noch kriegen kann."