Schule Wie Lehrer wirklich sind
Über das Wesen von Pädagogen gibt es seltsame Vorstellungen. Wissenschaftliche Studien entlarven die meisten als Vorurteile

© Sean Gallup/Getty Images
Eine Lehrerin hilft einer Viertklässlerin
Der Mythos: Lehrer wählen den Beruf, weil viel Freizeit und lange Ferien locken.
Die Wahrheit: Wer Lehrer wird, beschäftigt sich gern mit Kindern und Jugendlichen und möchte das Fach, das ihn am meisten interessiert, unterrichten. Auch das Bewusstsein, einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten, gehört zu den Hauptmotiven bei der Entscheidung für den Lehrerberuf. Dagegen fallen der Wunsch nach langen Schulferien, der Beamtenstatus, das Gehalt oder ein geringer Schwierigkeitsgrad des Lehramtsstudiums kaum ins Gewicht. Das haben verschiedene, auch internationale, Studien zur Motivation belegen können. Eine aktuelle Untersuchung der Uni Kiel zeigt zum Beispiel, dass die pädagogischen und fachlichen Interessen die größte Bedeutung bei der Wahl des Lehramtsstudiums haben, während Nützlichkeitsaspekte kaum eine Rolle spielen. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung (MPIB) in Berlin haben außerdem herausgefunden, dass Lehramtsstudenten für Grund-, Haupt- und Realschule, verglichen mit künftigen Gymnasiallehrern, ein deutlich größeres soziales Interesse mit ihrem Beruf verbinden.
Der Mythos: Die mittelmäßigen Abiturienten werden Lehrer.
Die Wahrheit: Wer sich entscheidet, Gymnasiallehrer zu werden, ist am Ende seiner Schulzeit mindestens genauso schlau wie jene Mitschüler, die sich für andere Studienfächer entscheiden. Der Bildungsökonom Ludger Wößmann vom ifo Institut in München hat für diesen Befund die Abiturnoten angehender Gymnasiallehrer mit den Zeugnissen von Studenten anderer Fächer verglichen. Dabei stellte er jedoch auch fest, dass die Abiturnote angehender Grund-, Haupt- und Realschullehrer im Durchschnitt schlechter ist als die vergleichbarer Hochschulabsolventen. Diese Ergebnisse bestätigte auch eine Studie des MPIB. Die Wissenschaftler verglichen die Abi-Zeugnisse von 328 Lehramtsstudenten mit jenen von rund 1400 Studenten anderer Fächer in Baden-Württemberg. Auch hier zeigte sich: Wer nach der Schule ein Lehramtsstudium für Grund-, Haupt- und Realschule antrat, hatte schlechtere Abiturnoten als die anderen Studenten. Die angehenden Gymnasiallehrer dagegen zeigten auch bei den allgemeinen Intelligenztests sowie bei den Überprüfungen ihrer Mathe- und Englischkenntnisse deutlich bessere Ergebnisse und schnitten teilweise sogar besser ab als andere Studierende.
Unter Wissenschaftlern ist allerdings umstritten, inwiefern die Abiturnote etwas über die Qualität der Arbeit der Lehrer aussagt.
Der Mythos: Viele Lehrer sind ungeeignet, nur die talentierten sollten in den Beruf kommen.
Die Wahrheit: Ein angeborenes Talent zum Lehrersein gibt es nicht. Vielmehr spricht alles dafür, dass man erlernen und üben kann, ein guter Lehrer zu sein. Schon in den siebziger Jahren hat man versucht, Lehrer auf Eigenschaften wie Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Humor oder Extraversion hin zu untersuchen. Den Ergebnissen zufolge entwickelten sich die Schülerleistungen aber völlig unabhängig von den persönlichen Eigenschaften der Lehrer.
Trotzdem ist der Ruf nach Eignungstests für Lehrer an den Universitäten nicht spurlos vorübergegangen. Auch wenn die Mehrheit der Hochschulen ein Aussieben von Studienbewerbern ablehnt, gibt es inzwischen Versuche, mithilfe von Eignungsverfahren zumindest die Selbstreflexion der Studenten anzuregen und sie aufzufordern, ihre Begabung eigenverantwortlich zu überprüfen. Das Ergebnis der Tests bleibt in diesen Fällen ohne Konsequenz; der Student soll selbst entscheiden, ob er den eingeschlagenen Weg weiterverfolgt. Die Universität Passau dagegen möchte ihre angehenden Lehramtsstudenten in Zukunft in Sprach-, Team-, Organisations- und Moralkompetenz testen und die ungeeigneten vor Studienbeginn aussieben.
- Datum 03.06.2009 - 16:32 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 04.06.2009 Nr. 24
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Ich war bis vor einigen Jahren noch selber Schueler am Gymnasium und kann subjektiv die Gruende fuer Schwaechen und Ueberlastungen der Lehrer bestaetigen.
Ich frage mich aber, ob Frage/Antwort Studien, z.B. zur Arbeitszeit oder zur Entscheidung fuer das Lehramtstudium aussagekraeftig sind. Wer gibt schon gerne zu, wenig Arbeit haben zu wollen oder auf den Beamtenstatus zu schielen?
Ich bin in meiner eigenen Schulzeit viel haeufiger mit Lehrern konfrontiert worden, die durch schlechte Vorbereitung, fehlender Motivation, psychologischer Ueberlastung und besonders fachliche und paedagogischer Unzulaenglichkeiten den Unterricht negativ beeinflussten, als dieser Artikel suggereriert. Diese Erfahrungen werden aus meinem damaligen Umfeld bestaetigt.
Moeglicherweise liegt ein Kernproblem bei der Zeit, die den Paedagogen fuer die ausserunterrchtlichen Arbeiten wie Vorbereitungen und Korrekturen eingeraeumt wird.
So werden in der genannten Studie die durchschnittliche Arbeitszeiten von Lehrern mit denen anderer Berufe verglichen, mit dem Ergebnis, dass Lehrer nicht weniger arbeiteten und damit auch ausreichend viel ausserunterrichtlich arbeiten.
Diese Schlussfolgerung halte ich fuer zweifelhaft. Ich habe keine Studie vorzulegen, dafuer aber persoenliche Bekanntschaften mit Lehrern, denen guter Unterricht bescheinigt wird. Wenn man deren Aussagen glaubt, kommt auf eine Unterrichtsstunde mindestens zwei Stunden Vorbereitung. Kursfahrten, Korrekturen, Konferenzen und Besprechnungen mit anderen Lehrern seien da nicht mit einberechnet. Bei einer offiziellen Arbeitslast von ca. 42 Stunden, wie sie in diesem Artikel als fuer Lehrer vorgesehn genannt werden, duerfte ein Lehrer pro Woche dann wohl kaum mehr als 10 Unterrichtsstunden geben.
Ueblich sind eher das doppelte und teilweise sogar mehr. Kein Wunder, dass viele Paedagogen an anderer stelle sparen.
Die einzigen Moeglichkeitn, dieses Problem in den Griff zu bekommen, waeren radikal kleinere Klassen und mehr Lehrer.
Ich kann keinen Beleg bringen, aber während der Ausbildung zu meinem ersten Beruf, Gymnasiallehrer, war die Rede davon, dass auf eine Unterrichtsstunde im Schnitt anderthalb Zeitstunden andere Arbeit kommen. Dazu gehören: Vorbereitung, Nachbereitung, Korrekturen (ein nicht zu unterschätzender Faktor ist hierbei die Klassengröße), Konferenzen, Dienstbesprechungen, Elternabende und -sprechstunden, Schülergespräche, Vorbereitung von Ausflügen und Klassenfahrten und das Abnehmen von Abitur- und ähnlichen Prüfungen. Dazu kommen noch weniger bekannte Dinge wie (auch wenn es trivila klingt) das Besorgen fast des gesamten Arbeitsmaterials auf eigene Faust und eigene Rechnung und in der Freizeit oder die Fortbildung nicht nur auf Seminaren sondern auch, je nach Fachrichtung, durch Lektüre, Museumsbesuche, Besuche kultureller Veranstaltungen. Und dann natürlich außerunterrichtliche Aktivitäten mit Schülern wie beispielsweise das Ausrichten von Veranstaltungen (Schulfeste, Schultheater, Schulkonzert).
Es ist mE weniger der Charakter eines Lehrers, der Schülerleistungen verbessern kann, sondern die Methodenkompetenz. Wer die richtigen
Methoden gut anwendet kann Leistungen verbessern. Im übrigen müssen sich die Schüler im Klassenverband gut integriert und wohl fühlen - auch das die Aufgabe eines Lehrers.
Der Methodenwahn a la Klippert ist ja ein gern genommenes Allheilmittel der PISA-Gläubigen. Dabei dürfte selbst denen bekannt sein, dass jede noch so ausgefeilte Methode sich irgendwann abnutzt und zu gutem und gelingendem Unterricht einiges mehr gehört als nur Methodenzauber.
Im übrigen ein schöner Artikel, nur etwas zu gymnasiallehrerlastig. Es bleibt schon hängen, dass andere Lehrämter weniger leisten würden. Dabei sind dort z.T. völlig andere Voraussetzungen anzutreffen - das Hauptschullehramt ist heute eher ein sozialpädagogischer Beruf. Übrigens ist die Ausbildung reiner Realschullehrer jener der Gymnasiallehrer sehr ähnlich. Aber das muss ja nicht jeder wissen...
Der Methodenwahn a la Klippert ist ja ein gern genommenes Allheilmittel der PISA-Gläubigen. Dabei dürfte selbst denen bekannt sein, dass jede noch so ausgefeilte Methode sich irgendwann abnutzt und zu gutem und gelingendem Unterricht einiges mehr gehört als nur Methodenzauber.
Im übrigen ein schöner Artikel, nur etwas zu gymnasiallehrerlastig. Es bleibt schon hängen, dass andere Lehrämter weniger leisten würden. Dabei sind dort z.T. völlig andere Voraussetzungen anzutreffen - das Hauptschullehramt ist heute eher ein sozialpädagogischer Beruf. Übrigens ist die Ausbildung reiner Realschullehrer jener der Gymnasiallehrer sehr ähnlich. Aber das muss ja nicht jeder wissen...
...sondern auch noch "schlampig" angezogen, "besserwisserisch" und chronische "Rumnörgler"!
Allgemeine Wahrheit oder Vorurteil?
Der Methodenwahn a la Klippert ist ja ein gern genommenes Allheilmittel der PISA-Gläubigen. Dabei dürfte selbst denen bekannt sein, dass jede noch so ausgefeilte Methode sich irgendwann abnutzt und zu gutem und gelingendem Unterricht einiges mehr gehört als nur Methodenzauber.
Im übrigen ein schöner Artikel, nur etwas zu gymnasiallehrerlastig. Es bleibt schon hängen, dass andere Lehrämter weniger leisten würden. Dabei sind dort z.T. völlig andere Voraussetzungen anzutreffen - das Hauptschullehramt ist heute eher ein sozialpädagogischer Beruf. Übrigens ist die Ausbildung reiner Realschullehrer jener der Gymnasiallehrer sehr ähnlich. Aber das muss ja nicht jeder wissen...
Es gibt auch in der Pädagogik eine Fülle von Heilmitteln, die alle gut wirken (auch der Methodenwahn). Die Bibliotheken sind voll davon. Da kann sich jeder Lehrer nach Belieben bedienen.
Die Stufenunterschiede halte ich auch für obsolet. Wer will schon die Leistung eines Lehrers messen? Schon seine reine Anwesenheit in der Klasse müsste bezahlt werden. Das Alter der Schüler ist irrelevant. Stress während der Arbeit hat jeder Arbeitnehmer gleichermassen. Und unterbezahlt fühlen sich auch alle.
Es gibt auch in der Pädagogik eine Fülle von Heilmitteln, die alle gut wirken (auch der Methodenwahn). Die Bibliotheken sind voll davon. Da kann sich jeder Lehrer nach Belieben bedienen.
Die Stufenunterschiede halte ich auch für obsolet. Wer will schon die Leistung eines Lehrers messen? Schon seine reine Anwesenheit in der Klasse müsste bezahlt werden. Das Alter der Schüler ist irrelevant. Stress während der Arbeit hat jeder Arbeitnehmer gleichermassen. Und unterbezahlt fühlen sich auch alle.
Ich kann nur von meinem Landgymnasium sprechen, das ich als Schüler ertragen musste. Des Lehrerkollegium bestand zur Hälfte aus strafversetzten Lehrern, die wegen ihrer Affären mit Schülerinnen, wegen Alkoholsucht oder gut geheimgehaltenen Gründen bei uns landeten. Auch der krankhafte Hass auf Schüler zeigte sich bei einigen. 4-6 wöchige Krankschreibungen waren an der Tagesordnung. Und viele, viele haben sich dann frühpensionieren lassen, um in Ruhe ihren Kotten ausbauen zu können. Die wenigen engagierten Lehrer mussten dann für die Nichtstuer mitarbeiten und gerieten dementsprechend auch an ihre Grenzen...
Und es kann mir keiner erzählen, dass der Beamtenstatus von Lehrern nicht genau Anreize für derartige Missstände liefert.
An den im Artikel zitierten Studien würde mich interessieren, ob diese mit Signifikanztests geprüft wurden, und ob die Fragen so gestellt waren, dass nicht bestimmte Antworten schon vorprogrammiert waren.
Es gibt auch in der Pädagogik eine Fülle von Heilmitteln, die alle gut wirken (auch der Methodenwahn). Die Bibliotheken sind voll davon. Da kann sich jeder Lehrer nach Belieben bedienen.
Die Stufenunterschiede halte ich auch für obsolet. Wer will schon die Leistung eines Lehrers messen? Schon seine reine Anwesenheit in der Klasse müsste bezahlt werden. Das Alter der Schüler ist irrelevant. Stress während der Arbeit hat jeder Arbeitnehmer gleichermassen. Und unterbezahlt fühlen sich auch alle.
Ich war durch Zufall auf diesen Artikel vom Juni 2009 gestoßen und stelle fest, wie wenig er kommentiert wurde. Und ich vermute: wenn ein Artikel über das Reizthema "Lehrer" mal nicht die Vorurteilsschiene oder Schülerperspektive hat, interessiert das keinen! Leider.
Im Tenor der anderen Kommentatoren wären allerdings Belege/Quellenangaben hilfreich - so muss man ihnen einfach glauben. das ist etwas schade.
Trotzdem den AuorInnen einen herzlichen Dank!
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