Schule Wie Lehrer wirklich sindSeite 4/4
Eine Studie des MPIB hingegen hat gezeigt, dass sich die mentalen Voraussetzungen von Lehramtsstudenten überhaupt nicht von denen anderer Studenten unterscheiden. Die Wissenschaftler haben mehr als 1700 Schülerinnen und Schüler kurz vor dem Abitur befragt und im Verlauf ihres Studiums weiter begleitet. Die psychische Stabilität war bei allen Schülern gleich und ließ keine Rückschlüsse auf die Fächerwahl zu.
Das MPIB hat zusätzlich rund 2000 Lehrer zum Stand ihrer emotionalen Erschöpfung befragt. Dabei stellte sich heraus, dass der gesundheitliche Zustand eines Lehrers nicht von der Schulform abhängt. Es spielt keine Rolle, ob Lehrer an einem Gymnasium im Wohlstandsviertel oder einer Hauptschule im sozialen Brennpunkt unterrichten.
Der Mythos: Lehrer arbeiten weniger als andere, haben dafür aber mehr Urlaub.
Die Wahrheit: Die Zeit des reinen Unterrichts macht nur rund die Hälfte der Lehrerarbeitszeit aus. Lehrer verrichten aber keinen Halbtagsjob. Die andere Hälfte ihres Arbeitstages besteht aus Unterrichtsvorbereitung, Korrekturen, Besprechungen mit Kollegen, Eltern oder Schülern, Konferenzen und Schülerexkursionen. Die Arbeitszeit ist genau festgelegt und beträgt je nach Bundesland zwischen 38,5 und 42 Stunden in der Woche. Auf Urlaub haben sie ebenso viel Anspruch wie vergleichbare Berufe, circa 30 Tage. Im Auftrag der nordrhein-westfälischen Landesregierung untersuchte die Unternehmensberatung Mummert und Partner 1999 die Jahresarbeitszeit der Lehrer. Das Ergebnis: Je nach Schulform arbeiteten die 6500 untersuchten Lehrer durchschnittlich zwischen 1750 und 1980 Stunden pro Jahr. Auffällig war die große Streuung der Werte: Einige Gymnasiallehrer kamen auf 3500, andere schafften es, mit 930 Stunden auszukommen. In der Grundschule schwankte die Jahresarbeitszeit zwischen 1289 und 2478 Stunden. Es gibt sie also, die arbeitsscheuen Pädagogen, aber sie entspannen sich zulasten ihrer fleißigen Kollegen. Eine Auswertung des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2006 ermittelte für Gymnasiallehrer eine durchschnittliche Jahresarbeitszeit von 2092 Stunden. Auch Lehrer anderer Schulformen erreichten ungefähr diesen Wert. Der Vergleich mit anderen Berufsgruppen zeigt, dass zum Beispiel Ärzte mit 2102 Arbeitsstunden pro Jahr unwesentlich mehr arbeiten als Lehrer. Architekten und Ingenieure liegen bei 2081 beziehungsweise 2037 Stunden – Journalisten und Publizisten bei 1987 Stunden.
Und zum Schluss: Ein Mythos, den Lehrer gern über sich selbst verbreiten: »Unsere Arbeit wird von der Gesellschaft kaum geachtet und anerkannt.«
Die Wahrheit: In der Allensbacher Berufsprestigeskala lagen die Grundschullehrer 2008 auf Platz vier. 33 Prozent der Deutschen haben vor Grundschullehrern besonders viel Achtung und schätzen diesen Beruf. Vor den Grundschullehrern konnten sich nur die Ärzte (78 Prozent), Pfarrer (39 Prozent) und Hochschullehrer (34 Prozent) platzieren. Das Institut für Demoskopie befragt die Bevölkerung im Abstand mehrerer Jahre nach ihrer Haltung zu bestimmten Berufsgruppen. Im Vergleich zu 2003 hat sich das Prestige der Grundschullehrer um sechs Prozentpunkte verbessern können. Geringer angesehen ist der Studienrat, der Gymnasiallehrer – auf der Beliebtheitsskala erreicht er mit 14 Prozent nur Platz zwölf. Zum Trost: Journalisten, Offiziere, Gewerkschaftsführer, Politiker und Buchhändler haben ein noch schlechteres Image.
Dass der Ruf der Lehrer besser ist, als viele vermuten, bewies auch eine repräsentative Umfrage im Auftrag der ZEIT (siehe Die Angst der Lehrer). 64 Prozent der Deutschen bescheinigten den Lehrern darin eine gute bis sehr gute Arbeit.
- Datum 03.06.2009 - 16:32 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 04.06.2009 Nr. 24
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Ich war bis vor einigen Jahren noch selber Schueler am Gymnasium und kann subjektiv die Gruende fuer Schwaechen und Ueberlastungen der Lehrer bestaetigen.
Ich frage mich aber, ob Frage/Antwort Studien, z.B. zur Arbeitszeit oder zur Entscheidung fuer das Lehramtstudium aussagekraeftig sind. Wer gibt schon gerne zu, wenig Arbeit haben zu wollen oder auf den Beamtenstatus zu schielen?
Ich bin in meiner eigenen Schulzeit viel haeufiger mit Lehrern konfrontiert worden, die durch schlechte Vorbereitung, fehlender Motivation, psychologischer Ueberlastung und besonders fachliche und paedagogischer Unzulaenglichkeiten den Unterricht negativ beeinflussten, als dieser Artikel suggereriert. Diese Erfahrungen werden aus meinem damaligen Umfeld bestaetigt.
Moeglicherweise liegt ein Kernproblem bei der Zeit, die den Paedagogen fuer die ausserunterrchtlichen Arbeiten wie Vorbereitungen und Korrekturen eingeraeumt wird.
So werden in der genannten Studie die durchschnittliche Arbeitszeiten von Lehrern mit denen anderer Berufe verglichen, mit dem Ergebnis, dass Lehrer nicht weniger arbeiteten und damit auch ausreichend viel ausserunterrichtlich arbeiten.
Diese Schlussfolgerung halte ich fuer zweifelhaft. Ich habe keine Studie vorzulegen, dafuer aber persoenliche Bekanntschaften mit Lehrern, denen guter Unterricht bescheinigt wird. Wenn man deren Aussagen glaubt, kommt auf eine Unterrichtsstunde mindestens zwei Stunden Vorbereitung. Kursfahrten, Korrekturen, Konferenzen und Besprechnungen mit anderen Lehrern seien da nicht mit einberechnet. Bei einer offiziellen Arbeitslast von ca. 42 Stunden, wie sie in diesem Artikel als fuer Lehrer vorgesehn genannt werden, duerfte ein Lehrer pro Woche dann wohl kaum mehr als 10 Unterrichtsstunden geben.
Ueblich sind eher das doppelte und teilweise sogar mehr. Kein Wunder, dass viele Paedagogen an anderer stelle sparen.
Die einzigen Moeglichkeitn, dieses Problem in den Griff zu bekommen, waeren radikal kleinere Klassen und mehr Lehrer.
Ich kann keinen Beleg bringen, aber während der Ausbildung zu meinem ersten Beruf, Gymnasiallehrer, war die Rede davon, dass auf eine Unterrichtsstunde im Schnitt anderthalb Zeitstunden andere Arbeit kommen. Dazu gehören: Vorbereitung, Nachbereitung, Korrekturen (ein nicht zu unterschätzender Faktor ist hierbei die Klassengröße), Konferenzen, Dienstbesprechungen, Elternabende und -sprechstunden, Schülergespräche, Vorbereitung von Ausflügen und Klassenfahrten und das Abnehmen von Abitur- und ähnlichen Prüfungen. Dazu kommen noch weniger bekannte Dinge wie (auch wenn es trivila klingt) das Besorgen fast des gesamten Arbeitsmaterials auf eigene Faust und eigene Rechnung und in der Freizeit oder die Fortbildung nicht nur auf Seminaren sondern auch, je nach Fachrichtung, durch Lektüre, Museumsbesuche, Besuche kultureller Veranstaltungen. Und dann natürlich außerunterrichtliche Aktivitäten mit Schülern wie beispielsweise das Ausrichten von Veranstaltungen (Schulfeste, Schultheater, Schulkonzert).
Es ist mE weniger der Charakter eines Lehrers, der Schülerleistungen verbessern kann, sondern die Methodenkompetenz. Wer die richtigen
Methoden gut anwendet kann Leistungen verbessern. Im übrigen müssen sich die Schüler im Klassenverband gut integriert und wohl fühlen - auch das die Aufgabe eines Lehrers.
Der Methodenwahn a la Klippert ist ja ein gern genommenes Allheilmittel der PISA-Gläubigen. Dabei dürfte selbst denen bekannt sein, dass jede noch so ausgefeilte Methode sich irgendwann abnutzt und zu gutem und gelingendem Unterricht einiges mehr gehört als nur Methodenzauber.
Im übrigen ein schöner Artikel, nur etwas zu gymnasiallehrerlastig. Es bleibt schon hängen, dass andere Lehrämter weniger leisten würden. Dabei sind dort z.T. völlig andere Voraussetzungen anzutreffen - das Hauptschullehramt ist heute eher ein sozialpädagogischer Beruf. Übrigens ist die Ausbildung reiner Realschullehrer jener der Gymnasiallehrer sehr ähnlich. Aber das muss ja nicht jeder wissen...
Der Methodenwahn a la Klippert ist ja ein gern genommenes Allheilmittel der PISA-Gläubigen. Dabei dürfte selbst denen bekannt sein, dass jede noch so ausgefeilte Methode sich irgendwann abnutzt und zu gutem und gelingendem Unterricht einiges mehr gehört als nur Methodenzauber.
Im übrigen ein schöner Artikel, nur etwas zu gymnasiallehrerlastig. Es bleibt schon hängen, dass andere Lehrämter weniger leisten würden. Dabei sind dort z.T. völlig andere Voraussetzungen anzutreffen - das Hauptschullehramt ist heute eher ein sozialpädagogischer Beruf. Übrigens ist die Ausbildung reiner Realschullehrer jener der Gymnasiallehrer sehr ähnlich. Aber das muss ja nicht jeder wissen...
...sondern auch noch "schlampig" angezogen, "besserwisserisch" und chronische "Rumnörgler"!
Allgemeine Wahrheit oder Vorurteil?
Der Methodenwahn a la Klippert ist ja ein gern genommenes Allheilmittel der PISA-Gläubigen. Dabei dürfte selbst denen bekannt sein, dass jede noch so ausgefeilte Methode sich irgendwann abnutzt und zu gutem und gelingendem Unterricht einiges mehr gehört als nur Methodenzauber.
Im übrigen ein schöner Artikel, nur etwas zu gymnasiallehrerlastig. Es bleibt schon hängen, dass andere Lehrämter weniger leisten würden. Dabei sind dort z.T. völlig andere Voraussetzungen anzutreffen - das Hauptschullehramt ist heute eher ein sozialpädagogischer Beruf. Übrigens ist die Ausbildung reiner Realschullehrer jener der Gymnasiallehrer sehr ähnlich. Aber das muss ja nicht jeder wissen...
Es gibt auch in der Pädagogik eine Fülle von Heilmitteln, die alle gut wirken (auch der Methodenwahn). Die Bibliotheken sind voll davon. Da kann sich jeder Lehrer nach Belieben bedienen.
Die Stufenunterschiede halte ich auch für obsolet. Wer will schon die Leistung eines Lehrers messen? Schon seine reine Anwesenheit in der Klasse müsste bezahlt werden. Das Alter der Schüler ist irrelevant. Stress während der Arbeit hat jeder Arbeitnehmer gleichermassen. Und unterbezahlt fühlen sich auch alle.
Es gibt auch in der Pädagogik eine Fülle von Heilmitteln, die alle gut wirken (auch der Methodenwahn). Die Bibliotheken sind voll davon. Da kann sich jeder Lehrer nach Belieben bedienen.
Die Stufenunterschiede halte ich auch für obsolet. Wer will schon die Leistung eines Lehrers messen? Schon seine reine Anwesenheit in der Klasse müsste bezahlt werden. Das Alter der Schüler ist irrelevant. Stress während der Arbeit hat jeder Arbeitnehmer gleichermassen. Und unterbezahlt fühlen sich auch alle.
Ich kann nur von meinem Landgymnasium sprechen, das ich als Schüler ertragen musste. Des Lehrerkollegium bestand zur Hälfte aus strafversetzten Lehrern, die wegen ihrer Affären mit Schülerinnen, wegen Alkoholsucht oder gut geheimgehaltenen Gründen bei uns landeten. Auch der krankhafte Hass auf Schüler zeigte sich bei einigen. 4-6 wöchige Krankschreibungen waren an der Tagesordnung. Und viele, viele haben sich dann frühpensionieren lassen, um in Ruhe ihren Kotten ausbauen zu können. Die wenigen engagierten Lehrer mussten dann für die Nichtstuer mitarbeiten und gerieten dementsprechend auch an ihre Grenzen...
Und es kann mir keiner erzählen, dass der Beamtenstatus von Lehrern nicht genau Anreize für derartige Missstände liefert.
An den im Artikel zitierten Studien würde mich interessieren, ob diese mit Signifikanztests geprüft wurden, und ob die Fragen so gestellt waren, dass nicht bestimmte Antworten schon vorprogrammiert waren.
Es gibt auch in der Pädagogik eine Fülle von Heilmitteln, die alle gut wirken (auch der Methodenwahn). Die Bibliotheken sind voll davon. Da kann sich jeder Lehrer nach Belieben bedienen.
Die Stufenunterschiede halte ich auch für obsolet. Wer will schon die Leistung eines Lehrers messen? Schon seine reine Anwesenheit in der Klasse müsste bezahlt werden. Das Alter der Schüler ist irrelevant. Stress während der Arbeit hat jeder Arbeitnehmer gleichermassen. Und unterbezahlt fühlen sich auch alle.
Ich war durch Zufall auf diesen Artikel vom Juni 2009 gestoßen und stelle fest, wie wenig er kommentiert wurde. Und ich vermute: wenn ein Artikel über das Reizthema "Lehrer" mal nicht die Vorurteilsschiene oder Schülerperspektive hat, interessiert das keinen! Leider.
Im Tenor der anderen Kommentatoren wären allerdings Belege/Quellenangaben hilfreich - so muss man ihnen einfach glauben. das ist etwas schade.
Trotzdem den AuorInnen einen herzlichen Dank!
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