Der Mythos: Lehrer wählen den Beruf, weil viel Freizeit und lange Ferien locken.

Die Wahrheit: Wer Lehrer wird, beschäftigt sich gern mit Kindern und Jugendlichen und möchte das Fach, das ihn am meisten interessiert, unterrichten. Auch das Bewusstsein, einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten, gehört zu den Hauptmotiven bei der Entscheidung für den Lehrerberuf. Dagegen fallen der Wunsch nach langen Schulferien, der Beamtenstatus, das Gehalt oder ein geringer Schwierigkeitsgrad des Lehramtsstudiums kaum ins Gewicht. Das haben verschiedene, auch internationale, Studien zur Motivation belegen können. Eine aktuelle Untersuchung der Uni Kiel zeigt zum Beispiel, dass die pädagogischen und fachlichen Interessen die größte Bedeutung bei der Wahl des Lehramtsstudiums haben, während Nützlichkeitsaspekte kaum eine Rolle spielen. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung (MPIB) in Berlin haben außerdem herausgefunden, dass Lehramtsstudenten für Grund-, Haupt- und Realschule, verglichen mit künftigen Gymnasiallehrern, ein deutlich größeres soziales Interesse mit ihrem Beruf verbinden.

Der Mythos: Die mittelmäßigen Abiturienten werden Lehrer.

Die Wahrheit: Wer sich entscheidet, Gymnasiallehrer zu werden, ist am Ende seiner Schulzeit mindestens genauso schlau wie jene Mitschüler, die sich für andere Studienfächer entscheiden. Der Bildungsökonom Ludger Wößmann vom ifo Institut in München hat für diesen Befund die Abiturnoten angehender Gymnasiallehrer mit den Zeugnissen von Studenten anderer Fächer verglichen. Dabei stellte er jedoch auch fest, dass die Abiturnote angehender Grund-, Haupt- und Realschullehrer im Durchschnitt schlechter ist als die vergleichbarer Hochschulabsolventen. Diese Ergebnisse bestätigte auch eine Studie des MPIB. Die Wissenschaftler verglichen die Abi-Zeugnisse von 328 Lehramtsstudenten mit jenen von rund 1400 Studenten anderer Fächer in Baden-Württemberg . Auch hier zeigte sich: Wer nach der Schule ein Lehramtsstudium für Grund-, Haupt- und Realschule antrat, hatte schlechtere Abiturnoten als die anderen Studenten. Die angehenden Gymnasiallehrer dagegen zeigten auch bei den allgemeinen Intelligenztests sowie bei den Überprüfungen ihrer Mathe- und Englischkenntnisse deutlich bessere Ergebnisse und schnitten teilweise sogar besser ab als andere Studierende.

Unter Wissenschaftlern ist allerdings umstritten, inwiefern die Abiturnote etwas über die Qualität der Arbeit der Lehrer aussagt.

Der Mythos: Viele Lehrer sind ungeeignet, nur die talentierten sollten in den Beruf kommen.

Die Wahrheit: Ein angeborenes Talent zum Lehrersein gibt es nicht. Vielmehr spricht alles dafür, dass man erlernen und üben kann, ein guter Lehrer zu sein. Schon in den siebziger Jahren hat man versucht, Lehrer auf Eigenschaften wie Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Humor oder Extraversion hin zu untersuchen. Den Ergebnissen zufolge entwickelten sich die Schülerleistungen aber völlig unabhängig von den persönlichen Eigenschaften der Lehrer.

Trotzdem ist der Ruf nach Eignungstests für Lehrer an den Universitäten nicht spurlos vorübergegangen. Auch wenn die Mehrheit der Hochschulen ein Aussieben von Studienbewerbern ablehnt, gibt es inzwischen Versuche, mithilfe von Eignungsverfahren zumindest die Selbstreflexion der Studenten anzuregen und sie aufzufordern, ihre Begabung eigenverantwortlich zu überprüfen. Das Ergebnis der Tests bleibt in diesen Fällen ohne Konsequenz; der Student soll selbst entscheiden, ob er den eingeschlagenen Weg weiterverfolgt. Die Universität Passau dagegen möchte ihre angehenden Lehramtsstudenten in Zukunft in Sprach-, Team-, Organisations- und Moralkompetenz testen und die ungeeigneten vor Studienbeginn aussieben.