Somalia Ganz allein in DarfurSeite 2/2
Während die meisten Vermittler erst mit der Regierung auf Tuchfühlung gehen, sucht Baechler den Kontakt zu den Rebellen: »Wir schulen sie, damit sie am Verhandlungstisch sicherer auftreten können und eher Hand für Kompromisse bieten. Das ist unsere Nische.«
Der Gründer der Friedensstiftung nennt sich einen »Ermöglicher«
Besteht nicht die Gefahr, Afrika europäische Konfliktlösungen aufzuzwingen? Baechler verneint: »Die inhaltliche Arbeit ist Sache der Teilnehmer und der Parteien.« Man stelle nur die Ressourcen und Rahmenbedingungen für eine mögliche Konfliktlösung. Er nennt sich deshalb auch »Fazilitator« oder »Ermöglicher«. Trotzdem will Baechler nur Lösungen, die hiesigen Wertvorstellungen entsprechen: »Ich teile eine demokratische Werthaltung. Eine Theokratie oder eine Monarchie ist jenseits meines Horizonts.« Er selbst sympathisierte während seines Politologie-Studiums an der Freien Universität Berlin mit den Ideen Lew Trotzkijs. »Kryptokommunisten« schimpften rechtsbürgerliche Politiker Baechler und Seinesgleichen, als sie 1988 die Schweizer Friedensstiftung (heute: Swisspeace) gründeten. Als deren Geschäftsleiter machte er die Friedenspolitik in der Schweiz salonfähig. Sein Steckenpferd ist der Zusammenhang von Umweltzerstörung und bewaffneten Konflikten – ein Hauptgrund für die Auseinandersetzungen in Darfur.
Vor neun Jahren trat Baechler seinen Gang durch die Bundesinstitutionen an. Wie viele seiner Gesinnungsgenossen landete er in der politischen Abteilung IV des Außendepartements, die als Bastion von Ex-NGO-Vertretern gilt. Doch Baechler ist kein missionarischer Friedensapostel. Ihn treibt wissenschaftliche Neugier: Lässt sich im Feld umsetzen, was im Elfenbeinturm gedacht wird?
Das Schweizer Friedensengagement in der Welt kostet den Bund jährlich 60 Millionen Franken. Von einem Vermittlungserfolg würden neben den Konfliktopfern auch die hiesigen Friedensforscher profitieren, die eifrig Berichte und Studien zum Darfur-Konflikt publizieren.
Noch ist ein medial wie forschungspolitisch wirksamer Händedruck zwischen den Konfliktparteien jedoch in weiter Ferne. »Wie viele Jahre der Friedensprozess dauern wird, kann ich überhaupt nicht abschätzen«, sagt Baechler. Seine bisherigen Erfolge sind bescheiden. Er erwähnt die verbesserte Zusammenarbeit mit dem Mediator der Afrikanischen Union und der UN sowie das Interesse der internationalen Gemeinschaft an den Rebellenseminaren. Auch fänden »fruchtbare Konsultationen« mit Vertretern der Zivilgesellschaft statt: »Der Stimme der unbewaffneten Kräfte kann damit mehr Gehör verschafft werden.« Vom Vermittler ist also vor allem eines gefordert: Geduld.
- Datum 03.06.2009 - 15:53 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 04.06.2009 Nr. 24
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