Klimaschutz-Massnahmen Quick fix
In Amerika fängt Klimaschutz mit Eimer und Pinsel an
Auf den Beitrag der Vereinigten Staaten zur internationalen Klimadebatte musste man lange warten. Während europäische Forscher inzwischen disziplinenübergreifend die Kultur des Klimawandels debattieren – wie kommende Woche auf der Konferenz The Great Transformation in Essen –, schienen die USA in Sachen Klima allzu lange ein Entwicklungsland zu sein. Nun weht seit Obamas Amtsantritt zwar ein frischer Wind; mitunter bläst er aber aus ganz unerwarteter Richtung.
Symptomatisch dafür war der Auftritt von Obamas Energieminister vergangene Woche in London. Bei einem Nobelpreisträgertreffen verblüffte Steven Chu seine Kollegen mit dem Vorschlag, doch einfach Dächer, Straßenbeläge und Autos weiß zu streichen. Dadurch würde das Sonnenlicht stärker ins Weltall reflektiert und die Klimaerwärmung gewaltig abgebremst. Durch weiße Dächer und Straßen ließen sich 44 Milliarden Tonnen CO2 einsparen – so viel wie alle Autos der Welt in elf Jahren ausstoßen.
Eine verrückte Hollywood-Idee? Ein Scherz der US-Regierung, die das weiße Haus als Vorbild empfiehlt? Mitnichten. Natürlich weiß auch Chu, dass es mit Pinsel und Eimer allein nicht getan ist. Gleichwohl zeigt sein Vorschlag die amerikanische Begeisterung für den quick fix . Statt über alte Versäumnisse zu reden, favorisieren Amerikaner pragmatische Lösungen, mit denen sich am besten auch in der Krise noch Geld verdienen lässt. Zumal Obamas Plan zur Reduktion der amerikanischen CO2-Emissionen derzeit auf ähnliche Widerstände stößt wie die Schließung von Guantánamo. Wer schon nicht die große Wende der Klimapolitik verkünden kann, muss wenigstens mit originellen Ideen aufwarten.
In asiatischen Ländern wie Indien dürfte Chus Vorschlag freilich auf Unmut stoßen: Dort gilt Weiß bekanntlich als Farbe der Trauer und des Unglücks.
- Datum 04.06.2009 - 13:59 Uhr
- Serie Umwelt
- Quelle DIE ZEIT, 04.06.2009 Nr. 24
- Kommentare 4
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Die USA sind weit pragmatischer, als z.B. Europa:
Statt superteure angeblich "erneuerbare" Energieprojekte zu finanzieren, setzen die ganz pragmatisch darauf, dass das, was teuer ist, wahrscheinlich auch mehr Energie zur Herstellung verbraucht hat.
Ergo ist teure "EE" eigentlich Energieverschwendung.
Die Photovoltaik wurde in den USA schon angeboten und aufgebaut, als in Deutschland kaum Jemand wusste, was das ist (um 1980 und später).
Allerdings ohne Subventionen und Fördermittel, und da wurde recht schnell klar, dass die SEHR teuer ist und wirklich nur da sinnvoll ist, wo überhaupt kein Stromanschluss zu haben ist.
Photovoltaik ist in den USA jetzt kaum noch zu finden, wo nicht analog zum deutschen EEG massiv gefördert wird (also praktisch nur in Kalifornien, wo solche Technik ja mal entwickelt wurde).
Weiße Dächer sind eventuell sogar sehr sinnvoll - dunkle Dächer heizen das Haus darunter unnötig auf und die nun ein Mal in vielen Teilen der USA, die südlicher als Rom liegen (also schon New York!!) im Sommer nötigen Klimaanlagen können weniger oft anspringen.
Auch weiße Autos werden weniger heiß.
Für lernbegrenzte Nordeuropäer ist eben kaum vorstellbar, was Klima in den USA eigentlich wirklich heißt........
Weiße Straßen sind natürlich technisch Unsinn und ich glaube nicht, dass das erwähnt war. Eventuell sehr helle Straßen?
Jeden Falls sind einfache und billige Lösungen unter Umständen WEIT sinnvoller, als hochkomplizierte Technik, die teurer und ziemlich sicher energieverschwendend ist.
(Die Häme mit den wohl zu erwartenden Arbeitsplätzen in den USA ist ebenso dümmlich - gerade mit Arbeitsplätzen wird doch in D. die superteure EE verteidigt! Und Dachstreichen schafft ja nun wirklich Arbeitsplätze für die, die in der hochtechnisierten Industrie keine Arbeit mehr finden und die in D. kurzerhand HIV beziehen)
... wahnsinn wie viel billiger uns dieser Vorschlag kommt.
Mal eben alle Dächer anstreichen? Kein Problem!
Mal eben alle Straßen anstreichen/durch helleren Beton ersetzen? Kein Problem!
Und wer darf den Spaß dann zahlen?
Bzw. bei welchem privaten Anbieter kauft der Staat dann die Materialien die dafür benötigt werden? Vl bei einem amerikanischen?
Natürlich kommt der Stuss aus den USA.
... wahnsinn wie viel billiger uns dieser Vorschlag kommt.
Mal eben alle Dächer anstreichen? Kein Problem!
Mal eben alle Straßen anstreichen/durch helleren Beton ersetzen? Kein Problem!
Und wer darf den Spaß dann zahlen?
Bzw. bei welchem privaten Anbieter kauft der Staat dann die Materialien die dafür benötigt werden? Vl bei einem amerikanischen?
Natürlich kommt der Stuss aus den USA.
Ich schlage vor, die ganze Welt mit sonnenstrahlen reflektierenden Spiegeln zu überziehen. Falls Außerirdische eindringen wollen, können wir die mit den Spiegeln blenden und ihre Schiffe mit konzentrierten Sonnenstrahlen abfackeln.
... wahnsinn wie viel billiger uns dieser Vorschlag kommt.
Mal eben alle Dächer anstreichen? Kein Problem!
Mal eben alle Straßen anstreichen/durch helleren Beton ersetzen? Kein Problem!
Und wer darf den Spaß dann zahlen?
Bzw. bei welchem privaten Anbieter kauft der Staat dann die Materialien die dafür benötigt werden? Vl bei einem amerikanischen?
Natürlich kommt der Stuss aus den USA.
Mich würde nur interessieren wie sich diese globale Weißfärbung auf die Umwelt auswirkt. Mal abgesehen davon enthalten Lacke Lösemittel und andere Chemikalien wo man jetzt schon Probleme bei der Entsorgung hat.
Wenn wir schon soweit sind, kann da die Gentechnik ja bestimmt was austüfteln und allen Pflanzen die Farbe Weiß verpassen. Das ist so ein Schwachsinn, dass es nur von Amerikanern kommen kann.
Anstatt das Problem an Wurzeln anzupacken und wirklich ökologisch zu denken, entwickelt man solche idiotische Ideen. Allein wenn man das Thema Automobilindustrie in Amerika anpackt, fängt man an es zu verstehen, dass die Amerikaner das irgendwie auch gar nicht wollen. Die Entwicklung ist irgendwo in den 70er verglichen mit der deutschen. Wozu den Motor weiterentwickeln wenn der Sprit in den USA doch so billig ist. Aber das scheint sich jedoch zu ändern. Das allein ist der Untergang der amerikanischen Automobilindustrie. Die Bevölkerung bevorzugt (seit Kurzem) doch japanische oder deutsche Modelle die nur einen Bruchteil davon verbrauchen. Ganz zu schweigen von der völlig veralteten Systemen wie Radaufhängung, Bremsen, Fahrwerk das zu Lasten des Fahrzeuggewichts und unmöglichem Fahrverhalten geht. Aber da können deutsche Ingenieure nur Lachen. Oder Flugzeugmotore der Firma Lycoming die seit den 1960er nicht weiter entwickelt wurde und immer noch so hergestellt und verbaut werden. In den 1980er hat Porsche Flugmotor PFM 3200 auf den Markt gebracht. Dieser war sehr leise, hochgezüchtet und sehr sparsam im Gebrauch. Doch die Gegenwerbung der Firma Lycoming in Amerika hat den Markt für sich entschieden. Nach 3 Jahren musste der Motor vom Markt genommen werden. Das kann manch ein Pilot absolut nicht nachvollziehen. Das ist die Mentalität der Amerikaner.
So ist das auch in der Industrie. Verfahren die in Deutschland bereits das zeitliche gesegnet haben, fangen in Amerika gerade an zu blühen. Es ist nicht in allen Bereichen so, aber in meisten.
Diese Liste ist sehr lang. Das Problem ist, dass der Mensch sich manchmal selbst im Wege steht.
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