Finanzkrise Droht uns Inflation?

Nein, sagt Mark Schieritz, es stimmt nicht, dass mehr Geld gedruckt wird

In Großbritannien steigen die Preise stark - in Euroland muss es nicht so kommen, sagt Mark Schieritz

Zum Sturz einer Gesellschaftsordnung, so warnte einst John Maynard Keynes, gebe es kein besseres Mittel, als ihre Währung zu ruinieren. Es wäre schon eine besondere Ironie der Geschichte, wenn jetzt, da die Regierungen die konjunkturpolitischen Rezepte des alten Keynes in die Tat umsetzen, die Geldwertstabilität in Gefahr geriete.

Glücklicherweise wird das nicht geschehen. Gewiss, die Zentralbanken haben alle Schleusen geöffnet. Aber nur, weil woanders die Schleu- sen geschlossen wurden. In einer modernen Volkswirtschaft schöpfen nicht nur Notenbanker Geld, sondern auch Geschäftsbanken oder Hedgefonds – indem sie Kredite vergeben. Den Banken geht es aber so schlecht, dass sie Geld horten, statt es zu verleihen. Die Notenbank schließt nur die Lücke, die entstanden ist, weil die privaten Kreditgeber streiken. Und noch nicht einmal das: Die Gesamtmenge des umlaufenden Geldes wächst in Europa viel langsamer als früher. 5,4 Prozent pro Jahr beträgt der Anstieg aktuell, vor eineinhalb Jahren waren es mehr als zehn Prozent. Insgesamt wird weniger, nicht mehr frisches Geld gedruckt!

Anzeige

Keine Frage, die Geldversorgung ist damit verstaatlicht, und der Staat ist fehlbar. Aber das sind die Märkte auch. Ein Großteil der gefährlichen Geldschwemme der vergangenen Jahre wurde nicht von Zentralbanken, sondern von Privatbanken geschaffen. Der große Fehler Alan Greenspans war nicht seine Zinspolitik, sondern sein Widerstand gegen eine Regulierung des Finanzsektors. Eine solche hätte die privaten Geldquellen trockengelegt, die oft nur dem Zocken dienten.Für die Inflation ist die Menge des Geldes ohnehin sekundär. Viel wichtiger ist, was mit dem Geld geschieht. Wenn es von niemandem ausgegeben wird, steigen auch die Preise nicht. Erst wenn aus dem Geld Einkommen wird und davon Güter gekauft werden, können die Firmen Preiserhöhungen und die Arbeiter höhere Löhne durchsetzen. Nur wenn die Nachfrage steigt und zugleich das Angebot beschränkt bleibt, entsteht Inflation. Die Hyperinflation der zwanziger Jahre kam auf, weil die Reichsbank die Wirtschaft anschob, obwohl praktisch Vollbeschäftigung herrschte. Heute nimmt die Arbeitslosigkeit zu, und die Umsätze sinken. Es wird noch Jahre dauern, bis die Nachfrage wieder in Gang kommt. Dann erst müssen die Zentralbanken bremsen.

Technisch ist das Einsammeln des überschüssigen Geldes völlig unproblematisch. Aber ist nicht die Versuchung groß, durch Inflation die steigenden Schulden zu entwerten?

Das ist heutzutage keine vielversprechende Option. Fast alle Staaten müssen ihre Schulden praktisch ständig refinanzieren, also sich bei den Investoren immer wieder frisches Geld borgen. Sobald diesen Investoren klar wird, dass die Inflation außer Kontrolle gerät und ihre Rendite aufzehrt, verlangen sie als Ausgleich höhere Zinsen. Die Regierung hätte nichts gewonnen, würde aber, zumindest im inflationspanischen Deutschland, schnell aus dem Amt gejagt.

In Japan ist die Staatsverschuldung mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland und die Geldpolitik extrem locker. Von Inflation keine Spur – seit über zehn Jahren.

 
Leser-Kommentare
  1. Der Artikel trifft den Nagel auf den Kopf:

    Nur wenn die Nachfrage steigt und zugleich das Angebot beschränkt bleibt, entsteht Inflation.

    Dieses Szenario ist derzeit ausgeschlossen und wird es auch bleiben, solange wir gigantische Überkapazitäten vor uns herschieben und die Löhne nicht steigen. Vor diesem Hintergrund ist eine Deflation sehr viel wahrscheinlicher.

    Grundproblem ist wie häufig die Verteilungsfrage. Leider will dort niemand hinschauen und diffamiert diese Frage als Neiddebatte. Die Markt- und Privat-vor-Staat-Apologeten haben immer noch die Meinungsführerschaft im Euro-Land, ja im Grunde weltweit und so werden sich die Fetten weiter fragen, wo sie ihr Geld anlegen, während immer breitere Bevölkerungsschichten nicht mehr wissen, wie sie ihre Familien ernähren sollen.

    Die vermeintliche Inflationsgefahr im vergangenen Jahr war im Grunde keine "Real-Inflation" der Güterpreise, sondern eine rein spekulative Finanz-Inflation vor allem angeheizt durch die explodierenden Rohölpreise, die überhaupt keinen Nachfrage Hintergrund hatten, sondern allein aus der Not der (institutionellen) Anleger resultierte, das acquirierte Geld nach dem Platzen der Immobilienblase woanders los zu werden. So kann man auch Inflation künstlich "pumpen".

    Die gigantisch krasse Fehlverteilung der Geldmittel wird in Zukunft dieses Phänomen noch verstärken. Es geht quasi schon wieder los. Die Rohölpreise explodieren schon wieder, weil die Kapitalbesitzer aus reiner Not nicht mehr wissen wohin sie ihre Geldmittel schleusen sollen; denn die Zinsen tendieren gegen Null.
    Auf der anderen Seite verschulden sich die Staaten weiter gigantisch, nur weil sie zu schüchtern sind, sich die Geldmittel über (Vermögens-)Steuern reinzuholen.

    Im Gegensatz zu dem allgemein verbreiteten Bild, dass das Geld durch den Crash im vergangenen Herbst verbrannt wurde, ist jeder gebuchte Euro/ Dollar weiterhin auf den Konten vorhanden. Lediglich der reale Gegenwert ist nicht vorhanden, weil die fehleingeschätzten Immobilienwerte nicht erzielt werden können und die Banken damit ein Defizit erzeugt haben, das jetzt von den Staaten abgesichert wird, in der Hoffnung, dass die Werte irgendwann wieder steigen.
    Dieses Absichern führt dazu, dass die Vermögensseite zwar unberührt bleibt (niemand verliert durch die falsche Kreditvergabe der Banken sein angespartes Geld) auf der anderen Seite werden die faulen Kredite (also die Schulden) durch den Staat (also durch die Allgemeinheit) aufgefangen.

    Das wird die Fehlverteilung der Mittel noch weiter verschärfen; denn der Staat wird in Zukunft noch weniger ausgleichen können, weil der Schuldendienst, sprich die Zinslasten, die zugunsten der Vermögenden nach oben verteilt werden, immer größer werden. Das ist eine Teufelsspirale ohne absehbares Ende.

    Nun denn, was soll's; das Leben geht weiter. Das soziale Gefüge wird immer unsicherer, die Unruhen werden steigen; denn die Pole der Gesellschaft, werden immer weiter auseinanderdriften. Kurzum, es ist viel Unheil zu befürchten, aber ganz sicher keine Inflation.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Olly66
    • 04.06.2009 um 14:50 Uhr

    Ohne Bankencrash und ersatzlosen Verlust von Einlagen ist die Finanzkrise eine weitere gigantische Umverteilung von unten nach oben.

    Sehr guter Kommentar, besser als viele Artikel.

    • Olly66
    • 04.06.2009 um 14:50 Uhr

    Ohne Bankencrash und ersatzlosen Verlust von Einlagen ist die Finanzkrise eine weitere gigantische Umverteilung von unten nach oben.

    Sehr guter Kommentar, besser als viele Artikel.

  2. Vorweg: ich bin VWL-Laie. Und ich stimme bezüglich der weiter zunehmenden Fehlallokation von Kapital mit allen seinen Folgen für die Gesellschaft zu.

    Trotzdem muss ich mich fragen, wie Sie zu diesem Schluss kommen:
    Kurzum, es ist viel Unheil zu befürchten, aber ganz sicher keine Inflation.
    Im Artikel ist von einer gebremsten Geldmengenexpansion die Rede, von über 10 auf nun "nur" noch 5,4 Prozent jährlich.

    Die Menge aller Güter und Dienstleistungen wuchs und wächst deutlich geringer, in diesem und womöglich auch vielen weiteren Jahren sinkt sie sogar. Damit haben wir per Definition Inflation.

    Weil ohne Deckung geschöpftes Geld noch nie vernichtet wurde, sondern -wie wir gerade wieder in historischem Ausmass erleben- zulasten der Steuerzahler sozialisiert wird, auch wenn es am Ende auf eine Währungsreform hinauslaufen wird, sehe ich nicht, wie wir in Zukunft an einer massiven Inflation (alleine zu einem neuen Entschuldungs-Reset überschuldeter Staaten) vorbeikommen wollen.

    Die Nachfrage-Angebot-Mechanismen, die am Ende der Kette die Preise bestimmen, können m.E. auf Dauer nicht diese Ungleichheit bei Wachstum von Geldmenge auf der einen und Wachstum von Gütern+Dienstleistungen auf der anderen Seite kompensieren.

    Die "Was erwartet uns: Inflation oder Deflation"-Debatte wird spätestens seit dem Platzen der US-Immobilienblase zum Beispiel in vielen "Goldbug"-Foren leidenschaftlich geführt. Ich schliesse mich da der Meinung derjenigen an, die für den größten Teil der Bevölkerung massive Preissteigerungen bei den Gütern des alltäglichen Bedarfs erwartet, und weiter fallende Preise bei Luxusartikeln - eine Entwicklung, die nicht wenige schon jetzt gefühlt oder auch mit Einkaufszetteln belegt erleben, und welche durch den Teufelskreis aus Zinseszins, Neuverschuldung und steigendem Kapitaldienst jeden Tag beschleunigt wird.

  3. ist teilweise unabhängig von der konjunkturellen Nachfrage. Die Ausdehnung des Geldvolumens dient dazu dass es der Wirtschaft überhaupt möglich ist zu wachsen. Erzeugt man nun also in einer konjunkturellen Tiefphase neues Geld führt dies zu einer Entwertung des vorhandenen Geldes. In den letzten Jahren der Immobilienblase wurden gerade die "Commodity Preise" durch Wachstum der Geldmenge aufgeblasen, da sich schon 2007 ein Ende des Immobilienwachstums abzeichnete. Die Zentralbanken "druckten"(erzeugten wäre ein besseres Wort) aber weiter Geld und diese Geld musste irgendwo hin und somit wurde ein großer Teil in Öl und andere Ressourcen investiert. Die Inflation durch Geldmengenwachstum fand also durchaus statt nur waren eben nicht alle Preise betroffen sondern hauptsächlich Energie- und Nahrungsrohstoffe. Wir hatten also schon vor Ende der Finanzkrise zu viel Geld in den Märkten und jetzt haben die Zentralbanken die Geldmengen auch noch massiv erhöht. Insbesondere die USA versuchen durch Inflation ihre Schulden zu verringern was historisch gesehen natürlich desaströs für die Wirtschaft ist. Da Inflation genauso wie der Arbeitsmarkt verzögert reagiert werden wir in der nächsten Zeit nach einer kurzen Phase der Preiskontraktion ein massives Wachstum der Preise erleben. Erste Anzeichen dafür gibt es bereits im Ölsektor in dem die Preise im Vergleich zu den letzten Monaten wieder "explodiert" sind obwohl die Nachfrageseite noch sehr entspannt ist. Ich spreche hier natürlich nicht von einer Hyperinflation wie in den 20er Jahren aber durchaus von einer für postindustrielle Gesellschaften mit wenig Wirtschaftswachstum hohe Inflationsrate.

  4. Solange es mehr Angebot als Nachfrage gibt, und solange Arbeitslosigkeit herrscht, ist mit Inflation vorerst nicht zu rechnen. Die Zentralbanken, die jetzt freigebig mit dem Geld umgehen, haben längst Pläne vorbereitet, dieses Geld wieder zurück zu nehmen, sobald sich die Weltwirtschaft etwas erholt hat.

  5. das ist nun der vierte oder fünfte Artikel mit dem selben Tenor, der problemlos auch aus dem Hause Trichet oder Bernanke stammen könnte: To talk things down ist seit jeher die Zentralbank-Sprachregelung; alles unter Kontrolle, wir machen das, keine Sorge.

    Bevor ich nun zum wiederholten Male die Argumente aufrolle, unter anderem auch das, daß es gar nicht nötig ist, neues Geld zu kreieren, sondern es bei weltweit fallenden Outputs völlig genügt, den vorherigen monetary exuberance-Zustand durch Bürgschaften, Garantien und Subventionen auf annähernd demselben (inflationären) Niveau zu halten, das vor der Krise herrschte (weswegen krachte denn der Markt zusammen, Herr Schieritz, wenn nicht zum Zwecke des Ausgleichs verzerrter [i.e. zu hoher] Assetpreise?), rufe ich Ihnen zu:

    Wir werden sehen, Herr Schieritz.

    • Olly66
    • 04.06.2009 um 14:50 Uhr

    Ohne Bankencrash und ersatzlosen Verlust von Einlagen ist die Finanzkrise eine weitere gigantische Umverteilung von unten nach oben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Konsequenz daraus kann nur die Abschreibung all dieser faulen Wertpapiere sein, deren nomineller Höhe kein realer Gegenwert gegenübersteht.

    Das Hauptproblem dabei ist und bleibt aber, zu ermitteln, welche Banken wie in welchem Umfang von diesem Problem betroffen sind. Es weiß doch kein Mensch, die Banken vermutlich selbst nicht, wieviel die Assets noch wert sind, die in den Büchern momentan zum Einkaufspreis ausgewiesen werden dürfen. Es ist bei dem unauflöslichen und uneinbringbaren System von gegenseitigen Zahlungsverbindlichkeiten faktisch unmöglich, für alle Tausende von Wirtschaftssubjekten exakt zu ermitteln, wer noch Besitzer von Nettovermögen ist.

    Das Beste wäre ein Kapitalschnitt, bei dem die Flußgrößen konstant bleiben und bei den Bestandsgrößen wie den Assets und den gegenüberstehenden Passiva eine Null gestrichen wird. Dann könnte man auf Grund des drastisch verringerten systemischen Risikos die Werte offenlegen lassen. Das Problem der ausstehenden Rekapitalisierung der Banken ließe sich mit einer einmaligen Anleihe bei den Besitzern von Nettokapital lösen, die von einem solchen Kapitalschnitt viel weniger betroffen wären. Das würde einen Neuanfang, eine Art Reset, ermöglichen.

    Die Konsequenz daraus kann nur die Abschreibung all dieser faulen Wertpapiere sein, deren nomineller Höhe kein realer Gegenwert gegenübersteht.

    Das Hauptproblem dabei ist und bleibt aber, zu ermitteln, welche Banken wie in welchem Umfang von diesem Problem betroffen sind. Es weiß doch kein Mensch, die Banken vermutlich selbst nicht, wieviel die Assets noch wert sind, die in den Büchern momentan zum Einkaufspreis ausgewiesen werden dürfen. Es ist bei dem unauflöslichen und uneinbringbaren System von gegenseitigen Zahlungsverbindlichkeiten faktisch unmöglich, für alle Tausende von Wirtschaftssubjekten exakt zu ermitteln, wer noch Besitzer von Nettovermögen ist.

    Das Beste wäre ein Kapitalschnitt, bei dem die Flußgrößen konstant bleiben und bei den Bestandsgrößen wie den Assets und den gegenüberstehenden Passiva eine Null gestrichen wird. Dann könnte man auf Grund des drastisch verringerten systemischen Risikos die Werte offenlegen lassen. Das Problem der ausstehenden Rekapitalisierung der Banken ließe sich mit einer einmaligen Anleihe bei den Besitzern von Nettokapital lösen, die von einem solchen Kapitalschnitt viel weniger betroffen wären. Das würde einen Neuanfang, eine Art Reset, ermöglichen.

    • Astre
    • 04.06.2009 um 15:22 Uhr

    Nein, unsere allwissende zentrale Planungseinheite (aka EZB) versucht nur krampfhaft, den Inflationssprung, den ihre laxe Geldpolitik in den vergangenen Jahren bei Immobilien, Rohstoffen, Nahrungsmitteln etc. mitverursacht hat, zu verteidigen. Dass auch gewaltige Blasen auf den Kapitalmaerkten nichts anderes als Inflation sind (man kauft mit einer Aktie ja einen Anteil an Kapitalgueter), wird leider viel zu selten verstanden. Und natuerlich hat das negative Verteilungswirkungen: Das praktisch kostenlose Geld wird ja nicht gleichmaessig ueber alle verteilt, sondern vor allem Unternehmern und Spekulanten geschenkt. Und natuerlich verzerrt das billige Geld das Wirtschaftsgefuege, indem es die Preisstruktur (Ansteigen der Preise bei Rohstoffen, Kapitalguetern und Haushaltsinvestitionsguetern), spaeter auch die Angebotsstruktur verzerrt , d.h. Ueberkapazitaeten z. B. bei Stahl, Autos und natuerlich - aufgrund der Verteilungswirkung - bei Luxusguetern. Der Markt wuerde diese Schaeden, welche unsere STAATLICHEN Planungsstellen (EZB, fed) etc. in den letzten Jahren angerichtet haben, nun durch eine DEFLATION beseitigen. Leider laesst man diese natuerliche Reaktion des marktwirtschaftlichen Immunsystems nicht zu. Man erzeugt zwar keine Inflation, aber eine Anti-Deflation.
    Ein "Oesterreicher" (in jeder Bedeutung des Worts).

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Der Markt wuerde diese Schaeden, welche unsere STAATLICHEN Planungsstellen (EZB, fed) etc. in den letzten Jahren angerichtet haben..."

    Die FED ist ein Mischmasch aus Privatbanken mit etwas staatlichem Einfluß. Sie als "staatliche Planungsstelle" zu bezeichnen ist vollkommen daneben.

    Die EZB wurde zwar staatlich in Gang gesetzt, ist aber durchweg als unabhängiges Institut geplant. Gerade weil man damit glaubte, aus den Fehlern der ersten Weltwirtschaftskrise zu lernen. Außerdem ist ein staatlich nicht kontrollierbares Währungssystem sehr attraktiv für die Neoliberalen, dann müssen nämlich die Leute/Staaten sich anpassen, z.B. jahrzehntelang Staatsverschuldung an die Reichen abzahlen, statt sie einfach wegzuinflationieren.

    Ziel war weitgehende Preisstabilität. Wie du ganz richtig schreibst, hat man dabei übersehen, dass der Zins-Kapitalismus zur Geldhortung neigt und an irgendeiner Stelle zwangsweise Blasen entstehen, während an anderer Stelle gleichzeitig die Kreditbedürftigkeit ansteigt. Diesem Gegensatz konnte man nicht dauerhaft Herr werden, zumindest nicht mit einem Instrument welches immer nur auf den Gesamtmarkt einwirkt.

    "...nun durch eine DEFLATION beseitigen. Leider laesst man diese natuerliche Reaktion des marktwirtschaftlichen Immunsystems nicht zu."

    Dummerweise wirkt sich eine Deflation in dem derzeitigen Umfang nicht nur auf die platzende Blase aus, sondern auch auf die Realwirtschaft. Das "marktwirtschaftliche Immunsystem" scheint also eher so eine Art unangenehmer Schüttelfrost mit gelegentlichen Hitzewellen zu sein.

    "Der Markt wuerde diese Schaeden, welche unsere STAATLICHEN Planungsstellen (EZB, fed) etc. in den letzten Jahren angerichtet haben..."

    Die FED ist ein Mischmasch aus Privatbanken mit etwas staatlichem Einfluß. Sie als "staatliche Planungsstelle" zu bezeichnen ist vollkommen daneben.

    Die EZB wurde zwar staatlich in Gang gesetzt, ist aber durchweg als unabhängiges Institut geplant. Gerade weil man damit glaubte, aus den Fehlern der ersten Weltwirtschaftskrise zu lernen. Außerdem ist ein staatlich nicht kontrollierbares Währungssystem sehr attraktiv für die Neoliberalen, dann müssen nämlich die Leute/Staaten sich anpassen, z.B. jahrzehntelang Staatsverschuldung an die Reichen abzahlen, statt sie einfach wegzuinflationieren.

    Ziel war weitgehende Preisstabilität. Wie du ganz richtig schreibst, hat man dabei übersehen, dass der Zins-Kapitalismus zur Geldhortung neigt und an irgendeiner Stelle zwangsweise Blasen entstehen, während an anderer Stelle gleichzeitig die Kreditbedürftigkeit ansteigt. Diesem Gegensatz konnte man nicht dauerhaft Herr werden, zumindest nicht mit einem Instrument welches immer nur auf den Gesamtmarkt einwirkt.

    "...nun durch eine DEFLATION beseitigen. Leider laesst man diese natuerliche Reaktion des marktwirtschaftlichen Immunsystems nicht zu."

    Dummerweise wirkt sich eine Deflation in dem derzeitigen Umfang nicht nur auf die platzende Blase aus, sondern auch auf die Realwirtschaft. Das "marktwirtschaftliche Immunsystem" scheint also eher so eine Art unangenehmer Schüttelfrost mit gelegentlichen Hitzewellen zu sein.

  6. "In einer modernen Volkswirtschaft schöpfen nicht nur Notenbanker Geld, sondern auch Geschäftsbanken oder Hedgefonds – indem sie Kredite vergeben."

    Stimmt das? Meines Wissens schöpfen nur Geschäftsbanken Geld durch Kreditvergabe, bzw. Notenbanken indem sie Zentralbankgeld gegen Sachwerte zur Verfügung stellen.

    Hedgefonds können doch allenfalls eigenes Geld ausleihen? Wenn sie mit den Schuldtiteln natürlich weiter handeln, entspräche das auch einer Vermehrung von Werten, im klassischen Sinne wird dabei aber kein Geld geschöpft, oder sehe ich das falsch?

    "Den Banken geht es aber so schlecht, dass sie Geld horten, statt es zu verleihen."

    Ich bin sicher sie würden es gerne verleihen, nur sind riskante Geschäfte tabu und gute Schuldner rar. So schlecht scheint es ihnen aber ohnehin nicht mehr zu gehen, wie ich schon zum letzten Artikel schrieb, wird bereits wieder heftig spekuliert und die Tagesgeldzinsen sind niedrig wie vor der Krise.

    "Die Notenbank schließt nur die Lücke, die entstanden ist, weil die privaten Kreditgeber streiken."

    Dumm nur, dass die EZB nur die "privaten Kreditgeber" mit Geld versorgt und nicht den Verbraucher (ist man in den USA nicht diesen Weg gegangen) oder habe ich bei diesem Thema auch was verpasst?

    "Keine Frage, die Geldversorgung ist damit verstaatlicht, und der Staat ist fehlbar."

    Wie kommt es denn zu dem Schlenker in der Argumentation? Weil die Notenbank angeblich Geld herausgibt? Sind die Notenbanken insbesondere die EZB nicht extra so positioniert, dass sie unabhängig von staatlichen Einflüssen sind?

    Die Behauptung entbehrt nicht einer gewissen Ironie, denn der Staat sorgt tatsächlich für jede Menge neues Geld, aber nur über die steigende Staatsverschuldung.

    "Für die Inflation ist die Menge des Geldes ohnehin sekundär. Viel wichtiger ist, was mit dem Geld geschieht. Wenn es von niemandem ausgegeben wird, steigen auch die Preise nicht."

    Das ist soweit richtig und doch falsch. Mehr Geld sorgt immer für höhere Preise, nur müssen das eben nicht die Verbraucherpreise sein. Wahlweise kann es Immobilien treffen oder Aktien (man müsste also von einer "Verbraucherpreissteigerung" sprechen um exakt zu sein). Das wirkt auf den ersten Blick nicht so schlimm, jedoch verschiebt es permanent das Kräftegleichgewicht. Wenn die Löhne und Verbraucherpreise stagnieren, die Aktienpreise aber explodieren, dann sinken relativ gesehen für den reichen Aktienbesitzer sogar die Preise. Ohne einen Finger zu rühren, kann er sich plötzlich viel mehr leisten. Das ist ein Aspekt, der bei der ganzen Debatte immer untergeht. Aber zugegeben das führt wohl jetzt zu weit.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service