Zum Sturz einer Gesellschaftsordnung, so warnte einst John Maynard Keynes, gebe es kein besseres Mittel, als ihre Währung zu ruinieren. Es wäre schon eine besondere Ironie der Geschichte, wenn jetzt, da die Regierungen die konjunkturpolitischen Rezepte des alten Keynes in die Tat umsetzen, die Geldwertstabilität in Gefahr geriete.

Glücklicherweise wird das nicht geschehen. Gewiss, die Zentralbanken haben alle Schleusen geöffnet. Aber nur, weil woanders die Schleu- sen geschlossen wurden. In einer modernen Volkswirtschaft schöpfen nicht nur Notenbanker Geld, sondern auch Geschäftsbanken oder Hedgefonds – indem sie Kredite vergeben. Den Banken geht es aber so schlecht, dass sie Geld horten, statt es zu verleihen. Die Notenbank schließt nur die Lücke, die entstanden ist, weil die privaten Kreditgeber streiken. Und noch nicht einmal das: Die Gesamtmenge des umlaufenden Geldes wächst in Europa viel langsamer als früher. 5,4 Prozent pro Jahr beträgt der Anstieg aktuell, vor eineinhalb Jahren waren es mehr als zehn Prozent. Insgesamt wird weniger, nicht mehr frisches Geld gedruckt!

Keine Frage, die Geldversorgung ist damit verstaatlicht, und der Staat ist fehlbar. Aber das sind die Märkte auch. Ein Großteil der gefährlichen Geldschwemme der vergangenen Jahre wurde nicht von Zentralbanken, sondern von Privatbanken geschaffen. Der große Fehler Alan Greenspans war nicht seine Zinspolitik, sondern sein Widerstand gegen eine Regulierung des Finanzsektors. Eine solche hätte die privaten Geldquellen trockengelegt, die oft nur dem Zocken dienten.Für die Inflation ist die Menge des Geldes ohnehin sekundär. Viel wichtiger ist, was mit dem Geld geschieht. Wenn es von niemandem ausgegeben wird, steigen auch die Preise nicht. Erst wenn aus dem Geld Einkommen wird und davon Güter gekauft werden, können die Firmen Preiserhöhungen und die Arbeiter höhere Löhne durchsetzen. Nur wenn die Nachfrage steigt und zugleich das Angebot beschränkt bleibt, entsteht Inflation. Die Hyperinflation der zwanziger Jahre kam auf, weil die Reichsbank die Wirtschaft anschob, obwohl praktisch Vollbeschäftigung herrschte. Heute nimmt die Arbeitslosigkeit zu, und die Umsätze sinken. Es wird noch Jahre dauern, bis die Nachfrage wieder in Gang kommt. Dann erst müssen die Zentralbanken bremsen.

Technisch ist das Einsammeln des überschüssigen Geldes völlig unproblematisch. Aber ist nicht die Versuchung groß, durch Inflation die steigenden Schulden zu entwerten?

Das ist heutzutage keine vielversprechende Option. Fast alle Staaten müssen ihre Schulden praktisch ständig refinanzieren, also sich bei den Investoren immer wieder frisches Geld borgen. Sobald diesen Investoren klar wird, dass die Inflation außer Kontrolle gerät und ihre Rendite aufzehrt, verlangen sie als Ausgleich höhere Zinsen. Die Regierung hätte nichts gewonnen, würde aber, zumindest im inflationspanischen Deutschland, schnell aus dem Amt gejagt.

In Japan ist die Staatsverschuldung mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland und die Geldpolitik extrem locker. Von Inflation keine Spur – seit über zehn Jahren.