Liebeskolumne Sehnsucht nach dem Seitensprung
Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Kann eine offene Beziehung helfen?
Die Frage: Sascha und Marlene lieben sich sehr, sie verstehen sich ausgezeichnet und fühlen sich sehr verbunden. Sie haben eine gemeinsame Wohnung bezogen, verbringen viel Zeit miteinander. Pflegen sogar gemeinsame Hobbys. Und doch beginnt sich ein Problem zwischen sie zu schieben. Nach acht Jahren Beziehung hat die erotische Spannung zwischen ihnen erheblich abgenommen. Sie reden offen darüber, kommen aber zu keiner Lösung, wie sie ihr Sexualleben wieder auf Touren bringen könnten. Sascha schlägt schließlich vor, dass sie sich eine offene Beziehung gestatten sollten, das könnte möglicherweise die gegenseitige Attraktivität wieder anfeuern. Marlene erwägt das auch, zweifelt aber gleichzeitig: Würden sie nicht ihre Liebe gefährden, wenn beide sexuelle Erfahrungen außerhalb der Beziehung suchten?
Wolfgang Schmidbauer antwortet: Manche Beziehungen belebt ein Fremdgeh-Abenteuer, andere überleben es nicht. Genau wissen das die Beteiligten erst nachher. Da ist schwer zu raten, ob es besser ist, etwas zu riskieren, um die Lust zu steigern, oder verlorenen Kitzel durch Trauerarbeit zu kompensieren. Bei Sascha und Marlene scheint mir das Problem aber woanders zu liegen. Ich glaube nicht, dass der Mangel bei beiden so einträchtig wahrgenommen wird, wie sie es einander vormachen. Paare empfinden Störungen im Sexualleben fast nie harmonisch. Meist kommen sie daher, dass einer der Partner sexuell frustriert ist und sich zurückzieht. Sascha und Marlene sollten ihre Scheinharmonie aufgeben und unterschiedliche Wahrnehmungen zulassen. Vermutlich käme schon dadurch wieder mehr Spannung in die Beziehung.
Wolfgang Schmidbauer, 68, ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Zu dieser Kolumne ist das Buch "Lässt sich Sex verhandeln?", Gütersloher Verlagshaus 2009 erschienen.
Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine E-Mail an liebeskolumne@zeit.de .
- Datum 03.06.2009 - 10:46 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 04.06.2009 Nr. 24
- Kommentare 13
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können nur funktionieren wenn die Beziehung mental und sexuell sehr tief ist. Die Partnertreue im sexuellen ist eine reine Weltanschauung aus dem religiösem und der Einführung des Patriarchats und der Definition von Eigentum.
Wer glaubt denn allen Ernstes an das Ideal einer perfekten Liebe in der auch noch das Sex-Leben nach Jahrzehnten alle Rekorde schlägt?
Wie naiv muss man sein?
Die Beiden müssen sich eben entscheiden, erdbebenhafter wie-beim-ersten-Mal Sex, oder eine Beziehung.
Scheinbar weiss jeder, was keine Liebe und keine "richtige" Beziehung ist, erst recht, wenn man das Bedürfnis hat, "fremd" zu gehen. Wieso muss das immer auf die Konzeption einer offenen Beziehung herauslaufen. Diese kann im übrigen kalkuliert entwürdigend für den Dritten sein, falls er sich nach dem Seitensprung verliebt. Da wäre der gekaufte Sex übrigens die menschenfreundlichere Alternative.
M. E. ist jede Konzeption erlaubt, aber nicht für jeden Menschen tauglich. Vielleicht reicht es ja auch, gemeinsam eine neue Form der Sexualität auszuprobieren.
Radikal könnte man fordern: jeder soll seinem Bedürfnis nachgehen, aber für sich und ohne den Partner mit seinen Schuldgefühlen zu verletzen. Die Folgen soll man mit sich selbst ausmachen, und wenn man sich deswegen trennen will, soll man das tun. Und wenn man einen "Seitensprung" nicht mit sich verkraften kann, sollte man es einfach lassen.
Eine Beziehung, an die die Eigenverantwortung abgegeben wird, unter dem Mäntelchen der angeblichen Offen- und Ehrlichkeit gepaart mit Gut-Sein- Wollen, dürfte nicht in die wirklich verbindende Tiefe führen und daher auf Dauer nicht belastbar sein. Vermutlich auch ein Grund für die Trennungsrate zusammen mit dem Gefühl, Einsamkeit und partiell nicht erfüllbare Wünsche von Zeit zu Zeit sprächen gegen die Beziehung zum Anderen.
"Wieso muss das immer auf die Konzeption einer offenen Beziehung herauslaufen. Diese kann im übrigen kalkuliert entwürdigend für den Dritten sein, falls er sich nach dem Seitensprung verliebt. Da wäre der gekaufte Sex übrigens die menschenfreundlichere Alternative."
- Finde ich gar nicht. Ich denke es frustriert die Partnerin oder den Partner noch mehr wenn (gemeinsames?) Geld investiert wurde, meist wird wohl auch nicht die "Erlaubnis" eingeholt vorher, ich denke auch an die entwürdigenden Rahmenbedingungen der Prostitution sowie die nochmals gesteigerten Gesundheitsrisiken - auch für den Partner. Nene, ... WENN ein Seitensprung schon sein muss dann sollte das ein Mensch sein den man mag und begehrt - und den sollte man dann so wenig anlügen wie den eigenen Partner.
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Sich etwas zu Versagen ist bei weitem die schlimmste Form des Sichgehenlassens, es zwingt uns zu glauben wir täten große Dinge, während wir in Wirklichkeit auf uns selbst fixiert sind.
Carlos Castaneda
"Wieso muss das immer auf die Konzeption einer offenen Beziehung herauslaufen. Diese kann im übrigen kalkuliert entwürdigend für den Dritten sein, falls er sich nach dem Seitensprung verliebt. Da wäre der gekaufte Sex übrigens die menschenfreundlichere Alternative."
- Finde ich gar nicht. Ich denke es frustriert die Partnerin oder den Partner noch mehr wenn (gemeinsames?) Geld investiert wurde, meist wird wohl auch nicht die "Erlaubnis" eingeholt vorher, ich denke auch an die entwürdigenden Rahmenbedingungen der Prostitution sowie die nochmals gesteigerten Gesundheitsrisiken - auch für den Partner. Nene, ... WENN ein Seitensprung schon sein muss dann sollte das ein Mensch sein den man mag und begehrt - und den sollte man dann so wenig anlügen wie den eigenen Partner.
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Sich etwas zu Versagen ist bei weitem die schlimmste Form des Sichgehenlassens, es zwingt uns zu glauben wir täten große Dinge, während wir in Wirklichkeit auf uns selbst fixiert sind.
Carlos Castaneda
aber ideologisch etwas eng gestrickt.
Der Mensch ist von Natur aus polygam, Monogamie ist ein kulturell - religiöses Erbe das nachweislich nicht funktioniert. Das hat die Swingerbewegung schon lange abgelegt. Der moderne Trend sind die Polyamoristen. Wer weiterhin ein monogames Ideal leben will, bitte, aber nicht wundern wenn es nicht klappt.
Der Mensch ist von Natur aus polygam
Soso? Von Natur aus gibt es etliche Säugetiere, die Monogam sind und das mitunter lebenslang-wohl alle religiös, gell?
Und wenn man sich mal so die Klientel in Swingerclubs anschaut, nee danke, dann lieber lebenslange Enthalsamkeit!
Aber jeder wie er meint zu müssen!
Der Mensch ist von Natur aus polygam
Soso? Von Natur aus gibt es etliche Säugetiere, die Monogam sind und das mitunter lebenslang-wohl alle religiös, gell?
Und wenn man sich mal so die Klientel in Swingerclubs anschaut, nee danke, dann lieber lebenslange Enthalsamkeit!
Aber jeder wie er meint zu müssen!
Wer in einer sog. Partnerschaft/Beziehung lebt und ein Bedürfnis nach einem Seitensprung hat... da kann etwas mit der alten Partnerschaft nicht stimmen. Seitensprünge sind für alle Beteiligten mies, für den Partner/in, für den Geliebten/die Geliebte und der Betrüger/die Betrügerin kann sich auch nicht wohl dabei fühlen. Deshalb, das ist meine Meinung zu dem Thema, erst Trennung/Scheidung bzw. klare Verhältnisse (schaffen) und sich dann auf jdm. neuen einlassen.
Unter Seitensprüngen verstehe ich etwas persönliches u/o sexuelles, virtuelles rumgeschreibsel und platonische Freundschaften gehören nicht zu einem Seitensprung.
Man braucht es also gar nicht erst zu einem richtigen Seitensprung kommen zu lassen, Unterhaltungen über dies und jenes, (die man mit alten Partner nicht führen kann/will) können auch eine emotionale Lücke füllen/schließen.
"Man braucht es also gar nicht erst zu einem richtigen Seitensprung kommen zu lassen, Unterhaltungen über dies und jenes, (die man mit alten Partner nicht führen kann/will) können auch eine emotionale Lücke füllen/schließen."
- Eigentlich haben Sie damit Recht. Aber es fällt uns kleinen Egotierchen schwer aufkommende (ich sag jetzt mal) "romantische" Gefühle zu analysieren und auf die eigene Beziehung zu übertragen. Der Reiz des Neuen lässt uns bei Gelegenheit leichtfertig alles riskieren - der Königsweg könnten Rollenspiele sein. Oder eben ein paar "Hausfreunde", die ihre Rolle akzeptieren und annehmen.
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Sich etwas zu Versagen ist bei weitem die schlimmste Form des Sichgehenlassens, es zwingt uns zu glauben wir täten große Dinge, während wir in Wirklichkeit auf uns selbst fixiert sind.
Carlos Castaneda
"Man braucht es also gar nicht erst zu einem richtigen Seitensprung kommen zu lassen, Unterhaltungen über dies und jenes, (die man mit alten Partner nicht führen kann/will) können auch eine emotionale Lücke füllen/schließen."
- Eigentlich haben Sie damit Recht. Aber es fällt uns kleinen Egotierchen schwer aufkommende (ich sag jetzt mal) "romantische" Gefühle zu analysieren und auf die eigene Beziehung zu übertragen. Der Reiz des Neuen lässt uns bei Gelegenheit leichtfertig alles riskieren - der Königsweg könnten Rollenspiele sein. Oder eben ein paar "Hausfreunde", die ihre Rolle akzeptieren und annehmen.
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Sich etwas zu Versagen ist bei weitem die schlimmste Form des Sichgehenlassens, es zwingt uns zu glauben wir täten große Dinge, während wir in Wirklichkeit auf uns selbst fixiert sind.
Carlos Castaneda
das Liebesspiel bietet unendliche Möglichkeiten und Varianten. Aber befreiten Sex gewinnt man halt nicht mit einem Menschen, da gehört Erfahrung mit mehreren dazu.
Deshalb denke ich, die zwei und jeder sollten frei ausprobierren. Wenn sie bisschen über dem Thema stehen, wird vielleicht auch zwischen ihnen frei und spielerisch. Aber, wie schon oben gesagt, ein Patentrezept ist das nicht, Mut ist erforderlich.
"Wieso muss das immer auf die Konzeption einer offenen Beziehung herauslaufen. Diese kann im übrigen kalkuliert entwürdigend für den Dritten sein, falls er sich nach dem Seitensprung verliebt. Da wäre der gekaufte Sex übrigens die menschenfreundlichere Alternative."
- Finde ich gar nicht. Ich denke es frustriert die Partnerin oder den Partner noch mehr wenn (gemeinsames?) Geld investiert wurde, meist wird wohl auch nicht die "Erlaubnis" eingeholt vorher, ich denke auch an die entwürdigenden Rahmenbedingungen der Prostitution sowie die nochmals gesteigerten Gesundheitsrisiken - auch für den Partner. Nene, ... WENN ein Seitensprung schon sein muss dann sollte das ein Mensch sein den man mag und begehrt - und den sollte man dann so wenig anlügen wie den eigenen Partner.
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Sich etwas zu Versagen ist bei weitem die schlimmste Form des Sichgehenlassens, es zwingt uns zu glauben wir täten große Dinge, während wir in Wirklichkeit auf uns selbst fixiert sind.
Carlos Castaneda
"Man braucht es also gar nicht erst zu einem richtigen Seitensprung kommen zu lassen, Unterhaltungen über dies und jenes, (die man mit alten Partner nicht führen kann/will) können auch eine emotionale Lücke füllen/schließen."
- Eigentlich haben Sie damit Recht. Aber es fällt uns kleinen Egotierchen schwer aufkommende (ich sag jetzt mal) "romantische" Gefühle zu analysieren und auf die eigene Beziehung zu übertragen. Der Reiz des Neuen lässt uns bei Gelegenheit leichtfertig alles riskieren - der Königsweg könnten Rollenspiele sein. Oder eben ein paar "Hausfreunde", die ihre Rolle akzeptieren und annehmen.
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Sich etwas zu Versagen ist bei weitem die schlimmste Form des Sichgehenlassens, es zwingt uns zu glauben wir täten große Dinge, während wir in Wirklichkeit auf uns selbst fixiert sind.
Carlos Castaneda
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