Klimawandel Wettlauf um die weiße Kohle
Die Welt wartet auf CO2-arme Kohlekraftwerke. Deutsche Forscher und amerikanische Klimapolitiker müssen sich beeilen: Der echte Durchbruch könnte sonst aus China kommen
Fünf Prozentpunkte. Das ist das Ziel von Ewald Pfaff und Malte Förster. Fünf Prozent Effizienzverlust, das wäre ziemlich gut. Bis jetzt sind es zehn. Und diese zehn Minuspunkte sind der Hauptgrund, warum es noch dauern wird, bis ein Kohlekraftwerk ans Netz geht, das dem Klima nicht schadet. Den Verlust zu mindern, so wie es Pfaff und Förster an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen anstreben, hat Bedeutung für die ganze Welt. Nicht bloß für Kraftwerksbauer, sondern für ganze Staaten, Volkswirtschaften, Klimaziele. Von Aachen über Kyoto und Kopenhagen bis China – es geht um sehr viel Kohle.
Alle großen Energiekonzerne arbeiten an Verfahren, den billigen Brennstoff Kohle sauberer zu verfeuern, den Klimaschädling Kohlendioxid einzufangen und unter der Erde zu verstauen. CCS nennen sich solche Technologien: Carbon Capture and Storage. Die erste kleine Pilotanlage für ein CO₂-armes Kraftwerk hat Vattenfall im vergangenen Jahr in der Lausitz in Betrieb genommen.
Doch egal, wie man es anstellt, immer sinkt der Wirkungsgrad des Kraftwerks. Um eben diese zehn Prozentpunkte. Die Technik katapultiert damit die Effizienz der Stromerzeugung zurück auf den Stand der achtziger Jahre. Für die gleiche Menge Strom muss mehr Kohle verbrannt werden, die Betriebskosten steigen – und der Kohlestrom büßt seinen Preisvorteil ein. Und weil es immer noch kaum etwas kostet, CO₂ in die Luft zu pusten, beeilen sich die Konzerne nicht besonders, die Technik reif für den Einsatz zu machen.
Neben technischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten nennen die Energieunternehmen gern ein politisches Hindernis: Solange die Deponierung des Treibhausgases nicht geregelt sei, ergebe es keinen Sinn, dessen Abscheidung voranzutreiben. Das Argument dürfte bald entfallen, derzeit beraten Bundestag und Bundesrat über ein entsprechendes Gesetz. Die Debatte ist hitzig; Kritiker fürchten, dass die CCS-Technik die fossile Energiepolitik zementiert und den Weg in eine wirklich grüne Zukunft mit erneuerbaren Energien versperrt.
Auch wenn an dem Gesetzentwurf einiges zu kritisieren ist (vor allem, dass die Konzerne die Verantwortung für die CO₂-Deponien schon 30 Jahre nach der Stilllegung kostenlos an die Bundesländer übertragen können): Hätten die Energieversorger ein Argument weniger, bei der CCS-Entwicklung herumzutrödeln, wäre das eine gute Sache.
Denn selbst wenn Deutschland in absehbarer Zeit ohne Kohle und damit ohne Kohlendioxid-Abscheidung zurechtkäme, wäre es ökologisch und ökonomisch klug, die Technik einsatzbereit zu machen. Andere Länder sind nämlich wesentlich weiter von einer grünen Zukunft entfernt, und Kohle ist fast überall auf der Welt reichlich vorhanden.
CCS zu fördern könnte Wirtschaftsförderung, Klimaschutz und Entwicklungshilfe in einem sein. Polen zum Beispiel erzeugt 95 Prozent seines Stroms mit Kohle, werde aber von 2020 an ohne weitere Ausnahmeregelungen die Klimaziele der EU einhalten, behauptete der polnische Klimabotschafter Janusz Reiter vergangene Woche in der ARD. Wie das gehen soll? »Es muss eine Zukunft geben für die Kohle, aber keine Zukunft für CO₂.« Im selben Dilemma stecken China, Indien und Indonesien, Russland, Kasachstan und die Ukraine, Australien, Südafrika und die USA – ein riesiger Markt für Reinemachtechnik aus Deutschland.
Ewald Pfaff und Malte Förster wollen jetzt in Aachen das größte technische Problem lösen. Im Projekt Oxycoal-AC versuchen sie zusammen mit Kollegen von sechs Instituten, den Effizienzverlust zu verringern. Bezahlt wird das Unterfangen vom Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen der Cooretec-Initiative (das Kürzel steht für »CO₂-Reduktions-Technologien«) und von Unternehmen, darunter die Energiekonzerne RWE und E.on.
Die Lösung soll in einem schwarzen Pulver stecken, Barium ist drin, auch Strontium, Kobalt und Eisen. Ein Mitarbeiter füllt die feinen Krümel in einen Gummischlauch, in dem ein Metallstab steckt, und versenkt das Ganze in einer milchigen Brühe, die in einem Apparat herumschwappt. Dann klappt er die Tür des Geräts zu. »Wir erhöhen jetzt den Druck der Flüssigkeit«, erklärt Pfaff vom Institut für Werkstoffanwendungen im Maschinenbau. »Dadurch wird das Pulver zu einem Röhrchen gepresst.« Die Röhren werden dann in einer Art Töpferofen gebrannt – fertig ist die Keramikmembran.
Das Tolle daran: Die Membran kann Sauerstoff aus der Luft abscheiden. Der wird für eines der Verfahren gebraucht, mit dem CO₂-arme Kraftwerke arbeiten könnten, den Oxyfuel-Prozess. Bisher gewinnt man Sauerstoff, indem man Luft stark abkühlt und in ihre Bestandteile zerlegt. So macht das auch Vattenfall in seiner Lausitzer Pilotanlage Schwarze Pumpe. Das kostet Energie, ein großer Teil der zehn Minuspunkte geht auf das Konto der Kühlung. Pfaff ist überzeugt: »Etwa fünf Punkte können wir mit der Membran wieder reinholen.«
Im Sommer wird Malte Förster vom Institut für Wärme- und Stoffübertragung die Röhrchen in einem Versuchskraftwerk testen. Es steht zwischen Mensa und Hauptgebäude auf dem Aachener Campus im ehemaligen Heizkraftwerk der RWTH. Aber mit der Membran ist es noch nicht getan. Auch Brenner, Turbinen und Regelungstechnik müssen angepasst werden, damit die Verbrennung in der Sauerstoff-Rauchgas-Mischung funktioniert. Dafür ist Förster zuständig.
Das Interesse an der Membran ist bereits groß. So beteiligt sich die Linde AG an dem Projekt, einer der führenden Anbieter von Industriegasen und Anlagen zur Luftzerlegung durch Kühlung. Vattenfall ist ebenfalls hellhörig geworden. Hubertus Altmann, Leiter der Kraftwerkstechnik, sagt: »Das ist eine wichtige Arbeit, wir setzen darauf.« Die Membran aus Aachen könnte Schwung in die CCS-Branche bringen.
Auch aus dem Ausland kommen positive Signale: Der Nobelpreisträger und neue US-Energieminister Steven Chu plant, das FutureGen-Projekt wiederzubeleben. Vor einem Jahr noch hatte die Regierung Bush das Vorzeigeprojekt gestoppt, mit dem Argument, die Kosten hätten sich verdoppelt. Nun befand das Government Accountability Office, eine Art Rechnungshof: Tatsächlich sind sie nur um knapp 40 Prozent gestiegen, die Vorgängerregierung hatte es beim Vergleich mit der Inflation nicht so genau genommen. Dieser Rechenfehler – es geht um 500 Millionen Dollar – könnte durchaus Absicht gewesen sein. Die New York Times berichtet von Hinweisen, dass die alte Regierung nach Gründen suchte, um das FutureGen-Projekt zu kippen . Ein gutes Beispiel dafür, dass es bei CCS immer auch um zwei Dinge geht: politischen Willen und Geld.
Nun könnte die neue Klimapolitik von Barack Obama zusammen mit der wissenschaftsfreundlichen Linie von Chu der CO₂-Abscheidung Auftrieb geben. Das Geld dafür könnte aus dem US-Konjunkturpaket kommen: Das Energieministerium erhält in diesem Jahr 1,6 Milliarden Dollar extra.
Australien, der größte Kohleexporteur der Welt, hat soeben das Global Carbon Capture and Storage Institute (GCCSI) gegründet. Es soll CCS-Projekte weltweit koordinieren und beschleunigen. Bis zu 50 Millionen Euro will die australische Regierung jährlich in das Projekt stecken, zwanzig Nationen und mehr als vierzig Unternehmen haben ihre Unterstützung zugesagt. »Das ist ein mutiger Schritt von Premierminister Rudd. Ich denke, er hatte das ganze Gerede satt«, sagt der Institutschef Nick Otter, der vom französischen Kraftwerksbauer Alstom kommt. Auf dem G-8-Gipfel im Juli in Italien will Rudd für die CO₂-Abscheidung werben.
Der echte Durchbruch aber könnte aus einer ganz anderen Richtung kommen: China arbeitet an einem eigenen CCS-Projekt mit dem Namen GreenGen, bis 2015 soll ein Demonstrationskraftwerk mit 400 Megawatt Leistung laufen. Damit könnte China das erste Land überhaupt sein, das eine Anlage in dieser Größenordnung startet. RWE plant in Deutschland etwas vage für Ende 2014 oder Anfang 2015, Vattenfall will bis 2015 eine 250-Megawatt-Anlage bauen, das australische ZeroGen-Projekt peilt 2017 an. Wann die USA mit ihrem FutureGen-Unterfangen fertig werden, weiß niemand. »Ich wäre nicht überrascht, wenn das erste CCS-Kraftwerk der Welt in China stehen würde«, sagt Howard Herzog, Chef des CCS-Forschungsprogramms am Massachusetts Institute of Technology (MIT).
Ausgerechnet China: der größte CO₂-Emittent der Welt, der 80 Prozent seines Stroms mit Kohle erzeugt, alle zehn Tage ein neues Kraftwerk ans Netz bringt und sich dabei wenig um die globale Erwärmung schert, mit dem Argument, man habe Aufholbedarf – erst die Wirtschaft, dann das Klima. Dieses Schmuddelkind der Klimapolitik also soll das weltweit erste CO₂-arme Kraftwerk zustande bringen?
Technisch sei das China durchaus zuzutrauen, sagt Malte Förster von der RWTH Aachen. »Im Westen heißt es oft, die Chinesen kommen. Falsch! Die sind längst da.« Förster, der selbst mit chinesischen Wissenschaftlern zusammenarbeitet, hat das Oxycoal-Projekt auf einer Konferenz in Wuhan vorgestellt. Dort forscht ein ehemaliger RWTH-Postdoc, der als Professor in seine Heimat zurückgekehrt ist. Auch der Membran-Mann Pfaff schätzt die Arbeit der chinesischen Kollegen: »In den Materialwissenschaften kommen inzwischen 70 Prozent der Veröffentlichungen aus China.« Zwar sagt die Masse allein nichts über die Qualität aus, aber klar ist: Es bewegt sich etwas.
Im vergangenen Jahr hat der staatliche Energiekonzern Huaneng eine Pilotanlage für die Rauchgaswäsche errichtet, die einen Teil des Abgases aus dem Pekinger Gaobeidian-Kraftwerk von Kohlendioxid befreit. Zwischen Ankündigung und Inbetriebnahme des Projekts vergingen gerade einmal neun Monate. Im Vergleich dazu kommen westliche Vorhaben nur im Schneckentempo voran.
Huaneng war auch am amerikanischen FutureGen-Projekt beteiligt. Als dieses gestoppt wurde, reagierte man in Peking demonstrativ genervt. »So etwas wird in China nicht passieren«, sagte Lu Xuedu, im Wissenschaftsministerium für globale Umweltangelegenheiten zuständig, dem Wissenschaftsmagazin Nature. »Wenn die chinesische Regierung sagt, wir machen etwas, dann machen wir das auch.« Propaganda, sicher. Aber mit einem wahren Kern: Chinas Politiker könnten mit ihrer Kompromisslosigkeit die CCS-Technik sehr schnell in die Tat umsetzen. Auch der MIT-Experte Herzog glaubt: »Es könnte dort leichter sein, eine Demonstrationsanlage zu bauen.«
Mehr noch: China könnte sogar ganz aus eigener Kraft eine industrielle Abgas-Waschanlage auf die Beine stellen, und zwar bevor deutsche oder amerikanische Unternehmen so weit sind. Damit könnte das Kohleland auf den Weltmarkt für grüne Technologien drängen. Immerhin hat das Reich der Mitte beste Kontakte in viele Entwicklungs- und Schwellenländer.
Auf den Fortschritt des chinesischen GreenGen-Projekts werden also die Australier von ZeroGen und die Amerikaner von FutureGen genauso schauen wie deutsche Energiekonzerne. In der Hafenstadt Tianjin haben die Bauarbeiten für die erste Stufe bereits begonnen. Schon Ende des Jahres soll das 250-Megawatt-Kraftwerk mit IGCC-Technik (Integrated Gasification Combined Cycle) fertig sein, zunächst ohne CO₂-Abscheidung. Bis 2015 soll ein IGCC-Kraftwerk mit 400 Megawatt folgen. Mehr ist derzeit von Chinas GreenGen-Planern nicht zu erfahren. »Ich darf Ihnen leider kein Interview geben«, schreibt der Forschungsingenieur Liu Yu in einer E-Mail. »Ich schlage vor, das irgendwann später im Jahr zu wiederholen, wenn die Luft rein ist.«
Über eines kann das vorgelegte Tempo jedoch nicht hinwegtäuschen: China plagen bei der großflächigen Einführung der CO₂-Abscheidung dieselben Probleme, um die auch im Westen kontrovers gestritten wird – nur in viel größerem Maßstab.
»Solange es nichts kostet, CO₂ auszustoßen, wird niemand in ein CCS-System investieren«, sagt Liu Hengwei, Gastwissenschaftler für Energiepolitik an der Harvard University. Dann bliebe es bei beeindruckend schnell gebauten Vorzeigeanlagen, womöglich unabhängig von ausländischer Technik. Viel wichtiger als technische Zusammenarbeit ist es deshalb, finanzielle Anreize zu schaffen. Etwa indem China in einen weltweiten Emissionshandel einbezogen würde. Reduktionsziele gelten für das Land bislang nicht.
Einzig der sogenannte Clean Development Mechanism (CDM) aus dem Kyoto-Protokoll bietet einen Anreiz: Wer für Klimaprojekte in Entwicklungsländern bezahlt, kann deren Einsparungen auf die eigenen Reduktionsziele anrechnen. China verdient bislang am meisten daran. Bis 2012 werden so wohl sieben Milliarden Dollar aus Europa dorthin fließen – noch ein Tropfen auf den heißen Stein. Andreas Oberheitmann, Direktor des Forschungszentrums für Internationale Umweltpolitik an der Tsinghua-Universität in Peking, plädiert dafür, den CDM auszubauen und auch Maßnahmen zur Abgaswäsche darüber zu vergüten.
Das Abkommen von Kyoto läuft 2012 aus. In diesem Herbst wird in Kopenhagen um einen Nachfolgevertrag gerungen, der Kampf um einen Kompromiss ist längst entbrannt: In Bonn streiten gerade auf Einladung der UN Vertreter von 182 Staaten über Formeln und Formulierungen. Es geht um politischen Willen und Geld – und um ganz viel Kohle.
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- Datum 24.06.2009 - 15:44 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 04.06.2009 Nr. 24
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an den Artikeln über ökonomisch verbrämten ökologischen Unfug, ist der euphorische Unterton, der in dieser Form etwa in einer Schulklasse von Hochbegabten-Darstellern zum tragen kommen könnte, die gerade diskutieren, wer von ihnen durch sein Elaborat Papa zur höchsten Taschengeld-Sonderzahlung bewegen wird. Nur das halt im richtigen Leben der Papa Staat heisst und sich das Taschengeld für die Subventionen bei den armen Leuten holt.
Liebe Frau Schramm,
es ist sehr lobenswert, dass Sie beim Thema CO2-arme Kohlekraftwerke den Blick vom relativ kleinen Deutschland auf die wirklich großen Emittenten China und Indien lenken.
Der entscheidende Aspekt der Thematik fehlt jedoch:
Existieren auf der Welt ausreichend große und geeignete Speichervorkommen? Die Spekulationen der geologischen Fachwelt über die Gesamtgröße saliner Aquifervolumina (der mit Abstand wichtigste Hoffnungsträger) streuen um mehr als drei Zehnerpotenzen! Dabei wäre nur bei optimistischer Schätzung die Speicherkapazität eventuell ausreichend für die Kohlekraftwerke dieser Welt.
International darf die weiße Kohle daher nicht die dringend notwendige Einführung von Energieeffizienz und regenerativen Energien bremsen, trotz oder gerade wegen der energetischen Kohledominanz in Ländern wie China, Indien, Polen.
Wir haben leider nicht viel Zeit für Experimente.
(Siehe dazu mein Beitrag vom 21.03.09 „CO2 – arme Kohlekraftwerke weltweit?“)
Dieser Artikel gibt eine gute Übersicht über die Möglichkeiten, Kohle als Energieträger zu erhalten. Allerdings wird auch deutlich gemacht, dass die Lagerung von CO2 möglicherweise gefährlich ist.
Gänzlich fehlt hingegen der Hinweis auf den Weg, den uns die Natur liefert, um das CO2 Problem vom Tisch zu bekommen: Den Kohlenstoffkreislauf. Dieser gestattet es der Natur dank der im Überfluss zur Verfügung stehenden Sonnenenergie, übers Jahr hinweg CO2 Produktion und Verbrauch im Gleichgewicht zu halten. Dabei spielt die Photsynthese mit ihrem lausigen Wirkungsgrad von unter 1% die zentrale Rolle.
Die Technik sollte langsam daran gehen, das Prinzip des Kohlenstoffkreislaufs industriell nachzubauen allerdings mit besseren Wirkungsgraden, als die Evolution hat erreichen können. Überführen wir die Darwinsche Evolution in eine Einsteinsche Evolution: Aus CO2 werden mithilfe von Wasserstoff -hergestellt durch Sonnenstrom zu Wirkungsgraden von 10% und darüber nach dem von Einstein entdeckten Prinzip der Photovoltaik oder aus Windstrom und der Elektrolyse von Wasser- Kohlenwasserstoffe am besten in flüssiger Form erzeugt.
Diese so hergestellten Brennstoffe könnten in bisherigen Kraftwerken oder Verbrennungsmotoren benutzt werden - man muss dann CO2 industriell aus der Atmosphäre wieder einsammeln- oder in hocheffizienten Verbrennungsmotoren und Kraftwerken, wo der Carnotwirkungsgrad durch hohe Betriebstemperaturen auf Spitzenwerte getrieben wird und im nachgeschalteten Abgasprozessor das CO2 wieder eingefangen wird, oder in Brennstoffzellen, wo flüssige Kohlenwasserstoffe Energie zum Strom und zum Einfang von CO2 liefern, das dann wieder in den Kreislauf eingebracht wird.
All dies ist Stand der Technik. Es geht nicht um wissenschaftliche Forschung sondern um handfeste Anwendung gut bekannter technischer Prozesse.
Die auf Kohlenstoff basierenden flüssigen Brennstoffe sind nicht von ungefähr so beliebt: sie sind leicht handhabbar, leicht lagerbar und stellen eine sehr hohe Energiedichte bereit, die weder Batterien noch gasförmige Brennstoffe erreichen können. Deshalb sollte man diese Brennstoffe auch weiterhin dem Verbraucher zur Verfügung stellen.
Nebenbeibemerkt, ich beschreibe hier kein perpetuum mobile, sondern eine Prozessführung, die den wertvollen Rohstoff Kohlenstoff nicht in die Luft verpuffen oder in unterirdischen Kavernen verschwinden lässt, sondern zur künftigen Endenergieversorgung recycliert.
Dazu wird natürlich mehr Energie als für die Bereitstellung der heutigen Energieträger Kohle und Öl benötigt. Denn die Energie, die dem Brennwert dieser Energieträger entspricht, wurde über Millionen Jahren hinweg bereits aufgebracht, um aus dem damals im Überfluss in der Atmosphäre vorhandenen CO2 über die Photosynthese Biomaterial zu erzeugen, das schließlich in Kohleflöze oder Öle gewandelt wurde. So muss man heute nur noch die Energie aufwenden, um die Brennstoffe verbrauchsgerecht zum Verbraucher zu bringen- also zum Betrieb von Bergwerken, Transport oder Raffinerien. Dieser Energieaufwand beträgt weniger als 10% des Brennwertes, der in den Brennstoffen steckt.
Der Recycling Process aber verlangt, dass nach der Energiewandlung das entstehende CO2 aufgefangen wird und dazu benötigt man etwa 10% des Brennwertes von Kohlewasserstoffen. Um aber aus CO2 wieder einen Brennstoff zu machen, muss man mindestens den im produzierten Brennstoff steckenden Brennwert als Energie bereitstellen. D.h. der Energieaufwand, um den Kreislauf in Gang zu halten beträgt mindestens das 1.1 fache des Brennwertes der aus dem CO2 erzeugten Brennstoffe; wahrscheinlicher ist ein Wert in der Nähe von1.2. Aber Energie ist ja in Form von Sonnenenergie im Überfluss vorhanden: Mehr als das 10000fache der vom Menschen täglich genutzten Energie wird täglich von der Sonne auf die Erde eingestrahlt.
Nutzt man Wind- und Sonnenkraftwerke ausschließlich dazu, CO2 in Kohlenwasserstoffe zu verwandeln, würde man das variierende Wind- und Sonnenenergieangebot in Brennstoffe binden, die genau dann ihre Energie in unserem Endenergiesystem von Kraftwerken und Verbrennungsmotoren freigeben, wenn sie benötigt wird.
Das schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: Das stochastische Energieangebot von Sonne und Wind wird verstetigt und CO2 gelangt in weit geringerem Masse in die Atmosphäre als bisher und kann auf Dauer stabilisiert und geregelt werden. Dies ist natürlich ein über Jahre anzulegendes Investitionsprogramm und entspricht in seiner Größenordnung der Neueinführung des Autos oder der Eisenbahn.
Aber stellen Sie sich vor, das Gerede um CO2 Ausstoss und nachfolgenden Klimawandel hätte ein Ende hat und jeder kann seine SUV oder benzinfressenden Luxusliner fahren, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben oder kann Rindfleisch essen, ohne ums Klima fürchten zu müssen.
Winfried Grüter
Bruxelles
Herzlichen Glückwunsch zu einem durchdachten Prinzip. Lesen dazu meinen Beitrag vom 23.12. 2008: Es ist erreicht: "Sieg über alle Krisen...." vom 23.12.2008.
ps: Die Kosten pro Liter Methanol, auf diese Weise hergestellt, liegt im Bereich von ca 1 Euro. Bei einem Erdölpreis von ca 100 $/barrel kann diese Technologie konkurrenzfähig sein.; d.h. es braucht keine Subventionen sondern nur eine faire Besteuerung der CO2 emittierenden Energieträger.
Woher ich das weiss: Ich arbeite seit über 30 Jahren in der Produktion von Grundchemikalien und habe ziemlich gute Kenntnisse von Kapitalinvestitionen, Instandhaltungskosten, sowie anderer anteiliger Veredelungskosten bei Betrieb von 250,000 bis 1000,000 Jahrestonnen grossen Chemieanlagen.
Aber es ist gut dass immer mehr Leute entdecken das die Sonne unsere Zunkunft ist und das z.B. das Desertec Projekt weitaus mehr bringen könnte als "nur" unseren Strombedarf zu decken.
Die Chancen und der Nutzen für diesen Umbau der globalen Industrie sind gewaltig und stellen als Wachstumspotential alles bisherige in den Schatten.
Herzlichen Glückwunsch zu einem durchdachten Prinzip. Lesen dazu meinen Beitrag vom 23.12. 2008: Es ist erreicht: "Sieg über alle Krisen...." vom 23.12.2008.
ps: Die Kosten pro Liter Methanol, auf diese Weise hergestellt, liegt im Bereich von ca 1 Euro. Bei einem Erdölpreis von ca 100 $/barrel kann diese Technologie konkurrenzfähig sein.; d.h. es braucht keine Subventionen sondern nur eine faire Besteuerung der CO2 emittierenden Energieträger.
Woher ich das weiss: Ich arbeite seit über 30 Jahren in der Produktion von Grundchemikalien und habe ziemlich gute Kenntnisse von Kapitalinvestitionen, Instandhaltungskosten, sowie anderer anteiliger Veredelungskosten bei Betrieb von 250,000 bis 1000,000 Jahrestonnen grossen Chemieanlagen.
Aber es ist gut dass immer mehr Leute entdecken das die Sonne unsere Zunkunft ist und das z.B. das Desertec Projekt weitaus mehr bringen könnte als "nur" unseren Strombedarf zu decken.
Die Chancen und der Nutzen für diesen Umbau der globalen Industrie sind gewaltig und stellen als Wachstumspotential alles bisherige in den Schatten.
Ich möchte hinzufügen, dass sich aus meinen Darlegungen für den Kohlenstoffkreislauf ergibt, dass eine Energiewirtschaft, die Kohlenwasserstoffe aus dem Recycling von CO2 benutzt, etwa 20% mehr Energie benötigt als im gegenwärtigen System, aber kein oder kaum noch CO2 in die Atmosphäre bläst.
Winfried Grüter
Bruxelles
Herzlichen Glückwunsch zu einem durchdachten Prinzip. Lesen dazu meinen Beitrag vom 23.12. 2008: Es ist erreicht: "Sieg über alle Krisen...." vom 23.12.2008.
ps: Die Kosten pro Liter Methanol, auf diese Weise hergestellt, liegt im Bereich von ca 1 Euro. Bei einem Erdölpreis von ca 100 $/barrel kann diese Technologie konkurrenzfähig sein.; d.h. es braucht keine Subventionen sondern nur eine faire Besteuerung der CO2 emittierenden Energieträger.
Woher ich das weiss: Ich arbeite seit über 30 Jahren in der Produktion von Grundchemikalien und habe ziemlich gute Kenntnisse von Kapitalinvestitionen, Instandhaltungskosten, sowie anderer anteiliger Veredelungskosten bei Betrieb von 250,000 bis 1000,000 Jahrestonnen grossen Chemieanlagen.
Aber es ist gut dass immer mehr Leute entdecken das die Sonne unsere Zunkunft ist und das z.B. das Desertec Projekt weitaus mehr bringen könnte als "nur" unseren Strombedarf zu decken.
Die Chancen und der Nutzen für diesen Umbau der globalen Industrie sind gewaltig und stellen als Wachstumspotential alles bisherige in den Schatten.
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