Für Anhänger des guten Tons ist es ein Widerspruch in sich: »Made for iPod« steht auf dem Karton, den die Herforder Hi-Fi-Manufaktur T+A nach Hamburg geschickt hat. Wie soll das gehen, die Versöhnung von MP3 und High End? Die Auflösung des Konflikts von platzsparender Datenreduktion und der Sehnsucht nach einer Klangwiedergabe, die dem Originalton möglichst nahe kommt?

In der High-End-Gemeinde werden heftige Glaubenskriege darum geführt, ob nur die gute alte Langspielplatte, kombiniert mit einem exzellenten Röhrenverstärker, der Wahrheit der Musik nahe kommt, oder ob hin und wieder auch eine gut aufgenommene CD akzeptabel ist. Für das Kultkästchen der Firma Apple und die Sammler transportabler Musik haben die Gemeindemitglieder normalerweise nur verächtliche Blicke übrig (und sortieren statt Downloads lieber zentnerschwere Plattenstapel).

Bei der argwöhnisch beäugten Datenkompression MP3 werden in einem ersten Schritt die beiden Stereokanäle in einem Kanal zusammengefasst und dazu nur die Differenzen zwischen den Kanälen abgespeichert. Das spart ordentlich Speicher. Audio-Informationen gehen dabei nicht verloren – beide Kanäle lassen sich originalgetreu rekonstruieren. Für die nächsten Schritte ist entscheidend, mit welchen Datenraten das Ausgangssignal verarbeitet wird, wie genau also der originale Frequenzgang in sein digitales Abbild verwandelt wird. Das MP3-Format erlaubt Datenraten von 8 Kilobit pro Sekunde bis zu 320 Kilobit pro Sekunde. Ab einer Bitrate von etwa 160 Kilobit pro Sekunde können viele Menschen das komprimierte Datenmaterial nicht mehr vom Original unterscheiden.

Beim direkten Vergleich und entsprechend hochwertiger Wiedergabetechnik sind jedoch schwer in Worte zu fassende Unterschiede vernehmbar. Das Kompressionsverfahren schneidet vom Menschen nicht hörbare Frequenzen und nicht bewusst wahrgenommene Töne aus dem Signal heraus. Der Höreindruck ist am ehesten dem optischen Eindruck beim Betrachten eines digitalisierten Bildes vergleichbar: Er erscheint »pixelig«.

Für High-End-Hörer gelten MP3-Player schlicht als inakzeptabel. Darum hat T+A schon vor einiger Zeit Aufsehen erregt, als das Unternehmen einen sogenannten Streaming-Client für seine High-End-Serie auf den Markt brachte, einen netzwerkfähigen Digital-Analog-Wandler, der hier keine CD-Signale in Musik übersetzt, sondern Daten aus dem Netz, vom USB-Stick oder vom iPod.

Im Karton steckt nun die jüngste Entwicklung aus Herford. Caruso, ein gerade 27 mal 27 Zentimeter großes und 17 Zentimeter hohes Kästchen, das mit neun Kilogramm erstaunlich viel wiegt und im Laden etwa 1990 Euro kostet. Kein Wunder, die Techniker von T+A haben in ihr Hi-Fi-Kompaktsystem alles hineingepackt, was der nomadisierende Musikfreund zu Hause braucht. Caruso hat einen UKW-Tuner ebenso eingebaut wie ein autarkes Internetradio (und einen Wecker). Der Nutzer kann CDs und DVDs abspielen, seine Lieblingssongs per USB-Stick einstöpseln, einen Netzwerk-Server ansteuern oder seinen iPod aufstecken.

Caruso spielt all das klaglos ab und gibt sich dabei trotz seiner Funktionsvielfalt frappierend unkompliziert. Ein automatischer Suchlauf sichert die besten UKW-Frequenzen in einer Liste, die der Nutzer nach Herzenslust bearbeiten kann. Der Tuner arbeitet trennscharf und präzise. Der Zugang zum Internet – drahtgebunden oder drahtlos – ist auch von Netzwerkunkundigen problemlos herzustellen. Nach wenigen Handgriffen und Tastendrucken sind Sender aus Brasilien oder Bulgarien zu empfangen, kann der musikalisch Weltreisende zwischen Sparten wie »Christlicher Rockmusik« und »Smooth Jazz« wählen.