Ressourcen Wald unterSeite 2/2

Doch bisher kann er das begehrte Umweltzertifikat nicht vorweisen. Der internationale Waldrat Forest Stewardship Council mit seinem FSC-Gütesiegel für sozial- und umweltverträgliche Waldwirtschaft tut sich beim Unterwasserholz schwer. Schließlich könne hier keine Waldbewirtschaftung mehr stattfinden. Es mangele an »waldbaulichen Zielen«, bemängelt Erika Müller von der FSC-Arbeitsgruppe Deutschland und stellt fest: »Auch eine nachträgliche Zertifizierung des unter Wasser stehenden Waldes ist nicht möglich.«

Tatsächlich aber »verwest das Holz langsam und belastet den See und die Atmosphäre«, sagt Michael Köhl, Professor am Zentrum für Holzwirtschaft der Universität Hamburg. 52000 Stauseen gibt es weltweit. Sie erzeugen rund vier Prozent der globalen Treibhausgase. Der brasilianische Tucuruí-Damm etwa sei »praktisch eine Methanfabrik«, sagt der Klimaexperte Philip M. Fearnside vom National Institute for Amazon Research im brasilianischen Manaus. Die panamaische Holzfirma Ardan International, Lizenznehmerin der Kanalbehörde, rechnet vor: Durch die Nutzung des Unterwasserwaldes im Panamakanal ließen sich pro Jahr fast eine Million Tonnen Kohlendioxid einsparen. 185 Millionen US-Dollar könne Panama in zwanzig Jahren mit dem Verkauf entsprechender CO₂-Emissionsrechte einnehmen. Eine zweifelhafte Rechnung. »Tropenholz zerfällt sehr langsam«, meint Patrick McCully, Direktor der International Rivers Organization. »Viele andere organische Stoffe wie Blattwerk und Pflanzen machen mehr aus.« Die aber bleiben im See.

Die Unterwasser-Holzfäller betonen indes: Immerhin könne die Ernte von Stauseeholz dazu beitragen, über der Wasseroberfläche Kahlschlag und illegalen Holzhandel zu vermindern. 500 Millionen Kubikmeter Holz könnten weltweit aus Stauseen geborgen werden, schätzt die kanadische Firma Triton Logging. Wo genau, will Sprecher Jim Hayhurst allerdings nicht preisgeben. »Wir sind Goldsucher«, sagt er. Es gehe immer um die besten Plätze.

Der Edelholz-Goldrausch – ob nun ökologisch zuträglich oder nicht – beflügelt Fantasie und Erfindergeist. So hat Triton einen Tauchroboter namens Sawfish (Sägefisch) entwickelt, der automatisch Stämme ortet, fällt und an die Oberfläche bringt. Im malaysischen Lake Kenyir, dem größten Stausee Südostasiens, tauchte der Roboterfisch vergangenes Jahr nach Tropenholz – und biss sich daran die Zähne aus. Konkurrenzgeräten aus Frankreich erging es ebenso. Die malaysische Partnerfirma Golden Pharos sucht nun nach neuer Technik, Triton ist aus dem Projekt raus. Zwar birgt Sawfish in Kanada bereits versunkene Pinien, Kiefern und Fichten. Deren Stämme aber sind relativ weich, und ihr Marktwert ist nicht mit dem der Riesen im Kenyir- oder Gatúnsee vergleichbar. Wer diese Schätze bergen will, benötigt weiterhin Tauchermaske, Flossen und Kettensäge.

 
Leser-Kommentare
    • Hugo_P
    • 08.06.2009 um 23:35 Uhr

    Im sanft strömenden Wasser haben sich über die Jahrzehnte Spannungen im Gewebe abgebaut, es hat Gerbsäure und Harze ausgewaschen.
    (aus dem Artikel)

    Genau das, also Gerbstoffe und die Harze machen das Holz doch so haltbar und wertvoll. Wenn die weg sind, musses aufwendig behandelt werden (Pilze, Insekten). Der Umweltschutzfaktor schrumpft damit erheblich.
    Brennen tuts bestimmt gut, wenns trocken ist.

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