Gert Schramm Der "Neger" von BuchenwaldSeite 2/2
In seinem Wohnzimmer im brandenburgischen Eberswalde, wo er seit vielen Jahren als Taxiunternehmer lebt, hängt heute eine deutsche Ikone über dem braunen Sofa: röhrender Hirsch vor Alpenpanorama. Schramm ist Vater von vier Kindern, Großvater und inzwischen auch Urgroßvater, und seit letztem Jahr ist er verwitwet. Was hat sein Leben gerettet? »Es war Solidarität«, sagt er voller Überzeugung. Seine Mithäftlinge beschützten ihn, den dunkelhäutigen Jungen, mit einer Zivilcourage, die er als schwarzer Deutscher im Osten heute manchmal vermisst. Zu oft hat er als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr nach der Wiedervereinigung Brandsätze löschen müssen, die neue Nazis wieder und immer noch auf Menschen werfen.
Gert Schramm ist kein politischer Mensch und gehörte nie einer Partei an. Doch wenn heute in Deutschland Menschen von Neo-Nazis durch die Straßen gejagt werden, sieht er darin vor allem politisches Versagen. Seit Jahren besucht er Schulen, um von Buchenwald zu erzählen. Oft sitzt er dabei Jugendlichen gegenüber, die ihre rechte Gesinnung durch Springerstiefel und Glatzenhaarschnitt deutlich zeigen. Er engagiert sich im Häftlingsbeirat der Gedenkstätte gegen das Vergessen. Dass man sich dem Bösen früh entgegenstellen muss, ist Schramms Lebenslehre. Im ersten schwarzen Präsidenten Amerikas sieht er ein Vorbild und einen Hoffnungsträger: »Dass sie nur gut auf ihn aufpassen, damit ihm nicht dasselbe passiert wie Kennedy!« Wenn Gert Schramm Barack Obama in Buchenwald treffen sollte, will er ihm für die Rolle Amerikas bei der Befreiung von den Nazis danken.
- Datum 05.06.2009 - 14:57 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 04.06.2009 Nr. 24
- Kommentare 2
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Der Nazi-Begriff für das "Verbrechen", das Gert Schramms Mutter begangen hatte, war "Rassenschande", nicht "Blutschande" - letzteres war damals und auch noch lange nach den Ende des Nazi-Regimes der juristische Ausdruck für Inzest!
Leider Fremdwort im doppelten Sinne nowadays. Wird erst bei der nächsten Katstrophe neu erwachen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren