DONNERSTALK Piraten an die Macht
Alfred Dorfer setzt in Zeiten der Krise auf das Können furchtloser Freibeuter
Schweden, das im Juli den EU-Ratsvorsitz übernehmen wird, entsendet nun also einen Korsaren in das europäische Parlament. Rickard Falkvinge, Chef der Piratenpartei (7,1 Prozent der Stimmen), kämpft gegen Softwarepatente und für eine Stärkung der Bürgerrechte in elektronischen Netzwerken. Mitunter kapern seine Leute auch die eine oder andere Domain. Zugegeben, ein ehrwürdiges Unterfangen. Aber benötigte Europa in diesen rauen Zeiten nicht eine Partei tatsächlicher Piraten? Wäre es nicht sinnvoll, furchtlose Männer, gestählt auf den stürmischen Ozeanen der Ökonomie, in die Politik zu rufen, damit der abgetakelte Finanzkahn wieder Fahrt macht? Diese harten Kerle sind durch Wind und Wetter der Konjunktur gesegelt und dennoch immer wieder in ruhige Gewässer gelangt. Ihre Methoden sind zwar fragwürdig, aber immerhin effizient. Aufsichtsräte der Asfinag beispielsweise. Sie lauern unbedarften Kraftfahrern auf unwegsamen Autostraßen, etwa der Westautobahn, auf. Gegen das vage Versprechen, die Verkehrswege sicherer und schneller zu gestalten, wurde den Naiven Geld abgeknöpft, ehe man sie weiterziehen ließ. Das Ergebnis ist bekannt. Die Schlaglöcher blieben, die Wegzeit erinnert an Postkutschenfahrten. Dennoch floss reichlich Beute in die prallen Geldbeutel der Freibeuter. Wegzoll abzupressen ohne ersichtlichen Gegenwert wird erfolgreich Schule machen. Neue Männer braucht das Land! Wie lange wird Europa auf dieses Potenzial noch verzichten können?
- Datum 11.06.2009 - 15:34 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 10.06.2009 Nr. 25
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