Alzheimer Ansteckende Schlagzeile
Der Auslöser von Alzheimer breitet sich im Gehirn aus wie ein Keim – infektiös ist er deshalb nicht.
Es gibt Meldungen, die ziehen Journalisten magisch an. »Kann die Alzheimer-Krankheit infektiös sein?« titelte die Nature -Pressestelle in ihrer jüngsten Mitteilung. Was stört da noch das einschränkende Fragezeichen. Wenn sich nur im Ansatz abzeichnen sollte, dass die Alzheimer-Demenz unter Menschen wie der Rinderwahnsinn unter den Tieren grassieren kann, wäre das eine Sensation. Und so griffen britische und deutsche Medien das Thema gern auf.
Der graue Titel des Fachartikels selbst hätte es wohl kaum in die Schlagzeilen geschafft: »Übertragung und Verbreitung von Tautopathien in Gehirnen von transgenen Mäusen« . Dabei ist der Inhalt der Arbeit nicht weniger spannend als das Doomsday-Szenario von der Demenz-Epidemie. Markus Tolnay vom Institut für Neuropathologie der Basler Universität und Michel Goedert vom MRC Laboratory of Molecular Biology in Cambridge sind dem Geheimnis der Alzheimer-Krankheit ein Stück nähergekommen – und damit möglichen Therapien.
Schon Alois Alzheimer hatte vor hundert Jahren in Hirngewebeschnitten einer verstorbenen demenzkranken Patientin massenhaft Eiweißablagerungen zwischen den Hirnzellen entdeckt, sogenannte Plaques. Seit Kurzem verdichten sich die Hinweise, dass abnorm geformte Tau-Proteine innerhalb der Hirnzellen entscheidend für die Entstehung der Eiweißplaques sind. Den exotischen Tau-Proteinen können weder Hitze noch Säure etwas anhaben – und sie breiten sich, wie die Arbeit von Tolnay und Goedert zeigt, im Gehirn aus.
Diese Eigenschaften teilen die Proteine zwar mit dem Auslöser des Rinderwahns, den Prionen. Aber der Arzt und Molekularbiologe Michel Goedert sieht keinen Grund zur Besorgnis: »Es gibt keine Evidenz, dass Alzheimer von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.« Für eine Übertragung müsste man schon den Menschen das Material direkt ins Gehirn injizieren. Auf diese Weise hatte Goedert in seinem Versuch auch genetisch veränderte Mäusen »infiziert«.
Die zentrale Erkenntnis ist eine andere: Die Krankheit nimmt ihren Ausgang von einigen lokalen Tau-Proteinen, die sich ausbreiten und dann bald zu sehr toxischen Fasern zusammenballen. »Wenn man versteht, wie sich diese Proteine ausbreiten«, sagt Goedert, »dann kann man die Ausbreitung vielleicht im Anfangsstadium unterbinden und damit das Aufreten von Symptomen verhindern.«
Doch Nature brauchte für den richtigen Spin in der Pressemitteilung noch die Andeutung der Ansteckung. »Damit haben wir nichts zu tun«, sagt Goedert. Ihn ärgert, dass in der Verlautbarung das Wort contagious gleich zweimal vorkommt. »Das bedeutet auf Englisch so ungefähr das Gleiche, wie wenn man die Grippe kriegt.« Zumindest britische Zeitungen reagierten besonnen und hielten sich an einen der Mitteilung angehängten Text. In dem lehnt Goedert die Ansteckungstheorie explizit ab.
Interessanterweise schreibt Nature unter seine Pressemitteilungen regelmäßig den Zusatz: »Wenn Sie jemals der Meinung sein sollten, dass eine Story aufgebauscht ist, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren.« Die Mail-Adresse: press@nature.com.
- Datum 13.06.2009 - 18:01 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 10.06.2009 Nr. 25
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Man kann offensichtlich durch eigenes Verhalten viel dagegen tun.
Ich fand einen Bericht über Nonnen sehr interessant. Die sind bis ins höchste Alter sehr fit, geistig und körperlich, und machen auch mit 90 noch relativ schwere Gartenarbeit, reden mit fester Stimme und sind flink im Denken.
Nun haben Nonnen einen komplett anderen Lebensstil als die restliche Gesellschaft, die zunehmend unter Wohlstandskrankheiten wie Diabetes leidet und wo auch Demenz ein zunehmendes Problem ist.
Ich denke, das ist ganz unwissenschaftlich, der Mensch ist nicht zum "Rasten" gemacht sondern zur Bewegung, zur Arbeit, zum "gebraucht werden" in der menschlichen Gemeinschaft bzw eine Aufgabe haben. Wir machen immer noch den Fehler es als erstrebenswert zu sehen ab einem gewissen Alter nur noch "Freizeit" zu haben. Mich macht schon der Gedanke verrückt.
Das kommt wohl aus der Zeit als "Maloche" noch das täglich Brot der Mehrheit war. Heute ja der Minderheit. Da war es aufgrund der körperlich schweren Arbeit mit Sicherheit notwendig ab einem gewissen Alter zu sagen "du hast genug geleistet".
Was die anderen, die Bürokaufmänner und dergleichen, aber brauchen ist auch keine Beschäftigungstherapie a la Schülerlotse sondern wirklich ein echtes gebraucht werden in der Gesellschaft, auch mit echter Verantwortung.
Wir müssen da Wege finden in unserem Arbeitsleben.
Vielleicht eher in Richtung Ausbildung, warum nutzen wir die Lebenserfahrung der Alten so wenig und schicken sie heim und zahlen ihnen jeden Monat viel Geld damit sie daheim bleiben? Die haben Jahrzehnte Erfahrung und wir Jungen können mehr von dieser praktischen Erfahrung lernen als aus allen Büchern oder in allen Schulen.
Da gibt es mit Sicherheit Wege zum Wohl aller.
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