Keine Staatshilfe Nach Gutsherrenart
Der Fall Arcandor zeigt, wie undurchsichtig die Vergabe von staatlichen Bürgschaften verläuft
Er schien eine gute Idee: der Deutschlandfonds, mit dem der Staat die Wirtschaft retten will. Inzwischen aber wachsen Zweifel. Wer darf die Hilfe in Anspruch nehmen, wer muss Pleite gehen? Schon sollen es über 1000 Unternehmen sein, die eine staatliche Bürgschaft oder Kredite möchten.
Die ersten Entscheidungen aus Berlin lassen alle Hoffnung schwinden, dass es in diesem Verteilungskampf gerecht zugeht. Es bleibt nebulös, von welchen Fakten sich das politische Spitzenpersonal leiten lässt, wenn es über das Schicksal Zigtausender Menschen entscheidet. Die dürftigen Kriterien für die Bürgschaftsvergabe taugen nicht für tragfähige Beschlüsse. Zudem herrscht Geheimniskrämerei. Wichtige Dokumente werden unter Verschluss gehalten. Bei der Verteilung von Steuergeldern in einem unvorstellbaren Ausmaß ist wirksame Kontrolle unmöglich.
Damit setzen sich die Entscheidungsträger dem Verdacht aus, die Interessen unfähiger Manager zu vertreten, kurz vor den Wahlen populistisch zu handeln – oder Arbeitsplätze in der Industrie wichtiger zu finden als die Interessen von Verkäuferinnen. Arcandor liefert dafür ein Beispiel.
Nach wochenlangen Debatten mit Konzernchef Karl-Gerhard Eick sah es am Montagabend danach aus, als ob die Bundesregierung den Touristik- und Warenhauskonzern fallen lässt. Zwar bestand noch eine kleine Hoffnung, dass Eick wenigstens einen Notkredit erhält, der kurzfristig Luft verschafft. Doch dabei handelt es sich um eine Rettungsbeihilfe, die aus einem anderen Topf gezahlt wird als dem Deutschlandfonds. Die aber muss in Brüssel genehmigt und in sechs Monaten zurückgezahlt werden. Immerhin gibt ein solcher Kredit Zeit, nach sozialverträglichen und betriebswirtschaftlich vertretbaren Lösungen zu suchen.
Die von Metro-Chef Eckhard Cordes vorgeschlagene Fusion von Karstadt und Kaufhof zur Warenhaus AG ist – entgegen allen Behauptungen – keine privatwirtschaftliche Alternative zur staatlichen Hilfe. Denn Cordes will kein Geld ausgeben für die Karstadt-Häuser. Die Schulden von Arcandor möchte er erst recht nicht übernehmen, und die hohen Mieten werden auch nicht automatisch sinken.
Ohne staatliche Hilfe, das war schon länger klar, muss der Arcandor-Chef Insolvenz anmelden. Die aber dürfte den Konzern zerreißen. Die Reisetochter Thomas Cook wird im Fall der Pleite wohl in den Besitz jener Banken übergehen, die sich längst die Aktien des Touristikunternehmens als Pfand für ihre Kredite gesichert haben. Das Versandhaus Quelle würde indes voll in den Abwärtssog geraten. Auch dort bangen 20.000 Menschen um ihre Arbeit. Natürlich ist es nicht so, dass bei einer Insolvenz auf einen Schlag gleich alle Geschäfte schließen müssten. Allerdings böte die bereits eingeleitete Sanierung die Chance, deutlich mehr Arbeitsplätze zu erhalten. Das liegt schon allein daran, dass auch Geschäftspartner von einer Pleite in Mitleidenschaft gezogen würden. Die Post hat bereits verkündet, dass bei ihr 4000 Mitarbeiter betroffen wären.
Für die Antragsteller in der Warteschleife des Deutschlandfonds bleiben drängende Fragen: Inwiefern hat Arcandor angeblich die Kriterien dieses Fonds nicht erfüllt? Und: Kann mir das auch passieren? Es soll nur Unternehmen geholfen werden, die nicht schon vor Juli 2008 in Schwierigkeiten gewesen seien, hieß es sowohl im Bundeswirtschaftsministerium als auch in der EU-Wettbewerbskommission. Nur: Was heißt das eigentlich? Laut Geschäftsbericht von Arcandor betrug der operative Gewinn Mitte Juni 2008 rund 200 Millionen Euro – und war damit im Vergleich zum Jahr davor glatt doppelt so hoch. Heidelberger Druck bekam hingegen eine Bürgschaft – trotz eines Betriebsverlustes von 35 Millionen Euro.
- Datum 09.06.2009 - 15:07 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 10.06.2009 Nr. 25
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Das Prinzip könnte doch so einfach sein. Trennung von Politik und Wirtschaft. Wenn Banken drohen, Pleite zu gehen, dann müssen sie das auch tun können, denn sonst ist dem ungehemmten Wahnsinn ja Tor und Tür geöffnet.
Und wenn sich ein Unternehmen an die Wand fährt, ist es für die vielen Arbeitnehmer zwar traurig, aber in einer fressen-oder-gefressen werden Gesellschaft bleibt da nichts von Humanismus übrig.
Sobald der Staat auch nur einmal anfängt, weckt er doch die Begehrlichkeiten bei all denen, deren taschen nie gross genug sein können. So könnte die "Krise" bei Arcandor durch die Portokasse einiger dubioser Inhaber locker geretten werden. Aber da geht es ja ans eigene geld. Andersrum ist es doch viel angenehmer, da zahlt der deutsche Michel noch die nächste Jacht. ( Sorry für die Polemik, musste heute mrogen mal sein )
Eigentlich sollten alle systemrelevanten Funktionen in der Hand des Staates liegen und alle nicht systemrelevanten in Privathand. Es geht nicht an, dass der Staat die Risiken übernimmt und die Privatwirtschaft die Gewinne.
Staatsfunktionen sind das Straßen, Schienennetz, Pipelines, Stromleitungen, Kommunikationsnetze, ... und eben auch Geldverkehr. Oder Bildung, innere und äußere Sicherheit.
Wenn man einer Bank Geld zum Verwahren oder zum Weiterleiten gibt, muss die Verwahrung oder der Verkehr sicher funktionieren.
Beteiligungen, Derivate und ähnliches gehört völlig unabhängig davon in private Hand.
Andere Unternehmen sind grundsätzlich nicht systemrelevant. Opel wird ohne Probleme durch VW, einen Inder oder Chinesen ersetzt.
Karstadt wird durch Kaufhof oder etwas anderes ersetzt. Davon geht die Wirtschaft nicht unter. Ganz im Gegenteil, sie optimiert sich und macht sich für die Zukunft stark.
Eigentlich sollten alle systemrelevanten Funktionen in der Hand des Staates liegen und alle nicht systemrelevanten in Privathand. Es geht nicht an, dass der Staat die Risiken übernimmt und die Privatwirtschaft die Gewinne.
Staatsfunktionen sind das Straßen, Schienennetz, Pipelines, Stromleitungen, Kommunikationsnetze, ... und eben auch Geldverkehr. Oder Bildung, innere und äußere Sicherheit.
Wenn man einer Bank Geld zum Verwahren oder zum Weiterleiten gibt, muss die Verwahrung oder der Verkehr sicher funktionieren.
Beteiligungen, Derivate und ähnliches gehört völlig unabhängig davon in private Hand.
Andere Unternehmen sind grundsätzlich nicht systemrelevant. Opel wird ohne Probleme durch VW, einen Inder oder Chinesen ersetzt.
Karstadt wird durch Kaufhof oder etwas anderes ersetzt. Davon geht die Wirtschaft nicht unter. Ganz im Gegenteil, sie optimiert sich und macht sich für die Zukunft stark.
... mal einer folgendes:
Heute morgen im Radio höre ich viel über Arcandor ... und das nu alles furchtbar schnell gehen muss - am besten bis Donnerstag (glaub ich) weil da Kredite fällig werden ... deshalb müsse man nun Nachtschichten einlegen um die Politik noch zu überreden.
Fällt denen das wirklich nur Tage bzw. Wochen vorher auf??? Uppps!!
Unser Unternehmen geht ja pleite oh gott nu muss es aber ganz schnell gehen...
WAS MACHEN die verantwortlichen den den ganzen Tag. Schlendern eines morgens ins Büro und holter die polter ist ein Unternehmen von der Grösse einen Ozeanriesen pleite?
Ich räume dabei sofort ein die Geschichte zu naiv zu sehen!! Wenn es mir einer erklärt!
Mal ganz zu schweigen von meinem verzweifelten Versuch vor nicht allzu langer Zeit mal was bei Karstadt zu kaufen.
Artikel nicht gefunden --- Nachgefragt --- ANtwort ist nicht da -- PUNKT.
Nix von wegen wir gucken mal in einer der x Filialen in der Umgebung wie das schnell bekommen - das ist in anderen Geschäften Standart.
NENENE es gibt ja viel worüber man sich ärgern könnte - wie gut, dass man nicht muss
Der verlinkte Artikel zum Thema "Kapitalabsaugung über die Mieten" stammt vom 23.April ... also von vor sechs Wochen ...
...das wars dann karstadt erfahrung verlief so:
ich hätte gerne einen anzug in der größe 110. bitte.(?) da hatten wir einen da vor nem monat. hättense früher kommen müssen. danke.
Der verlinkte Artikel zum Thema "Kapitalabsaugung über die Mieten" stammt vom 23.April ... also von vor sechs Wochen ...
...das wars dann karstadt erfahrung verlief so:
ich hätte gerne einen anzug in der größe 110. bitte.(?) da hatten wir einen da vor nem monat. hättense früher kommen müssen. danke.
Wenn der Laden pleite geht, es also zu einem Mietausfall kommt, wird es aber bei Goldman Sachs erhebliches Stirnrunzeln geben! Sowohl über den Staatssekretär als auch seinen Minister!! Und das gefährdet ernsthaft die Altersversorgung!!!
Also - warten Sie nur ab, Frau Lütge.
Der verlinkte Artikel zum Thema "Kapitalabsaugung über die Mieten" stammt vom 23.April ... also von vor sechs Wochen ...
??? und meinst du 6 Wochen sind dabei viel oder wenig ???
Geht ja doch wohl nicht nur um Mieten.
??? und meinst du 6 Wochen sind dabei viel oder wenig ???
Geht ja doch wohl nicht nur um Mieten.
??? und meinst du 6 Wochen sind dabei viel oder wenig ???
Geht ja doch wohl nicht nur um Mieten.
Es ist ja eine Sache, sich über undurchsichtige Kriterien bei der Entscheidung, in welches schwarze Loch demnächst einige Milliarden an Steuergeldern versenkt werden, aufzuregen, eine andere ist, dass dies aber durchaus dem Standard in Dland entspricht. Aktuell fällt es nur besonders auf, da wahlbedingt die Bereitschaft der Politik, das Geld der Leute, auf deren Wählerstimmen sie zählt, mit vollen Händen zum Fenster hinauszuwerfen noch grösser ist als sonst. Andererseits ist die Schlange der Bittsteller doch etwas arg lang geworden, und man muss dem einen oder anderen Pleitier folglich doch einen Korb geben.
Natürlich wird hier nach recht fraglichen Kriterien entschieden, aber mal ehrlich: wann hatte der deutsche Wähler und Steuerzahler je bei der Frage, wofür sein Geld ausgegeben wird, ein Wörtchen mitzureden? Entmündigung ist der Normalzustand der deutschen Steuermelkkühe, so why bother?
So, Bosheit aus, und jetzt was positives: Das gute an den schlechten Zeiten ist möglicherweise, dass viele liebgewordene alte Gewohnheiten notgedrungen aufgegeben oder zur Disposition gestellt werden müssen. Theoretisch könnte dies auch dazu führen, dass im politischen Alltag einige alte Zöpfe abgeschnitten werden. Hierzu müsste sich allerdings das Stimmvieh erstmal auf die Hinterbeine stellen und den aufrechten Gang lernen. Mal sehen, was bei rauskommt....
.. und stelle mir dabei die Frage, was eigentlich passieren muss, damit das Stimmvieh den aufrechten Gang lernt. Und wo geht es dann hin? Und wie?
Weiterhin nur irgendwo sein Kreuzchen zu machen, dient in dieser Lobbykratie jedenfalls niemandem, ausser den Lobbyisten und ihren Auftraggebern.
Also müsste das Stimmvieh erkennen, das es eine Stimme hat und was das bedeutet. Zum Ankreuzen braucht man jedenfalls keine Stimme - dafür reicht ein Stift in der Hand. Was also soll Michel mit seiner Stimme machen? Sie eventuell erheben...?
Ich befürchte, in Deutschland stoßen wir dabei auf ein kulturelles Problem.
.. und stelle mir dabei die Frage, was eigentlich passieren muss, damit das Stimmvieh den aufrechten Gang lernt. Und wo geht es dann hin? Und wie?
Weiterhin nur irgendwo sein Kreuzchen zu machen, dient in dieser Lobbykratie jedenfalls niemandem, ausser den Lobbyisten und ihren Auftraggebern.
Also müsste das Stimmvieh erkennen, das es eine Stimme hat und was das bedeutet. Zum Ankreuzen braucht man jedenfalls keine Stimme - dafür reicht ein Stift in der Hand. Was also soll Michel mit seiner Stimme machen? Sie eventuell erheben...?
Ich befürchte, in Deutschland stoßen wir dabei auf ein kulturelles Problem.
> ??? und meinst du 6 Wochen sind dabei viel oder wenig ???
Das kommt darauf an:
Um eine Lösung zu finden, sind 6 Wochen ja viel Zeit.
Aber um die gemeinen Steuerbürger zu erpressen, ist 6 Wochen zu viel.
"Morgan pleite" - da rollt der Rubel!
>Geht ja doch wohl nicht nur um Mieten.
Selbstverständlich nicht.
Es geht um die Frage, ob Frau Schickedanz und SalOppenheimer und Goldman Sachs enteignet werden! Um die Grundfesten des Christlichen Abendlandes: Wer hat, dem wird gegeben (Matt. 13,12)!
Was heißt "Arcandor" eigentlich? Das weiß niemand, kein Mitarbeiter, kein Kunde!
.. und undurchsichtig wie der dreist unfähige Service in diesen Kaufhäusern und das schleppende Bedientwerden an der e i n e n Kasse, zu denen drei frühere Bereichstheken in den Einkaufsebenen zusammen gelegt wurden (um Personal zu sparen...).
Jetzt, wo die City-Billig-Kundensause nach Fehlspekulationen zu Ende geht, plärrt das zu meist schlecht ausgebildete Personal um Mitleid der Käufer und der Politiker; losgeschickt zu den letzten Wahlkampfshows auf den Märkten von den Chefs. - Bedienung...? Die steht vor den Partei-Tribünen draußen - und hält Plakätchen hoch: "Wir sind die City!"
*
Hochnotpeinlich die Firma wie diese gestylte website:
http://www.arcandor.com
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