Kinderbuch "Struwwelpeter"

Heinrich Hoffmanns Kinderbuch ist berühmt und umstritten. Wie wird sein "Struwwelpeter" heute gelesen? An was erinnert man sich? Eine Umfrage unter ZEIT-Autoren

Vor 200 Jahren, am 13. Juni 1809, wurde Heinrich Hoffmann geboren, der uns den »Struwwelpeter« beschert hat, das vielleicht berühmteste, umstrittenste, meist verhöhnte, immer gefürchtete Kinderbuch der Welt. Gemalt 1844 als Weihnachtsgeschenk für Carl, den dreijährigen Sohn, hat Hoffmann 1845 auf Drängen von Freunden die neun selbst gebundenen Geschichten veröffentlicht, in einer Woche wurden 1500 Stück verkauft, in 36 Jahren 100 Auflagen gedruckt. Hoffmann, der Arzt war, schrieb unter dem Pseudonym Reimerich Kinderlieb. Wie wird sein »Struwwelpeter« heute gelesen? Welche Schrecken, Freuden hat er in der Erinnerung hinterlassen? An welche Figuren erinnert man sich? Eine Umfrage unter ZEIT-Autoren

Was für ein Glück

Anzeige

Von Jens Jessen
Dem Hund geht es am besten

Neben all den Schreckensszenen, die mich als Kind entsetzten (an einige mochte ich nicht einmal denken), enthielt der Struwwelpeter auch ein Sehnsuchtsbild. Es ist das Sehnsuchtsbild der revolutionären Gerechtigkeit. Der Hund, noch eben vom bösen Friederich geprügelt, sitzt an dessen Tisch und tafelt. »Aß auch die gute Leberwurst / Und trank den Wein für seinen Durst.« Der Struwwelpeter , so sehr er sich in schadenfroher Pädagogik gefällt, hat ein Herz für diskriminierte Minderheiten. Es gibt die Geschichte vom großen Nikolaus, der die Buben dafür straft, den Mohr ausgelacht zu haben; es gibt das Häschen, das dem Jäger die Flinte entwendet und der Jägersfrau die Tasse zerschießt. Aber während die Revolte des Hasen scheitert, insofern, als seine Nachkommen die Folgen der Tat ausbaden müssen (dem Hasenkind spritzt der heiße Kaffee auf die Nase), hat der Hund für einen kostbaren historischen Moment tatsächlich den Platz der Herrschenden eingenommen. Auch wenn er mit unübersehbarer proletarischer Direktheit vom Teller frisst, hat er doch zum Symbol seines Sieges die Serviette der Mächtigen umgebunden. Auch die Zuchtrute der Unterdrücker ist in seinem Besitz. »Die Peitsche hat er mitgebracht / Und nimmt sie sorglich sehr in acht.« Nie wieder soll sie zum Einsatz kommen. Der Hund tafelt nicht nur zum Ausgleich des erlittenen Schmerzes, sondern auch zur Belohnung seiner tapferen Notwehr. Er hat sich nicht hündisch ergeben prügeln lassen, sondern den bösen Friederich mannhaft ins Bein gebissen. Das ist heutzutage, wo ein Hund immer Unrecht hat, auch wenn er provoziert wurde, erst recht aktuell. Die Verfolgung und Diskriminierung von Hunden ist ja der einzig verbliebene Rassismus, den sich Deutschland noch gönnt. Darum: Hunde aller Länder, vereinigt euch! Nach der Wurst und dem Wein winkt euch, wie das Bild deutlich zeigt, auch noch der Napfkuchen.

Lachende Fische

Von Ulrich Greiner
Hanns Guck-in-die-Luft hat Humor

»Guck vor dich!«, rief die Mutter, aber meistens war es schon zu spät, schon wieder war der kleine Junge hingefallen, hatte sich das Knie aufgeschlagen, was die Mutter weniger wegen des Knies bekümmerte als wegen der Hose, die gestopft werden musste. Weil’s alles nichts half, las sie ihm die Geschichte vom Hanns Guck-in-die-Luft vor: »Wenn der Hanns zur Schule ging, / Stets sein Blick am Himmel hing. / Nach den Dächern, Wolken, Schwalben / Schaut er aufwärts, allenthalben: / Vor die eignen Füße dicht, / Ja, da sah der Bursche nicht.« Das Wort Bursche hat einen leicht drohenden Klang, aber die Geschichte geht glimpflich aus: Hanns, der über die Kaimauer hinweg geradewegs ins Wasser marschiert ist, wird von zwei Männern gerettet. Da steht er nun: »Wasser läuft dem armen Wicht / Aus den Haaren ins Gesicht, / Aus den Kleidern, von den Armen; / Und es friert ihn zum Erbarmen. / Doch die Fischlein alle drei, / Schwimmen hurtig gleich herbei; / Strecken ’s Köpflein aus der Flut, / Lachen, dass man’s hören tut, / Lachen fort noch lange Zeit; / Und die Mappe schwimmt schon weit.«

Da lachen ja die Fische! Das Schlimmste an der Geschichte war ihre Peinlichkeit, waren Hohn und Spott sogar der stummsten aller Kreaturen. Und das Zweitschlimmste war die Mappe. Anstatt wenigstens anständig unterzugehen, schwamm sie als Zeichen der Schande weit aus dem Bild hinaus, sodass alle, alle es sehen konnten. – Ist das schwarze Pädagogik? Eher schwarzer Humor. Denn der kleine Junge hatte sich nicht allein für Hanns geschämt, sondern er hatte den Witz der Geschichte umso mehr geliebt. Der Humor des Struwwelpeter ist zuweilen menschlicher als die Pädagogik der ewig Verständnisvollen.

Das Mädchen

Paulinchen war allein zu Haus
Von Elisabeth von Thadden

Die Puppe ist plötzlich weg. Verschwunden. Deshalb besteht der Struwwelpeter wegen der Unaufmerksamkeit seines Autors den primären Lesertest nicht: In Bild eins betritt Paulinchen mit der Puppe an der Hand die Szene, dann zündelt das Kind in Bild Nummer zwei, die Puppe liegt jetzt in der Ecke weit hinten, in Bild drei steht das Kind in Flammen, keine Puppe mehr nirgends zu sehen, in Bild vier herrscht Katzenjammer um ein Aschehäuflein herum, und wäre der Autor Heinrich Hoffmann sorgfältig gewesen, dann hätten es zwei Häuflein Asche sein müssen. War er aber nicht.

Das ist schon immer der größte Ärger für lesende Kinder gewesen, wenn Leute ihre Bücher nicht rundum sorgfältig schreiben, dann nämlich wittert das Kind pure pädagogische Absicht, und, frei nach Goethes Torquato Tasso, »man ist verstimmt«. Eine frisch improvisierte Befragung von Mädchen dreier Generationen, von Jahrgang 1930 an, bestätigt: Wer eine Puppe in eine Geschichte erst reinmalt und sie dann unterwegs einfach vergisst, verfolgt mit seinem Buch wahrscheinlich unlautere Absichten.

Andererseits: Immerhin, hier ist ein Mädchen! Paulinchen, die mal allein zu Haus war, ist das einzige Mädchen im Struwwelpeter, und es darf eine der wenigen kostbaren menschlichen Eigenschaften in diesem Buch verkörpern, nämlich die Entdeckerlust, inklusive Risikobereitschaft. Was immer der Autor Hoffmann im Untergeschoss seiner Seele intendiert haben mag, da hat er nebenbei das weibliche Geschlecht mal richtig geadelt. Die Jungs sind: aggressiv (Friederich, der Wüterich), verächtlich (gegenüber dem armen kohlpechrabenschwarzen Mohr), unkonzentriert (Philipp), verträumt (Robert), babyhaft (Daumenlutscher Konrad), allesamt werden heutzutage als Vorformen von psychopathologischen Sonderbarkeiten betrachtet.

Hingegen Paulinchen: freut sich aufs Unbekannte, traut sich ins Unbekannte, will Lernen durch Nachahmung, mit Angstlust, Lustangst, alles dabei. Das zutreffende Wort hierfür wäre: Das Kind ist beim Lernen Feuer und Flamme. Nun.

Wie paradoxerweise tröstlich also: Paulinchen! Für die Gegenwart halten wir fest: Offenbar hat es auch schon im 19. Jahrhundert genug vernünftige Eltern gegeben, die ihre Kinder mal in Ruhe gelassen haben, statt sie rund um die Uhr pädagogisch sinnvoll unter Überwachung zu halten. Denn, so geht es hier ja los mit dem Entdecken: »Die Eltern waren beide aus.«

Tabula rasa

Von Susanne Mayer
Wie Zappelphilipp vom Tisch kippt

Still sitzen, geräuschlos essen, nicht stören, möglichst verschwinden soll das Kind in der Inszenierung, in der sich die bürgerliche Familie um den Esstisch drapiert. Teller und Besteck, zartes Weinglas, blütenweißes Tuch. All das muss verteidigt werden gegen die Wildheit, die im Kind, also in jedem, steckt. Finger aus der Butter! Ellbogen runter! Mund zu beim Kauen! Ein Kind bei Tisch kann beides sein: die Demonstration gelungener Dressur oder nervtötende Erinnerung an dieses Ärgernis, dass alle sogenannte Erziehung auch ins Leere laufen kann. Man sagt Bitte! Und was, wenn nicht? Auf Unbotmäßigkeit steht im Struwwelpeter üblicherweise die Todesstrafe.

Einmal nicht gehorchen, und es fließt Blut. Einmal neugierig sein, und man geht in Flammen auf, einmal in die Luft gucken, schon treibt man kopfüber im tiefen Wasser. Oder wird, wie Robert, ins All hinausgefegt. Die Episoden des Struwwelpeter scheinen auf einen Moment zu zielen, in der das Kind zur Strafe aus der Welt gekippt wird. Was diese Schockangst auslöst, die allen Kindern, die mit diesem Buch aufgewachsen sind, in den Knochen steckt. Woher aber kommt die Drohung?

Vielleicht hat Heinrich Hoffmann, der als Arzt gegen die Cholera, die Armut, seelische Verzweiflung seiner Patienten ankämpfte, vielleicht hat er hier seine Grenzerfahrungen ausgemalt. Wer erwachsen ist, sieht es doch: Ein Augenblick, und alles im Leben kann kippen. Ein Kind, ein falscher Griff, und wir haben den Salat – am Boden. Abgeräumt die Tellerchen, die Schüsselchen zerbrochen, der Wein vergossen. Tabula rasa! So viel Macht hat das Kind! Weshalb mich der Anblick des nackten Tisches immer auch entzückt hat. Dieser rumzappelnde Vater! Die glotzende Mutter!

Gerade noch haben sie rumkommandiert, jetzt sind die Eltern einmal sprachlos. Alles ist ihnen abhanden gekommen, die Contenance, das Brot, die Suppe. Selbst Zappelphilipp ist verschwunden. Wohin?

Womöglich ist er unterwegs zu seinen Freunden, zu Häslein etwa. Auch dieser Frechdachs treibt den Jäger mit der Flinte vor sich her und zeigt ihm, wie die Dinge auch laufen können. Peng!, und das Getue hat sich! Darf man lachen?

Angstlust

Von Ijoma Mangold
Action-Szenen mit Konrads blutendem Daumen

Wenn mich jemand fragt: »Wie warst du als Kind?«, fällt es mir schwer zu antworten. Ich kann mich leider nicht an viel erinnern. Gut, ich wollte Müllabfuhrmann werden und bei flotter Fahrt hinten auf der Plattform stehen. Und wenn ich Wasser aus dem Keller holen sollte, bin ich auf dem Rückweg gerannt, als würde gleich eine kalte Hand nach mir fassen. Es brennen sich eben nur die intensiven Erlebnisse dem Gedächtnis ein. Das sind oft solche der Angst und des Schreckens. An kaum etwas aus der eigenen Kindheit erinnert man sich so gut wie an die Dinge, vor denen man sich gegruselt hat.

Ich bin diesen Gruselerlebnissen dankbar, denn sie sind Fahrstühle in die Kellergeschosse der eigenen Kindheit. Nur woran man sich erinnert, schlägt auf der Haben-Seite des Lebens zu Buche. Der Struwwelpeter gehört definitiv dazu. An die Angstlust, die es bereitete, sich auszumalen, man würde wie der fliegende Robert vom Wind erfasst und hinweggetragen, kann ich mich erinnern, als wäre es gestern. (Und Roberts Hut, der sich bereits vom Kopf gelöst und selbstständig gemacht hat, erschien mir als ein besonders beunruhigendes Symptom der sich auflösenden Ordnung). Und natürlich Konrad, der Daumenlutscher. Was für eine Action-Szene, und welch schauerlicher Soundtrack: »Bautz! Da geht die Türe auf«, der Schneider fliegt mit überdimensional großer Schere durch den Türrahmen, da tropft auch schon das Blut von Konrads Hand. Das sind Erinnerungen, die einem keiner mehr nehmen kann. So wie man sich ja auch an den knorzig-strengen Lehrer, vor dem man zusammenzuckte, erinnert, nicht an das Weichei, dem man auf der Nase herumtanzte. Nur dank dieser Erinnerungen gibt es eine Identitäts-Kontinuität vom Kind zum Erwachsenen. Zugleich schafft die Gruselerinnerung einen kollektiven Referenztext, der gemeinschaftsstiftend wirkt: Alle können sich auf ihn beziehen, wenn sie über ihre psychische Selbstwerdung plaudern.

Aber der Grusel hat noch eine andere Funktion: Mit ihm setzt die Selbstbeobachtung ein. Das Kind fragt sich: »Lutsche ich eigentlich auch am Daumen wie Konrad?« Der Struwwelpeter ist die Geburtsstunde der identifikatorischen Lektüre. Im Leseakt ist auch der eigene Daumen immer mit in Gefahr (weshalb man ihn schützend mit den anderen vier Fingern umschloss, während man las). Der Gruseleffekt meint im Übrigen nicht, dass man deshalb weniger mit dem Stuhl kippeln würde als der Zappelphilipp. Von pädagogischer Einschüchterung kann im Ergebnis keine Rede sein. Im Gegenteil weckt die Gruselfaszination eher den Nachahmungstrieb: »Wollen wir doch mal sehen, ob wir wirklich in Flammen aufgehn, wenn wir wie Paulinchen mit dem Feuer spielen!« Kurz: Kinder brauchen Gruselmärchen.

Kindermord

Von Iris Radisch
Was passiert, wenn Kaspar keine Suppe isst

Ich habe die Begeisterung für ein Buch, in dem kleine Kinder verbrannt werden und sich zu Tode hungern, noch nie verstanden. Schon als Kind nicht. Man atme bitte mal tief durch und überlege ein paar – von der gelehrten Struwwelpeter -Exegese befreite – Sekunden lang, um was es hier geht. Einem kleinen wohlgenährten Kerl schmeckt die Suppe nicht. Ein vollkommen normaler Vorgang, denn kleine Kinder essen grundsätzlich kein gekochtes Gemüse (um welchen anderen Lebensmittelschrecken sollte es sich also sonst handeln?). Das ist wirklich kein Drama. Und was passiert? Man reicht dem Suppenverächter nicht ein schönes Butterbrot. Nein, man lässt den kleinen Kerl verhungern. Gemüse muss gegessen werden. Wegen ein paar ungegessener Möhren muss das Würmchen unter die Erde.

Das Bild des Grabes mit der Furcht einflößenden Suppe darauf hat mich als Kind bis in die dunkelsten Nachtstunden hinein verfolgt und lässt mich noch immer nicht kalt. Mahnend thront der Suppensarkophag über dem verscharrten Kerlchen, als wollte man es noch im Tode mit den ungeliebten Mohrrüben mästen. Ein Schreckensbild, das ich mir auf keinem imaginären Kindheitserinnerungs-Sparkonto gutschreiben möchte. Obwohl ich zugegeben muss, dass der Doktor Hoffmann schon reimen konnte wie sonst nur Robert Gernhardt. »Am nächsten Tag, – ja sieh nur her! / Da war er schon viel magerer« ist genial. Da weht eine Frischluft im Paarreim, die wünschte ich mir auch da unten in der Gruft.Das MädchenHeutzutage sehen die Kinder ja viel schlimmere Sachen als so eine nahezu schadstoffrückstandsfreie Mädchenverbrennung (nur die Schuhe müssen noch entsorgt werden) oder einen pädagogisch gut durchdachten Hungertod. Da werden sie so ein paar lustig im Knittelvers vor sich hin rasselnde Kinderschändungen schon überstehen. Nur wozu?Das MädchenDie erhoffte moralische Läuterung, die wohl im erhöhten Verzehr ekelerregenden Gemüses bestünde, kann die Furcht und den Schrecken, den diese Bilder verbreiten, nicht aufwiegen. Und die wirklich verstörende Erkenntnis, dass der Schrecken nicht durch untertänigen Gemüseverzehr zu bekämpfen, sondern ein Teil von uns selbst ist – die ist nur in echten Märchen und nicht in schocktherapeutischen Benimmfibeln zu machen.

 
Leser-Kommentare
    • Manu84
    • 13.06.2009 um 15:17 Uhr

    Ahhhh, der Struwwelpeter....ein tolles Buch. Habe das verständnisvolle Gejammer über diese, konservativ betrachtet, pädagogische Lektüre bis heute nicht verstanden (und damals als Kind erst recht nicht). Der namensgebende Struwwelpeter ist leider die schwächste Geschichte von allen; mein Liebling war immer der Daumenlutscherkonrad.

  1. Ich gebe zu, die Verse von Paulinchen, sind mir heute noch in Erinnerung, weil die Reime so eingängig sind ("Und Minz und Maunz, die Kleinen, die sitzen da und weinen ..."). Mit Schrecken denke ich allerdings noch an das Fingerabschneiden beim Daumenlutscher. Da wird Gewalt gegen Kinder pädagogisch gerechtfertigt. Ich denke also nicht, dass der Struwelpeter pädagogisch wertvoll ist. Hätte ich Kinder, von mir bekämen sie ihn nicht. Umso erstaunlicher, dass der Verfasser offenbar ein Liberaler und Fortschrittlicher war.

    Beim nächsten Frankfurtaufenthalt gehts deswegen ins Struwelpetermuseum, das interssiert mich.

  2. das Statement von Iris Radisch gefällt mir am besten. Natürlich gibt es genauso schlimmes oder noch schlimmeres auch in anderen Büchern oder Filmen. Es ist aber ein Unterschied, ob Kindern vermittelt wird, dass es Gewalt gibt und man sich damit auseinandersetzen muss, oder ob sie als pädagogisches Mittel angewendet wird.

    Ganz schauerlich finde ich den Beitrag von Herrn Mangold: Grusel als identitätsstiftendes Moment? Also darauf verzichte ich gerne. Ich gründe meine Identitätsstiftung lieber auf positive Erlebnisse. Ich denke auch, damit kommt man im Leben weiter (Schwierigkeiten kommen von alleine, dafür braucht man keinen Struwelpeter).

    Und jetzt noch zur fehlenden Puppe. Vielleicht fällt es Jungs ja nicht auf, aber ich habe sie nie vermisst. Wenn man sich die Bilder noch einmal anschaut, sieht man: Das dritte Bild ändert ein wenig die Perspektive, außerdem "zoomt" es auf Paulinchen. Ich denke halt, die Puppe ist schon noch da, bloss nicht mehr im Bild.

    • WIHE
    • 15.06.2009 um 17:04 Uhr

    Drei bekannte Kinderbücher haben meine beiden Kinder bekommen:

    1. die Hasenschule
    2. den Struwelpeter
    3. Max und Moritz

    und viele andere Bücher, an die ich mich aber nicht mehr so richtig erinnern kann. Diese drei Bücher kannte ich aus meiner Kinderzeit und sie haben mich als Erwachsenen von neuem begeistert.
    Neumodische, langweilige Pädagogik und ihre Bücher interessieren mich nicht die Bohne. Meine Jüngste macht gerade Abitur. Ich nehme an, die Bücher haben ihr Spaß gemacht und ihr nicht geschadet , ebenso wenig wie ihrem Bruder, der seit zwei Jahren im Studium ist.

  3. "Man reicht dem Suppenverächter nicht ein schönes Butterbrot." (Radisch)

    Vielleicht hatte die Familie kein Butterbrot und war froh, dass überhaupt Nahrung auf dem Tisch stand. Das soll ja damals schon mal vorgekommen sein. In dem Fall hätte man natürlich auch versuchen können, dem kleinen Kind die soziale und finanzielle Situation zu schildern und auf Verständnis und umsichtiges Handeln hoffen können. Aber nein, man lässt das Kind verhungern, wie empörend. Frau Radisch unterstellt sogar Mord und ignoriert dabei das besorgte: "oh weh und ach!"

    Na wie schön, dass es nur eine fiktive Geschichte in einem Buch ist, das man wieder zuklappen kann. Vielleicht ist es ja das, was Kinder aus dem Buch lernen können, das die Geschichten schon etwas mit ihnen zu tun haben können, mögliche Folgen ihres Handelns darstellen können, ohne dass sie selbst diese Erfahrung machen müssen und es zum Glück eine große Distanz zwischen der Welt in dem Buch und ihrer eigenen gibt.

  4. Dieser Arme "kleine Dicke" den Iris Radisch bemuttert: Ihn gibt es jetzt als vielfach geklont als dickes, teilweise bereits zuckerkrankes Kind, das verhätschelt Schokoriegel statt "schrecklichem Gemüse" essen darf.
    Ich bin froh, dass ich noch erzogen wurde alles zu essen - und ...heute schmeckt mir sogar alles – auch Spinat, weswegen ich auch lange zu sitzen hatte. Zuviel Einfühlung, Frau Radisch?
    Andererseits wird scheinbar vergessen, dass diese Geschichten auch die Phantasie anregen:
    Robert habe ich regelrecht beneidet, und habe mich gefragt, wohin er wohl getrieben worden ist, und was er alles gesehen hat. Fliegen wurde für mich ein Traum – nur wegen Struwwelpeter könnte ich nicht behaupten – aber trotz! Heute mit 65 bin ich immer noch begeisterter Segelflieger und Fluglehrer, der den vielen „Roberts“ zum Fliegen verhilft.
    und meine Sohne sind nicht dick ...und essen auch Gemüse.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • yve
    • 06.08.2009 um 19:12 Uhr

    Tatsächlich liegt die Diskussion zum Struwwelpeter nun schon einige Zeit zurück, dennoch möchte ich etwas dazu sagen.
    Im Gegensatz zu einigen hier vertretenen Meinungen bin ich nicht der Ansicht, dass man Kinder zwingen sollte, alles zu essen und womöglich aufzuessen. Ich selbst war ein Kind, dass Gemüse überhaupt nicht mochte. Ich wurde hierzu weder gezwungen, noch wurde ich dick. Dafür esse ich heute gern Gemüse und habe keine schlechten Erinnerungen daran. Ebenso halte ich es bei meinen Kindern. Es gibt immer eine gesunde Alternative, weitab vom Zwang.
    Und, Phantasie anregen durch den Struwwelpeter? Es gibt wahrhaft viele andere Kinderbücher, die Lehren vermitteln ohne zu schocken. Ich konnte mich mit dem Buch tatsächlich nie anfreunden und kann Frau Radisch gut verstehen.

    • yve
    • 06.08.2009 um 19:12 Uhr

    Tatsächlich liegt die Diskussion zum Struwwelpeter nun schon einige Zeit zurück, dennoch möchte ich etwas dazu sagen.
    Im Gegensatz zu einigen hier vertretenen Meinungen bin ich nicht der Ansicht, dass man Kinder zwingen sollte, alles zu essen und womöglich aufzuessen. Ich selbst war ein Kind, dass Gemüse überhaupt nicht mochte. Ich wurde hierzu weder gezwungen, noch wurde ich dick. Dafür esse ich heute gern Gemüse und habe keine schlechten Erinnerungen daran. Ebenso halte ich es bei meinen Kindern. Es gibt immer eine gesunde Alternative, weitab vom Zwang.
    Und, Phantasie anregen durch den Struwwelpeter? Es gibt wahrhaft viele andere Kinderbücher, die Lehren vermitteln ohne zu schocken. Ich konnte mich mit dem Buch tatsächlich nie anfreunden und kann Frau Radisch gut verstehen.

    • yve
    • 06.08.2009 um 19:12 Uhr

    Tatsächlich liegt die Diskussion zum Struwwelpeter nun schon einige Zeit zurück, dennoch möchte ich etwas dazu sagen.
    Im Gegensatz zu einigen hier vertretenen Meinungen bin ich nicht der Ansicht, dass man Kinder zwingen sollte, alles zu essen und womöglich aufzuessen. Ich selbst war ein Kind, dass Gemüse überhaupt nicht mochte. Ich wurde hierzu weder gezwungen, noch wurde ich dick. Dafür esse ich heute gern Gemüse und habe keine schlechten Erinnerungen daran. Ebenso halte ich es bei meinen Kindern. Es gibt immer eine gesunde Alternative, weitab vom Zwang.
    Und, Phantasie anregen durch den Struwwelpeter? Es gibt wahrhaft viele andere Kinderbücher, die Lehren vermitteln ohne zu schocken. Ich konnte mich mit dem Buch tatsächlich nie anfreunden und kann Frau Radisch gut verstehen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service