Manager Kainsmal der ChefsSeite 4/4

Der Harvard-Forscher Rakesh Khurana stellt in seinen Studien heraus, dass die Chefsuche in den vergangenen 20 Jahren charismatische Führungsfiguren wie Großmann über die Maßen begünstigt hat. Unabhängig davon, wie stark sie den Gewinn überhaupt beeinflussen konnten, hatten sie die besten Chancen auf begehrte Jobs. Und trugen die höchsten Gehälter davon.

»Meine Vergütung setzt sich aus einem Fixum zusammen, das monatlich ausgezahlt wird. Der variable Anteil spiegelt zu 30 Prozent meine persönliche Leistung wider und zu 70 Prozent die Leistung des Unternehmens«, sagt Großmann – er machte vergangenes Jahr sieben Millionen Euro. Dann sagt er: »Man sollte aufhören, über absolute Größen zu reden, und fragen, welchen Mehrwert jemand schafft.« Den Wertzuwachs des Unternehmens bemisst RWE an Marktanteilen, Kapitalrendite, der langfristigen Strategie und der Frage, wie sich der Konzern in diversen Image-Rankings verbessert. Im ersten Quartal verdoppelte sich das Nettoergebnis. Also verdient Großmann gut. So klar ist das. Oder doch nicht? Rund um die jüngste Aufsichtsratssitzung gab es Gerüchte, der RWE-Chef solle bald abgelöst werden. Am Ende stellt sich die Frage, ob es den idealen Bonus überhaupt gibt, einen, der die Interessen von Topmanagern und Aktionären langfristig eint.

Beim Chemiekonzern Lanxess versuch man es ernsthaft. Vorstandschef Axel Heitmann ist ein ausdauernder Sanierer, und wenn man sein Unternehmen anschaut, wird seine Leistung sichtbar. Lanxess wurde vor vier Jahren vom Bayer-Konzern abgestoßen – sozusagen als Abfallprodukt. Auch Heitmann war schon lange bei Bayer, zuletzt im Auslandseinsatz in China. Dann übernahm er jenen Teil der Plaste&Elaste-Produktion, der unrettbar schien, und machte aus ihm sein gewinnbringendes Unternehmen, das Kunstkautschuk für Autoreifen, Zahnriemen, Kühlschläuche und Dichtungen fertigt.

Heitmann macht keinen Hehl daraus, dass er ein Fan flexibler Einkommen ist. »Ich bin überzeugt, dass Deutschland ohne solche Vergütungsmodelle nicht Exportweltmeister wäre«, sagt er. Sie seien wichtig, damit aus Mitarbeitern Unternehmer mit entsprechender Motivation würden. Er selbst ist einer der wenigen Vorstandschefs in der Industrie, die ihr Einkommen fast vollständig und langfristig an Gewinn und Börsenkurs gebunden haben. Mit bis zu 40 Prozent seines fixen Einkommens kauft der gesamte Vorstand Lanxess-Aktien an der Börse. »Ich erwarte das von meiner Mannschaft«, sagt Heitmann. Bei Siemens ist es inzwischen ähnlich.

Das eigene Gehalt soll mitschwanken, auch in schlechten Zeiten. Bei Lanxess geht die Nachfrage zurück, allein im ersten Quartal um ein Drittel. Um die Kosten in den Griff zu bekommen, handelte Heitmann sofort eine Arbeitszeitverkürzung und einen Lohnverzicht mit seinen Mitarbeitern aus. Sein eigenes Gehalt kürzte er ebenfalls. Das habe man bei Lanxess schon mal praktiziert und so die Wende vor vier Jahren ganz ohne Kündigungen geschafft. »Wir haben die Erfahrung, als Unternehmen zusammenzustehen«, sagt er lächelnd.

Und: Hätte er damals den riskanten Chefposten ohne die Chance auf Boni abgelehnt? Heitmann blickt auf die grünen Jadestäbchen, die an seinem Hemd die Manschetten zusammenhalten. In China gilt Jade als Glücksbringer. Er lächelt erneut. Damals, 2003, erinnert er sich, hätten ihn die Kollegen auf dem Handy erwischt, im glutheißen Sommer irgendwo in den chinesischen Bergen. Er sagte sofort zu: »So ein Unternehmen von Grund auf neu aufzustellen – das hat mich spontan gereizt.«

Hilmar Kopper sagt etwas Ähnliches, nur auf seine Weise. Er sehe viele, die nach oben gespült werden, Kaminkarrieristen, die nur in ihrem Fachgebiet erfolgreich gewesen seien. »Ich habe meine Vorstände immer nach ganz anderen Kriterien ausgesucht.« Einzelne, auch teure Fehler, wie sie Kopper selbst unterliefen, mögen die Öffentlichkeit kümmern – ihn nicht. »Am wertvollsten, wirklich unverzichtbar, sind die Führer, die leader, die wirklich Verantwortung tragen und übernehmen. Denn sie müssen auf die anderen aufpassen.«

Er selbst will das jetzt noch einmal tun. Demnächst wird er Aufsichtsratschef der existenzbedrohten HSH Nordbank in Hamburg. Da erwartet ihn harte Arbeit für vergleichsweise wenig Geld. Und nach den aktuellen Regeln kein Bonus.

Mitarbeit: Jutta Hoffritz, John Jungclaussen, Arne Storn

 
Leser-Kommentare
  1. ... aufkommen am Faktor Gier?

    Der Artikel legt nahe, dass zwar jeder Einzelne, der in Entscheidungsposition sitzt oder saß, den Vergleich mit der Konkurrenz sieht und dann immer mehr fordert. Dass es aber diesen Wettlauf um höhere Gehälter gibt, ist offensichtlich nicht selbst der Gier entsprungen.

  2. Machen wir's kurz: Wer über drei Dekaden hinweg mehr Geld druckt als das BIP-Wachstum hergibt, darf sich nicht wundern, wenn sich einige im Rausch der großen Zahlen bedienen—oder Fußballer plötzlich 100 Millionen kosten.

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    • Laird
    • 18.06.2009 um 2:15 Uhr

    Sie haben ein sehr schlichtes Weltbild. Alle Achtung.

    • cs
    • 19.06.2009 um 1:52 Uhr

    in den vergangenen Jahrzehnten um das 10- bis 100-fache des jeweiligen BIPs gewachsen ... ganz abgesehen davon, daß die Geldmenge nur sehr teilweise vom Staat gesteuert werden kann. Die Schuld an der Misere hiermit aus dem Kapitalismus und damit weg von seinen hauptsächlichen Profiteuren zu verlagern ist doch Unsinn.

    • Laird
    • 18.06.2009 um 2:15 Uhr

    Sie haben ein sehr schlichtes Weltbild. Alle Achtung.

    • cs
    • 19.06.2009 um 1:52 Uhr

    in den vergangenen Jahrzehnten um das 10- bis 100-fache des jeweiligen BIPs gewachsen ... ganz abgesehen davon, daß die Geldmenge nur sehr teilweise vom Staat gesteuert werden kann. Die Schuld an der Misere hiermit aus dem Kapitalismus und damit weg von seinen hauptsächlichen Profiteuren zu verlagern ist doch Unsinn.

  3. Wie konnte es nur so weit kommen, dass sich viele Bosse schamlos bedienen?

    Ich bin auch ganz schockiert, daß unsere Elite so heruntergekommen ist. Sowas hätte ich nie von diesen Leuten erwartet.

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    Elite in welcher Hinsicht ???
    charakterlich?
    sozial?
    moralisch?
    klug?
    weise?
    vorausschauend?
    bescheiden?

    Es ist genau das geschehen, was ich erwartet hatte - und ich bin sicher kein Hellseher. Was mich aber immer noch schockiert, ist die Naivität der Schweigenden Mehrheit, die empört ist, wenn ans Licht kommt, was selbstverstädlich war.
    Diese giergetriebenen, zivilisierungsgestörten Alfa-Männchen sind erfolgreich, weil wir sie ohne Gegenwehr gewähren liessen. Uns trifft die eigentliche Schuld: Wir haben der Propaganda geglaubt und die Ackermänner einfach machen lassen.
    Schockiert über die Folgen? Gut! Reden wir darüber, wie wir die Brut davonjagen.

    _________________________________________________
    In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
    aussprechen und zu keinem Parteiprogramm. Aber ich
    werde nicht aufhören, zu sagen, dass diese Krise eine
    ideologische Heimat hat: die FDP.…
    ______

    in der Realität!
    ________________
    "Dubito, ergo sum."

    Elite in welcher Hinsicht ???
    charakterlich?
    sozial?
    moralisch?
    klug?
    weise?
    vorausschauend?
    bescheiden?

    Es ist genau das geschehen, was ich erwartet hatte - und ich bin sicher kein Hellseher. Was mich aber immer noch schockiert, ist die Naivität der Schweigenden Mehrheit, die empört ist, wenn ans Licht kommt, was selbstverstädlich war.
    Diese giergetriebenen, zivilisierungsgestörten Alfa-Männchen sind erfolgreich, weil wir sie ohne Gegenwehr gewähren liessen. Uns trifft die eigentliche Schuld: Wir haben der Propaganda geglaubt und die Ackermänner einfach machen lassen.
    Schockiert über die Folgen? Gut! Reden wir darüber, wie wir die Brut davonjagen.

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    In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
    aussprechen und zu keinem Parteiprogramm. Aber ich
    werde nicht aufhören, zu sagen, dass diese Krise eine
    ideologische Heimat hat: die FDP.…
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    in der Realität!
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    "Dubito, ergo sum."

  4. Wobei ich mich weigere, diese "Boni" zu nennen, denn das heißt "gut", und genau das sind sie ja nun einmal nicht.
    Und zwar sollen die Extrazahlungen in allen Bereichen abgestellt werden:
    "Rechts"-Anwälte sollen keine Erfolgszahlungen bekommen.
    (Auch hier weigere ich mich, das Wort "Honorar" zu benutzen, denn das kommt vom lateinischen "honor" - Ehre. hahaha!)
    Notare sollen keine Prozente bekommen beim Abschluss von Verträgen.
    Ärzte sollen bei Privatpatienten nicht extra kassieren dürfen.
    ........
    Solche Extrazahlungen erwecken nur die Gier in Menschen, die eh schon anfällig dafür sind, und richten so viel Schaden an. Man denke nur die vielen überflüssigen und vor allem für die Kinder höchst schädlichen Scheidungsprozesse, für die es vor allem eine Ursache gibt: Die Raffgier von Anwälten.
    Und sachlich zu rechtfertigen sind Extrazahlungen in keinem Fall. Es geht nur um eines:
    Abzocken!

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    Jeder Arbeiter, jeder Beamte bekommt seinen tariflichen Lohn. Auch ohne Extrazahlungen leistet er mehr als alle Manager zusammen. Es waren die Manager die uns in die Krise geführt haben. Es waren die Extrazahlungen die die Konkurrenz mörderisch werden liessen und die Löhne weiter spreizten. Wir brauchen keine Konkurrenz - nur Kooperation. Die Arbeiter sind die Vorbilder.

    Jeder Arbeiter, jeder Beamte bekommt seinen tariflichen Lohn. Auch ohne Extrazahlungen leistet er mehr als alle Manager zusammen. Es waren die Manager die uns in die Krise geführt haben. Es waren die Extrazahlungen die die Konkurrenz mörderisch werden liessen und die Löhne weiter spreizten. Wir brauchen keine Konkurrenz - nur Kooperation. Die Arbeiter sind die Vorbilder.

  5. Elite in welcher Hinsicht ???
    charakterlich?
    sozial?
    moralisch?
    klug?
    weise?
    vorausschauend?
    bescheiden?

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    Ich hätte es als Ironie kennzeichnen müssen ;-)

    Ich hätte es als Ironie kennzeichnen müssen ;-)

    • Anonym
    • 15.06.2009 um 10:20 Uhr

    Die Verantwortung, die Vorstände oder Manager übernehmen ist sicherlich nicht zu unterschätzen, aber man sollte auch daran denken wie viele Menschen ebenfalls eine extrem große Veranwortung übernehmen. Ich denke hierbei an Menschen die für ihre Mitmenschen da sind, sich aufopfern für kranke, alte oder behinderte Familienmitlgieder u.ä. Diese Menschen investieren ihre Zeit und oftmals auch eigene finanzielle Mittel für diese Arbeit. Hierfür werden dann allerdings keine Boni oder andere Geldgeschenke angeboten.

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    Antworten kann jeder der einigermassen sprechen gelernt hat und etwas Bildung genossen hat. Die Klage über die hohe Verantwortung der Manager ist ein lebensfremde Illusion. Sie soll nur die hohen Einkommen rechtfertigen. Diese Rechtfertigung ist ein fadenscheiniger Irrtum. Auf ihm beruht das System der Ungleichheit.

    Antworten kann jeder der einigermassen sprechen gelernt hat und etwas Bildung genossen hat. Die Klage über die hohe Verantwortung der Manager ist ein lebensfremde Illusion. Sie soll nur die hohen Einkommen rechtfertigen. Diese Rechtfertigung ist ein fadenscheiniger Irrtum. Auf ihm beruht das System der Ungleichheit.

  6. Es ist genau das geschehen, was ich erwartet hatte - und ich bin sicher kein Hellseher. Was mich aber immer noch schockiert, ist die Naivität der Schweigenden Mehrheit, die empört ist, wenn ans Licht kommt, was selbstverstädlich war.
    Diese giergetriebenen, zivilisierungsgestörten Alfa-Männchen sind erfolgreich, weil wir sie ohne Gegenwehr gewähren liessen. Uns trifft die eigentliche Schuld: Wir haben der Propaganda geglaubt und die Ackermänner einfach machen lassen.
    Schockiert über die Folgen? Gut! Reden wir darüber, wie wir die Brut davonjagen.

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    In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
    aussprechen und zu keinem Parteiprogramm. Aber ich
    werde nicht aufhören, zu sagen, dass diese Krise eine
    ideologische Heimat hat: die FDP.…
    ______

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    ACK
    Ich staune auch immer wieder über die Naivität der Leute. Gestern hatte ich eine Diskussion über Zensursulas Blacklist, u.a. war ein Informatiker dabei, der nicht wusste, daß sich diese Websperren leicht umgehen lassen. Von der rechtstaatlichen Fragwürdigkeit, daß eine Polizeibehörde eine streng geheime Zensurliste erstellt, ganz zu schweigen.

    ACK
    Ich staune auch immer wieder über die Naivität der Leute. Gestern hatte ich eine Diskussion über Zensursulas Blacklist, u.a. war ein Informatiker dabei, der nicht wusste, daß sich diese Websperren leicht umgehen lassen. Von der rechtstaatlichen Fragwürdigkeit, daß eine Polizeibehörde eine streng geheime Zensurliste erstellt, ganz zu schweigen.

  7. Ich hätte es als Ironie kennzeichnen müssen ;-)

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