UBS Der Elefant soll sterben dürfen
Die aktuellen Diskussionen um die UBS zielen an der Kernfrage vorbei. Immer noch ist die Schweiz auf Gedeih und Verderb ihren Großbanken ausgeliefert. Das darf nicht sein. UBS und CS müssen konkursfähig sein. Im Interesse von uns allen

© Timothy A. Clary/AFP/Getty Images
Groß auch im Ausland: Gebäude der UBS in New York
Brüllende Demonstranten auf dem Zürcher Paradeplatz, tote Bancomat-Geräte im ganzen Land, Informatiksysteme, die von einem Heer nervöser Onlinebanking-Kunden gelähmt werden: Das sind Bilder, mit denen die Schweiz zurechtkommen müsste bei einem Zusammenbruch der UBS; das sind die »katastrophalen Konsequenzen für unsere Volkswirtschaft«, die der Bundesrat für den Worst Case ausmalt. Bei einem Großbankenbankrott, so die Landesregierung im Bericht zur Rettung der UBS, würde das nachfolgende Chaos »zu einer Lahmlegung des Zahlungssystems führen«.
Die Schweiz im Stillstand. Sobald Eilmeldungen mit Titeln wie Konkursverfahren gegen Schweizer Großbank über die Bildschirme laufen, könnten rund 128000 Unternehmen ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen, denn ihre Konti wären blockiert, die Kreditlimite weg; jeder vierte Arbeitnehmer erhielte vorerst keinen Lohn mehr; rund drei Millionen Konti würden eingefroren. Die Einlagensicherung der Bankbranche mit ihren vier Milliarden Franken diente gerade noch als Notverband. Auch wenn der Verlauf eines Großbankenkonkurses völlig unberechenbar ist, scheint eines sicher. »Ein Chaos würde ausbrechen«, wie der Ökonom und Finanzkrisenforscher Walter Wittmann sagt. »Der Wirtschaftsmotor käme schlagartig zum Stillstand, weil ein wichtiges Schmiermittel ausfällt«, wie es Boris Zürcher formuliert, Chefökonom des Thinktanks Avenir Suisse.
Eine Schweiz ohne UBS – das mochte selbst die Linke nicht riskieren
Nun scheint dies Allgemeinwissen zu sein. Fast stillschweigend hat man sich in der Schweiz geeinigt, dass die UBS »systemrelevant« ist oder, auf Englisch: Sie ist »too big to fail«. Bezeichnend, dass das Hilfspaket für die Großbank zwar enorm zu reden gab im Parlament, aber keinen großen Widerstand weckte: Eine Schweiz ohne UBS – das mochte selbst die Linke nicht riskieren. Die Horrorvision wird durch amtliche Studien untermauert. Seit 2003 erarbeiteten die Nationalbank und die frühere Bankenkommission – später unterstützt vom Finanzdepartement – mehrere Szenarien: Verkauf einer Großbank ins Ausland, Hilfsbedürftigkeit einer Großbank, Pleite einer Großbank; und unter dem Eindruck des Lehman-Bankrotts wurden diese Arbeiten von September 2008 an intensiviert. Die Details daraus bleiben vertraulich, doch die Kernaussagen, die der Bundesrat im Oktober übernahm (ohne sie je im Plenum diskutiert zu haben), scheinen dramatisch genug. Mit Modellrechnungen schlossen die Experten, dass ein Großbankenbankrott kurzfristig 15 bis 30 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung auffressen könnte. Er würde das Land also 75 bis 150 Milliarden Franken kosten. Und die langfristigen Folgen wären noch ärger, der Wachstumsausfall läge bei 300 bis 1500 Milliarden Franken. Noch 15 Jahre später würde die Schweiz den Schlag spüren.
Stirbt also die UBS, gerät ihre Heimat in die große Depression. Da die Großbank in der helvetischen Geldbranche sitzt wie die Spinne im Netz, würden die Erschütterungen auch die meisten anderen Finanzinstitute treffen. Ein Drittel aller Verbindlichkeiten auf dem Interbankenmarkt entfällt auf die Schlüsselbank, mit der Folge, dass ihr Ausfall andere Häuser kurzfristig ebenfalls vor ein Liquiditätsproblem stellen würde – und mittelfristig vor ein Vertrauensproblem. Weitere Querschläger ortet der Risk-Management-Experte und Finanzprofessor Urs Schneider bei institutionellen Anlegern: Versicherungen, Fondsfirmen, Pensionskassen. Durch ihre Strukturen mit Tausenden von nachgelagerten Kunden würde ein UBS-Ruin hier zusätzliche Schockwellen aussenden.
Die großen Banken im kleinen Land sind also nicht konkursfähig. Wenn die Eidgenossenschaft in diesen Tagen entscheiden muss, ob sie wieder aus ihrem UBS-Engagement aussteigen kann oder aber ob die Schweiz gar zur Aktionärin der UBS werden soll, zählt nur ein Kriterium: Wie sicher steht die Bank jetzt da? Wie gefährlich kann sie wieder werden?
Und doch, so eindeutig ist die Sache nicht. Schon das amtliche Katastrophenszenario liefert verdächtig große Spannweiten (»15 bis 30 Prozent des BIP«, »300 bis 1500 Milliarden Franken Wachstumsverlust«). Man stochert im Nebel. Kein Wunder: Die Geschichte zeigt, dass die Nieder- und Querschläge eines Jumbobankrotts nicht voraussehbar sind – geschweige denn kontrollierbar. So ging der Konkurs von Lehman Brothers, rein technisch gesehen, im September 2008 recht glatt über die Bühne. Doch die psychologischen Folgen für die Finanzwelt waren verheerend. Und ohne Staatshilfe, die Geschichte schrieb, hätte das globale Finanzsystem im Herbst 2008 wohl seine Kernschmelze erlebt.
Ein existenzielles Problem fürs ganze Land? Nie im Leben, dachte man
Noch im Sommer 2008 befand die Schweizer Öffentlichkeit (wie die Schweizer Regierung und mehrere Bankchefs), dass die Subprime-Krise eine amerikanische Angelegenheit sei. Und dass die UBS-Abschreiber in den USA ein Problem von Marcel Ospel, seinen Nachfolgern, der UBS-Investmentbank und der Aktionäre sei. Aber ein existenzielles Problem für die ganze Branche? Gar für das ganze Land? Nie im Leben.
- Datum 10.06.2009 - 17:17 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 10.06.2009 Nr. 25
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Ich finde in dem Zusammenhang immer amüsant wie die Schweizer mit größtmöglicher Empörung zurückweisen dass sie sehr sehr sehr sehr gut mit ihren Banken ("Steuervermeidung") verdienen und auch einer der Hauptschuldigen für die aktuelle Finanzkrise sind. Die schweizer Banken haben da ganz vorne mitgemischt.
Die Schweiz ist auch nicht "reicher" als jedes andere westeuropäische Land, und die produktivität und Schulbildung bewegt sich auch nur im Mittelfeld. Dass dennoch ein überdurchschnittlicher Lebensstandard anzutreffen ist hat schlicht mit der aufgeblasenen Finanzbranche und den niedrigen aber dennoch vorhandenen Steuerzahlungen von Briefkastenfirmen zu tun (in irgendwelchen schweizer Provinzkäffern gibt es Bürogebäude mit zwei Stockwerken wo angeblich viele dutzend Firmen ihren Hauptsitz haben, wenn man Registern und Briefkästen glaubt).
Noch mehr nervt mich nur dass viele Jammerdeutschen das nur zu gerne glauben und bizzarerweise die Schweizer "in Schutz nehmen", im Schatten des großen Nachbarn können die Schweizer weiter schalten und walten wie sie wollen. Wenn ein norddeutscher Bundesfinanzminister dann mal auf seine gewohn zünftige Art kommentiert wird daraus eine Staatsaffäre gemacht (sonst sind die schweizer Politiker auch nicht zimperlich, ich denke da nur an die "Schwarzen Schafe" die von weißen Schafen aus der Schweiz gekickt wurden auf Wahlplakaten) und was hochrangige Vertreter der schweizer Volkspartei immer so zu sagen haben. Britische Zeitungen nannten die Schweiz auch unlängst "das schwarze Herz Europas" wegen des agressiven Nationalismus der dort sehr verbreitet ist.
Zum Glück bin ich auch halber Amerikaner und die haben zum Glück nicht diese Minderwertigkeitskomplexe wie die Deutschen und lassen sich daher von dem Geschimpfe aus der Schweiz auch nicht aus der Ruhe bringen bei der Bekämpfung dieses "Geschäftsmodells". Mit Erfolg, die US-Behörden haben erwirkt dass schweizer Banken viele Identitäten von US-Bürgern mit undeklariertem Vermögen in der Schweiz offengelegt werden - ganz ohne öffentliche Aufregung der schweizer Politik aber mit sehr expliziter Rhetorik der Amerikaner. Die Schweizer merken halt, mit den Deutschen kann man es machen. Selbst schuld..
Mit expliziter Rhetorik und nicht mit einem Halali zur Jagd auf die Steuersünder.
... ist doch nur Second-Hand-Wissen. Aber, Sie sind ja nur ein halber Amerikaner. Jetzt kann ich mir ja überlegen, welche Hälfte fehlt; Rechts oder Links, Oben oder Unten?
Mit expliziter Rhetorik und nicht mit einem Halali zur Jagd auf die Steuersünder.
... ist doch nur Second-Hand-Wissen. Aber, Sie sind ja nur ein halber Amerikaner. Jetzt kann ich mir ja überlegen, welche Hälfte fehlt; Rechts oder Links, Oben oder Unten?
Schon Monate ehe die Öffentlichkeit von der weltweiten Finanzkrise erfuhr, feuerte die Schweizer UBS auf mysteriöse Weise ihren Chef fristlos und ohne Pensionsberechtigung. Damals bereits vermutete die internationale Presse hinter diesem unerhörten Schritt eine Finanzkatastrophe von nie dagewesenem Ausmaß.
Die Verarmung der Bevölkerung ist aber auch nicht die Lösung zur Verhinderung der Abhängigkeit von Banken.
Mit expliziter Rhetorik und nicht mit einem Halali zur Jagd auf die Steuersünder.
... ist doch nur Second-Hand-Wissen. Aber, Sie sind ja nur ein halber Amerikaner. Jetzt kann ich mir ja überlegen, welche Hälfte fehlt; Rechts oder Links, Oben oder Unten?
Es ist noch gar nicht allzulange her, dass große Privatbanken über die EU-Kommission Druck gemacht haben auf Sparkassen und Landesbanken, die wegen ihrer Staatsgarantien den Wettbewerb verzerren würden.
In Zeiten der Finanzkrise haben dann auf einmal auch die privaten Großbanken nach Staatsgeld gerufen - bzw. dieses indirekt bekommen (z.B. die Deutsche Bank immerhin 12 Mrd. US-$ aus den USA von AIG).
Alle OECD-Staaten sollten sich die Frage stellen, ob es überhaupt noch sinnvoll ist, derart große Banken entstehen zu lassen. Oder ob eine völlige Hinwendung zum regionalen Sparkassen-/Genossenschaftssystem nicht die bessere Alternative ist. Großprojekte könnten dann immer noch über Konsortien finanziert werden.
Eine noch radikalere Lösung wäre es, alle Banken zu verstaatlichen und zu reinen Außenstellen der Bundesbank zu machen, so dass sämtlicher Geld- und Kreditverkehr faktisch über die BUndesbank bzw. die EZB abgewickelt wird. Auch das dürfte seine Tücken haben...
Wenn "Alle OECD-Staaten...", den Rest könnenSie sich fast selbst ausmalen. Vermutlich haben Sie recht, und die Entwicklung wird in irgendeiner Form darauf reagieren müssen, die Systemabhängigkeit, die jedem hier so drastisch veranschaulicht wurde, gesellschaftlich abzufedern. Zunächst müßte überlegt werden, welche Optionen für einzelne Akteure bestehen, ohne daß die Wettbewerbssituation zum Eigentor wird.
Kreditvergabe nach politischen Vorgaben. Wär doch schön, Keine Killerspiele mehr, rationierte Alkohohlherstellung und Verbreitung, Internetfirmen mit Bankenanschluss, einfach ein Paradies zur Herstellung des Guten.
Wenn "Alle OECD-Staaten...", den Rest könnenSie sich fast selbst ausmalen. Vermutlich haben Sie recht, und die Entwicklung wird in irgendeiner Form darauf reagieren müssen, die Systemabhängigkeit, die jedem hier so drastisch veranschaulicht wurde, gesellschaftlich abzufedern. Zunächst müßte überlegt werden, welche Optionen für einzelne Akteure bestehen, ohne daß die Wettbewerbssituation zum Eigentor wird.
Kreditvergabe nach politischen Vorgaben. Wär doch schön, Keine Killerspiele mehr, rationierte Alkohohlherstellung und Verbreitung, Internetfirmen mit Bankenanschluss, einfach ein Paradies zur Herstellung des Guten.
Wenn "Alle OECD-Staaten...", den Rest könnenSie sich fast selbst ausmalen. Vermutlich haben Sie recht, und die Entwicklung wird in irgendeiner Form darauf reagieren müssen, die Systemabhängigkeit, die jedem hier so drastisch veranschaulicht wurde, gesellschaftlich abzufedern. Zunächst müßte überlegt werden, welche Optionen für einzelne Akteure bestehen, ohne daß die Wettbewerbssituation zum Eigentor wird.
Die Analogie mit dem Elefanten scheint mir nicht so falsch zu sein. Die Lösung wäre dann in Clayton Christensens "Disruptive Innovation" zu suchen, wenn, ja wenn der Staat sein Denken in gigantomanischen Dimensionen aufgeben würde. Erst, wenn das Pampern der Giganten aufhörte, wäre eine deratige Gesundung möglich. So jedoch wird kleineren, aber innovativen Instituten jede Chance genommen.
"XX bietet tausendfach - alles unter einem Dach". Dieser Sloagan ist auch andernorts fragwürdig geworden.
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