Che Guevara im Kino Die rosarote Revolution

In seinem zweiteiligen Che-Guevara-Filmprojekt »Revolución« und »Guerilla« mag Steven Soderbergh nicht an der Ikone kratzen

So viel Mühe – und dann das. Sieben oder acht Jahre hat Benicio del Toro nach eigenem Bekunden damit verbracht, das Geld (40 bis 60 Millionen Dollar) für dieses Mammutprojekt aufzubringen, in dem er Hauptdarsteller und Produzent zugleich ist. Sämtliche verfügbaren Quellen über Leben und Wirken ihres Helden, heißt es, haben er und sein Team seit Jahren in Havanna und La Paz, Washington und Moskau durchforscht, alle historischen Schauplätze besucht, alle Überlebenden der Expeditionen des Che Guevara interviewt.

Ursprünglich hatte Terrence Malick Regie führen und Soderbergh produzieren sollen. Nur das letzte, bolivianische Kapitel, der Todesmarsch des Che und seiner Kolonne, sollte im Zentrum stehen. Franka Potente als ostdeutsche Guerillera Tamara Bunke hätte darin eine große Rolle gehabt. Das wäre vielleicht ein interessanter Film geworden. Doch Malick zog sich zurück. Soderbergh übernahm die Regie. Und Potentes Rolle schrumpfte in dem Maße, in dem sich das Projekt zu einem Gesamtkunstwerk »Das Leben des Che« blähte. Am Ende mussten wieder zwei Teile mit der Machete aus dem biografischen Dickicht herausgeschnitten werden. Der jetzt im Kino startende Teil I (Che – Revolución) schildert den kubanischen Marsch zum Sieg, Teil II (Che – Guerilla, Kinostart 23. Juli) den bolivianischen Marsch in den Tod.

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Aber wozu dann der ganze Aufwand? Beide Filmteile sind ohne eigentliche Dramaturgie und insoweit auch ohne Spannung. Beide handeln fast ausschließlich vom Kampf, weniger als inneres Erlebnis denn als äußeres Geschehen. Der Stoiker im Zentrum des Geschehens ist immer und stets der Che. Er geht in diese Filmgeschichte so hinein, wie er aus ihr herauskommt: als unbeirrbarer, unbestechlicher Revolutionär. Psychologie ist dafür offenbar nicht nötig. Alles ist hier reine Überzeugung, die den Mann gleichsam als stählerne Feder antreibt. Bis auf gelegentliche Funken sarkastischen Humors besteht der gesprochene Text des Che in Teil I aus einem den Bildern unterlegten, monologischen Sermon, der von einem pseudo-dokumentarisch eingeführten Übersetzer in gutem Spanglish (Spanish English) gesprochen wird.

Der Stil eines fiktiven Dokumentarismus in Schwarz-Weiß, in dem man Guevara (das heißt: del Toro) 1964 vor den UN oder im Interview mit einer US-Fernsehreporterin sieht, gehört zu den souveränen Kunstgriffen Soderberghs, die dem Film ein minimales erzählerisches Gerüst liefern. Freilich, was da zitathaft einfließt, sind nur allzu bekannte Passagen aus Guevaras gedruckten Reden und Schriften. Nichts dagegen aus dem Fundus seiner selbstironischen Briefe, schwärmerischen Gedichte, authentischen Tagebuchnotizen – nichts von all dem, was der Ikone des Che Farbe, Tiefe, Leben einhauchen könnte.

Benicio del Toro, in Puerto Rico aufgewachsen, hat den Namen Che Guevara als Dreizehnjähriger 1980 in einem Song der Rolling Stones (Indian Girl) zum ersten Mal gehört, wie er in einem seiner Behingerapten Interviews verraten hat. Man fragt sich freilich, warum vom Geist der Rolling Stones so gut wie nichts übrig geblieben ist. Dabei ist der Film bei aller politischen Korrektheit für den kubanischen Hausgebrauch noch immer nicht korrekt genug. Der Figur Fidel Castros (Demian Bichir) fehle es an »Tiefe und Charisma«, bemängelte das Zentralorgan Granma nach der Vorführung in Havanna. Das wäre nicht einmal falsch, wäre es kein amtliches Urteil.

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