China Ein Funke für das Wachstum
Weltweit feiern Ökonomen Chinas schnelle Genesung. Die heimischen Experten bleiben bislang vorsichtiger

© China Photos/Getty Images
Boomstadt Shanghai, China
Jeder Fluss hat einmal Niedrigwasser«, sagt Kapitän Jiang, aber irgendwann kehren die Wassermassen zurück, und dann heben die Fluten alle Boote. Man eignet sich solche Weisheiten an, wenn man Geschäfte dicht am Welthandel betreibt, so wie es Jiang mit seinem alten Kahn auf dem Jangtse-Fluss tut, 200 Kilometer nördlich von der Mündung bei Shanghai. Er verkauft Rasierklingen, Harbin Beer und chinesische Snacks an die Besatzungen großer Schiffe, von denen aber in den vergangenen Monaten recht wenige hier entlanggefahren sind. Es ging ihm schon besser, dem schwimmenden Laden von Kapitän Jiang.
Große, weltwirtschaftliche Trends offenbaren sich auf dem Jangtse schnell. Weniger große Schiffe, unvermindert viele Binnenschiffe. Volle Auslastung in den Werften der Gegend. Neu gebaute Straßen an den Küsten. Tag- und Nachtschichten beim Bau eines Kohlekraftwerks in der Nähe. »Mein Schwager arbeitet dort als Kranführer«, erzählt Jiang.
Überhaupt, wer sich einige Zeit mit dem Kapitän unterhält, kann sich die Berichte der Makroökonomen aus dem fernen Peking oder aus dem noch ferneren New York, aus London oder Frankfurt sparen. Da steht alles noch mal drin, bloß trockener ausgedrückt: Chinas Exporte schrumpfen weiter, jedoch weniger dramatisch als bisher. Die Binnenwirtschaft hingegen hat im ersten Quartal deutlich angezogen; es gibt also mehr Nachfrage im Land und mehr Produktion und Dienstleistungen von Chinesen für Chinesen. Die Banken haben im ersten Quartal 30 Prozent mehr Kredite vergeben als im vergangenen Jahr. Wohnungsverkäufe ziehen an. Die Börse boomt. Das Wachstum liegt mitten in der Krise bei 6,1 Prozent.
Das Vier-Billionen-Yuan-Konjunkturpaket (420 Milliarden Euro), das die Regierung im vergangenen November aufgelegt hat, belebt mit seinen vielen Infrastrukturprojekten den Bausektor und mit einer Fülle von Einzelprogrammen die private Nachfrage. Im Januar war der Konsum noch zurückgegangen, aber in den vergangenen vier Monaten wuchs er wieder, im April um knapp 15 Prozent. »Die größten Gewinner in diesem Jahr werden die Hersteller von Konsumgütern sein«, sagt Lee Eun-taek, Analyst bei Dongbu Securities. Große Fernseher laufen gut. Kleinwagen ebenfalls, auf die hat die Regierung die Steuer halbiert, und sie verteilt Rabattgutscheine.
Die meisten westlichen Analysten gehen davon aus, dass sich China im Lauf des Jahres noch weiter erholen wird. So sagt die amerikanische Bank Goldman Sachs für 2010 schon wieder ein Wachstum von rund 11 Prozent voraus und nennt China und andere Schwellenländer hoffnungsfroh die »Funken, die das Wachstum wieder befeuern«. »Die chinesische Wirtschaft hat das Schlimmste bereits hinter sich und befindet sich in einer kraftvollen Aufwärtsbewegung«, bestätigt Michael Heise, der Chefvolkswirt der Allianz Gruppe, der gerade von einer Asienreise zurückgekommen ist. Bei der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley spricht man von einer »beständigen Erholung«. Die UBS glaubt, dass das chinesische Konjunkturprogramm »stärker als erwartet angeschlagen hat«. BNP Paribas empfiehlt China-Aktien.
- Datum 11.06.2009 - 19:33 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 10.06.2009 Nr. 25
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Wenn die chinesischen Analysten genauso blind sind wie die Unserigen - dann sollte man dem Kapitän glauben!
Noch vor knapp 15 Monaten rannten Chefvolkswirte deutscher Banken durch die Lande. Hielten Powerpointvorträge, warum die US Krise niemals nach Europa überschwappen kann und warum man wg. der drohenden Abgeltungssteuer JETZT investieren soll.
Jetzt halten die gleichen Chefvolkswirte Powerpointvorträge mit dem Thema "Krisenbewältigung".
Ich habe mir selbst im Januar 2008 einen solchen Vortrag vom Chefvolkswirt der DEKA Bank angehört und mich gefragt, auf welcher Erde der eigentlicht lebt. Ebendieser Chefvolkswirt, der damals eine hiesige Krise völlig ausgeschlossen hat, wird jetzt als vielzitierter Krisenexperte gehandelt.
Da ist mir dann der chin. Kapitän doch viel lieber!
Da kann man ja gleich weghören und wegsehen. Ich meine gar nicht so sehr wegen des MS-Produktes sondern vielmehr wegen der User.
Da kann man ja gleich weghören und wegsehen. Ich meine gar nicht so sehr wegen des MS-Produktes sondern vielmehr wegen der User.
ich hab mal von einer Freundin, ein schönes chinesisches Sprichtwort beigebracht gekriegt. "Zu teuer gibt es nicht" sondern nur "Falsch Investiert"
Ihr Freund freut sich jedes mal ein Loch in den Bauch wenn sie an einem Juwelier vorbei kommen. ;-)
... mal ein Vorbild. Die handeln tatsächlich fast genau so, wie ich es prophezeit hatte.
Die Binnenkonjunktur beleben, wenn der Export einbricht. Mir fällt da spontan noch ein Land ein, welches das verdammt nötig hätte.
Klar, im Ggs. zu Deutschland hat in China der Staat Währungsreserven im Billionenbereich zurückgelegt (Währungsdumping), die kann er jetzt mit beiden Händen ausgeben, bevor sie durch die USA weginflationiert werden. Schön, dass endlich auch die Chinesen was davon haben (außer mehr Dreck, Ungleichverteilung und Ausbeutung), dass sie die ganze Welt mit Billigramsch versorgen.
Nun, Deutschland hat ja keine Währung mehr, die es dumpen könnte, das hat der Euro übernommen und dafür haben breite Kreise der Bevölkerung Lohnverzicht geübt, während die Gewinne nach oben geschnellt sind. Theoretisch müsste man also jetzt genau von dort das Geld holen, aber das wird wohl bloß ein Traum bleiben. Eher jagt man die Staatsverschuldung hoch und erhöht nach der Wahl die Mwst auf 25%. Hoffentlich liege ich mit dieser Voraussage nicht auch richtig.
richtig....
richtig....
richtig....
Da kann man ja gleich weghören und wegsehen. Ich meine gar nicht so sehr wegen des MS-Produktes sondern vielmehr wegen der User.
Die Signale aus China sind sehr sehr widersprüchlich: sinkende Ex- und(!) Importe, sinkende Stromerzeugung, aber angeblich boomende Industrieproduktion. Die Veröffentlichung einiger Schlüsseldaten durch den chinesischen Staat wurde kürzlich eingestellt. Nebenbei, Schlüsseldaten, die eine andauernde Rezession belegten. Ein Schelm, wer... Denn wenn schon die USA mit fragwürdigen Methoden ihre Daten zu Inflation und Arbeitslosigkeit schönen, wie soll man das vom kommunistischen Regime in China nicht erwarten?
Aber auch ein boomendes China zieht die Weltwirtschaft nicht zwangsläufig mit sich, schon garnicht die westlichen Industriestaaten. Die Entwicklung in den USA hängt hauptsächlich von der Kreditvergabe durch die US-amerikanischen Banken ab, und die Entwicklung in Europa von der Kreditvergabe der europäischen Banken. Die Krise begann dort, und sie wird auch dort enden, wenn sie denn enden wird. Und die massiven Probleme im Bankensektor verschwinden nicht einmal durch massiv steigende Exporte nach China.
Dass derzeit eine leichte Stabilisierung zu verzeichnen ist und dass diese Stabilisierung echt ist, ist nicht zu bestreiten. Aber diese Stabilisierung läuft mit großer Sicherheit Mitte Juni aus, und das ist genau jetzt. Die als positiv bewerteten Signale wie der Ölpreisanstieg und der Anstieg der Renditen von Staatsanleihen wirken sich mit einiger Zeitverzögerung wieder negativ aus. Hinzu kommen dann im zweiten Halbjahr die Probleme durch weitere Kreditausfälle für die Banken, da die Unternehmensinsolvenzen und die Bilanzen ein nachlaufender Faktor der Konjunktur sind – ebenso wie der Einbruch am Gewerbeimmoblienmarkt.
Und dann wird es weiter abwärts gehen. Schöne Bodenbildung, die garade mal drei bis vier Monate andauert!
So, so..., in China ist also alles Gold was glänzt.
Überhaupt sind derzeit ziemlich viele "Prognosen" und "Prophezeiungen" mal wieder ziemlich konfus. Man wird den Eindruck nicht los, dass das Spiel im Prinzip wieder von vorne beginnt...
dass chinesische Forscher sehr konservativ in ihren Aussagen sind. Ist die Lage sehr schlecht, gießen sie nicht noch mehr Öl ins Feuer, ist die Lage aussichtsreich, gehen sie auf Nummer sicher.
Die obige Aussage mag für die Ökonomen bezeichnend sein, wie sieht es aber mit der KPCh und Ihrer Spitze aus ?
Bei Ihrer Kenntnis des Landes, würde es interessieren, wie stark die Ökonomie und die Spitzen der KPCh miteinander verzahnt sind. Geht man mit dem ökonomischen Dampf im Kessel immer gerade so geschickt um, wie es die Sitaution erlaubt, oder vollziehen sich die Machtspielchen, z.B. aktuell gegenüber Frankreich, völlig losgelöst von der wirtschaftlichen Wasserstandsmeldungen ?
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