Der Kunde war verärgert. Nein, den Bau der Moschee in Duisburg-Marxloh könne er mit seinem Geld nicht unterstützen. Schließlich befinde man sich in einem christlich geprägten Land. »Deshalb bitte ich um Verständnis, wenn ich mein Konto bei der GLS-Bank mit sofortiger Wirkung kündige.« Auch ein erklärender Brief half nicht. Am Ende hatte die Bank einen Kunden weniger, aber ein Stückchen Glaubwürdigkeit gewonnen.

Dass der Mann von dem 1,5-Millionen-Euro-Investment seiner Bank für das neue islamische Gotteshaus überhaupt erfahren hatte, liegt an den besonderen Regeln der GLS Gemeinschaftsbank in Bochum . Sie ist die einzige Bank in Deutschland, die alle Kredite an Unternehmen und Institutionen mit Namen und Summe in ihrer Kundenzeitschrift sowie im Internet veröffentlicht. »Mehr Transparenz geht nicht«, sagt Thomas Jorberg, Vorstandschef der GLS Bank. »Es kommt aber zum Glück sehr selten vor, dass uns deshalb eine Kundenbeziehung aufgekündigt wird.« Gegründet wurde die GLS Bank 1974 im anthroposophischen Geist, heute ist sie eines der wenigen deutschen Kreditinstitute, die sich ganz dem Gedanken der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit verschrieben haben.

Banken mit ökologisch-sozialer Ausrichtung verzeichnen in der gegenwärtigen Krise einen Boom. Trotzdem sind sie immer noch Exoten. Neben der GLS Bank gibt es die Umweltbank in Nürnberg und die Ethikbank im ostthüringischen Eisenberg. Die 1988 gegründete Frankfurter Ökobank, einst Vorzeigeobjekt der Friedens- und Umweltbewegung, gibt es nicht mehr. Sie wurde nach schweren Verlusten infolge von Managementfehlern 2003 von der GLS Bank übernommen. Zusammengerechnet addiert sich die Bilanzsumme der drei noch bestehenden alternativen Geldhäuser, von denen nur die GLS Bank ein kleines Filialnetz unterhält, auf etwa 2,2 Milliarden Euro. Marktführer mit einer Bilanzsumme von 1,16 Milliarden Euro Ende 2008 und aktuell 74.000 Kunden ist die Umweltbank. Die Ethikbank kommt mit 8000 Kunden auf 75 Millionen Euro – ein Klacks im Vergleich zum Branchenprimus Deutsche Bank, mit einer Bilanzsumme von kaum vorstellbaren 2,1 Billionen Euro.

Aber Thomas Jorberg hat auch andere Ziele als Josef Ackermann , der Chef der Deutschen Bank. Jorberg leitet die Genossenschaftsbank GLS, in die er 1977 als Banklehrling eingetreten war, seit sechs Jahren. »Wir zocken nicht, sondern betreiben das klassische Bankgeschäft: Geld aufbewahren und Kredite ausreichen. Die reine Geldvermehrung ist nicht unser Ziel«, sagt er. Die Zahl jener Menschen wachse, die wissen wollten, was die Bank mit ihrem Geld denn so anstelle. »Wenn sich alle so verantwortungsvoll verhalten hätten wie die grünen und kirchlichen Banken, hätte es die Krise nie gegeben«, sagt Jörg Weber von Ecoreporter, einem Onlinebranchendienst für »grüne« Geldanlagen.

In letzter Zeit ist der GSL-Chef Jorberg häufig zu Gast in Talkshows, in denen er erklärt, warum seine Bank bislang ohne Kundenverluste und Wertberichtigungen durch die Finanzkrise gekommen sei, ja sogar davon profitiert habe. Im vergangenen Jahr kletterte die Bilanzsumme um satte 27 Prozent auf erstmals mehr als eine Milliarde Euro. Auch im ersten Jahresdrittel 2009 legten Einlagen und Kredite gegen den Trend um zehn Prozent zu. Die Zahl der Kunden, die der GLS Bank ihr Geld anvertrauen, ist auf aktuell 65.000 gestiegen.

Der Kunde bestimmt, ob mit seinem Geld ein Biobauernhof gebaut wird

Bei der GLS Bank kann jeder Kunde bestimmen, in welchen Bereich sein Geld bevorzugt investiert werden soll, etwa in die ökologische Landwirtschaft, in alternative Wohnprojekte, Behinderteneinrichtungen oder regenerative Energien. Mit gut einer halben Million Euro finanzierte die GLS Bank so den Bau einer neuen Betriebsstätte eines Bioland-Hofes bei Köln, eine Bürger-Solaranlage in Oberschwaben oder ein heilpädagogisches Wohnprojekt für geistig behinderte Menschen in Halle .

Ansonsten ist das Institut eine ganz normale Genossenschaftsbank und Mitglied im Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken sowie deren Sicherheitseinrichtungen. Neben Standardfinanzprodukten wie Tagesgeld, Festgeld und Sparbriefen bietet die Bank ihren Kunden auch spezielle Investmentfonds an, die nur in Firmen und Projekte investieren, die von einschlägigen Ratingagenturen wie Oekom Research in München nach ökologischen und sozialen Kriterien geprüft und für geeignet befunden wurden. Das Geld, das die Bank selbst am Kapitalmarkt anlegen muss – fast ein Drittel der Bilanzsumme –, wird auch nachhaltig investiert und der Anlagezweck veröffentlicht.