Grüne Banken "Mehr Transparenz geht nicht"Seite 2/2

Ganz auf Zinsen verzichten – das wollen dann doch nur wenige

Die Ethikbank ist die jüngste und mit Abstand kleinste unter den »grünen« Banken. Sie wurde 2002 als Tochter der Volksbank Eisenberg (Bilanzsumme Ende 2008: 204 Millionen Euro) gegründet, ist eine reine Direktbank und erlebt ein stürmisches Wachstum. »In fünf Jahren könnten wir größer sein als unsere Mutter«, sagt Bankvorstand und Mitgründerin Sylke Schröder. Mit der Transparenz treibt es die Ethikbank nicht so weit wie ihr Konkurrent aus Bochum. Bislang wird nur das Portfolio der eigenen Kapitalmarktanleihen im Internet veröffentlicht. »Ich finde es grenzwertig, die Namen privater Kreditnehmer zu veröffentlichen. Aber wir können uns vorstellen, die Transparenz über den Verwendungszweck herzustellen«, sagt Schröder. Auch die Ethikbank investiert das Geld ihrer Kunden nur in sozial und ökologisch korrekte Unternehmen. Die dürfen keinesfalls Militärwaffen herstellen, Atomkraftwerke betreiben, mit Gentechnik arbeiten, ozonzerstörende Chemikalien herstellen oder Kinderarbeit zulassen. Auch Staatsanleihen von Ländern, die Menschenrechte verletzten, sind tabu.

Die 1997 gegründete Nürnberger Umweltbank hat sich unter anderem auf ökologische Haussanierung spezialisiert. Sie ist keine Genossenschaftsbank, sondern eine Aktiengesellschaft. Der Löwenanteil der Kundeneinlagen, 47 Prozent, ist in Solarprojekte investiert, wobei die staatlich garantierte Einspeisevergütung für Solarstrom als Sicherheit für die Kredite dient. Weitere 29 Prozent stecken in ökologischen Bauvorhaben, der Rest in Wind- und Wasserkraftprojekten. Für die private Baufinanzierung hat die Umweltbank ein ausgefeiltes System entwickelt: Je ökologischer ein Bauvorhaben ist, umso günstiger wird der Kredit. Private Girokonten führt die Umweltbank nicht, weil dabei schwer nachzuvollziehen sei, ob die Kunden ihr Geld ökologisch und sozial korrekt investierten.

Der Preis fürs gute Gewissen ist bei den Alternativbanken ein mehr oder weniger großer Zinsabschlag. Schlechtere Renditen seien aber kein generelles Merkmal des grünen Finanzmarktes. »Im Prinzip kann man mit grünen Anlagen genauso gut verdienen, aber auch verlieren, wie mit herkömmlichen Investments«, sagt Dorothea Mohn, Expertin für Kapitalanlagen beim Verbraucherzentrale Bundesverband.

Wer will, kann bei der GLS Bank auf seine Zinsen von vornherein verzichten. Diese Spenden gibt die Bank dann in Form zinsgünstiger Kredite an gemeinnützige Einrichtungen weiter. In den siebziger Jahren haben noch 70 Prozent aller GLS-Kunden auf ihre Zinsen verzichtet; heute tun dies nur noch 15 bis 17 Prozent. Ein Zinsverzicht, sagt Chef Jorberg, sei »keine notwendige Randbedingung für ethisch-ökologische Geldanlagen«.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 13.06.2009 um 19:23 Uhr

    Sorry, wenn ich hier einen ganzen Absatz zitiere:

    "Der Kunde war verärgert. Nein, den Bau der Moschee in Duisburg-Marxloh könne er mit seinem Geld nicht unterstützen. Schließlich befinde man sich in einem christlich geprägten Land. [...] Am Ende hatte die Bank einen Kunden weniger, aber ein Stückchen Glaubwürdigkeit gewonnen."

    Welche Kunden nimmt die Bank denn noch nicht, Atheisten z.B., oder Buddhisten, weil diese auch nicht christlich geprägt sind?

    Was für eine Glaubwürdigkeit hat eine Bank, die öffentlich und willentlich gegen Artikel 3 (3) der Verfassung verstößt?

    Das ist weltweit weg von ethisch korrekt und für mich ein Grund, diese Bank zu meiden!

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    So wie ich den Artikel verstanden habe hatte der Kunde ein Problem damit wo sein Geld investiert wurde und er trat vom Vertrag zurück. Nicht die Bank hat ihn abgelehnt. Also müsstest du ihm religiösen Rassismus vorwerfen, nicht der Bank.

    Ein Nachteil bei diesen Instituten ist, dass sie nicht in jedem EU-Mitgliedsland vertreten sind und man deshalb mehr Bürokratie als üblich zu bewältigen hat (Bsp. Bestätigung beim Konsulat holen).

    So wie ich den Artikel verstanden habe hatte der Kunde ein Problem damit wo sein Geld investiert wurde und er trat vom Vertrag zurück. Nicht die Bank hat ihn abgelehnt. Also müsstest du ihm religiösen Rassismus vorwerfen, nicht der Bank.

    Ein Nachteil bei diesen Instituten ist, dass sie nicht in jedem EU-Mitgliedsland vertreten sind und man deshalb mehr Bürokratie als üblich zu bewältigen hat (Bsp. Bestätigung beim Konsulat holen).

  1. So wie ich den Artikel verstanden habe hatte der Kunde ein Problem damit wo sein Geld investiert wurde und er trat vom Vertrag zurück. Nicht die Bank hat ihn abgelehnt. Also müsstest du ihm religiösen Rassismus vorwerfen, nicht der Bank.

    Ein Nachteil bei diesen Instituten ist, dass sie nicht in jedem EU-Mitgliedsland vertreten sind und man deshalb mehr Bürokratie als üblich zu bewältigen hat (Bsp. Bestätigung beim Konsulat holen).

  2. Solcher Bank ist sehr interessant. Aber wenn von Verzichten der Zinsen die Rede ist, ist es schwer als Bank zu zeichnen.

    Das ist eine Stiftung, die nach Bankmodel getrieben wird, und vorwiegend von guter Wille des Anlegers lebt.

    Anwaerter "Bundespreis fuer Online Literatur"
    Runzheim in Google

  3. Sicherlich ist es irgendwo zu begrüßen, wenn jemand demonstrativ ethisch handelt. Allerdings stellt sich die Frage, was denn ethisch ist und wer darüber zu bestimmen hat. Wird das nach dem kategorischen Imperativ nach Kant festgelegt oder vom Papst?

    Es wird vor allem auch bei den Banken irgendwann sehr, sehr heikel.
    Mal ein paar Beispiele:

    - Was, wenn meine Ethik die "wilde Ehe" oder gleichgeschlechtliche Ehe ablehnt?
    - Was, wenn Kredite nur an Frauen gegeben werden,
    weil die ja benachteiligt werden.
    - Was, wenn ich keine Konten an Frauen gebe,
    die ungeborene Babys ermordet haben?
    - Was, wenn meine Ethik nur Kredite für Deutsche erlaubt?
    - Was, wenn ich nur Christen Kredite geben und Kredite an Muslims ablehne?
    Natürlich aus ethischen Gründen?

    Man sieht, man kann das beliebig weit treiben.
    Was ist dann noch ethisch und was ist schon Diskriminierung?

    Man könnt meinen, es gäbe in diesem Land keine Gesetze, die festlegen, was man darf und was nicht.

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    Die Kunden legen fest, was ethisch ist und was nicht. Da sie ja wissen, wohin ihr Geld investiert wird, können sie es abziehen, wenn die Bank nach ihrem Verständnis "unethisch" handelt.
    Der eine kunde, von dem die Rede war, hält offensichtlich Investitionen in Moscheen für unethisch, also zieht er sein Geld ab. Wenn noch mehr Kunden dieser Meinung wären und ihr Geld abziehen würden, würde die Bank eben nicht mehr in solche Projekte investieren.

    Soviel Transparenz und praktiziertes Demokratieverständnis scheint manche Leute allerdings zu überfordern...

    Die Kunden legen fest, was ethisch ist und was nicht. Da sie ja wissen, wohin ihr Geld investiert wird, können sie es abziehen, wenn die Bank nach ihrem Verständnis "unethisch" handelt.
    Der eine kunde, von dem die Rede war, hält offensichtlich Investitionen in Moscheen für unethisch, also zieht er sein Geld ab. Wenn noch mehr Kunden dieser Meinung wären und ihr Geld abziehen würden, würde die Bank eben nicht mehr in solche Projekte investieren.

    Soviel Transparenz und praktiziertes Demokratieverständnis scheint manche Leute allerdings zu überfordern...

  4. Die Kunden legen fest, was ethisch ist und was nicht. Da sie ja wissen, wohin ihr Geld investiert wird, können sie es abziehen, wenn die Bank nach ihrem Verständnis "unethisch" handelt.
    Der eine kunde, von dem die Rede war, hält offensichtlich Investitionen in Moscheen für unethisch, also zieht er sein Geld ab. Wenn noch mehr Kunden dieser Meinung wären und ihr Geld abziehen würden, würde die Bank eben nicht mehr in solche Projekte investieren.

    Soviel Transparenz und praktiziertes Demokratieverständnis scheint manche Leute allerdings zu überfordern...

    Antwort auf "Fragwürdig"
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    Ob das immer ethisch ist, was die Mehrheit unterstützt.

    Auch der Schutz von Minderheiten gehört zu einer praktizierten Demokratie und auch der Schutz davor, wegen einer abweichenden Meinung benachteiligt zu werden, d.h. man darf auch dann nicht daran gehindert werden, Konten eröffen oder Kredite zu bekommen.

    Wäre es denn OK, wenn ein Wirt keine Schwulen oder Ausländer in sein Lokal lässt, solange er noch genug Kunden hat (vielleicht von ganz, ganz rechts) Geld verdient? Hauptsache er begründet es immer mit seiner Ethik?

    Ich hoffe, dass Sie diese Gedanken nicht überfordern ...

    Ob das immer ethisch ist, was die Mehrheit unterstützt.

    Auch der Schutz von Minderheiten gehört zu einer praktizierten Demokratie und auch der Schutz davor, wegen einer abweichenden Meinung benachteiligt zu werden, d.h. man darf auch dann nicht daran gehindert werden, Konten eröffen oder Kredite zu bekommen.

    Wäre es denn OK, wenn ein Wirt keine Schwulen oder Ausländer in sein Lokal lässt, solange er noch genug Kunden hat (vielleicht von ganz, ganz rechts) Geld verdient? Hauptsache er begründet es immer mit seiner Ethik?

    Ich hoffe, dass Sie diese Gedanken nicht überfordern ...

  5. Ob das immer ethisch ist, was die Mehrheit unterstützt.

    Auch der Schutz von Minderheiten gehört zu einer praktizierten Demokratie und auch der Schutz davor, wegen einer abweichenden Meinung benachteiligt zu werden, d.h. man darf auch dann nicht daran gehindert werden, Konten eröffen oder Kredite zu bekommen.

    Wäre es denn OK, wenn ein Wirt keine Schwulen oder Ausländer in sein Lokal lässt, solange er noch genug Kunden hat (vielleicht von ganz, ganz rechts) Geld verdient? Hauptsache er begründet es immer mit seiner Ethik?

    Ich hoffe, dass Sie diese Gedanken nicht überfordern ...

    Antwort auf "Ganz einfach"
  6. Tja dann sei es an Ihnen und anderen nicht den Ellenbogen sondern vielleicht die Hand auszustrecken um eine Demokratie wie Sie es sich vorstellen anderen zu vermitteln. Vielleicht auch schon der Blick auf die Straßenverbotsschilder zeigt Ihnen ihre Wahl zum Parken an. Und wie schaut Ihre Wahl aus? Ich fahre mit Fahrrad.
    Es gilt nicht das Böse zu verhindern oder zu schwächen, sondern es gilt das Gute zu fördern und zu stärken.

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf
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    • Eve007
    • 28.03.2012 um 9:48 Uhr

    @Nummer00 "Es gilt nicht das Böse zu verhindern oder zu schwächen, sondern es gilt das Gute zu fördern und zu stärken," schriebst Du. Diese Anschauungsweise ist mir ein Anliegen.

    Jemand hat auch gesagt: Wenn wir Böses mit Bösem bekämpfen, gewinnt das Böse. Also muß ein anderer Weg gefunden werden!

    Allerding bin ich dann ein praxisorientierter Mensch und suche nach Gleichgesinnten und genau solchen Projekten. Nummer00 hast Du/Sie da was in Arbeit? Oder vielleicht ein Interesse an dem Projekt "Teamarbeit in Unternehmen" mitzuarbeiten??? Ich kann Dir/Ihnen hier erstmal meine Müll-email-adresse angeben und für Dich/Sie dann doch mal wieder dort reinschauen e_kuhnert@gmx.de lg Eve
    http://www.fruehlingsmaer... etc. etc.
    P.S.: Bin ein bißchen spät, vielleicht erreicht Dich/Sie ja noch meine Antwort :)

    • Eve007
    • 28.03.2012 um 9:48 Uhr

    @Nummer00 "Es gilt nicht das Böse zu verhindern oder zu schwächen, sondern es gilt das Gute zu fördern und zu stärken," schriebst Du. Diese Anschauungsweise ist mir ein Anliegen.

    Jemand hat auch gesagt: Wenn wir Böses mit Bösem bekämpfen, gewinnt das Böse. Also muß ein anderer Weg gefunden werden!

    Allerding bin ich dann ein praxisorientierter Mensch und suche nach Gleichgesinnten und genau solchen Projekten. Nummer00 hast Du/Sie da was in Arbeit? Oder vielleicht ein Interesse an dem Projekt "Teamarbeit in Unternehmen" mitzuarbeiten??? Ich kann Dir/Ihnen hier erstmal meine Müll-email-adresse angeben und für Dich/Sie dann doch mal wieder dort reinschauen e_kuhnert@gmx.de lg Eve
    http://www.fruehlingsmaer... etc. etc.
    P.S.: Bin ein bißchen spät, vielleicht erreicht Dich/Sie ja noch meine Antwort :)

    • IllI
    • 14.06.2009 um 9:44 Uhr

    sich über diese Begrifflichkeiten hier fusslig zu streiten ist doch wohl lächerlich. Wer verlangt denn bitte von einem Kreditinstitut ehtisch zu handeln ??
    Es ist schlicht und ergreifend ethischER in soziale Projekte zu investieren als Kinder in Indien oder Minenarbeiter in Ghana.
    Ob dabei der eine oder andere moralisch nicht einwandfreie Schritt getan wird ist doch wohl nebensächlich.
    Es ist nun einmal so und das müssen sich auch meine Vorredner eingestehen die ihr Geld wohl nicht bei einer "grünen"Bank angelegt haben, dass 25% Rendite sich für den Kapitalisten wohl sehr schmackhaft anhören, für den Menschen der über ein klein wenig Moral, Ethik und den Willen verfügt hinter die Kulissen zu blicken ist es aber nichts als menschenunwürdige Ausbeute
    Also diskutieren sie mit ihren Ellenbogen und humanismus Geschichten nicht am Grundlegenden Problem vorbei.
    Die otto-normal-Bank beutet Menschen in anderen Ländern aus, bzw. investiert in Unternehmen die dies tun. Eine "grüne" Bank investiert in die Zukunft ohne dabei jemanden reich zu machen.
    Bedenken sie bitte, wenn sie von Rendite oder Zinsen sprechen die ihnen andere Banken bezahlen, dass Gled nicht arbeiten kann - es sind immer die Menschen !!
    _________________

    Aus so krummem Holz wie der Mensch geschnitzt, lässt sich nichts gerades zimmern. - i.kant-

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    • TDU
    • 14.06.2009 um 13:28 Uhr

    Deswegen sollte man es auch nicht von oben versuchen sondern den wunderbaren kategorischen Imperativ als Appell verstehen und an den Möglichkeiten arbeiten, ihn zu leben. Das Problem ist dabei allerdings die "Allgemeine Gesetzgebung". Kategorisch durchgesetzt, kann sie das Krumme nur eliminieren, da das "Gerade Biegen" eben auf Widerstand stösst.

    • TDU
    • 14.06.2009 um 13:28 Uhr

    Deswegen sollte man es auch nicht von oben versuchen sondern den wunderbaren kategorischen Imperativ als Appell verstehen und an den Möglichkeiten arbeiten, ihn zu leben. Das Problem ist dabei allerdings die "Allgemeine Gesetzgebung". Kategorisch durchgesetzt, kann sie das Krumme nur eliminieren, da das "Gerade Biegen" eben auf Widerstand stösst.

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