Geldanlage Mehr war weniger
Warum Tagesgeld derzeit trotz niedriger Zinsen keine schlechte Anlage ist
Es ist noch gar nicht lange her, da sprangen einen in der Werbung überall bunte Zahlen an: dick gedruckte Vieren, manchmal sogar Fünfen. Die Banken lockten die Anleger mit hohen Zinssätzen für Tagesgeld. Das ging so weiter, als die ganze große Krise begann: Unmittelbar nach der Pleite von Lehman Brothers in den USA mussten viele Banken akute Liquiditätsengpässe überbrücken, weil sie sich gegenseitig aus Angst vor weiteren Pleiten kein Geld mehr leihen wollten. Da waren höhere Zinsen fürs Tagesgeld ein probates Mittel, um ans Bare der Kunden zu kommen.
Die Zeiten sind vorbei. Tagesgeldkonten werfen derzeit im Schnitt noch zwei Prozent ab, das wirkt im Vergleich mager. Die Postbank, die drei Prozent verspricht, sticht damit schon hervor. Beim Festgeld sieht es nicht viel besser aus.
Was also machen mit dem Geld, das über ist? Runter von den Tagesgeldkonten und rein in die Aktien? Immerhin ist der Deutsche Aktienindex allen Schreckensnachrichten zum Trotz zuletzt stark angestiegen. Allein in den vergangenen drei Monaten legte er um fast 40 Prozent zu.
Das könnte allerdings auch die Ursache dafür sein, dass er bald wieder sinkt. Die Konjunkturexperten sind sich längst nicht einig, dass die Unternehmen den schlimmsten Teil der Rezession schon hinter sich haben. Derzeit scheinen die Prognosen aus der Buchstabensuppe gefischt zu werden. Der eine Experte holt ein V aus der Brühe und glaubt, es ginge nun ebenso rasant bergauf, wie es vorher bergab gegangen war. Der andere hat ein W auf dem Löffel und spricht daher von einem Auf und Ab, bevor dann wieder bessere Zeiten kommen. Die Pessimisten finden ein L in der Suppe und sehen die Wirtschaft auf lange Sicht stagnieren. Ein Eta ( η ) hat zum Glück noch niemand gefunden.
Solange der Wirrwarr anhält, könnte es ratsam sein, abzuwarten und auf Sicherheit zu setzen. Dabei schneiden die vermeintlichen Niedrigzinsen gar nicht schlecht ab, wenn man die Inflationsrate berücksichtigt. Die liegt aktuell bei null, die Preise steigen also statistisch betrachtet gar nicht. Und so bringen die zwei, drei Prozent, die es derzeit mit Tagesgeld zu holen gibt, an realer Rendite oft mehr als früher. Zu den fetten Zinszeiten mussten von den vier, fünf Prozent ja drei Prozent Inflation abgezogen werden. Da war mehr weniger.
- Datum 11.06.2009 - 11:04 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 10.06.2009 Nr. 25
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Und so bringen die zwei, drei Prozent, die es derzeit mit Tagesgeld zu holen gibt, an realer Rendite oft mehr als früher.
Bitte den Abzug für die Steuern (Zinsertrags- u. EK-St) aber nicht vergessen, dann sieht's gar nicht mehr so dolle aus...
für Otto Normalo als Tages- oder Festgeld, wenn man die ganzen Umfeldkosten mit einbezieht. Dafür allerdings weitestgehend risikofrei und man kommt sofort an sein Geld und muss nicht warten, bis ein Papier wieder im grünen Bereich ist, bevor man es verkaufen kann (oder die Anleihe fällig ist).
Ich kann nur sagen - prüfe jeder sein Depot über die letzten Jahre kritisch und ziehe alle Nebenausgaben ab und staune, was real über geblieben ist nach Abzug aller Kosten wie Kaufaufschläge, Verkaufs- und Verwaltungsgebühren, Provisionen, Depotgebühren.
In mir bekannten Fällen waren das durchschnittlich knapp 3% über viele Jahre, in denen es Tages- und Festgeld mit höheren Zinsen gab. Nur verdienen die Banken da weniger dran.
Zumindest ab 2009 sind die Steuerabzüge gleich.
Wenn man mal wieder zur Normalität zurück gekehrt ist , die einigen im Zuge des Aktienbooms und einigen durchgeknallten Bankmanagern abhanden gekommen zu sein scheinen, sind Zinsen um die 3-4% wirklich nicht schlecht. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass man mit ein paar windigen Aktienpapieren eben doch nicht über Nacht steinreich wird.
die wirtschaftliche Kompetenz der ZEIT steigt langsam. Danke!
@ flinke perio ....: In dem momentan leicht deflationären Umfeld wird diesmal aber nur der Zinssatz besteuert und nicht auch der inflationierte sogenannte Gewinn. Insofern ist die steuerliche Situation momentan eher etwas günstiger.
Gutes Thema! Eine eindrucksvolle Berechnung dazu gibt es im Finblog, http://www.finblog.de/200...
Nach Steuern stehen sich Sparer demnach sogar besser.
Liebe Anlager:
Geld kann nicht arbeiten. Um Zinsen (Geldanlagen) zu bekommen muß ja ein anderer bereit sein, Zinsen zu zahlen (Kredite). Das Einkommen von jemanden sind die Ausgaben eines anderen. Außerdem führt Sparen zur Deflation!!!!
Also ich hab mir mal alte Artikel angeguckt und da wird teilweise von Lockvögeln gesprochen: http://www.zeit.de/online...
Jetzt gibt's das Problem, das weniger immer und immer weniger wird ! Es liegt wohl an den Leitzinsen. Ein Freund hat darüber einen Artikel geschrieben: http://www.tagesgeld-leit...
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