PhilosophieDas Leben Jürgen Habermas'

Er kritisierte Heidegger, galt als Vordenker der Studentenbewegung und provozierte einen Streit über die Postmoderne. Eine kurze Biografie des Philosophen von 

Jürgen Habermas, am 18. Juni 1929 in Düsseldorf geboren, studierte Philosophie, Psychologie, Germanistik und Ökonomie in Göttingen, Zürich und Bonn. Nach seinem Studium arbeitete er als freier Journalist unter anderem für die FAZ und den Merkur.

Die öffentliche Bühne betrat der 24-Jährige mit einem scharfen Angriff auf Martin Heidegger. Habermas warf ihm vor, er habe Vorlesungen aus dem Jahr 1935 unkommentiert übernommen und spreche immer noch von der »inneren Wahrheit und Größe dieser Bewegung«.

Anzeige

1956 wurde Habermas Forschungsassistent am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main, geriet aber schnell ins Visier von Max Horkheimer und verließ das Institut wieder. Nach seiner Habilitation bei Wolfgang Abendroth in Marburg holte Hans-Georg Gadamer ihn nach Heidelberg; 1964 wurde Habermas Professor für Philosophie und Soziologie in Frankfurt am Main. Die linken Studenten feierten den akademischen Shootingstar bald als ihren intellektuellen Vordenker. Doch als Habermas die Demonstranten auf das Bonner Grundgesetz einschwören wollte, kühlte das Verhältnis rasch ab.

Zum Bruch mit der Studentenbewegung kam es, als er Rudi Dutschke »Linksfaschismus« vorwarf und Hans Magnus Enzensberger als »Harlekin am Hof der Scheinrevolution« titulierte. Anfang der siebziger Jahre lieferte Habermas sich eine viel beachtete Auseinandersetzung mit dem Systemtheoretiker Niklas Luhmann.

Zwischen 1971 und 1980 war er Direktor des Starnberger Max-Planck-Instituts zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt. Mit seiner Adorno-Preis-Rede 1980 über Das unvollendete Projekt der Moderne provozierte Habermas einen lang anhaltenden Streit über Postmoderne und Poststrukturalismus. Seine Intervention bei den Römerberg-Gesprächen gegen den Geschichtsrevisionismus des Historikers Ernst Nolte löste 1985 den »Historikerstreit« aus, eine Kontroverse über den Umgang mit der deutschen Vergangenheit.

Habermas ist unter anderem Träger des Geschwister-Scholl-Preises, des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels und des Kyoto-Preises. Sein Werk wird im Suhrkamp Verlag veröffentlicht; seit Kurzem liegt eine fünfbändige Studienausgabe vor. Bei Metzler erscheint in diesen Tagen das Habermas-Handbuch, herausgegeben von Hauke Brunkhorst, Regina Kreide und Cristina Lafont. Es gibt zahlreiche Einführungen, beispielsweise von Hauke Brunkhorst (Reclam Leipzig), Detlef Horster (Junius), Stefan Müller-Doohm und Rolf Wiggershaus (Rowohlt). Die Blätter für deutsche und internationale Politik widmen Habermas ein Sonderheft.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Herzlichen Glückwunsch und ein langes Leben.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service