Kunstmarkt Der Blaue Reiter vor dem Sprung
Am 17. Juni wird in Hamburg bei Hauswedell & Nolte ein frühes Meisterwerk von Wassily Kandinsky versteigert
Aus der Liebesbeziehung zwischen Wassily Kandinsky und Gabriele Münter sind im Jahre 1906 zwei außergewöhnliche Werke entstanden, die das Hamburger Auktionshaus Hauswedell & Nolte nun mit subtiler Regie nach über hundert Jahren wieder zusammengeführt hat. Da ist zum einen Kandinskys bestechende Studie für ein reitendes Paar, die Kandinsky im Dezember 1906 malte und die am 17. Juni nun mit einem Schätzpreis von 300000 Euro angeboten wird. In jenem Farbfeuerwerk vermählt Kandinsky die altrussische Motivwelt aus Figuren, Birken und Trachten mit einer melancholischen, fast orientalisch anmutenden Intensität. Das 18 mal 25 Zentimeter große Aquarell des reitenden Liebespaars aus Münters Nachlass entführt in eine Märchenwelt, in der die Farben und Formen bei Kandinsky noch einmal trancehaft ineinanderfließen und ihre Dreidimensionalität fast aufgeben – der Absprung des Blauen Reiters in die Abstraktion steht hier kurz bevor. Doch noch sucht Kandinsky, gerade vierzig geworden, seinen Weg – und Gabriele Münter porträtiert den Gefährten in genau jener entscheidenden Umbruchphase seiner künstlerischen Entwicklung. Der farbige Linolschnitt von 1906 (siehe Abbildung), genauso groß wie das Aquarell des Geliebten, ist ein kaum bekanntes Meisterwerk der expressionistischen Druckgrafik. Es ist auf 15000 Euro geschätzt – im Blick Kandinskys gelingt es Münter hier, genau jenes Suchen nach seiner künstlerischen Zukunft einzufangen, von dem er in seinen Briefen aus dieser Zeit berichtet: »Ich verstehe jetzt die Theorie. Aber werde ich stark genug sein, sie in die Praxis umzusetzen?« Münters Linolschnitt demonstriert, dass sie wusste, dass es ihm gelingen wird.
- Datum 16.06.2009 - 14:58 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 10.06.2009 Nr. 25
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"Der blaue Reiter vor dem Sprung". Ob sich der titelnde Redakteur der Doppeldeutigkeit bewusst war, die sich aus dieser Überschrift in Verbindung mit dem ersten Satz der "Kunstanzeige" des Herrn Illies ergibt?
"Aus der Liebesbeziehung" sind, schon wieder musste unser Rezensent so hoch greifen, zwei "außergewöhnliche" Werke entstanden, die dann auch noch in "subtiler Regie" der wohl eher geschäftstüchtigen, als an Beziehungen interessierten Kupplerin, dem Aktionshaus Hauswedell & Nolte, 1906 "geboren", nun wieder "zusammengeführt" wurden.
Vielleicht stehen ja auch die Auktionslose beisammen oder sind so miteinander verbunden. Ob die Zweckehe nun hält, oder droht es beim natürlich wiederum "einmaligen" und "großartigen" Akt während der Versteigerung zu bleiben?
Wer zur Sache, dieser "Anzeige" sachlich etwas wissen möchte, der lese beispielsweise den klugen, nüchternen, und durchaus nicht schlecht geschriebenen Beitrag Johannes Sanders auf Kunstmarkt.com. Da stehen auch die wichtigsten kultur- und kunstgeschichtlichen Fakten (http://www.kunstmarkt.com... ).
Es handelt sich bei dem Werk Kandinskys um eine Gouache und eben nicht um ein Aquarell!
Der Unterschied bedeutet etwas, denn eine Gouache, das kann auch jeder halbwegs gebildete Laie nachvollziehen, "glänzt" eben nicht mit einem "Farbfeuerwerk", sondern zeichnet sich durch eher gedeckte Farben aus. - Warum spielen für einen so hoch bezahlten ZEIT-Redakteur Fakten und Tatsachen keine Rolle, warum erfindet er vor dem Faktum des Bildes? Hat er es denn wenigstens selbst angesehen? -
Das passt auch besser zu der eher statischen Wirkung der Komposition, des halb gedeckt, durch ein Birkenwäldchen reitenden, eher still mitieinander versunkenen Paares. Es steht am Anfang einer Serie noch mehr durchgearbeiteter Reiterbilder Kandinskys, der aber schon 1903 die Uridee für das spätere Motiv des "Blauen Reiters" schuf.
Selbstverständlich ist auch die zweite kunsttechnische Beschreibung des Bildes dubios, wenn nicht völlig willkürlich! Denn hier "verschmelzen" mitnichten Farben und Formen! - Exakt das Gegenteil ist der Fall und logische Konsequenz des Stils Kandinskys um 1906. Alle Farbflächen sind nebeneinander gesetzt. Die Verschmelzung technisch gerade nicht erwünscht!
Einzig der Aspekt der "aufgegebenen" Perspektivwirkung, "Dreidimensionalität" in einem Bild ist immer eine konstruktive, zeichnerische oder maltechnische Leistung, aus Licht und Schatten, sowie bestimmter fluchtender Linien und einer Staffelung der Bildgründe, das wurde hier ja bewusst vermieden um den flächigen Eindruck zu schaffen, ist, wenn auch mit dem falschen Begriff, zumindest erfasst.
Wo ist nun nur das zweite "Meisterwerk", ein Linolschnitt Gabriele Münters aus dem Jahr 1906 zu sehen?
Das versprochene Bild existiert nicht auf der Webseite? Wir müssen die Fantasie bemühen, was ja zumindest dem traumhaften Geschehen auf Kandinskys Gouache entspricht, oder aber folgende Webseite nutzen:
http://www.faz.net/s/Rub9...
Mit was wurde in der "monopolistischen Anmutung" des Herrn Illies beide Bilder "vereint"?
Das zweite vorgestellte Kunstwerk, ein Ölbild auf Papier, „Gasse in Murnau. Roter Baum.”, Gabriele Münters, steht in überhaupt keinem Zusammenhang mit den angedeuteten biografischen Details im Text! Die sind einfach nur mal so, als hohles Aperçu hingeschrieben. Fühlt man sich bei solchem, mit Verlaub, "Sülz", nachher journalistisch besser?
Ich hätte gerne einmal eine Antwort auf solche "Ungereimtheiten". - Na ja, wenigstens kann man sagen Kandinsky und Münter waren ein Paar in Murnau. Aber, an den hier vorgestellten Bildern lässt sich das nicht ablesen, das muss man sich erlesen oder vom Journalisten ausgedeutet bekommen!
Jedenfalls handelt es sich um eine, im expressionistischen Stil gemalte, wesentlich farbkräftigere Arbeit, als die zuvor vorgestellte.
Die mit den blauen Schatten und den durch Schwarzlinien eingefassten Farbflächen, -auch dieses Bild ist flächig aufgebaut, obwohl es durch Fluchtungen und Überschneidungen Tiefe erzeugt (Straßenverlauf, Hausumrisse angeschnitten)-, wirkt sehr schön. Die einfache Komposition und Ausführung hat etwas "Primitives" und "Naives", was aber keinesfalls abwertend verstanden werden soll. Die Verteilung der Farbflächen, kleiner gelber Heuschober im Hintergrund auf grüner Wiese, roter Baum mittig und blaue Schatten, wie blau-graue oder grün-graue Hauswände, zeigen, wie bewusst die Münter die Farbwerte der Primärfarben zu ihren jeweils notwendigen Flächenanteilen im Bild in Beziehung setzen konnte.
Das ist, in meinen Augen, wirklich eine aussergewöhnlich gute Arbeit, über deren Erhaltungszustand man sich natürlich vor Ort kundig machen muss. Der Kontrast zum vorher geschilderten Werk ist so eindeutig, man muss das nicht kommentieren.
Eines Kommentars bedarf es aber in der Hinsicht, dass dies ein Merkmal der späteren Gruppe "Der Blaue Reiter" sein wird und auch die Vorläufervereinigungen (Künstlergruppen) kennzeichnete, nämlich keinem irgendwie vereinheitlichten Gruppenstil zu huldigen.
Die Einfachheit, wie die Bezüge zur Volkskunst, der Wunsch, z.B. Erfahrungen aus der flächigen und zugleich durchlässigen, damals noch in Blüte stehenden Glasmalerei aufzunehmen, dazu die Bezüge und Anspielungen auf russische Märchenbuch-illustrationen beim "Reiter-Bild" Kandinskys, deuten an, wohin später die Reise gehen wird.
Grüße und Mahlzeit
Christoph Leusch
PS: Leider fehlen wiederum die Größenangaben und natürlich für die Einschätzung wichtig, die korrekten Angaben zur Maltechnik und zum Malgrund.
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