Sachbuch Wer gewinnt und wer verliert
Provokation und Information zugleich: Martin van Creveld untersucht »Gesichter des Krieges«
Um es vorwegzunehmen: Martin van Crevelds jüngstes Buch über den organisierten Gebrauch bewaffneter Gewalt ist auch ein Buch über die Geschichte des Krieges im 20. Jahrhundert – aber vor allem ist es eine systematische Auseinandersetzung mit der Frage, wann und aus welchen Gründen die eine Seite gewinnt und die andere verliert. Von der Marneschlacht bis zur US-Invasion des Irak geht der Historiker van Creveld, der an der Hebräischen Universität in Jerusalem lehrt, in betont unterkühltem Tonfall der Frage nach, was die Sieger richtig und was die Verlierer falsch gemacht haben.
Die in den meisten deutschen Darstellungen der beiden Weltkriege vorherrschende Beschäftigung mit den politischen Rahmenbedingungen der Kriege, den Kriegsverbrechen und dem Leiden der Zivilbevölkerung tritt bei van Creveld in den Hintergrund. Ihn interessieren strategische Pläne, die Möglichkeiten ihrer Umsetzung, die Verbindung von Feuerkraft und Bewegung und vor allem das Problem der Logistik: Wie kann man den gewaltigen Apparat, den man geschaffen hat, in Bewegung setzen?
Martin van Creveld zieht hier die Summe der Forschungen, die er während der letzten Jahrzehnte angestellt hat und von denen einige in Deutschland auch außerhalb der Spezialistenkreise für Aufsehen gesorgt haben. So ist er schon früh der Frage nachgegangen, warum die meisten Einheiten der Wehrmacht 1944 noch eine relativ größere Kampfkraft besaßen als ihre westalliierten Gegner, wiewohl diese ihnen materiell überlegen waren, und warum zerschlagene oder aufgeriebene Wehrmachtseinheiten schon bald darauf wieder ins Kampfgeschehen eingreifen konnten.
Dass van Creveld, in den Niederlanden geboren, als Kind nach Israel ausgewandert und inzwischen einer der weltweit führenden Kriegshistoriker, die militärische Leistungsfähigkeit der Deutschen bewundert, ist vielleicht zu viel gesagt, aber er stellt diese in einer provokativen Nüchternheit dar, wie man sie hierzulande eigentlich nur in der militaristischen Ecke findet.
Was van Creveld herausstellt, sind die Lernfähigkeit und das taktische Geschick, die Innovationsbereitschaft und das Durchhaltevermögen des deutschen Militärs – freilich nur bis 1945, und die wenigen Bemerkungen, die er über die Bundeswehr macht, sind eher abfällig und weisen den Streitkräften der demokratischen Republik einen Rang in der zweiten oder auch dritten Reihe zu, während das kaiserliche Heer und die Wehrmacht als erstklassig dargestellt werden.
Freilich haben beide den Krieg zuletzt verloren. Martin van Creveld führt dies besonders auf die Verwundbarkeit der geopolitischen Lage Deutschlands und deren unzureichende Berücksichtigung durch die Politik zurück. Das heißt bei ihm jedoch nicht, dass man deutscherseits den Zweifrontenkrieg unter allen Umständen hätte vermeiden sollen. Man hätte sich vielmehr strategisch flexibler darauf einstellen müssen und eine Vorstellung davon gebraucht, wie man den Gegner England in die Knie zwingen will.
Van Crevelds Kritik gilt daher dem jüngeren Moltke und dessen Planung des Zweifrontenkrieges, und sie zielt auf die Marineführung, die stärker auf U-Boote als auf teure Großkampfschiffe hätte setzen sollen. Zweimal hatte man sich nicht auf einen Gegner vorbereitet, von dem klar war, dass man mit ihm bei Fortführung des eingeschlagenen politischen Kurses aneinandergeraten musste. Wer einen Krieg mit Großbritannien riskierte, musste in der Lage sein, das Land wirtschaftlich zu strangulieren. Das war Deutschland nicht, und das wurde ihm zum Verhängnis. So van Creveld.
- Datum 19.06.2009 - 23:16 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 10.06.2009 Nr. 25
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dass er in Israel lehrt. Wie waere das Buch wohl rezensiert worden, wenn ein respektvoller Beitrag zur Kampfkraft der Wehrmacht im rechtskonservativen deutschen Raum entstanden waere. Der Autor hat nur 67 Worte gebraucht um den Sachverhalt klarzustellen und das linksliberal konditionierte Publikum nicht zu verschrecken.
Ganz unabhängig davon, an welchem Ende der Welt der Autor des Buches lehrt und schreibt, für mich stellt das Buch keine Provokation vor.
Um bei dem im Text angeführten Beispiel des Kaiserreiches bzw der Wehrmacht zu bleiben: Deutschland war zu dieser Zeit Militärstaat, Drill hatte man sich ganz oben auf die Fahne geschrieben. Wen überrascht es denn dann ernsthaft, dass jemand ausspricht, was auf der Hand liegt?
Eine nüchterne, den Schilderungen nach fast sachbuchartige Auseinandersetzung mit Kriegsmaschinerien muss erlaubt sein, auch wenn in Deutschlands zumeist pazifistischer Grundeinstellung etwas ungern gesehen.
Für Interessierte und Militärhistoriker sicherlich ein Gewinn, werden Zahlen, Daten und Fakten nicht durch Ideologien interpretiert dargestellt.
Und wer sich noch immer am Buche stört, der möge es doch einfach nicht lesen.
ich erinnere mich an ein politikwissenschaftliches seminar in dem ich einst saß. es ging um den vergleich verschiedener kriegsformen (insbesondere alte und neue kriege). als ich dort nüchtern unterschiede analysierte, sprangen sofort die links-grünen gutstudenten ein und warfen mir zynismus vor, weil krieg generell ganz böse sei und man deswegen nicht differenzieren dürfe. wohlgemerkt: das mußte ich mir von der angehenden speerspitze unserer bildungselite anhören - leute, die sich mal wissenschaftler nennen wollen. was diese leute in jenem seminar verloren hatten, ist mir bis heute nicht klar.
ein solches buch von martin van creveld ist gradezu erholsam im sumpf sonstiger ideologietriefender kriegsforschung. herfried münkler war, nebenbei bemerkt, die perfekte wahl, dieses buch vorzustellen.
An den wie immer erfrischend unaufgeregten Ausführungen Münklers gab mir dieser Passus allerdings zu denken: »Deswegen bewegen sich die Überlegungen van Crevelds hierzulande am Rande des Skandals, während sie in der angloamerikanischen Welt mit Ruhe und Gelassenheit rezipiert werden.«
Was nämlich an Crevelds Buch skandalös sein soll, weiß ich ich, es geht auch aus Münklers Rezension nicht klar hervor. Vermutlich liegt dem gefühlten Skandalon die spezifisch deutsche Neigung zugrunde, zur Vergangenheit ein sehr ambivalentes, hysterisches und also keinesfalls unbefangenes Verhältnis zu pflegen—Vergangenheit soll ja hierzulande explizit bewältigt werden, steht also ausdrücklich unter einem Funktionsvorbehalt, dem die offiziöse Historiographie zu dienen hat. Der Respekt vor der Wahrheit bleibt dabei allzu oft auf der Strecke, dabei wäre gerade er eine notwendige Voraussetzung jeder wissenschaftlichen Freiheit.
Manches spricht dafür, daß Crevelds Werk dasselbe Schicksal ereilen dürfte wie das von Aryeh L. Unger im Jahre 1974 erschienene The Totalitarian Party : Party and People in Nazi Germany and Soviet Russia: Unger stellt schlagend dar, daß sich die institutionellen Subsysteme des nationalsozialistischen Deutschland und der sowjetsozialistischen UdSSR de facto glichen. Das sind Befunde, die in diesem Land bis heute nicht geäußert werden können, weil sie nach Aufrechnung, Relativierung und dergleichen mehr klingen.
Unger lehrte an der Hebrew University in Israel, man konnte ihn also nicht einfach als NaziSozi diskreditieren. Es bliebt nur übrig, ihn totzuschweigen—bis heute.
An den wie immer erfrischend unaufgeregten Ausführungen Münklers gab mir dieser Passus allerdings zu denken: »Deswegen bewegen sich die Überlegungen van Crevelds hierzulande am Rande des Skandals, während sie in der angloamerikanischen Welt mit Ruhe und Gelassenheit rezipiert werden.«
Was nämlich an Crevelds Buch skandalös sein soll, weiß ich ich, es geht auch aus Münklers Rezension nicht klar hervor. Vermutlich liegt dem gefühlten Skandalon die spezifisch deutsche Neigung zugrunde, zur Vergangenheit ein sehr ambivalentes, hysterisches und also keinesfalls unbefangenes Verhältnis zu pflegen—Vergangenheit soll ja hierzulande explizit bewältigt werden, steht also ausdrücklich unter einem Funktionsvorbehalt, dem die offiziöse Historiographie zu dienen hat. Der Respekt vor der Wahrheit bleibt dabei allzu oft auf der Strecke, dabei wäre gerade er eine notwendige Voraussetzung jeder wissenschaftlichen Freiheit.
Manches spricht dafür, daß Crevelds Werk dasselbe Schicksal ereilen dürfte wie das von Aryeh L. Unger im Jahre 1974 erschienene The Totalitarian Party : Party and People in Nazi Germany and Soviet Russia: Unger stellt schlagend dar, daß sich die institutionellen Subsysteme des nationalsozialistischen Deutschland und der sowjetsozialistischen UdSSR de facto glichen. Das sind Befunde, die in diesem Land bis heute nicht geäußert werden können, weil sie nach Aufrechnung, Relativierung und dergleichen mehr klingen.
Unger lehrte an der Hebrew University in Israel, man konnte ihn also nicht einfach als NaziSozi diskreditieren. Es bliebt nur übrig, ihn totzuschweigen—bis heute.
Das "Uncle Toby"-Syndrom
"Uncle Toby" stirbt nie aus, lieber Herfried Münkler. Und so wiederholen die umfänglichen Kriegsgeschichten und weniger umfänglichen kriegshistorischen Essays letztlich nur Laurence Sternes pedantischen Helden des Schlachtennachspiels: "Warum haben sie nicht gewonnen?"
Das erinnert mich an Erlebnisse mit Großvätern und Vatern, die auch immer wieder in Reiche der militärischen und militärpolitischen Strategien abtauchten und abglitten, auf der Suche nach den "Wendepunkten" unserer Nationalgeschichte oder der Hybris großer Kriegshelden, anstatt in ihrer eigenen Seele einmal nachzuschauen.
Derzeit erleben wir ja einen Boom der "Was-wäre-wenn?"- Geschichtsschreibung, mit solcher Übertreibung, als hätte z.B. die Varus-Schlacht(en), außer der national- deutschen Erinnerungsvernebelung mit dem fremden Hermann, so heißt er doch, irgend etwas über das Verhältnis von Römern und Germanen aussagekräftig bewiesen. Der Rückzug der Römer vom germanischen Limes erfolgte um 250 Jahre später. Bis heute weiß niemand ein genaues Ursachendatum und wirklich überzeugende Fakten zu nennen, warum die Römer ausgerechnet zu diesem Augenblick die Grenze aufgaben.
Da kann es zur Gesundung der Zwangsneurose der Opas, Onkel und Enkel beitragen, einmal die Frage zu stellen "Warum sie denn überhaupt hätten gewinnen können und sollen?". - Ich weiß, wie schwer Zwangsneurosen zu behandeln sind.
Bei den Kriegen und den "asymetrischen Kriegen" handelt es sich ja ganz systematisch und korrekt um zwei unterschiedliche Materien, die, nur weil uns keine besseren Worte einfallen, gemeinsam als "Kriege" abgehandelt werden. Tut das der Trennschärfe und der Tiefe in der Analyse wirklich gut? Ich glaube, es ist eher akademisches Hufescharren auf höherem Niveau, wenn man Aufstände, Bürgerkriege und Kriege mit ähnlichem soziologischen und psychologischem Rüstzeug entgegentritt und wenn man als Historiker selbst zu sehr bereit ist einen Mythos um den Krieg an sich zu konstruieren.
Von Fall zu Fall- Geschichtsbetrachtung bringt uns vielleicht doch weiter in den Fragen von Krieg und Frieden, als übergeordnete Thesenableitung. So, auf das Reale herunter gebrochen ist mir Leopold von Rankes welthistorische Einzelfallsicht idealiter lieber, als ein umfassender Anspruch, erklären zu können, warum ein Krieg gewonnen oder verloren, ein Konflikt so, oder so, ausgegangen ist. - Vielmehr, ich zweifele stark, ob uns für die paar wichtigen Kriege eine Ableitung überhaupt gelingt.
Die Wertungen stammen am Ende sowieso aus einem Bereich der viel wichtiger ist als Wissenschaft und Geschichte, dem der Moral und der Vernunft.
Dem "Uncle Toby" aus Sternes "Tristam Shandy" wurde in den Bauch geschossen. Seine nervöse Erinnerung daran, seine Angst, die spielt er ab, ermattet sie, stumpft und stuft sie herab, in dem er sich ein stupendes Wissen zur Militärgeschichte aufbaut und beständig Festungsmodelle bastelt. Irgendwo da wollen wir, die wir wie Toby, zwar keiner Fliege ein Leid zufügen wollen, Bescheid wissen, warum denn gewonnen und verloren wurde. Es könnte sich ja, zumindest zum Zwecke der Angstbewältigung lohnen, spätestens seit es wirklich nur noch um die riesige globale Asymetrie in gewalttätigen Konflikten geht, die vor allem Zivilisten leiden müssen.
Sterne hat das gut begriffen und daher die schärfste, weil hilflose Waffe der Intellektuellen eingesetzt, den Humor, die Satire und die ewige Ironie.
Was passiert eigentlich, wenn asymetrische Krieger, z.B. zwei War Lords oder mehrere Clans, Stämme und Söldnertruppen mit den Methoden der asymetrischen Kriegsführung, in letzlich staatenlosen Territorien aufeinander los gehen? Ist das dann auch "Krieg", oder doch gleich die Hölle?
Steht bei Martin van Creveld, er mag ein noch so kühl und faktenreich analysierender Militärthistoriker sein, über die Ausartung der Krieges, über den Zustand der Totalität, die vollständige Grenzüberschreitung, die aus dem Konflikt ein Massaker, eine Menschheitskatastrophe, ja, den Niedergang der Menschheit überhaupt macht, etwas zu lesen? Das neue Werk ist ja nicht sein Einziges.
Grüße
Christoph Leusch
An den wie immer erfrischend unaufgeregten Ausführungen Münklers gab mir dieser Passus allerdings zu denken: »Deswegen bewegen sich die Überlegungen van Crevelds hierzulande am Rande des Skandals, während sie in der angloamerikanischen Welt mit Ruhe und Gelassenheit rezipiert werden.«
Was nämlich an Crevelds Buch skandalös sein soll, weiß ich ich, es geht auch aus Münklers Rezension nicht klar hervor. Vermutlich liegt dem gefühlten Skandalon die spezifisch deutsche Neigung zugrunde, zur Vergangenheit ein sehr ambivalentes, hysterisches und also keinesfalls unbefangenes Verhältnis zu pflegen—Vergangenheit soll ja hierzulande explizit bewältigt werden, steht also ausdrücklich unter einem Funktionsvorbehalt, dem die offiziöse Historiographie zu dienen hat. Der Respekt vor der Wahrheit bleibt dabei allzu oft auf der Strecke, dabei wäre gerade er eine notwendige Voraussetzung jeder wissenschaftlichen Freiheit.
Manches spricht dafür, daß Crevelds Werk dasselbe Schicksal ereilen dürfte wie das von Aryeh L. Unger im Jahre 1974 erschienene The Totalitarian Party : Party and People in Nazi Germany and Soviet Russia: Unger stellt schlagend dar, daß sich die institutionellen Subsysteme des nationalsozialistischen Deutschland und der sowjetsozialistischen UdSSR de facto glichen. Das sind Befunde, die in diesem Land bis heute nicht geäußert werden können, weil sie nach Aufrechnung, Relativierung und dergleichen mehr klingen.
Unger lehrte an der Hebrew University in Israel, man konnte ihn also nicht einfach als NaziSozi diskreditieren. Es bliebt nur übrig, ihn totzuschweigen—bis heute.
... dann muss man sich nicht hysterisch aufregen, sondern höchstens sagen, sie stimmt einfach nicht!
Die "institutionellen Subsysteme" waren völlig verschieden und de facto, sowie de jure, völlig unterschiedlich. Fangen Sie beim Militär, um bei Thema zu bleiben, an. Das historische Thesen-Gemetzel das Sie veranstalten müssten, lieber Viscount, um hier "Ähnlichkeiten" zu entdecken, füllte mindestens 300 Foreneinträge und Sie kämen nicht gerade mit intellektuellem Ruhm bekleckert nach Hause.
"Vergangenheit soll ja hierzulande explizit bewältigt werden, steht also ausdrücklich unter einem Funktionsvorbehalt, dem die offiziöse Historiographie zu dienen hat."
Auch dieser Satz ist grundfalsch. Denn erstens fehlt das Subjekt, die "offiziöse Historiografie", die es, aus dem Grunde unserer speziellen Vergangenheit, tatsächlich nicht mehr geben kann. - Staatshistoriker kennen ich persönlich keine mehr. Die gab es aber noch vor dem 2.Weltkrieg und in den paar Jahren des kollektiven Gedächtnisschwundes danach. Über die deutsche Historikerzunft und die Lehrstühle gibt es z.B. mittlerweile treffende Zusammenfassungen. Ebenso über die "schrecklichen" Juristen und die ganz harmlos tuenden, schamlosen Mediziner.
Z. B. an der Mainzer Universität unterrichtete nach dem Kriege einer, der gleich zwei Abschlüsse in der Tasche hatte und vorher fleißig an der braunen Barbarei mitwirkte.
Ich hatte hier jüngst, im Zusammenhang mit 68, über die Stellenbesetzungen des Bundeskriminalamtes berichtet und auf Literatur verwiesen.
Zweitens kann man doch ganz gelassen feststellen: Andere Länder schätzen den mittlerweile klaren historischen Blick und nehmen ihn sich für die Selbstaufklärung zum Vorbild. Wir haben uns ja dazu auch erst nach langem Zögern, es hat fast 20 Jahre Zeit nach dem Ende der Hitlerei gebraucht, entschieden (R.Giordano, Die zweite Schuld).
Zum Schluss möchte ich für Sie noch aus Helmut Schmidts letztem Buch zitieren.
Er schreibt in "Außer Dienst":
"Zusammenfassend möchte ich den nachfolgenden Generationen deutscher Politiker den Wunsch ans Herz legen, sich auch künftig mindestens dreier entscheidender Lehren aus der deutschen Geschichte bewußt zu bleiben: nämlich der bleibenden Hypothek der Vernichtung der Juden, der bleibenden Aufgabe guter Nachbarschaft zu den uns umgebenden Nationen und der gleichfalls bleibenden Aufgabe einer verläßlichen Balance zwischen Bund und Ländern. Wenn unsere Politiker außerdem jeglicher Versuchung zu deutscher Großmannssucht widerstehen, hätten wir tatsächlich Entscheidendes aus unserer Geschichte gelernt." (S.143)
Dem mag ich nichts hinzufügen.
Liebe Grüße
Christoph Leusch
... dann muss man sich nicht hysterisch aufregen, sondern höchstens sagen, sie stimmt einfach nicht!
Die "institutionellen Subsysteme" waren völlig verschieden und de facto, sowie de jure, völlig unterschiedlich. Fangen Sie beim Militär, um bei Thema zu bleiben, an. Das historische Thesen-Gemetzel das Sie veranstalten müssten, lieber Viscount, um hier "Ähnlichkeiten" zu entdecken, füllte mindestens 300 Foreneinträge und Sie kämen nicht gerade mit intellektuellem Ruhm bekleckert nach Hause.
"Vergangenheit soll ja hierzulande explizit bewältigt werden, steht also ausdrücklich unter einem Funktionsvorbehalt, dem die offiziöse Historiographie zu dienen hat."
Auch dieser Satz ist grundfalsch. Denn erstens fehlt das Subjekt, die "offiziöse Historiografie", die es, aus dem Grunde unserer speziellen Vergangenheit, tatsächlich nicht mehr geben kann. - Staatshistoriker kennen ich persönlich keine mehr. Die gab es aber noch vor dem 2.Weltkrieg und in den paar Jahren des kollektiven Gedächtnisschwundes danach. Über die deutsche Historikerzunft und die Lehrstühle gibt es z.B. mittlerweile treffende Zusammenfassungen. Ebenso über die "schrecklichen" Juristen und die ganz harmlos tuenden, schamlosen Mediziner.
Z. B. an der Mainzer Universität unterrichtete nach dem Kriege einer, der gleich zwei Abschlüsse in der Tasche hatte und vorher fleißig an der braunen Barbarei mitwirkte.
Ich hatte hier jüngst, im Zusammenhang mit 68, über die Stellenbesetzungen des Bundeskriminalamtes berichtet und auf Literatur verwiesen.
Zweitens kann man doch ganz gelassen feststellen: Andere Länder schätzen den mittlerweile klaren historischen Blick und nehmen ihn sich für die Selbstaufklärung zum Vorbild. Wir haben uns ja dazu auch erst nach langem Zögern, es hat fast 20 Jahre Zeit nach dem Ende der Hitlerei gebraucht, entschieden (R.Giordano, Die zweite Schuld).
Zum Schluss möchte ich für Sie noch aus Helmut Schmidts letztem Buch zitieren.
Er schreibt in "Außer Dienst":
"Zusammenfassend möchte ich den nachfolgenden Generationen deutscher Politiker den Wunsch ans Herz legen, sich auch künftig mindestens dreier entscheidender Lehren aus der deutschen Geschichte bewußt zu bleiben: nämlich der bleibenden Hypothek der Vernichtung der Juden, der bleibenden Aufgabe guter Nachbarschaft zu den uns umgebenden Nationen und der gleichfalls bleibenden Aufgabe einer verläßlichen Balance zwischen Bund und Ländern. Wenn unsere Politiker außerdem jeglicher Versuchung zu deutscher Großmannssucht widerstehen, hätten wir tatsächlich Entscheidendes aus unserer Geschichte gelernt." (S.143)
Dem mag ich nichts hinzufügen.
Liebe Grüße
Christoph Leusch
... dann muss man sich nicht hysterisch aufregen, sondern höchstens sagen, sie stimmt einfach nicht!
Die "institutionellen Subsysteme" waren völlig verschieden und de facto, sowie de jure, völlig unterschiedlich. Fangen Sie beim Militär, um bei Thema zu bleiben, an. Das historische Thesen-Gemetzel das Sie veranstalten müssten, lieber Viscount, um hier "Ähnlichkeiten" zu entdecken, füllte mindestens 300 Foreneinträge und Sie kämen nicht gerade mit intellektuellem Ruhm bekleckert nach Hause.
"Vergangenheit soll ja hierzulande explizit bewältigt werden, steht also ausdrücklich unter einem Funktionsvorbehalt, dem die offiziöse Historiographie zu dienen hat."
Auch dieser Satz ist grundfalsch. Denn erstens fehlt das Subjekt, die "offiziöse Historiografie", die es, aus dem Grunde unserer speziellen Vergangenheit, tatsächlich nicht mehr geben kann. - Staatshistoriker kennen ich persönlich keine mehr. Die gab es aber noch vor dem 2.Weltkrieg und in den paar Jahren des kollektiven Gedächtnisschwundes danach. Über die deutsche Historikerzunft und die Lehrstühle gibt es z.B. mittlerweile treffende Zusammenfassungen. Ebenso über die "schrecklichen" Juristen und die ganz harmlos tuenden, schamlosen Mediziner.
Z. B. an der Mainzer Universität unterrichtete nach dem Kriege einer, der gleich zwei Abschlüsse in der Tasche hatte und vorher fleißig an der braunen Barbarei mitwirkte.
Ich hatte hier jüngst, im Zusammenhang mit 68, über die Stellenbesetzungen des Bundeskriminalamtes berichtet und auf Literatur verwiesen.
Zweitens kann man doch ganz gelassen feststellen: Andere Länder schätzen den mittlerweile klaren historischen Blick und nehmen ihn sich für die Selbstaufklärung zum Vorbild. Wir haben uns ja dazu auch erst nach langem Zögern, es hat fast 20 Jahre Zeit nach dem Ende der Hitlerei gebraucht, entschieden (R.Giordano, Die zweite Schuld).
Zum Schluss möchte ich für Sie noch aus Helmut Schmidts letztem Buch zitieren.
Er schreibt in "Außer Dienst":
"Zusammenfassend möchte ich den nachfolgenden Generationen deutscher Politiker den Wunsch ans Herz legen, sich auch künftig mindestens dreier entscheidender Lehren aus der deutschen Geschichte bewußt zu bleiben: nämlich der bleibenden Hypothek der Vernichtung der Juden, der bleibenden Aufgabe guter Nachbarschaft zu den uns umgebenden Nationen und der gleichfalls bleibenden Aufgabe einer verläßlichen Balance zwischen Bund und Ländern. Wenn unsere Politiker außerdem jeglicher Versuchung zu deutscher Großmannssucht widerstehen, hätten wir tatsächlich Entscheidendes aus unserer Geschichte gelernt." (S.143)
Dem mag ich nichts hinzufügen.
Liebe Grüße
Christoph Leusch
Sie tritt nur in anderem Gewande auf: Bei uns heißt sie nämlich nicht staatshistorische, sondern Frankfurter Schule. Nehmen Sie zB den sog. Historikerstreit, das Stichwort »Tag der Befreiung«—der Streit fand auf einer Kontaktfläche statt, die man mit guten Gründen als eine zwischen der offiziösen, also pädagogischen Historiographie und einer ohne diese Ansprüche benennen kann.
Oder nehmen Sie Ihren Satz: Die "institutionellen Subsysteme" waren völlig verschieden und de facto, sowie de jure, völlig unterschiedlich. Herr Leusch, ich hatte ja den Befund des Buchs von Unger nur zusammengefaßt, nicht bewertet und auch persönlich nicht dazu Stellung genommen, aber allein, daß man dies jedes einzelne Mal dazuerwähnen muß, wenn man dem auf Deutsch Erwähnung tut, zeigt doch, daß es erwünschtere und unerwünschtere Positionen gibt; Positionen, zu denen man sich 'bekennen' muß, und Positionen, die man keineswegs 'bennen' darf.
Was lässt Sie denn im Gegenzug so sicher sein, daß die institutionellen Subsysteme so 'völlig verschieden' waren? Haben Sie das Buch von Ungern gelesen? Er selbst bezieht sich unter anderem genau darauf, und zwar, indem er der Frage nachgeht, was eigentlich den NKWD von der Gestapo unterscheide.
Eigentlich wäre das ein Thema für einen eigenen Artikel, finden Sie nicht? Aber allein der Umstand, daß man sich damit auf nach wie vor ziemlich vermintes Gelände begibt macht das Vorhaben quasi unzumutbar.
Über die »Last, Deutscher zu sein« schrieb seinerzeit der berühmte amerikanische Staatsrechtler Prof. Kenneth Lewan (Harvard) in der FAZ unter dem Titel »Gewissensbelastung von Kindern anderswo unüblich« (Ausgabe vom 14.02.1996, die man hier einsehen kann, Achtung: kostenpflichtig!), der Versuch, Schuldlosen einzureden, sie seien wegen der Verbrechen anderer verantwortlich, sei selbst verantwortungslos, denn auch der ihm zugrundeliegende Kollektivismus ('Volksgemeinschaft' ist Schuldgemeinschaft) und Holismus (der Begriff 'die Deutschen' konzipiert, als ob es sich um eine einzelne handlungsfähige Person handelte) ist erkenntnistheoretisch naiv und moralisch abstoßend. Schuld als Kategorie ist im westlichen Kulturkreis ausschließlich streng individuell. (Zusammenfassung von mir.)
Was allerdings genau diese individuelle Schuld anlangt, haben Sie völlig recht, Herr Leusch, und gerade auf diesem Feld gibt es noch reichlich Aufarbeitungsbedarf—nicht nur bei den »furchtbaren« Juristen oder den Medizinern.
Sie tritt nur in anderem Gewande auf: Bei uns heißt sie nämlich nicht staatshistorische, sondern Frankfurter Schule. Nehmen Sie zB den sog. Historikerstreit, das Stichwort »Tag der Befreiung«—der Streit fand auf einer Kontaktfläche statt, die man mit guten Gründen als eine zwischen der offiziösen, also pädagogischen Historiographie und einer ohne diese Ansprüche benennen kann.
Oder nehmen Sie Ihren Satz: Die "institutionellen Subsysteme" waren völlig verschieden und de facto, sowie de jure, völlig unterschiedlich. Herr Leusch, ich hatte ja den Befund des Buchs von Unger nur zusammengefaßt, nicht bewertet und auch persönlich nicht dazu Stellung genommen, aber allein, daß man dies jedes einzelne Mal dazuerwähnen muß, wenn man dem auf Deutsch Erwähnung tut, zeigt doch, daß es erwünschtere und unerwünschtere Positionen gibt; Positionen, zu denen man sich 'bekennen' muß, und Positionen, die man keineswegs 'bennen' darf.
Was lässt Sie denn im Gegenzug so sicher sein, daß die institutionellen Subsysteme so 'völlig verschieden' waren? Haben Sie das Buch von Ungern gelesen? Er selbst bezieht sich unter anderem genau darauf, und zwar, indem er der Frage nachgeht, was eigentlich den NKWD von der Gestapo unterscheide.
Eigentlich wäre das ein Thema für einen eigenen Artikel, finden Sie nicht? Aber allein der Umstand, daß man sich damit auf nach wie vor ziemlich vermintes Gelände begibt macht das Vorhaben quasi unzumutbar.
Über die »Last, Deutscher zu sein« schrieb seinerzeit der berühmte amerikanische Staatsrechtler Prof. Kenneth Lewan (Harvard) in der FAZ unter dem Titel »Gewissensbelastung von Kindern anderswo unüblich« (Ausgabe vom 14.02.1996, die man hier einsehen kann, Achtung: kostenpflichtig!), der Versuch, Schuldlosen einzureden, sie seien wegen der Verbrechen anderer verantwortlich, sei selbst verantwortungslos, denn auch der ihm zugrundeliegende Kollektivismus ('Volksgemeinschaft' ist Schuldgemeinschaft) und Holismus (der Begriff 'die Deutschen' konzipiert, als ob es sich um eine einzelne handlungsfähige Person handelte) ist erkenntnistheoretisch naiv und moralisch abstoßend. Schuld als Kategorie ist im westlichen Kulturkreis ausschließlich streng individuell. (Zusammenfassung von mir.)
Was allerdings genau diese individuelle Schuld anlangt, haben Sie völlig recht, Herr Leusch, und gerade auf diesem Feld gibt es noch reichlich Aufarbeitungsbedarf—nicht nur bei den »furchtbaren« Juristen oder den Medizinern.
Sie tritt nur in anderem Gewande auf: Bei uns heißt sie nämlich nicht staatshistorische, sondern Frankfurter Schule. Nehmen Sie zB den sog. Historikerstreit, das Stichwort »Tag der Befreiung«—der Streit fand auf einer Kontaktfläche statt, die man mit guten Gründen als eine zwischen der offiziösen, also pädagogischen Historiographie und einer ohne diese Ansprüche benennen kann.
Oder nehmen Sie Ihren Satz: Die "institutionellen Subsysteme" waren völlig verschieden und de facto, sowie de jure, völlig unterschiedlich. Herr Leusch, ich hatte ja den Befund des Buchs von Unger nur zusammengefaßt, nicht bewertet und auch persönlich nicht dazu Stellung genommen, aber allein, daß man dies jedes einzelne Mal dazuerwähnen muß, wenn man dem auf Deutsch Erwähnung tut, zeigt doch, daß es erwünschtere und unerwünschtere Positionen gibt; Positionen, zu denen man sich 'bekennen' muß, und Positionen, die man keineswegs 'bennen' darf.
Was lässt Sie denn im Gegenzug so sicher sein, daß die institutionellen Subsysteme so 'völlig verschieden' waren? Haben Sie das Buch von Ungern gelesen? Er selbst bezieht sich unter anderem genau darauf, und zwar, indem er der Frage nachgeht, was eigentlich den NKWD von der Gestapo unterscheide.
Eigentlich wäre das ein Thema für einen eigenen Artikel, finden Sie nicht? Aber allein der Umstand, daß man sich damit auf nach wie vor ziemlich vermintes Gelände begibt macht das Vorhaben quasi unzumutbar.
ist nicht unerwünscht, sondern nach Faktenlage falsch.
Der Begriff "offiziöse Historiografie" ist in der Geschichtswissenschaft definiert. Es gab offiziöse Historiografen. Sie können für sich ruhig weiter glauben, die "Frankfurter Schule" für "offiziös", dazu noch für Historiografie und pädagogisch zu halten, vielleicht sorgt das ja für ein wenig mehr Respekt vor dieser "Schule".
Aber, was den Historikerstreit angeht habe ich keine Lust jetzt mit Ihnen noch einmal bei Adam und Eva anzufangen um die kruden Thesen der älteren Historiker, der Nolte -Jünger und der Fest-Adepten durchzukauen.
Was mich allerdings gewaltig stört ist, dass Sie auf Argumente überhaupt nicht eingehen und einfach neues "Bla" produzieren.
Hier, in die diesem Zusammenhang ging es um Herrn Müncklers These, es sei ergiebig, wie in angelsächsischen Ländern üblich (stimmt ja so ebenfalls nicht), eine Art Militärhistoriografie in taktisch-technischer Hinsicht, wenn ich es einmal ironisiere, "wie damals in den Ardennen", zu empfehlen. Diese Art "Fachleute" kenne ich vom Bücherflohmarkt, die stöbern den ganzen lieben langen Tag in den Militariakisten.
- Wie sich Münckler windet, bekommen Sie ja wohl auch mit.
Zum Zweiten ging es um den "nüchternen" Umgang mit der eigenen Geschichte.
Ich zitierte Helmut Schmidt. Das Zitat spricht für sich.
Grüße
Christoph Leusch
ist nicht unerwünscht, sondern nach Faktenlage falsch.
Der Begriff "offiziöse Historiografie" ist in der Geschichtswissenschaft definiert. Es gab offiziöse Historiografen. Sie können für sich ruhig weiter glauben, die "Frankfurter Schule" für "offiziös", dazu noch für Historiografie und pädagogisch zu halten, vielleicht sorgt das ja für ein wenig mehr Respekt vor dieser "Schule".
Aber, was den Historikerstreit angeht habe ich keine Lust jetzt mit Ihnen noch einmal bei Adam und Eva anzufangen um die kruden Thesen der älteren Historiker, der Nolte -Jünger und der Fest-Adepten durchzukauen.
Was mich allerdings gewaltig stört ist, dass Sie auf Argumente überhaupt nicht eingehen und einfach neues "Bla" produzieren.
Hier, in die diesem Zusammenhang ging es um Herrn Müncklers These, es sei ergiebig, wie in angelsächsischen Ländern üblich (stimmt ja so ebenfalls nicht), eine Art Militärhistoriografie in taktisch-technischer Hinsicht, wenn ich es einmal ironisiere, "wie damals in den Ardennen", zu empfehlen. Diese Art "Fachleute" kenne ich vom Bücherflohmarkt, die stöbern den ganzen lieben langen Tag in den Militariakisten.
- Wie sich Münckler windet, bekommen Sie ja wohl auch mit.
Zum Zweiten ging es um den "nüchternen" Umgang mit der eigenen Geschichte.
Ich zitierte Helmut Schmidt. Das Zitat spricht für sich.
Grüße
Christoph Leusch
Über die »Last, Deutscher zu sein« schrieb seinerzeit der berühmte amerikanische Staatsrechtler Prof. Kenneth Lewan (Harvard) in der FAZ unter dem Titel »Gewissensbelastung von Kindern anderswo unüblich« (Ausgabe vom 14.02.1996, die man hier einsehen kann, Achtung: kostenpflichtig!), der Versuch, Schuldlosen einzureden, sie seien wegen der Verbrechen anderer verantwortlich, sei selbst verantwortungslos, denn auch der ihm zugrundeliegende Kollektivismus ('Volksgemeinschaft' ist Schuldgemeinschaft) und Holismus (der Begriff 'die Deutschen' konzipiert, als ob es sich um eine einzelne handlungsfähige Person handelte) ist erkenntnistheoretisch naiv und moralisch abstoßend. Schuld als Kategorie ist im westlichen Kulturkreis ausschließlich streng individuell. (Zusammenfassung von mir.)
Was allerdings genau diese individuelle Schuld anlangt, haben Sie völlig recht, Herr Leusch, und gerade auf diesem Feld gibt es noch reichlich Aufarbeitungsbedarf—nicht nur bei den »furchtbaren« Juristen oder den Medizinern.
bei Medizinern oder Juristen hatte ich nicht geschrieben. Das waren doch Beispiele.
Selbstverständlich überdehnen Sie schon wieder, in dem sie aus der fehlenden kollektiven Aufarbeitung der Geschichte, -zwei Jahrzehnte lang nach dem Kriegsende 1945, wollte kaum jemand was wissen und kaum jemand etwas gewusst haben, behaupten, die "Frankfurter Schule" hätte eine "Kollektivschuld"-These verteten. - Kokolores.
Einige Berufsgruppen hatte ich ja erwähnt-, man könnte z.B. noch die Architekten anführen, zu deren Verstrickung Prof. Durth aus Darmstadt und Nils Gutschow gut Auskunft geben. Man könnte über Künstler und Literaten berichten, was z.B. die ZEIT unter ihrem alten Feuilletonchef Raddatz kontinuierlich tat, ohne in unergiebige Diskussionen um Einziehungen zur Waffen SS im letzten Kriegsjahr zu verfallen.
Aber, die "kollektive Verantwortung" reichte nicht einmal so weit, aus der Führung des BKA auf allen Ebenen die aktiv engagierten Nazis zu entfernen und die in Rassetheorie befangenen Bearbeiter des "Zigeuner-Archivs" der Münchner Polizei nach Hause zu schicken und das Archiv endlich aufzulösen. Dazu brauchte es eines Anlaufs bis in die 70er Jahre.
Die "kollektive Verantwortung" scheiterte lange, bei der Aufarbeitung der Wehrmachtsverbechen und der Justiz, selbst dann, als Historiker wie Herr Wette aus Freiburg akribisch forschten und publizierten, die Staatsanwaltschaft Offenburg ermittelte.
Das ist ja der Clou der Geschichte, von Ralph Giordano so präzise in seinem Buch formuliert. Die individuelle Schuld der Vielen wollte niemand erforschen und beurteilen, weil das "kollektive Verantwortung" für ein tägliches und kontinuierliche Tun, nämlich das der "Aufarbeitung", erfordert hätte. Zu der waren nun einmal nur wenige Deutsche bereit. So blieb individuelle Schuld völlig ohne Zurechnung.
"Die Schuld der Nachgeborenen", von der keiner aus der "Frankfurter Schule" spricht , ist vielmehr die Rede, der typische Jargon Rechter und Erzkonservativer, um selbst heute noch Geschichtsklitterung zu betreiben. Bekannt im ganzen Land seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Paradoxie der Geschichte, manchmal faselten auch RAF-Leute und Sympathisanten solchen Unsinn.
Christoph Leusch
bei Medizinern oder Juristen hatte ich nicht geschrieben. Das waren doch Beispiele.
Selbstverständlich überdehnen Sie schon wieder, in dem sie aus der fehlenden kollektiven Aufarbeitung der Geschichte, -zwei Jahrzehnte lang nach dem Kriegsende 1945, wollte kaum jemand was wissen und kaum jemand etwas gewusst haben, behaupten, die "Frankfurter Schule" hätte eine "Kollektivschuld"-These verteten. - Kokolores.
Einige Berufsgruppen hatte ich ja erwähnt-, man könnte z.B. noch die Architekten anführen, zu deren Verstrickung Prof. Durth aus Darmstadt und Nils Gutschow gut Auskunft geben. Man könnte über Künstler und Literaten berichten, was z.B. die ZEIT unter ihrem alten Feuilletonchef Raddatz kontinuierlich tat, ohne in unergiebige Diskussionen um Einziehungen zur Waffen SS im letzten Kriegsjahr zu verfallen.
Aber, die "kollektive Verantwortung" reichte nicht einmal so weit, aus der Führung des BKA auf allen Ebenen die aktiv engagierten Nazis zu entfernen und die in Rassetheorie befangenen Bearbeiter des "Zigeuner-Archivs" der Münchner Polizei nach Hause zu schicken und das Archiv endlich aufzulösen. Dazu brauchte es eines Anlaufs bis in die 70er Jahre.
Die "kollektive Verantwortung" scheiterte lange, bei der Aufarbeitung der Wehrmachtsverbechen und der Justiz, selbst dann, als Historiker wie Herr Wette aus Freiburg akribisch forschten und publizierten, die Staatsanwaltschaft Offenburg ermittelte.
Das ist ja der Clou der Geschichte, von Ralph Giordano so präzise in seinem Buch formuliert. Die individuelle Schuld der Vielen wollte niemand erforschen und beurteilen, weil das "kollektive Verantwortung" für ein tägliches und kontinuierliche Tun, nämlich das der "Aufarbeitung", erfordert hätte. Zu der waren nun einmal nur wenige Deutsche bereit. So blieb individuelle Schuld völlig ohne Zurechnung.
"Die Schuld der Nachgeborenen", von der keiner aus der "Frankfurter Schule" spricht , ist vielmehr die Rede, der typische Jargon Rechter und Erzkonservativer, um selbst heute noch Geschichtsklitterung zu betreiben. Bekannt im ganzen Land seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Paradoxie der Geschichte, manchmal faselten auch RAF-Leute und Sympathisanten solchen Unsinn.
Christoph Leusch
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