Schicksal"Es ist ein Glück, dass ich schon so viel Unglück erlebt habe"Seite 5/6

ZEITmagazin: Vermutlich macht sich die Kappe auch bezahlt. Was muss der Sponsor denn dafür bezahlen, dass Sie seinen Namen überallhin tragen?

Lauda: Das kann ich Ihnen sagen. Als es anfing, bekam ich 100.000 im Jahr. Heute sind es 1,2 Millionen Euro im Jahr.

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ZEITmagazin: Herr Lauda, sind Sie eigentlich ein angenehmer Beifahrer?

Lauda: Ich bemühe mich darum. Aber ich stecke da wirklich in einem Dilemma. Entweder fährt der Fahrer zu schnell, weil er mir zeigen will, wie toll er ist, oder er fährt so langsam, dass ich wahnsinnig werde. Also sage ich lieber gar nichts.

ZEITmagazin: Sie hatten nie einen Chauffeur?

Lauda: Doch, als ich 2001 Rennsportchef bei Jaguar war und in London lebte. Ich habe mich unterwegs nur geärgert. Mein Dienstwagen besaß einen Scheibenwischer mit Regensensor. Der funktionierte jedoch nicht richtig, denn die Wischer wischten auch, wenn die Scheibe trocken war. Entsetzlich. Das Geräusch hat mich geschmerzt. Also habe ich den Fahrer gebeten, den Sensor auszuschalten. Der sagte: "Yes, Sir!" Kaum hat es wieder zwei Tropfen geregnet, fing der Scheibenwischer wieder an. Nein, Chauffeure sind nichts für mich.

ZEITmagazin: Woran erkennt man einen guten Autofahrer?

Lauda: Er fährt flüssig. Das Ärgste ist, wenn jemand vor einer Ampel so bremst, dass das Auto hin und her wippt. Wenn ich sehe, dass eine Ampel auf Rot springt, dann brauche ich nicht noch Gas zu geben. Diese Dinge machen mich fertig. Denn dann sitze ich daneben und bremse mit. Ich selber bin nicht aggressiv, fahre selber so, dass sich mein Beifahrer wohlfühlt. Beim Fliegen ist es übrigens das Gleiche. Es gibt nichts Ärgerlicheres für mich, als einen meiner Piloten dabei zu beobachten, wie er zur Park-Position ans Gate rollt und im letzten Moment so auf die Bremse steigt, dass das ganze Flugzeug zu schaukeln beginnt.

ZEITmagazin: Dann werden Sie richtig laut?

Lauda: Ja, denn die Burschen wissen doch, dass hinten im Flugzeug die Stewardessen womöglich bereits aufgestanden sind, die ersten Passagiere die Gepäckfächer geöffnet haben. Also bremst ein Pilot ganz sachte.

ZEITmagazin: Also ist auch eine weiche Landung eine gute Landung?

Lauda: Nein, man muss hart landen, wenn die Bedingungen es verlangen. Bei starkem Seitenwind ist es zum Beispiel besser, das Flugzeug positiv hinzusetzen, wie wir das nennen, als sich hineinzuschwindeln und dabei vom Wind zur Seite geblasen zu werden. Je länger ich herumspiele mit einer weichen Landung, desto mehr trägt es mich in die Piste hinein. Wenn die Bahn drei Kilometer lang ist, ist das wurscht. Wenn sie kurz ist, ist es nicht wurscht.

ZEITmagazin: Haben Sie nach einer Landung schon mal leise zu sich gesagt: Verdammt, gerade noch mal gut gegangen?

Lauda: Nein, noch nie, so weit darf es nicht kommen. Ein Pilot muss regelmäßig in den Flugsimulator, in dem alle erdenklichen Notfälle trainiert werden. Da kann man eher wenig üben oder eher sehr viel. Ich setze gerne mehrere Szenarien hintereinander: also eine Bombendrohung, dazu einen Triebwerksbrand, ein klemmendes Fahrgestell oder was man noch alles draufpacken kann. Dabei gibt es für mich eine einfache Regel: Ich sage mir, ich fliege das Flugzeug, und das Flugzeug fliegt nicht mich. Selbst wenn es mich zu quälen beginnt, es mich im Simulator an meine Grenzen bringt, das eine gilt: Ich fliege das Flugzeug, und damit kriege ich auch die Kontrolle zurück.

ZEITmagazin: Vor Kurzem ist einer Ihrer Kollegen nach dem Start in New York im Hudson notgelandet. Niemand kam zu Schaden. Eine starke Leistung, oder?

Lauda: Ja, der Pilot war gut, so wie er das Ding da hingesetzt hat. Zwar wurde das Triebwerk weggerissen, aber das Flugzeug wurde dabei nicht verdreht. Perfekt. Dazu muss man wissen, dass der Co-Pilot erst 35 Stunden auf diesem Airbus geflogen war, total unerfahren war. Der Pilot war also ganz allein…

ZEITmagazin: …wie wir von Ihnen gelernt haben, hat er das Flugzeug geflogen und nicht das Flugzeug ihn.

Lauda: Genau so.

ZEITmagazin: Nicht geklärt haben wir bis jetzt, warum Sie in besonderen Momenten Ihres Lebens die Musik von Bob Marley gehört haben.

Lauda: Seine Musik hat eine besondere Wirkung auf mich. Von ihm habe ich auch ein Bild, das ich jederzeit aus dem Gedächtnis abrufen kann. Ich glaube, es ist ein Foto aus dem Jahr 1980, das Bild eines völlig geschwächten, schwer krebskranken Mannes, der in einem Rollstuhl sitzt. Er trägt eine runde Strickmütze, seine Mutter steht hinter ihm. Weil die Ärzte ihm nicht mehr helfen können, will er zurück nach Jamaika. Wie man weiß, hat er es nicht geschafft und ist im Mai 1981 bei der Zwischenlandung in Miami gestorben. Dieses Bild berührt mich sehr.

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