Krankheit "Ich bin innerlich stabil"
Die kürzlich verstorbene Schauspielerin Barbara Rudnik über ihr Leben mit dem Krebs
ZEITmagazin: Frau Rudnik, Sie gehen mit Ihrer Krebserkrankung offensiv um. Was hat Sie dazu bewogen, sie öffentlich zu machen?
Barbara Rudnik: Letztendlich war der Auslöser die Verleihung des Deutschen Filmpreises. Meine Agentur sagte, ich müsse die Presse vorher über meine Krankheit informieren, und das habe ich eingesehen. Ich durfte und wollte mich nicht mehr verstecken. Da gar nicht abzusehen ist, wann sich mein Gesundheitszustand wieder bessert, wenn überhaupt, wurde mir klar, dass ich gar keine andere Chance habe, als an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich wollte wieder wie immer an allem teilnehmen, und zwar in dem Zustand, in dem ich bin.
ZEITmagazin: Wie haben Sie die Reaktion der Presse erlebt?
Rudnik: Mit der Bunten lief es sehr gut, ich kenne die Redakteure, und die Journalistin, die mich interviewt hat, war sehr angenehm. Was danach folgte, fand ich weniger angenehm, weil ich erst mal zwei Wochen lang das Gefühl hatte, dass mich jeder nur noch unter dem Aspekt der Krankheit sieht. Aber dieser Eindruck verflüchtigte sich dann auch wieder. Die Krankheit ist zwar, insbesondere bei Menschen, denen ich zum ersten Mal begegne, ein zentrales Thema, aber das gibt sich, so ähnlich, wie sich das mit dem Prominentsein auch mit der Zeit legt.
ZEITmagazin: Wirken denn Prominenz und Kranksein hemmend und verunsichernd auf andere Menschen?
Rudnik: Ja, ich denke schon. Weil beides "unnormal" ist. Normalerweise lernt man Menschen kennen und ist entweder beeindruckt von ihnen oder nicht. Aber durch die Medien werden bestimmte Personen besonders hervorgehoben, man kennt sie und kennt sie doch nicht – plötzlich stehen sie vor einem, und das macht einen irgendwie nervös.
ZEITmagazin: Wie bewegen Sie sich in der Öffentlichkeit – fühlen Sie sich beobachtet?
Rudnik: Es geht. Ich habe meine festen Plätze, wohin ich regelmäßig gehe, wo mich die Menschen kennen. Dort bin ich schon mal geschützt. Schlimm ist es, wenn es mir gar nicht gut geht und ich mich dann irgendwie ausgeliefert fühle. Das ist nicht schön, dann kann es richtig schlimm werden. Dann ist selbst der Weg zum Bäcker unangenehm. Vor vielen, vielen Jahren, es ging mir gerade miserabel – ich weiß nicht mehr, warum –, sprach mich jemand an, und ich schämte mich so, dass ich einfach behauptet habe: "Ich bin das nicht!"
ZEITmagazin: Warum schämten Sie sich denn?
Rudnik: Ich dachte oft, ich könnte die Erwartungen der anderen nicht erfüllen. Sie sahen etwas Besonderes in mir, zumindest glaubte ich das, und in schlechten Momenten meinte ich überhaupt nichts Besonderes zu sein, also habe ich mich wirklich verleugnet. Ich glaube, ich habe mich damals viel zu sehr unter Druck gesetzt. Das ist bestimmt nicht gut und ein sehr unangenehmer Stress.
- Datum 09.06.2009 - 17:30 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 10.06.2009 Nr. 25
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