Krankheit "Ich bin innerlich stabil"Seite 3/3

ZEITmagazin: Gibt es sonst noch positive Veränderungen durch Ihre Krankheit?

Rudnik: Als ganz angenehm empfinde ich es, nicht mehr zu arbeiten. Es ist natürlich ein Glücksfall, dass ich nicht mein gesamtes Geld ausgegeben habe und ich mir dieses Leben jetzt leisten kann. Es ist ein Gefühl von Freiheit, keine Hauptrollen mehr spielen zu müssen, mir ist jetzt erst klar geworden, wie sehr mich das belastet hat. Ich habe den Stress dieser Hauptrollen während des Drehens gar nicht wirklich wahrgenommen, erst hinterher wurde mir bewusst, wie viel Kraft mich diese Rollen gekostet haben.

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ZEITmagazin: Sie haben Ihrer Krankheit viele positive Seiten abgewonnen. Fühlen Sie sich heute insgesamt freier?

Rudnik: Ja, das hätte ich mir so nie vorstellen können. Ich hätte früher nie behauptet, dass mich die Schauspielerei anstrengt, es war mir nicht bewusst. Ich bin oft über meine Grenzen hinausgegangen und war doch nie ganz zufrieden mit mir. Heute bin ich dabei, kleinere Rollen vorzubereiten. Ich glaube, das ist ganz wichtig: immer mit dem Schlimmsten zu rechnen, damit man nicht ganz unvorbereitet ist, und trotzdem auf das Beste zu hoffen.

Barbara Rudnik, starb am 23. Mai an Krebs, sie wurde 50 Jahre alt. Für ihre Rolle im Film "Der Sandmann" mit Götz George erhielt sie 1996 den Adolf-Grimme-Preis. Zuletzt spielte sie in der erfolgreichen ARD-Krimireihe "Commissario Laurenti".

Dieses Gespräch ist ein Auszug aus einem Interview, das der Münchner Coach und Psychologe Louis Lewitan im August 2008 geführt hat und das im September in seinem Buch "Die Kunst, gelassen zu bleiben" erscheint (Ludwig Verlag, München).

 
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