Was macht das Leben lebenswert? "Ich halte die Nase in den Wind und fahre geradeaus"

Theo Surkamp, Automobilbauer bei Opel, vergisst im Fahrtwind das Drama um seine Firma

ZEITmagazin: Herr Surkamp, wie haben Sie die letzten Monate erlebt?

Theo Surkamp: Ich habe mich sehr wacklig gefühlt. Ich bin dreifacher Familienvater und zu jung für die Rente.

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ZEITmagazin: Opel ist fürs Erste gerettet. Aber Ihr Job ist alles andere als sicher.

Surkamp: Ich lasse die Angst nicht an mich ran. Ich kann zu Hause nicht mit einem langen Gesicht rumlaufen. Wie soll ich sonst meinen Kindern erklären: Ihr müsst euch anstrengen, damit ihr eine Zukunft habt?

ZEITmagazin: Das lange Gezerre um Ihre Firma muss Sie ganz schön in Atem gehalten haben.

Surkamp: Ja, es war nicht auszuhalten. Dieser ganze Mist in der Lokalzeitung, ständig die erste Seite. Und im Fernsehen ist es noch schlimmer. In jeder Nachrichtensendung meint wieder einer, er hat etwas zu sagen zu Opel. Ich gucke schon kein Fernsehen mehr, und ich lese nur noch den Sportteil. Allein am Wochenende kaufe ich mir die FAZ oder die Financial Times Deutschland. Da ist nicht alles Opel. Und da erfährt man, dass wir nicht nur ein hausgemachtes Problem sind. Zum Glück springt ja der Staat ein.

ZEITmagazin: Was hilft Ihnen noch, diese Zeiten durchzustehen?

Surkamp: Ich fahre alle paar Tage nach der Arbeit zwanzig Kilometer mit dem Rad. Schön zügig, hier in der Nähe gibt es Radwege an den Kanälen. Ich habe drei Strecken zur Auswahl. Richtung Datteln, Herne und Dortmund.

ZEITmagazin: Was passiert da, auf dem Rad?

Surkamp: Ich gebe erst mal richtig Stoff, eine halbe Stunde lang, das geht gut, das Land ist ja ganz flach hier. Ich halte die Nase in den Wind und fahre einfach geradeaus. Sehe die Erdbeerfelder vorbeiziehen, den Weizen, die Wiesen und den Wald. Mein Kopf wird frei. So verschwindet das Wort Opel mal für eine Stunde oder zwei.

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