Die Linke: In einer Welt voller Feinde
Oskar Lafontaine bewegt sich sprachlich ins vordemokratische Abseits – und ruiniert die Linke
Wunschdenken geht so: Die »Sachargumente« der Linkspartei, so hat tapfer Lothar Bisky verkündet, seien gehört worden. Bis zum Wahltag im Herbst werde sie exakt diesen Kurs – als einzige Antikriegspartei beispielsweise – fortsetzen. Abgesehen von dem kleinen Stück Denunziation aller anderen als verantwortungslose Kriegstreiber, das darin steckt – zur Sache argumentiert die Linkspartei gerade nicht. Derjenige, der verhindert, dass überhaupt ausgetestet wird, ob sie es intellektuell könnte, hat einen Namen: Oskar Lafontaine. Er drückt nicht nur ihr großes Problem aus, er ist selbst ihr Problem geworden.
Dass es ohne den Ex-SPD-Vorsitzenden das ganze Parteiprojekt nicht gäbe, steht außer Frage. Das große Verdienst, radikal ehrlich und schnörkellos auf die Kehrseite dieser Dominanz verwiesen zu haben, kommt dem früheren SED-»Modernisierer«, Intellektuellen aus der Rosa-Luxemburg-Stiftung und bisherigen Europaparlamentarier André Brie zu. Lafontaines Stärken, prophezeit er in einem Essay für den Spiegel, würden zur »Schwäche der Linkspartei, wenn sie sich ganz auf diese Führung verlässt«. Ob die Linke sein Mandat überdauern werde, sei »völlig offen«, hieß es in dieser Philippika wider den »Lafontainismus«, zumal er sich heute mit einem »politischen Protestprojekt« begnüge.
Es gibt noch Leben in den Ruinen!, möchte man spontan applaudieren. So wie man den Grünen oft wünschte, sich nicht allein auf Joschka Fischer zu verlassen, so kann man auch der Linkspartei nur wünschen, sich nicht unter Niveau zu verkaufen oder autoritätshörig zu buckeln. Beigetragen hat sie nun einmal dazu, das Mitte-links-Spektrum der Republik noch weiter aufzusplittern, aber nicht beigetragen hat sie zu einem Diskursklima, das den Parteiendisput belebt. Für die Konsequenzen muss sie nun auch geradestehen.
Oskar Lafontaine muss geahnt haben, dass die große ökonomische Krise – wider allen äußeren Anschein – keineswegs Wasser auf seine Mühlen lenken würde. Er wurde nur noch lauter und schriller. Franz Müntefering und Renate Künast, »diese Verbrecher«, die die Agenda 2010 zu verantworten haben! Eine »Schurkenregierung« hat die Rentenformel zerstört, »weil sie keine Gerechtigkeit will«. »Vereinigte Kräfte der Reaktion« wollen die Linke in »Grund und Boden schreiben«! »Schweinebande«, »Knecht der Millionäre«, »Staatsterrorismus«, »Hegemonie des Neoliberalismus«, die Kanzlerin als »Miss World«, die ihre Hausaufgaben nicht macht, während die »internationale Großspekulation« weitergeht. So hört sich das an. Schlicht, allzu schlicht? Nein, mehr.
Übertönt werden soll, dass es um einen »Politikwechsel« gar nicht geht. Ein anderes Europa, über das zu streiten sich lohnte, taucht als Idee nicht mehr auf; wie also nach der Ära der Deregulierung und Marktöffnung Politik für gemeinsame soziale Standards sorgen könnte, worin der Souveränitätsgewinn steckt oder wie sich ein europäisches »Wir« entfalten könnte. Fehlanzeige auch auf nationaler Ebene: Überall steht dem Lafontainismus zufolge der »Staat« in Verantwortung, wobei die Unterschiede zur verhassten »etablierten« Politik spürbar verschwimmen. Von einer solchen Aggressions-Linken jedenfalls ist eine politische oder intellektuelle Integrationsleistung nicht zu erwarten. Weder ist sie, mit André Brie gesprochen, geistig interessiert, das »Erleben des epochalen Scheiterns einer Weltideologie und der einzigen gelungenen Revolution der deutschen Geschichte« als Chance zu begreifen. Noch ist sie bereit, aus dem »Kampf gegen die SPD und die Grünen« einen um deren Anhänger zu machen. So aber unterfordert sie, während die Politik eine avantgardistische Herausforderung doch dringend braucht. Also: Viel vollmundiger Lafontaine. Aber kein Stachel, nirgends.
Man könnte achselzuckend zur Tagesordnung übergehen: So wie Silvio Berlusconi einen vulgären Machiavellismus mit Szenen aus seinem Privatleben und Gespielinnen auf Sardinien bedient, so vergreife sich Oskar Lafontaine halt in der Rhetorik. Vom Niveau her sind tatsächlich Vergleiche erlaubt. Politik wird auf peinliche Weise dekonstruiert. Wegschauen, weghören möchte man. Was aber die Lafontainesche Variante angeht, muss man hinzufügen: Sie unterscheidet sich mittlerweile nicht mehr von Verschwörungsformeln und Feindbildern, die ebenso gut von rechtsaußen kommen könnten. Von welcher Seite aus Ressentiments gegen die »etablierte Politik« geschürt werden, ist aber herzlich egal. Lafontaine bewegt sich ins vordemokratische Abseits – Sprache drückt Denken aus. Höchste Zeit wurde es, die Notbremse zu ziehen. Und sei es aus Gründen der Selbstachtung.





Das Gehabe von Oscar Lafontaine ist nichts anderes als ein Ausdruck von Frustration und Resignation verbunden mit zunehmender Radikalisierung und Dogmatisierung, weil die Mehrheit der Bevölkerung sich eher mit ihren reellen Alltagssorgen auseinandersetzt als mit intelektuell idologischen Diskursen über eine bessere Gesellschaft.
Man fühlt sich an Robespierre und Che Guevara erinnert.
Dabei ist es gerade in der heutigen Zeit umso wichtiger, ruhig und sachlich zu argumentieren und zu diskutieren, die Geschichte zu analysieren und tragende soziale Konzepte für die Zukunft zu präsentieren. Auch kann man einen Wandel in der Gesellschaft und im Denken der Menschen nicht erzwingen, schon gar nicht mit einer feindseligen Polemik, deren sich Lafontaine bedient. Diese ist gut für's Kabarett, wirkt auf dem politischen Parkett aber deplaziert und lächerlich.
Es ist generell das Problem aller Linken, dass sie ein Sammelbecken für unzählige Theorien und Meinungen sind, wie eine soziale und gerechte Gesellschaft auszusehen habe. Dabei reibt man sich in basisdemokratischen Debatten über minimale Divergenzen auf und verliert dabei das große Ziel einer humanen und gerechten Gesellschaft schnell aus den Augen. Die Gewinner solcher Debatten machen dann sehr schnell und gerne ihre Ansichten zu Dogmen und merken nicht, dass es vollständig an den Bedürfnissen der Menschen vorbei geht.
Mit der Realität konfrontiert, ändern sich aber nicht die Ansichten. Im Gegenteil, es wird radikalisiert.
Das ist dann auch der Grund für die Schwäche der Linken, gegenüber den sehr viel geschlossener auftretenden Konservativen und Wirtschaftsliberalen und porträtiert das Unvermögen aus einer Krise wie der heutigen poltisches Kapital zu schlagen.
Der Kreis schließt sich dann wieder bei den Radikalen auf der linken Seite, die nicht bereit sind umzudenken und noch mehr radikalisieren wie Lafontaine.
Natürlich spielt auch das Ego eine Rolle und die selbstgerechte Überzeugung, dass man als einziger die Wahrheit kenne. Dabei gibt es allein in Deutschland 50 - 60 Millionen Wahrheiten in Bezug auf Wirtschaft und Politik.
Ich hoffe sehr, dass Die Linke sich besinnt und wieder mehr eine zukunftsfähige Poltik und Alternative für einen großen Teil der Bevölkerung präsentiert und nicht weiter abdriftet in einen Klub elitärer, intellektueller und selbstherrlicher Gesellschaftsreformer und ich hoffe, dass Linke, wie Andre Brie sich ihre Kraft und Ideale bewahren und nicht irgendwann desillusioniert das Handtuch werfen.
die etablierten parteien, die lafontaine angeblich mit "schriller rhetorik" angreift, bewegen sich meiner meinung nach ins vordemokratische abseits, wie es hier genannt wird. für mch sind die linken mit lafontaine zwar auch keine alternative, trotzdem kann ich mit der angeblich schrillen rhetorik mehr anfangen als mit den veworrenen und staubtrockenen sätzen eines hernn schäuble, die den abbau von demokratie und bürgerrechten verkünden.
...über den Autor und die ZEIT.
Ich wundere mich, dass man keine Hörner reinretuschiert hat.
Ich wundere mich, dass man keine Hörner reinretuschiert hat.
wie sie Oscar Lafontaine darstellt, einen Politiker mit einem eigenen Rückgrat, der seine Meinung mit klaren Worten vertritt, so etwas hat in der heutigen politischen Landschaft eher Seltenheits-Charakter.
Wenn ich mir die vielen senilen Protagonisten oder aalglatten Demagogen in Politik von heute so betrachte, dann denke ich voller Sehnsucht an solche Vollblutpolitiker zurück, vom Kaliber eines Wehner, Strauß, Scheel und ähnlich geradlinigen Volksvertreter!
Da hatte ich noch das Gefühl einen persönliche Einsatzes für die postulierten Ziele und das Interesse am politischen Bewegen. Und nicht nur der Karriere und am ureigenen Profit!
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"Dubito, ergo sum."
Erst hat er die SPD ruiniert und jetzt die Linke. Vielleicht muss Lafo noch mal eine Partei gründen mit nur sich selbst als Mitglied.
sind nicht erwünscht in Deutschland. Gewollt werden Zyniker wie Merkel "Sozial ist, was Arbeit schafft" (rechtsaußen ist die CDU/SPD, nicht die Linke), Westerwelle "Leistung muss sich lohnen" und andere Sprücheklopfer.
Ich bin und war Lafontaine dankbar, denn er war der einzige Politiker, der sich gegen den neoliberalen Irrsinn und Hartz IV gewehrt hat. Eine Zeit lang war ich politisch engagiert und bin auch oft wütend geworden, denn es hatte ja keinen Sinn, da die Demokratie nur noch auf dem Papier steht. Gut, wenn wenigstens ein Politiker den Unmut der Massen emotional noch nachvollziehen kann.
In der Tat wurde ein Großteil der Bevölkerung über Jahre hinweg "frustriert", in dem die Kosten immer stiegen, aber die Einkommen sanken, die Aussichten sind ja momentan sehr "gut", dass dieser Prozess noch lange anhalten wird.
Die Marktradikalen, die rvon Aktien ode Billiglöhnen, von der Abschaffung der sozialen Marktwirtschaft profitieren (dazu gehören auch Journalisten, die das Gewünschte schrieben), haben sich dann überlegt, wie man berechtigten Protest niederschlagen kann. Dazu wurde die Sprache bemüht und überall ein sozialdarwinistisches Menschenbild propagiert.
Demnach sind alle Verlierer selbst schuld, wer enttäuscht ist von der Politik -> frustriert. Soll heißen, mensch hat nur persönliche Probleme, mit schwingt auch eine sexuelle Diffamierung, so dass niemand so genannt werden will.
Kritiker werden kurzerhand in einen Topf geworfen mit Honecker und dummen Soap-Darstellern im Blöd-Fernsehen. Enttäuscht darf mensch heute nicht sein, nein, er muss lachen, während er einen 1-Euro-Job macht und auf die Altersarmut wartet, dankbar sein, denn es gibt ja (zum Glück der Profitgeier*) Chinesen und Afrikaner, denen es schlechter geht.
Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren betrifft aber mind. 80 % der Bevölkerung negativ, also ist derjenige dumm, der als Nicht-Mitglied des Geldadels immer noch auf Erwerbslose als Sündenbock tritt.
Manche Geisteskranke lachen auch immer. Vielleicht sollten wir uns alle eine solche Krankheit zulegen.
* So weit ist die politische Kultur in Deutschland verkommen, dass man als rechtsradikal gilt, wenn man die Dinge beim Namen nennt
Dieses Denken haben die Marktradikalen im Volk verankert. [...] Politiker wie Clement und Schröder haben das Wort Schmarotzer für Arbeitslose wieder hoffähig gemacht. Kreidet man die Menschenfeindlichkeit an, die sich an Hunderten von Gesetzen, im EU-Vertrag, Billigstlöhnen und im Blöd-Fernsehen zeigt, an, gilt man als radikal, ob links oder rechts, ist gleich.
So weit ist die politische Kultur in Deutschland verkommen, dass man als rechtsradikal gilt, wenn man die Dinge beim Namen nennt
Eine ganz neue Form der Nazi-Keule, herzlichen Glückwunsch an die INSM
[Anmerkung: Bitte achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Vielen Dank. / Die Redaktion as]
Dieser Kommentar hier ist auch ein Anhang zum meinem vorhergehenden.
Ich bin selbst überzeugter Linkswähler, da Die Linke für mich die einzige Alternative ist, um diese inhumane rein am akkumulieren von Kapital ausgerichetete Gesellschaft zu ändern. Hin zu mehr Menschlichkeit und Solidarität mit den Schwachen. Das heißt ich und viele andere müssen nicht mehr überzeugt werden.
Die Mehrheit der Menschen, die es zu überzeugen gilt, dass es tatsächlich eine Alternative zu Merkel, Guttenberg, Seehofer, Münte, den Stones und den wirtschaftsliberalen der FDP gibt, wird durch die Agressivität von Lafontaine aber eher abgeschreckt.
Wen wollen wir denn überzeugen zum Beispiel mehr Verantwortung zu übernehmen und mehr Solidarität mit den Schwachen zu üben? Doch wohl die Wohlhabenden.
Diese werden aber durch die von Lafontaine verwendete, verallgemeinernde und feindseelige Polemik vor den Kopf gestoßen und wenden sich ab und nicht zu.
Aus dem Grund misverstehen auch viele die von Die Linke geforderte Millionärsabgabe und stärkere Besteuerung von Reichen und sehr gut Verdienenden.
Und die Boulevardpresse hat es leicht die Angst vor dem "Sozialismus" zu schüren.
Sachlichkeit, Verständnis und Toleranz sind in dieser angespannten Zeit gefragt und nicht Kraftausdrücke.
Dieses Denken haben die Marktradikalen im Volk verankert. [...] Politiker wie Clement und Schröder haben das Wort Schmarotzer für Arbeitslose wieder hoffähig gemacht. Kreidet man die Menschenfeindlichkeit an, die sich an Hunderten von Gesetzen, im EU-Vertrag, Billigstlöhnen und im Blöd-Fernsehen zeigt, an, gilt man als radikal, ob links oder rechts, ist gleich.
So weit ist die politische Kultur in Deutschland verkommen, dass man als rechtsradikal gilt, wenn man die Dinge beim Namen nennt
Eine ganz neue Form der Nazi-Keule, herzlichen Glückwunsch an die INSM
[Anmerkung: Bitte achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Vielen Dank. / Die Redaktion as]
Dieser Kommentar hier ist auch ein Anhang zum meinem vorhergehenden.
Ich bin selbst überzeugter Linkswähler, da Die Linke für mich die einzige Alternative ist, um diese inhumane rein am akkumulieren von Kapital ausgerichetete Gesellschaft zu ändern. Hin zu mehr Menschlichkeit und Solidarität mit den Schwachen. Das heißt ich und viele andere müssen nicht mehr überzeugt werden.
Die Mehrheit der Menschen, die es zu überzeugen gilt, dass es tatsächlich eine Alternative zu Merkel, Guttenberg, Seehofer, Münte, den Stones und den wirtschaftsliberalen der FDP gibt, wird durch die Agressivität von Lafontaine aber eher abgeschreckt.
Wen wollen wir denn überzeugen zum Beispiel mehr Verantwortung zu übernehmen und mehr Solidarität mit den Schwachen zu üben? Doch wohl die Wohlhabenden.
Diese werden aber durch die von Lafontaine verwendete, verallgemeinernde und feindseelige Polemik vor den Kopf gestoßen und wenden sich ab und nicht zu.
Aus dem Grund misverstehen auch viele die von Die Linke geforderte Millionärsabgabe und stärkere Besteuerung von Reichen und sehr gut Verdienenden.
Und die Boulevardpresse hat es leicht die Angst vor dem "Sozialismus" zu schüren.
Sachlichkeit, Verständnis und Toleranz sind in dieser angespannten Zeit gefragt und nicht Kraftausdrücke.
Dieses Denken haben die Marktradikalen im Volk verankert. [...] Politiker wie Clement und Schröder haben das Wort Schmarotzer für Arbeitslose wieder hoffähig gemacht. Kreidet man die Menschenfeindlichkeit an, die sich an Hunderten von Gesetzen, im EU-Vertrag, Billigstlöhnen und im Blöd-Fernsehen zeigt, an, gilt man als radikal, ob links oder rechts, ist gleich.
So weit ist die politische Kultur in Deutschland verkommen, dass man als rechtsradikal gilt, wenn man die Dinge beim Namen nennt
Eine ganz neue Form der Nazi-Keule, herzlichen Glückwunsch an die INSM
[Anmerkung: Bitte achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Vielen Dank. / Die Redaktion as]
Was Lafontaine sagt, ist wahr. Leider, kann ich dazu nur sagen. Mir wäre es lieber, er wäre der Demagoge, als den ihn der Autor hinstellt.
Sebst meine alte Mutter wählt mittlerweile die LINKE.
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