Ökologie Vorsicht, Fremde!
Exotische Tiere und Pflanzen werden in Europa heimisch. Manche sind gefährlich

© secretgarden/Photocase
Hinterlistiges Tierchen: Das Grauhörnchen kommt ursprünglich aus Nordamerika und infiziert unser heimisches Eichhörnchen mit Pockenviren gegen die es selbst immun ist
Zugegeben, die Frage war ungeschickt formuliert. Wird sich Europa endlich einigen, um tausende fremder Eindringlinge abzuwehren? Nicht ausländerfeindliche Hetze war so überschrieben, sondern eine Mitteilung des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ). Bei den erwähnten »Eindringlingen« handelte es sich auch nicht um Menschen aus Afrika oder aus Asien – sondern um Tiere und Pflanzen mit Migrationshintergrund.
Die missverständliche Titelzeile mag ein Ausrutscher gewesen sein. Sie illustriert aber, welche Ängste das Eindringen exotischer Tier- und Pflanzenarten in Europa bedient. »Das Fremde in unserem Garten« beschwor unlängst der Focus und orientierte sich damit am englischen Begriff der Invasive Alien Species , der ebenso unheimlich klingt wie die Übersetzung.
Ist Europas Artenvielfalt tatsächlich durch einen Ansturm fremder Tiere und Pflanzen gefährdet? Droht eine Verwüstung in deutschen Biotopen und Schrebergärten?
Um diese Fragen zu beantworten, hilft ein gedanklicher Abstecher auf die andere Seite der Erde. Über Jahrmillionen hinweg war Neuseeland geografisch vom Rest der Welt isoliert. Entsprechend fanden dort manche Entwicklungen in Flora und Fauna nicht statt, die auf den anderen Kontinenten große Umwälzungen in den Ökosystemen verursachten. So entstanden in Neuseeland keine Säugetiere, stattdessen machten sich auf dem Boden flugunfähige Vögel wie der Kakapo und der Kiwi breit. Die Natur des Inselstaats war so lange im Gleichgewicht, bis die ersten europäischen Siedler eintrafen – und in ihrem Gepäck landesfremde Säuger.
»Die einheimische Flora und Fauna war darauf nicht eingestellt«, sagt Wolfgang Nentwig, Zoologe am Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern. Katzen und Hunde machten sich über die träge Beute her. Viele einheimische Arten starben aus, vom Kakapo existierten zwischenzeitlich nur noch 50 Exemplare. Heute ist Neuseeland das Land mit dem größten Anteil an nicht einheimischen Arten – also solchen, die ursprünglich nicht vorkamen und sich nur mit Hilfe des Menschen in ihrer neuen Umgebung etablieren konnten. Richtet eine Art auch noch Schaden an, gilt sie als invasiv.
Was am anderen Ende der Welt geschah, ist das Extrembeispiel für eine Entwicklung, die auch Europa bevorsteht. Durch den globalen Handel und Personenverkehr kann ein Insekt heute leicht binnen eines Tages von Asien nach Europa gelangen, etwa in einem Frachtflugzeug voller Autoreifen. So oder so ähnlich passierte es mit der asiatischen Tigermücke, die Ende der siebziger Jahre zum ersten Mal in Albanien auftauchte und sich inzwischen in Italien und Südfrankreich etabliert hat. Einheimische Mückenarten verdrängt sie. Für den Menschen ist das Tier gefährlich: Aedes albopictus kann mit ihrem Stich das gefährliche West-Nil-Virus sowie das Denguefieber übertragen.
- Datum 09.07.2009 - 10:34 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 10.06.2009 Nr. 25
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Schon immer wanderten Arten, wie etwa der homo sapiens von Afrika in andere Kontinente. Im Laufe der Evolution wurden immer wieder neue Arten entwickelt, kreuzten sich enge Verwandte, verbreiteten sich neue Arten usw., das ist nichts Neues.
Die Frage ist doch, welche Art gefährlich ist, werden kann.
Das Neue ist die Geschwindigkeit der Ausbreitung durch den Welthandel, die eine Anpassung des Ökosystems nicht zulässt sowie die zeitlich Koinzidenz zur Klimaerwärmung, die nunmehr subtropischen arten bei uns, tropischen arten in Norditalien das überleben ermöglicht.
Wer mit offenen Augen durch seine Umwelt läuft, müsste längst bemerkt haben, dass nunmehr asiatische Marienkäfer dominieren (ich würde unseren alten Siebenpunkt vermissen, wenn wir ihn nicht vor der Konkurrenz schützen können - ob dies eine Gefahr darstellt, ist eine andere Frage) und in den Parkanlagen die Kanadagänse (mit den schwarzen Hälsen) in ihrer Anzahl längst Graugänse und andere einheimische Arten überflügeln. Geht von diesen Arten eine Gefahr aus? Sonst müssten wir nur per Zucht sicherstellen, dass unsere heimischen Arten nicht aussterben.
Die Römer brachten den Kirschbaum nach Europa und die Weinrebe an den Rhein - Einwanderer, die ich nicht missen will.
Und Fanatiker rotten auch gerne Einheimische aus, zum Beispiel den Hanf, so dass nur noch Ortsnamen daran erinnern: Die Stadt Hennef zum Beispiel. Oder Hanf, ein Ortsteil dieser Stadt. Angst haben Menschen nicht nur vor Einwanderern, sondern auch vor Alteingesessenen. Den Hanf verfolgt die BRD-Polizei bis heute. Ich persönlich habe mehr Angst vor Drogen, die uns nicht die Natur schenkt, sondern die in Labors zusammengebraut werden, Heroin zum Beispiel. Wird so ein Haschisch-Fahnder pensioniert und darüber depressiv, weil ihm sein beliebter Beruf genommen ist, weil seine Tage nun lang und leer sind, kann er ja ehrenamtlich in unseren Parks Grauhörnchen jagen.
Das amerikanische grau-schwarze Eichhörnchen vermehrt sich stärker als das einheimische rote. Überdies ist es größer und robuster. Nun würde ein Vulgärdarwinist wohl daraus folgern, daß dann das rote Eichhörnchen halt unterlegen ist und aussterben wird.
Das, finde ich, ist Öko-Rassismus.
"Die Natur des Inselstaats war so lange im Gleichgewicht, bis die ersten europäischen Siedler eintrafen – und in ihrem Gepäck landesfremde Säuger." ist nicht korrekt. Das waren nciht die europäischen Siedler sondern die Polynesier in Form der Maoris ein paar hundert Jahre früher.
Laut neueren Untersuchungen ernährt sich der Marderhund hauptsächlich von Frühchten, Insekten, Amphibien und Aas sowie in begrenztem Umfang von Mäusen und Maulwürfen. Zudem kann der Marderhund nicht klettern - einheimische Vogelgelege sind daher wohl eher Opfer eines anderen Feindes.
Außerdem: so ein kuschlig ausschauendes Tier mag ja wohl niemand ernsthaft vertrieben wissen.
Zur Wollhandkrabbe: sie frisst zwar Aale in ihren Reusen (und zerstört dabei auch die Netze), ist aber wohl selber auch sehr schmackhaft. Da sie nun schon da ist, könnte man sie ja auch einfach essen - in China gilt sie als Delikatesse und wird sogar schon von Deutschland in ihre Heimat exportiert. Das nenn ich Globalisierung :)
tja, so ein Zufall...ich hatte da vor kurzem einen Tagtraum bzgl. der Wollhandkrabbe.
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nec fasces, nec opes, sola artis sceptra perennant.
tja, so ein Zufall...ich hatte da vor kurzem einen Tagtraum bzgl. der Wollhandkrabbe.
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nec fasces, nec opes, sola artis sceptra perennant.
tja, so ein Zufall...ich hatte da vor kurzem einen Tagtraum bzgl. der Wollhandkrabbe.
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nec fasces, nec opes, sola artis sceptra perennant.
Es ist angenehm, zum Problem der Neu-Ankömmlinge unter Pflanzen und Tieren im medialen Einheitsbrei der sonst üblichen Verharmlosungen einmal einer warnenden Stimme zu begegnen. Teilweise schießt Josephina Maier dabei jedoch über das Ziel hinaus bzw. daran vorbei. Leider wird sich dadurch die große Fraktion der Verharmloser bestärkt fühlen, die Übertreibungen gerne heranziehen, um dann „Panikmache“ schreien zu können. Zwei Relativierungen sind notwendig:
1. Die Notwendigkeit, Gartenbesitzer zu informieren, kann nicht energisch genug unterstrichen werden, denn die im Artikel befürchtete „Invasion aus dem Schrebergarten“ rollt bereits. Sie rollt, nicht weil die Winter seit einer Weile schon milder geworden sind, sondern wegen der Gedankenlosigkeit vieler Gartler: statt auf dem eigenen Komposthaufen oder in einer öffentlichen Grüngut-Deponie entsorgen sie ihre überflüssigen Pflanzen oft am nächsten Waldrand. Normal aus den Gärten ausbrechende Zierpflanzen haben immer noch als eine Art Schutzwall die Siedlungen vor sich. Durch die „Entsorgung“ nach draußen wird jedoch der Siedlungsbereich übersprungen und direkt die freie Landschaft erreicht. So hat es z. B. die in den letzten 10 bis 20 Jahren als Bodendecker beliebte Silber-Goldnessel (Lamium argentatum) geschafft, sich punktuell aber weitflächig in nährstoffreichen Wäldern anzusiedeln. Sie ist dort inzwischen vielleicht kurz davor, die beiden heimischen Goldnesseln (Lamium galeobdolon und L. montanum) zu bedrängen, vielleicht sogar zu verdrängen, aber wohl nicht mehr blockierbar; genaue Daten hierzu fehlen. Floristische Kartierungsprogramme könnten diese Datenlücken füllen. Allerdings wurden sie rein ehrenamtlich betrieben und stagnieren bundesweit, auch wegen fehlender öffentlicher Unterstützung.
2. Öffentliches Bewußtsein zu schärfen und Gartenbesitzer zu informieren ist nur die eine Seite der Medaille. In der Vergangenheit wurde nämlich die Mehrzahl der heute Probleme bereitenden („invasiven“) Neophyten nicht beiläufig oder aus Versehen über Privatgärten ausgelassen. Viele dieser Problemfälle wurden gezielt ausgebracht, wie z. B. Traubenkraut als Vogelfutter, Riesen-Bärenklau als Bienenfutterpflanze. Auch die Mehrzahl der im zitierten EU-Projekt „Daisie“ unter der Liste der „100 of the Worst“ aufgeführten Pflanzen wurde zunächst gezielt angebaut und ausgebracht, bevor die Arten zu invasiven Problemfällen wurden. Weitere Behörden wie eine für Biosicherheit und eine für die Koordination der Bio-Grenzkontrollen sind daher kein notwendiges Vorbild für Europa, wie der Artikel empfiehlt, zumindest nicht in erster Linie. Primär sind interne Kontrollen notwendig.
Was nämlich zumindest in Deutschland verstärkter (bzw. überhaupt einer ersten) Überwachung bedarf, ist die Ausbringung von Pflanzen in die freie Natur. Hier wird seit jeher und nachwievor zugunsten der Landwirtschaft und anderer Nutzer das Naturschutzgesetz (das diese Ausbringung gebietsfremder Pflanzen eigentlich untersagt) viel zu liberal ausgelegt. So können Nutzer und ihre Interessenvertreter wie Landwirtschaftsämter, Landschaftplaner, Imker, Jäger und viele Andere praktisch ohne Hemmungen potentiell gefährliche (d. h. invasive) Arten in der Landschaft ansiedeln. Unter den Stichworten „Lebensraum Brache“, „Blühflächen“, „Kulturlandschaftsprogramm“ findet dies z. T. unter massiver öffentlicher Förderung statt.
ist purer Öko-Rassismus.
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