Afrika Showtime in NigeriaSeite 5/5

Erstaunlicherweise steckt mir ebendort ein gewisser Kevin – den ich nie zuvor gesehen hatte – ein Ticket zu, das auf einen gewissen James Achumu ausgestellt ist. Ich renne sofort los… Die Szenen auf dem Rollfeld erinnern an Notevakuierungen. An Bord befinden sich weit mehr Passagiere als Sitzplätze. Es vergeht einige Zeit, bis sich Leute finden, die bereit sind, auf die spätere Maschine zu warten, die heute »wahrscheinlich« noch kommt. Als Jury-Mitglied und weil ich einen Anschlussflug habe, werde ich privilegiert behandelt. Ich sträube mich nicht dagegen. Bei der Landung in Lagos gratuliert der Pilot noch mal allen Passagieren zu ihrem Erfolg. Er meint die AMAA-Gewinner, aber die Jury-Kollegin und ich fühlen uns auch ein bisschen angesprochen.

Abdul bringt mich im Taxi zum internationalen Flughafen. Dort treffe ich die sieben Brüder und ihre Schwester, die als Familienclan die AMAA veranstalten. Sie begleiten Forest Whitaker, der in einem gecharterten Privatjet aus dem Delta zurück nach Lagos gebracht worden ist. Whitaker ist noch völlig benommen, aber auch begeistert von der Zeremonie, während der er mit allen Stammesehren am Nachmittag zum village chief auserkoren wurde. Wir verabschieden uns alle herzlich voneinander, einer der Brüder sagt zu mir, er sei froh, dass es bei den diesjährigen Awards keine »Zwischenfälle« gegeben habe.

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Ich gehe zum Check-in-Schalter und lasse meinen Koffer inspizieren, das erledigen in Lagos vier Personen an einem großen Tisch. Warum ich denn so viele DVDs im Koffer hätte? Ich antworte wahrheitsgemäß, woraufhin ich ausführlich zu meiner Meinung nach einzelnen Filmen befragt werde. Was den Preis für die beste Schauspielerin betrifft, erkläre ich, dass auch ich für die Nigerianerin Funke Akindele votiert hätte. Das wird von allen vier Zöllnern jubelnd beklatscht und gelobt. »Okay. You can go now.«

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
    • Guido3
    • 12.06.2009 um 14:13 Uhr

    Ein sehr unterhaltsamer und lesenswerter Artikel. Sie beschreiben wunderbar das typische Afrika. Jeder der selbst mal in Afrika unterwegs war, wird das gut nachvollziehen können. Ein bißchen chaotisch, ein bißchen gefährlich, überraschend, improvisierend. Und meistens geht am Ende alles gut. Eben TIA.

    • istmor
    • 13.06.2009 um 0:28 Uhr

    Ja, wirklich guter Bericht! Musste auch mehrmals herzlich lachen :D
    Hat mich auch an meinen Aufenthalt in Nigeria erinnert, zu dem ich ebenfalls eine Art Bericht schrieb, welcher online zu finden ist:
    http://iboland.meckerossi...
    - nur längst nicht so gut und amüsant geschrieben wie dieser Bericht hier.

    Solange wie ich dort war, habe ich mich übrigens immer auf die Heimkehr zurück ins kühle, frische und geordnete Deutschland gefreut, aber mittlerweile könnt ich mir sogar vorstellen noch mal dorthin zurückzufliegen.
    Irgendwas bestechendes hat Afrika irgendwie...

    • Makati
    • 16.06.2009 um 5:19 Uhr

    Ein toller Artikel. Er hat mich an meine Erlebnisse in Nigeria erinnert, aber auch wieder dieses unangenehme Ziehen in der Magengrube zurückgebracht, das ich immer kriege, wenn ich in Afrika an einer Strassensperre angehalten werde und bekifften und betrunkenen Soldaten mit scharfen Waffen gegenüberstehe.

  1. Hallo Frau "Winner" :-) ich kann mir das lebhaft vorstellen, wie Sie da von den Autoritäten an der Schlange vorbei geschleust wurden. Auch diese Szenen im Flugzeug sind mir in Erinnerung geblieben. Die Bordcrew schien während des gesamten Fluges nach Lagos völlig überfordert. Naja, wenn man bedenkt, dass zu Anfang fast eine Prügelei zwischen Mann und Frau entbrannt wäre und die Leute sowieso schon sehr aufgeheizt waren, weil man sie zu lange warten lassen hat. Dann kommen noch ein oder zwei Guinness hinzu und die Mischung ist perfekt. Gute Vorraussetzungen für einen ruhigen Flug.

    Vielen Dank für den heiteren Artikel. Erzeugt fernweh.

    @istmor: ich habe mir schon einen kleinen Einblick auf Ihrer Seite gegönnt. Gefällt mir.

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  • Quelle DIE ZEIT, 10.06.2009 Nr. 25
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