Irak & Öl Der Stoff der Freiheit

Die irakischen Kurden pochen auf ihre Unabhängigkeit von Bagdad. Die Herrschaft über die Ölvorkommen soll ihnen dabei helfen

Gut bewacht: Am kurdischen Tawke-Feld fließt wieder Erdöl durch die Leitungen

Gut bewacht: Am kurdischen Tawke-Feld fließt wieder Erdöl durch die Leitungen

Schweren Schrittes geht der füllige Staatspräsident des Iraks, der Kurde Dschalal Talabani, in der voll besetzten Kongresshalle von Erbil, der Hauptstadt der autonomen Region Kurdistan, zur Mitte der Bühne. Dort steht ein gewaltiges Gerät aufgebaut, die Nachbildung des Absperrventils einer Erdöl-Pipeline. Die echten Geräte, auf den neuen Ölfeldern von Tawke und Taq Taq, sind auf den Bildschirmen hinter der Bühne zu sehen. Um Punkt zwölf drehen Talabani und die Ingenieure von Tawke und Taq Taq an der Kurbel: Zum ersten Mal nach dreißig Jahren fließt am Pfingstmontag im irakischen Kurdistan wieder Erdöl durch die Leitungen – Richtung Türkei.

Ein technischer Vorgang von explosiver politischer Bedeutung. Die drei irakischen Nordprovinzen Dohuk, Erbil und Suleimanija regieren sich seit Anfang der 1990er-Jahre selbst; nach dem Sturz Saddam Husseins bestätigte ihnen die föderale Verfassung von 2005 ihre weitreichende Eigenständigkeit. Die irakische Armee hat in der Region nichts zu suchen; die 60.000 Mann starke kurdische Peschmerga, hervorgegangen aus den Widerstand gegen Saddam, sorgt für Sicherheit. Die Grenze zum übrigen Irak ist streng bewacht. Es gibt ein Büro für Auswärtige Beziehungen. Und Regionalpräsident Barsani ist unermüdlich unterwegs, um der Welt klarzumachen, dass Kurdistan ein eigenständiger Faktor im irakischen Machtspiel ist.

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Die zentralistisch gesonnene Regierung Maliki in Bagdad versucht freilich, die kurdische Autonomie einzuschränken. Jetzt könnte ihr eigenes Erdöl den Kurden die Grundlage für immer größere Eigenständigkeit bieten. Umgekehrt könnte das kurdische Vorgehen die vorwiegend schiitisch besiedelten Provinzen im Süden, wo die meisten irakischen Ölfelder liegen, dazu bewegen, ebenfalls eine autonome Region zu schaffen. Damit aber stehen die Zukunft und der Zusammenhalt des Iraks auf dem Spiel.

Kurdistan hat 24 ausländische Konzerne eingeladen, sich an der Ölförderung zu beteiligen – darunter keine Chinesen und keine Araber. Tawke und Taq Taq haben die österreichische OMV, die ungarische MOL, die norwegische DNP, die türkische Genel Enerji und die schweizerische Addax entwickelt. Dieses Jahr werden die beiden neuen Felder 250.000 Barrels täglich fördern, nächstes Jahr 450.000 und 2012 rund 1 Million. Der Export wird 2009 zwei Milliarden, 2010 schon fünf Milliarden und 2012 erhoffte 20 Milliarden Dollar einbringen. Davon behält die Region Kurdistan 17 Prozent. »Damit bewegen wir uns völlig im Rahmen der Verfassung«, sagt Ministerpräsident Barsani. »In keiner Weise bedrohen wir damit die Einheit des Iraks.«

Gern würden die Kurden mehr ausländische, auch deutsche Investoren begrüßen: in der Industrie, der Landwirtschaft, im Fremdenverkehr. Zement, Kupfer, Eisenerz, Marmor preisen sie als lohnend an. Das Investitionsgesetz sieht zehn Jahre Steuerfreiheit vor, ungehinderten Grundstückserwerb, hundertprozentige Kapitalrückführung und keinen Zwang, einen örtlichen Partner aufzunehmen.

In der Region – Bevölkerung: 4,5 Millionen – hat sich seit dem Krieg von 2003 ein kleines Wirtschaftswunder vollzogen. Überall wird gebaut: Sozialwohnungen, Geschäftshäuser, opulente Villen, die weit in die Wüste vorgedrungen sind. Im Jahre 1991 gab es eine Universität, heute sind es acht. Die Zahl der Schulgebäude hat sich verzehnfacht. Nur 4 Prozent der Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze, im übrigen Irak sind es 24 Prozent. Rings um Erbil sind riesige Erdgasvorkommen entdeckt worden, desgleichen neue Ölfelder.

Das politische Fundament des Aufschwungs bleibt freilich schütter. Noch immer hat Bagdad kein Erdöl-Gesetz zustande gebracht. Das benachbarte Kirkuk – nicht der Region zugehörig, aber kurdisch kontrolliert – bleibt ein Zankapfel zwischen der Zentralregierung und der Region. Umstritten sind auch die angrenzenden Gebiete, wo 1,4 Millionen Kurden leben. Alles wird darauf ankommen, dass sich Bagdad und Erbil einig werden, ehe die Amerikaner aus dem Irak abziehen.

Am Pfingstmontag fanden die VIPs in der Kongresshalle von Erbil eine edle, samtbezogene Schatulle auf ihrem Sitz. Darin steckte eine Kristallglasflasche – nein, nicht mit Parfum, sondern mit dunklem Erdöl; Aufschrift: »Taq Taq First Oil. 01 June 2009«. Das Pfingst-Öl kann ein Bindemittel sein. Es kann aber auch zum Scheidewasser werden.

 
Leser-Kommentare
    • peto1
    • 11.06.2009 um 18:26 Uhr

    Das war schon eigentlich immer das Land von Kurden auch Anatolien hat eigentlich wenig mit Türken Zutun, das sind grösten teils Kurden ihr Land, was man ihnen weggenommen hat und unter sich Irak, Iran, Türkei, und Syrien aufgeteilt haben, als die Kurden ihr Land zurück haben wollten wurden sie kurzerhand zu Terroristen erklärt und gejagt und gefoltert und getötet zum Beispiel der Giftgas Angriff von Sunniten im Irak gegen die Kurden.

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    • Pindar
    • 11.06.2009 um 21:58 Uhr

    Armenier, Aramäer, Araber, Lazen etc. Mit Vertreibungen und Umsiedlungen ist dieses Problem nicht gelöst. In dieser Weltgegend des fruchtbaren Halbmondes schlugen sich schon die Hethiter und Ägypter schon die Köpfe ein. Und wo sind die Sumerer hin ?

    glaube geographie und geschichte ist nicht ihre stärke.

    kurden haben genauso wenig oder viel mit anatolien zu tun wie die türken.

    es gab auch kein staat namens kurdistan die den kurden weggenommen wurde.

    wohl eher ein osmanisches reich das durch die imperialistischen staaten aufgeteilt wurde.

    und die kurden wurden nicht als terroristen erklärt, sondern die PKK uns zwar weltweit.

    weil eben die PKK eine terroristische organisation ist wie z.B. die al kaida oder die raf.

    und in irak haben nicht die sunniten giftgas gegen die kurden eingesetzt, sonder die damalige irakische armee, und in der irakischen armee waren sunniten,aleviten,schiiten,kurden,christen,turkmenen,kopten und all die anderen bezeichnungen für das irakische volk.

    sie sollten nicht so ein märchen aufschreiben sondern mit fakten ihre aussagen bekräftigen.

    Und wann geben die "fortschrittlichen" EU-Staaten Ihre besetzten Gebiete an die rechtmäßigen Besitzer zurück ?

    Spanien hat in Nordafrika Ceuta und Melilla besetzt und gibt es nicht an die ursprüngliche Bevölkerung zurück. Frankreich besitzt in Südamerika Französisch Guyana und im Indischen Ozean jede Menge Inseln, die nicht den Franzosen gehören.

    Und wann werden endlich die Sorben Ihr freies Sorbistan in Deutschland bekommen ?

    • Pindar
    • 11.06.2009 um 21:58 Uhr

    Armenier, Aramäer, Araber, Lazen etc. Mit Vertreibungen und Umsiedlungen ist dieses Problem nicht gelöst. In dieser Weltgegend des fruchtbaren Halbmondes schlugen sich schon die Hethiter und Ägypter schon die Köpfe ein. Und wo sind die Sumerer hin ?

    glaube geographie und geschichte ist nicht ihre stärke.

    kurden haben genauso wenig oder viel mit anatolien zu tun wie die türken.

    es gab auch kein staat namens kurdistan die den kurden weggenommen wurde.

    wohl eher ein osmanisches reich das durch die imperialistischen staaten aufgeteilt wurde.

    und die kurden wurden nicht als terroristen erklärt, sondern die PKK uns zwar weltweit.

    weil eben die PKK eine terroristische organisation ist wie z.B. die al kaida oder die raf.

    und in irak haben nicht die sunniten giftgas gegen die kurden eingesetzt, sonder die damalige irakische armee, und in der irakischen armee waren sunniten,aleviten,schiiten,kurden,christen,turkmenen,kopten und all die anderen bezeichnungen für das irakische volk.

    sie sollten nicht so ein märchen aufschreiben sondern mit fakten ihre aussagen bekräftigen.

    Und wann geben die "fortschrittlichen" EU-Staaten Ihre besetzten Gebiete an die rechtmäßigen Besitzer zurück ?

    Spanien hat in Nordafrika Ceuta und Melilla besetzt und gibt es nicht an die ursprüngliche Bevölkerung zurück. Frankreich besitzt in Südamerika Französisch Guyana und im Indischen Ozean jede Menge Inseln, die nicht den Franzosen gehören.

    Und wann werden endlich die Sorben Ihr freies Sorbistan in Deutschland bekommen ?

    • Pindar
    • 11.06.2009 um 21:58 Uhr

    Armenier, Aramäer, Araber, Lazen etc. Mit Vertreibungen und Umsiedlungen ist dieses Problem nicht gelöst. In dieser Weltgegend des fruchtbaren Halbmondes schlugen sich schon die Hethiter und Ägypter schon die Köpfe ein. Und wo sind die Sumerer hin ?

  1. 3. ich

    glaube geographie und geschichte ist nicht ihre stärke.

    kurden haben genauso wenig oder viel mit anatolien zu tun wie die türken.

    es gab auch kein staat namens kurdistan die den kurden weggenommen wurde.

    wohl eher ein osmanisches reich das durch die imperialistischen staaten aufgeteilt wurde.

    und die kurden wurden nicht als terroristen erklärt, sondern die PKK uns zwar weltweit.

    weil eben die PKK eine terroristische organisation ist wie z.B. die al kaida oder die raf.

    und in irak haben nicht die sunniten giftgas gegen die kurden eingesetzt, sonder die damalige irakische armee, und in der irakischen armee waren sunniten,aleviten,schiiten,kurden,christen,turkmenen,kopten und all die anderen bezeichnungen für das irakische volk.

    sie sollten nicht so ein märchen aufschreiben sondern mit fakten ihre aussagen bekräftigen.

  2. Da heisst es so beiläufig, die Kurden hätten 24 Ölfirmen eingeladen... Was nicht gesagt wird, dass es deshalb zum Eklat gekommen ist, vor ein paar Monaten, wenn ich mich recht erinnere. Die Zentralregierung hatte dabei nämlich nichts zu sagen, deshalb der Verweis im Text auf die Rechtmässigkeit der Aktion. Dabei kam es sogar fast zum Zerwürfnis der Natopartner Türkei und USA. Die Türkei forderte damals ein hartes Eingreifen der Amis und rückte mit Panzern in den Nordirak ein, angeblich um die PKK zu jagen.
    In dieser Region liegen die sechstgrössten Erdölvorkommen der Welt. Kein Wunder, dass die Irakis was dagegen hatten, ebenso wie die Türken, weil dadurch nämlich eine reale wirtschaftliche Grundlage für einen Kurdenstaat geschaffen würde, zuerst auf irakischem Territorium, dann auch auf türkischem.
    Ich hab ja eigentlich nichts für die Amis im Irak übrig, ebenso hab ichnichts gegen einen Kurdenstaat, aber in dieser Frage droht leider ein neues Palästina, das nur durch die Amis verhindert werden kann. Sobald die USA abziehen, werden die Kurden die Unabhängigkeit verstärkt anstreben. Dabei wird es zu einer Abspaltung der autonomen Provinzen kommen, was sowohl der Irak, als auch die Türkei nicht zulassen können und werden. Weil es aber um riesige Ölvorkommen geht, wird daraus ein Kampf bis aufs Messer werden. Nicht auszudenken, was dann der Region droht. Das wäre wahrscheinlich noch schlimmer als es eh schon ist, besonders für die Kurden.

  3. Keines der Länder, in denen Kurden als Minderheiten leben, möchte eine Amputation Ihrer Nation - Weder die Türkei, noch der Irak, Iran oder Syrien.

    Außerdem leben in der Region nicht nur Kurden, sondern auch Turkmenen - Diese Menschengruppe sollte von den Segnungen des Erdöls nicht ausgeschlossen werden.

    Eine Zersplitterung des Iraks in einen kurdischen, sunnitischen und shiitischen Teilstaat hätte genau das zur Folge, was die Westmächte wollen: Teilen und Herrschen. Wenn der Irak nicht nur aus einem, sondern aus drei Landesteilen besteht, kann man jedes gegen das andere Ausspielen - So, wie es der Westen schon seit Jahrhunderten gemacht hat, z.B. im irakisch-iranischen Krieg von 1980 bis 1988.

  4. Und wann geben die "fortschrittlichen" EU-Staaten Ihre besetzten Gebiete an die rechtmäßigen Besitzer zurück ?

    Spanien hat in Nordafrika Ceuta und Melilla besetzt und gibt es nicht an die ursprüngliche Bevölkerung zurück. Frankreich besitzt in Südamerika Französisch Guyana und im Indischen Ozean jede Menge Inseln, die nicht den Franzosen gehören.

    Und wann werden endlich die Sorben Ihr freies Sorbistan in Deutschland bekommen ?

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