Siebeck Klaus Kinskis indisches Huhn

Unser Kolumnist analysiert die Leibspeisen großer Frauen und Männer

Klaus Kinski war ein Schauspieler, der sich – privat und in seinen Rollen – gern im roten Drehzahlbereich bewegte. Es ist leicht, ihn zu beschreiben: Er schreit, er brüllt, er tobt, er rollt mit den Augen, er rauft sich die mähnengleichen Haare, er hämmert mit den Fäusten, er bricht in Tränen aus, um im nächsten Moment schon wieder gellend zu lachen.

Was geht in ihm vor während eines solchen kreativen Anfalls? Wen oder was stellt er dar? Vielleicht König Lear, dem Wahnsinn verfallend? Oder einen an der Haut gebratenen Zander, sein Unglück beklagend, das ein Dummkoch ihm angetan?

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Vor allem aber: Was haben Genie und Wahnsinn des Klaus Kinski mit seinen Essgewohnheiten zu tun?

Als sein Leibgericht, so wird kolportiert, gab er einmal "Huhn, indisch" an. Und für jemanden, der schon die furchtbarsten Curries gegessen hat und auch die wundervollsten, ist völlig klar: Die Wahl dieser Speise kennzeichnet einen Menschen, der sich sein Leben lang im Grenzgebiet zwischen Manie und Depression aufhielt. Ein Hühnercurry kann mehlpampig sein oder wunderbar sahnig, das Fleisch kann zu Tode gekocht sein oder auf den Punkt gegart, das Ganze kann süßlich-fad schmecken oder nach anregender Schärfe. Ein Teelöffel Curry oder fünf? Das ist die Frage. Der Rest beantwortet sich in fünf Akten von selbst.

1. Akt: Vorstellung der Hauptfigur – das Suppenhuhn wird gesotten.
2. Akt: Auftritt der Nebenfiguren Speck, Zwiebeln, Äpfel, Banane, Rosinen, Kokosflocken, Ingwer. Beschleunigung des Geschehens.
3. Akt: Höhepunkt. Der Held macht die entscheidende Auseinandersetzung durch: Curry einstreuen (einen oder fünf Löffel).
4. Akt: Retardierendes Moment. Durchziehen lassen.
5. Akt: Katastrophe oder Happy End: Aufkochen, abschmecken, servieren – und dazu (ausgiebig!) trockenen Traminer vom Juliusspital in Würzburg trinken.

Epilog: Hätte ich dieses Drama für einen Wahnsinnigen geschrieben, würde ich mich nicht scheuen, zur Verfeinerung der Sauce Kokosmilch ins Spiel zu bringen.

Huhn, indisch:

1 Suppenhuhn (1 bis 1 1/4 kg)
Suppengrün, Salz
100 g magerer Speck
1 Zwiebel
2 Äpfel, 1 Banane
1 EL Rosinen
3 EL Kokosflocken
kandierter Ingwer
1–5 TL Curry
1/2 l Hühnerbrühe
2 EL Sahne

Huhn mit Suppengrün in heißem Wasser aufsetzen. 2 bis 2 1/2 Stunden sieden lassen. Enthäuten und Fleisch von den Knochen zupfen. Brühe durchseihen, würzen und Fleisch in ihr warm halten. Speck, Zwiebel, Äpfel und Banane würfeln. Mit den Rosinen, den Kokosflocken und dem klein geschnittenen Ingwer anbraten. Alles zusammen 10 bis 20 Minuten lang schmoren, dann Curry einrühren, nach weiteren 5 Minuten mit Hühnerbrühe auffüllen, 30 Minuten lang kochen lassen, durch ein Haarsieb passieren, mit Sahne verfeinern, mit Salz und eventuell noch etwas Curry abschmecken, über das angerichtete Fleisch gießen. Mit gebackenen Bananen, Mango-Chutney und Reis servieren.

 
Leser-Kommentare
  1. siebeck, zugegebenermassen der erfinder des titels "selbsternannter kuechenpapst", den inzwischen gefuehlte zweitausend andere semiprominente auch fuer sich in anspruch nehmen, ist in seiner arroganz oft unertraeglich, aber manchmal noch ganz witzig. wenn sich zur arroganz (wie so oft) noch ignoranz gesellt, wird es allerdings richtig peinlich.

    "1–5 TL Curry" - was soll das sein? das unsaegliche fertigpulver aus dem supermarkt um die ecke? oder ein liebevoll aus frischen zutaten hergestelltes "masala", das in unzaehligen varianten indische eintoepfe schmackhaft macht? ebenso gut koennte er in einem rezept fuer schweinebraten "1-5 Liter Sauce" empfehlen.

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    Wer schon länger als ein Jahr Lesen kann und diese Fähigkeit auch zur Erweiterung seines Bildungshorizonts nutzt, weiss, dass W.S. über eine weltweit anerkannte Kompetenz in Sachen Essen und Kochen verfügt. Darüber gibt es reichlich nicht von ihm selbst verfasste Lektüre. Dass das selbsternannten Siebeck-Kritikern und Koch-Impotenzlingen nicht immer schmeckt, glaube ich. Indes: Hier dreht es sich nicht um Geschmack - zunächst.

    Die Rezeptangabe "1 - 5 TL Curry" richtet sich an Leser, die außer Lesen auch denken können. Ich habe in meinem Einzugsbereich zwei Asia-Läden, die beide immer mindestens sieben Curry-Sorten vorrätig haben. Diese auszuprobieren ist nicht Herrn Siebecks Sache, sondern meine. Und ich muss entscheiden, was und wie viel ich verwende. Außerdem: Sollen die Leute, die keinen Asia-Laden, sondern nur einen Supermarkt in der Nähe haben, das Gericht nicht nachkochen dürfen? Das ist Arroganz!

    Ich weiß, dass ich mich wiederhole, aber Siebeck schreibt nun einmal nicht für Befehlsempfänger, er verlangt Basiswissen und Basiskönnen und Bereitschaft zum Mitmachen. Auch intellektuell. Individuelle Entscheidungen für einen individuellen Geschmack kann er niemandem abnehmen. Wer das braucht, soll bitte etwas anderes lesen - und kochen.

    Je besser das Curry, desto mehr wird benötigt.

    _____________________________________________________
    Sie werden Deutschland nie regieren - Sie nicht!
    (Gerhard Schröders wahre Worte)

    Wer schon länger als ein Jahr Lesen kann und diese Fähigkeit auch zur Erweiterung seines Bildungshorizonts nutzt, weiss, dass W.S. über eine weltweit anerkannte Kompetenz in Sachen Essen und Kochen verfügt. Darüber gibt es reichlich nicht von ihm selbst verfasste Lektüre. Dass das selbsternannten Siebeck-Kritikern und Koch-Impotenzlingen nicht immer schmeckt, glaube ich. Indes: Hier dreht es sich nicht um Geschmack - zunächst.

    Die Rezeptangabe "1 - 5 TL Curry" richtet sich an Leser, die außer Lesen auch denken können. Ich habe in meinem Einzugsbereich zwei Asia-Läden, die beide immer mindestens sieben Curry-Sorten vorrätig haben. Diese auszuprobieren ist nicht Herrn Siebecks Sache, sondern meine. Und ich muss entscheiden, was und wie viel ich verwende. Außerdem: Sollen die Leute, die keinen Asia-Laden, sondern nur einen Supermarkt in der Nähe haben, das Gericht nicht nachkochen dürfen? Das ist Arroganz!

    Ich weiß, dass ich mich wiederhole, aber Siebeck schreibt nun einmal nicht für Befehlsempfänger, er verlangt Basiswissen und Basiskönnen und Bereitschaft zum Mitmachen. Auch intellektuell. Individuelle Entscheidungen für einen individuellen Geschmack kann er niemandem abnehmen. Wer das braucht, soll bitte etwas anderes lesen - und kochen.

    Je besser das Curry, desto mehr wird benötigt.

    _____________________________________________________
    Sie werden Deutschland nie regieren - Sie nicht!
    (Gerhard Schröders wahre Worte)

  2. Wer schon länger als ein Jahr Lesen kann und diese Fähigkeit auch zur Erweiterung seines Bildungshorizonts nutzt, weiss, dass W.S. über eine weltweit anerkannte Kompetenz in Sachen Essen und Kochen verfügt. Darüber gibt es reichlich nicht von ihm selbst verfasste Lektüre. Dass das selbsternannten Siebeck-Kritikern und Koch-Impotenzlingen nicht immer schmeckt, glaube ich. Indes: Hier dreht es sich nicht um Geschmack - zunächst.

    Die Rezeptangabe "1 - 5 TL Curry" richtet sich an Leser, die außer Lesen auch denken können. Ich habe in meinem Einzugsbereich zwei Asia-Läden, die beide immer mindestens sieben Curry-Sorten vorrätig haben. Diese auszuprobieren ist nicht Herrn Siebecks Sache, sondern meine. Und ich muss entscheiden, was und wie viel ich verwende. Außerdem: Sollen die Leute, die keinen Asia-Laden, sondern nur einen Supermarkt in der Nähe haben, das Gericht nicht nachkochen dürfen? Das ist Arroganz!

    Ich weiß, dass ich mich wiederhole, aber Siebeck schreibt nun einmal nicht für Befehlsempfänger, er verlangt Basiswissen und Basiskönnen und Bereitschaft zum Mitmachen. Auch intellektuell. Individuelle Entscheidungen für einen individuellen Geschmack kann er niemandem abnehmen. Wer das braucht, soll bitte etwas anderes lesen - und kochen.

  3. Je besser das Curry, desto mehr wird benötigt.

    _____________________________________________________
    Sie werden Deutschland nie regieren - Sie nicht!
    (Gerhard Schröders wahre Worte)

  4. 1. Ein Suppenhuhn? Glaube kaum dass Inder da einen Unterschied machen.
    2. Erst kochen - dann ein Curry draus schmoren? Ein Curry ist ein Schmorgericht
    3. Currypulver...kauft man weder im Supermarkt (Einheitsbrei) noch im Asia-Laden (teilw. mit Umweltgiften verunreinigt). Man macht es ab und zu selbst oder probiert sich durch die zig Sorten, die Alfons Schubeck im Angebot hat.
    4. Kein Indisches Curry hat jemals Sahne gesehen.
    5. Kokosflocken? Wenn man schon Kokos-Beigemschmack in einem Curry haben will (wobei das eher zu einem Thai- als einem indischen Curry gehört), dann eher mit Kokossahne.

    Ich bin eigentlich ein Fan von Siebecks Rezepten, aber das hier ist ein Griff ins Klo, das könnte auch von einer deutschen Hausfrau der 70er Jahre stammen (ist das vielleicht angesichts der Person Kinski beabsichtigt - wenn ja, wäre das für mich die einzig mögliche Ehrenrettung).

  5. ... wann gönnen Sie dem alten Herrn endlich die wohlverdiente Ruhe und verhindern gnädig seine weitere wöchentlich schneller drehende Selbstdemontage? Es tut ja schon fast körperlich weh, wie W.S. da dem Biedenkopf-Syndrom anheimfällt. Schreiten Sie ein!

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  • Quelle DIE ZEIT, 10.06.2009 Nr. 25
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  • Schlagworte Klaus Kinski | Reise | Fleisch | Würzburg
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