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Menschen, die bei Nacht im Moor vom Weg abkommen und dann langsam immer tiefer sinken, bis nur noch die Hand herausschaut, sind ein beliebtes Element von Horror- und Gruselgeschichten. Und gibt es nicht in deutschen Museen über 600 gut konservierte Moorleichen, die von dieser Gefahr ein beredtes Zeugnis ablegen?

Aber dass ein Mensch "einfach so" im Moor versinkt, verhindert schon die Physik. Ein Moor ist eine Art Zwitter zwischen Land und Wasser. Es fällt dort mehr Wasser vom Himmel, als wieder verdunsten kann. Die Folge ist ein Luftabschluss, unter dem Pflanzen, Tiere und auch Menschen anders verrotten als in gewöhnlicher Erde.

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Tückisch ist das Moor, weil es Gebiete mit relativ festem und fast trockenem Untergrund gibt, die dann plötzlich und kaum erkennbar von Flächen mit sehr dünnflüssigem, schlammigem Untergrund abgelöst werden. Aber dieser Schlamm hat ein spezifisches Gewicht, das über dem von Wasser liegt. Und das bedeutet: Ein eingetauchter menschlicher Körper, dessen Dichte etwa der von Wasser entspricht, geht nicht unter – sondern er erfährt schon dann einen Auftrieb, wenn er nur teilweise eingetaucht ist. So kann man im Moor zwar ein sinken (was sehr unangenehm sein kann, zum Beispiel wegen der Stechmücken), aber nicht ver sinken.

Doch was ist mit den Moorleichen? Historiker gehen davon aus, das es sich vor allem bei den Funden aus dem ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung um Opfer für diverse Götter handelt. Später sind häufig Tote, die an einer anderen Ursache gestorben waren, im Moor bestattet worden. Der Tod durch Versinken hingegen ist eine reine Horrorfantasie.

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