Ich habe einen Traum "Erst bin ich Forscher, dann DJ"
Der Pionier der DJ-Kultur, Grandmaster Flash, versteht sich nicht als Legende, sondern als "Diener der Musik"
Der erste Plattenspieler, vor dem ich stand, befand sich in unserem Wohnzimmer und gehörte zur Stereoanlage meines Vaters. Er hatte eine riesige Plattensammlung. Ich wollte immer verstehen, wie das alles funktionierte. Mein Vater hatte mir verboten, mich der Anlage zu nähern. Ich tat es natürlich trotzdem und bekam Prügel dafür. Aber sobald er nicht aufpasste, ging ich wieder dran. Die Stereoanlage war einfach ein magisches Ding für mich.
Ich hatte das Glück, in einem musikalischen Haushalt aufzuwachsen. Meine Liebe zur Musik wurde besonders durch meine älteren Schwestern geweckt. Sie hörten lateinamerikanische und jamaikanische Musik, Jazz, Blues und Funk. Sie sangen und tanzten die ganze Zeit. Daher kommt meine Inspiration, Leute zum Tanzen zu bringen.
Als ich anfing, auf Partys Platten aufzulegen, begann ich nach jenen Teilen in der Musik zu suchen, auf die Tänzer am stärksten reagierten. Das waren meist die Schlagzeug-Breaks. Ich versuchte, sie zu isolieren und nur mit ihnen Musik zu machen. Ich wollte auf zwei Plattenspielern einfach die beste Passage eines Stücks spielen.
Ich war der erste DJ, der die Schallplatte vorwärts und rückwärts drehte, die Beats und die Takte zählte. Erst allmählich wurde mir klar, dass ich dabei die Zeit kontrollierte. Aus einem Break von zehn Sekunden konnte ein Song von zehn Minuten werden. Ich begriff, dass ich aus einem Soundschnipsel mein eigenes Universum schaffen konnte. Niemals hätte ich mir vorstellen können, was einmal daraus werden würde.
Mein Traum, meine Mission, die ich bis heute verfolge, ist es, in jeder Kultur Freude auszulösen. Ich spiele oft vor Leuten, die nicht meine Sprache sprechen, in Spanien, in Japan, in Russland. Aber sobald ich einen Song spiele, können sie sogar mitsingen. Meine Musik ist die Übersetzung. Das ist mein Traum: Ich möchte den Leuten als Übersetzer dienen. Ich möchte ein Diener der Musik sein. Ein Diener zu sein ist viel besser als eine Legende.
Musik zu machen betrachte ich als Wissenschaft. Ich suche nach Freude. Manchmal finde ich sie in einem Popsong, manchmal in einem Jazzstück, manchmal auf einer Blues- oder Funk-, R-’n’-B, Techno- oder Discoplatte.
- Datum 16.06.2009 - 14:51 Uhr
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- Serie Audio
- Quelle DIE ZEIT, 10.06.2009 Nr. 25
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