Warum machen Sie das? "Wir müssen zügig handeln"
Boris Palmer will den globalen Klimawandel mit lokalen Mitteln bekämpfen. Roger Willemsen erklärt er, warum
ZEITmagazin: Guten Morgen, Herr Palmer, wir führen dies Gespräch am Telefon. Ist dies die umweltfreundlichste Version eines Interviews?
Boris Palmer: Da kann man sich täuschen. Wenn Ihre Elektronik nicht auf Green IT umgestellt ist, ist sie ein ziemlicher Energieverschwender. Was für ein Telefon haben Sie?
ZEITmagazin: Oh, ich hab so ein Siemens-Teil. Aber der Strom kommt aus Solarzellen.
Palmer: Großartig, der Strom für alle elektrischen Anlagen der Stadt Tübingen kommt aus Wasserkraftanlagen. Da können wir uns also ruhig telefonisch in die Augen blicken.
ZEITmagazin: Wenn ich zu Ihnen gereist wäre, hätte ich mehr Energie gebraucht.
Palmer: Mit Sicherheit. Mobilität ist zwar nur für ein Fünftel des CO2-Ausstoßes verantwortlich, aber ineffizient, wenn man Verbrennungsmotoren einsetzt wie bei Autos und Flugzeugen.
ZEITmagazin: Haben Sie das Rathaus von Tübingen mal mit einer Wärmebildkamera fotografiert?
Palmer: Das Ergebnis ist leider schlecht. Die Bausubstanz ist 600 Jahre alt und dämmt gut, aber die Fenster aus den Sechzigern müssen ersetzt werden.
ZEITmagazin: Tragen Sie gerade Pullover oder Anzug?
Palmer: Ich hab das Jackett ausgezogen. Es ist so heiß hier drinnen.
ZEITmagazin: Wissen Sie, welche Energieleistung Ihr Anzug voraussetzt?
Palmer: Bei meinem Anzug weiß ich es nicht.
ZEITmagazin: Wüssten Sie es bei Ihrem Cappuccino?
Palmer: Der Stromverbrauch für die Zubereitung lässt sich messen, aber wenn Sie fragen, wie viel Energie steckt im Kaffee selbst, wüsste ich es auch nicht.
- Datum 10.06.2009 - 10:02 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 10.06.2009 Nr. 25
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren