Kolumne Wörterbericht

Wessi und Ossi

Wahrscheinlich weiß nur noch eine Minderheit der deutschen Sprachgemeinschaft, dass die Rede von Wessis und Ossis keineswegs mit der Wende von 1989 in die Welt gekommen ist. Geborene Westberliner werden sich erinnern, dass sie schon in den siebziger Jahren die Westdeutschen, wie sie allgemein die Bundesbürger nannten, auch kurz als Wessis titulierten. »Da kommen dann die Wessis mit ihren Billig-Bräuten«, pflegte mein Zeitungsausträger zu sagen, wenn er an die feiertägliche Touristenflut dachte. In der Rede von den Wessis nahmen sich die Westberliner, die man heute mitdenkt, selbstverständlich aus; die Teilstadt pflegte, je länger sie existierte, ein Äquidistanzgefühl gegenüber beiden deutschen Staaten. Nach dem Muster Wessi wurde später das Wort Ossi gebildet, das aber erst mit der Maueröffnung weitere Verbreitung fand. Noch heute reden manche Westberliner über Ossis und Wessis, als ob sie selbst einer anderen Rasse angehörten.

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  • Quelle DIE ZEIT, 10.06.2009 Nr. 25
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